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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-04 · Heft 23 (4.6.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. WBNMWM 61. Jahrgang. Nr. 23. Berlin, t. Juni 1887. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements - Preis.-.. Durch Buchhandel, Postbder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Siedacteur: Gustav Karpeles. Begründet 'von $t(tiibiner Dr*€ndwlg,PHilippson-Konn Verlags-DrpeLitlon: LerliNi Äerusatemerstr. 48/49 Alle Zusendungen fllr Redaktion und Expedition sind an die Achesse : Verlag der »Ällgem. Zeitung deS JudenthumS', Berlin SW., Jerusalemer Etraß? 48/4S zu richten. Verlag von Rudolf Moste , Berlin. 3lll)rt!t. Leitartikel; Der Gott, der Wunder thut. — Die Woche. — Das Jubelfest der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums. — Zum 25jährigen Jubiläum der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthum--. Von Pros. Dr. H. Steinthal. - Militär-Seelsorge. Von Dr. Heinrich Lewh. — Neue Fragmente der jüdischen Familienpapiere von Wilhelm Herzberg.. Von Prof. Dr. David Kaufmann. — Feuilleton: Andere Zeiten. Erzählung .von- Gotthard Deutsch (Fortsetzung). —■ Litterarische Mittheilungen. — Sprechfaul. Der Gcmeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Thorn, Schrimm, Bromberg. Breslau, Hannover, Hamburg, Ruhrort a. Rh., Frankfurt a. M), München, Wien. — Bon Rah und Fern. — Miseellen. Der Gott, der Wunder thut. Zum Offenbarungofeste. ' - ' Berlin, 2. Jimi. wei Hausväter, von denen der eine vorsorglich auf die mannigfachsten Wechselfälle des Lebens bedacht ist und danach, seine Veranstaltungen trifft, der auch vom ordentlichen nicht überrascht wird, weil er auch auf das Außerordentliche gefaßt und eingerichtet ist, weil er mit voransschauender Weisheit sich gerüstet; hat für Ernst und Lust, für Schmerz und. Freude, für Krieg und Frieden, aber ein Anderer wiederilm ist nur auf das Nächste bedacht, jedoch in der Verlegenheit weiß sein erfinderischer Kopf eine Auskunft zu ersinnen, hat er einen genialen Einfall, um die dringende Noth abzmvehren; welcher dieser beiden Hausväter-'.ist'' "-inehr'- geeignet/"unser-Vertvallen zu gewinnen,- der regelrechte und geordnete Mann oder der geniale Schlaükopf, der zwar die Verlegenheit Nicht voraussieht, jedoch dann mit erstaunlicher Geschicklichkeit sich immer wieder aus der Schlinge zieht? Nun/ itttereffänter wird "uns der Tansendkünstler sein, von dem sich allerhand -seltsame uiibhierftüü'ubigc Geschichten erzählen lasten, aber nilgleich vertrauenswürdiger ist uns der ernste und charakterfeste Mann, der, weil er die klare Einsicht und das gerade Urtheil besitzt,- all der Finessen gar nicht bedarf, mit denen der Ändere brillirt. / ' Diese nüchterne Erwägung alltäglicher Lebenserscheinnngemerträgt eine Anwendung auf die höchsten Fragen der Religion. Die Frage ist: Thnt Gott Wunder, - d. h. durchbricht Gott plötzlich die Ord-' nungen der Natur, um ein Neues zu schaffen und dadurch einen bestimmten Zweck zu erreichen? Es ist zweifellos, Gott kann Wülldev thun, er kann die Regel und das Gesetz zerstören, - die er selbst geschaffen hat. Aber schon des Menschen Würde zeigt sich nicht darin, daß der Mensch alles thnt, was er kann, sondern' darin offenbart sich seine Würdet daß sein Wille sein Können einschränkt, daß er das unterläßt, was seine- Einsicht oder sein sittliches Bewußtsein ihm ver-- bietet-, daß - höhere seelische Mächte einen größeren Einfluß auf ihn haben- : als; die roheKraftund ein wüstes Begehren. Also daraus, daß Gott Wunder thün kann, folgt bei Weitem noch nicht) daßer- Wunder thut. Aber wird' in der heiligen Schrift, wird im d en Gebeten.nicht oft genug . Gott als . der Wunderthuende gepriesen? Entfernen »vir uns nicht von dem Boden unserer Religion, diesem festen 'Grunde/ der uns so lange getragen hat, wenn ' wir diesen (Lehrsatz mMsten? Unsere alten Meister haben sich von dieser Befürchtung nicht schrecken lassen, um über den Wunderglauben so frei zu denken und zu reden/ wie nur irgend ein moderner Forscher. Denn nicht alles, was für den Betrachtenden wunderbar ist, ist es darunr in Wirklichkeit. Viele Einrichtungen, die der Natnrwiffenschaft und 'der Kunstfertigkeit - unserer Zeit ihr Dasein verdanken und bei deren Entstehung esmit ganz natürlichen Dingen zngegangen ist, würde, eln ungebildeter Mensch als. einen geheimnißvollen, übernatürlichen Zauber ansehen; Wie Einer vor zweihundert Jahren einem Fernsprecher konstruirt und aufgestellt, oder thäte er es heute nnter wilden VölkeryMer-weW ober. - vor dem Schicksal bewahrt bliebe, auf den Scheiterhaufen geschleppt - zu werden. Etwas für ein Wunder halten, ist zuvörderst nichts-, weiter, als das Eingeständniß unseres Nichtwissens, wie es enIstandew.W H pnd in diesem Sinne wird Gott auch für den weisestem Menschen ' stets der Wunderthuende bleiben, weil der endliche Geist naturgemäß nicht das Unendliche umspannen kann, weil stets neue Räthseb uns entgegentreten, und hätten wir noch so viele gelöst und über- ^wGden. t Aber erhöht sich unsere Ehrfurcht vor Gott, wenn wirglauben, ^'er habe aus Liebe zu seinem Volke Israel oder zu frommen, ausgezeichneten Menschen die Gesetze umgestoßen und aufgehobendie >eri selbst der Natur auferlegt hat, imd Plötzlich der Sonne gebotennicht scheinen oper ihren Lauf zu hemckW und länger als sonst allst eine bestimmte Gegend herabznstrahlen? Denken wir doch nur' -Ä'.'das Gleichniß, -von dem wir allsgegangen. Ist uns der wohlvorbereitete Hausvater, der voraussorgt Und vorsorgt, lieber als der, , der leicht in Verlegenheit geräth Und sich geschickt aus ihr «ttet?-' Wosstk tms die Vorsehung, die des Wunders nicht bedarf um zu retteu- . ^lnd zu helfennicht höher stehen als ein Gottder die Ordnung dev Natur sooft um stürzt, däuiit seinen Frommen geholfen werde?' Mer -U/iwiffende wird den Tausendkünstler mehr .anstaünen als: -KenMann der Wissenschaftder ein Experiment zeigt und den ganzen . Verlauf desselben offenbart. Ein wenig gebildeter Geschmack wirdan D einer Sammlungvon Pikanten und witzigeil Einfällelp die zu-! sammenhanglos an eillander gereiht sind, mehr Gefallen finden als an einem systematischen Buche, das einen wichtigen Gegenständ klar und . Erschöpfend, behandelt So' brauchen Viele, die in ihrem Denkennicht über das Kindesalter'- hinauskömnien, den Gott'- dMWunder, von dem siemeinen, - er würde einmal, um ihre Launenzubefriedigen^ auch ihnen zu! Liebe' die Gesetze der Natur aiifdem'Köpf stellen;» -MvBesonnene, deffen Stolz es ist-,--.in seinem engen Kreise fürsorglich-zw

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