Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 -'- Den Angehörigen der Zöglinge und den Freunden der Schule sei das Gedeihen dieser wohlthätigen Stiftung, durch reichliche Zuwendung von Geschenken warm empfohlen. Hoffentlich entwickelt sich die altbewährte Schule auch in dem Neubau in gedeihlicher Weise. C Köln, 24. ‘ Mai. Der fünfte Jahresbericht - der Religio n s - schule, unserer Synagogen-Gemeinde, erstattet von dem scheidenden Direktor Rabbiner Dr. F. Lazarus, gewahrt einen erfreulichen Rückblick auf die sechs Jahre, während deren die Anstalt jetzt besteht. In mühevoller Arbeit hat der Leiter Anfangs allein, später unterstützt von der thatkräftigen Mitwirkung seines Lehrerkollegiums, und stets des teilnehmenden Wohlwollens der.Gemeindevertretung sicher, an der Hebung- und Förderung der Schule gearbeitet. Trotz der großen Schwierigkeiten ist aus der kleinen, 35 Schüler, und Schülerinnen zählenden Klasse eine große Schule mit 8 Klassen und 5 Lehrern geworden. Im verflossenen Jahre ist abermals eine neue Klasse eingerichtet worden, in welcher vorläufig Knaben und Mädchen kombinirt und vorerst nur zwei Stunden Unterricht ertheilt wird. Der Lehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule, Herr Sulman, wurde mit dem Unterricht in dieser Klasse, die den Namen „Vorbereitungsklaffe" erhalten hat, betraut. Die günstigen Folgen der Einrichtung äußern sich schon jetzt in der gesteigerten . Leistungsfähigkeit der bisher über Gebühr belasteten übrigen Klassen. Die Gesammtschülerzahl betrug im Wintersemester 193, und zwar 104 Knaben und 86 Mädchen. Das Lehrer-Kollegium besteht zur Zeit aus den Lehrern Goldschmidt, Gut, Sulman, der Lehrerin Fr l. Gordon und dem Direktor Dr. Lazarus. Die Jugendbibliothek wurde fleißig benutzt und der. Jugendgottesdienst, der allwöchentlich am Sabbath Nachmittag stattfindet, regelmäßig besucht. Eine öffentliche Prüfung hat mit Rücksicht auf den Mangel an geeigneten Räumlichkeiten nicht stattgefunden. , Bom badischen Oberlande, 16. Mai. Bon einem Herrn Jakob Kahn aus Sulzburg wurde dieses Frühjahr eine kleine Stiftung errichtet, die es verdient, in weiten Kreisen bekannt zu werden. Aus den Zinsen genannter Stiftung werden jedes Jahr anläßlich der Religionsschulprüfung an alle israelitischen Kinder, ob schulpflichtig oder nicht, Bretzeln ausgetheilt. Infolgedessen gestaltet , sich die Schulprüfung zu einem Feste für die Jugend. In Ansehung dessen, daß zu einer solchen Stiftung schon ein bescheidenes Kapital hinreicht und alljährlich so manches Kinderherz glücklich gemacht werden kann, wäre zu wünschen, daß diese Einrichtung auch anderwärts recht baldige und vielfache Nachahmung finden möge. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 24. Mai. Die diesjährige Generalversammlung des Mährisch-jüdischen Landesmassafonds, die von 47 Delegirten der mährischen Gemeinden besucht war, fand unter dem Vorsitze des Obmanns, Herrenhausmitgliedes Julius Ritter v. Gomperz, statt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Genossenschaftsbericht des Kuratoriums pro J896. Derselbe betont die immer größer werdende Schwierigkeit der fruchtbringenden Anlage des Fondsvermögens, wodurch - eine stetige Verringerung des Fondserträgnisses eintreten müsse, während : die Ansprüche der Gemeinden immer höher und dringlicher werden, was dem Kuratorium die Erfüllung seiner Aufgabe sehr erschwere. Der ge- 1 sarmnte Aufwand des vorigen Jahres von 47 088,52 fl. blieb hinter dem * des Jahres 1895 um 1638,51 fl. zurück. An 66 Schul-Subventionen I wurden verausgabt 13 860 fl., an 47 Gemeinde-Unterstützungen 12 750 fl. ’ an Personal-Unterstützungen 10 005 fl., für Bildungs- und Humanitäts- - Anstalten 4040 fl. Dem zu Ehren des Allerh. Regierungs-Jubiläums , zu gründenden Pensionsfonds für Kultus-Funktionäre wurden als erste Zu- - wendung die 3prozentigen Abzüge von den Subventionen der Gemeinden r von 801,90 fl. zugeführt. Nachdem mehrere Delegirte ihre Wünsche und e Anregungen bezüglich der Verwaltung vorgebracht, wird der Bericht t einstimmig genehmigt und beschlossen, den Schluß-Saldo von 3950,60 fl. - auf das Jahr 1897 vorzutragen. Der Revisionsbericht wird gleichfalls 3 einhellig zur Kenntniß genommen und dem Kuratorium die Entlastung - ertheilt. Der Voranschlag für das Jahr 1897 beziffert die Ein- - nahmen mit 49 644 fl.', die Ausgaben mit 49 091,20 fl. Derselbe wird in e den einzelnen Posten wie in den Gesammtsummen einstimmig genehmigt. II Unter der Post : „Bildungs- und Humanitäts-Anstalten" wird über - Ansuchen der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien beschlossen. die im vorigen Jahre auf. 500 fl. herabgesetzte jährliche Subvention dieser Anstalt wieder auf 1000 fl. zu erhöhen, ebenso die des israelitischen Blinden-Jnstituts in Wien von 100 fl. auf 200 fl. — Aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers in Preßbprg gelegentlich der feierlichen Enthüllung des Maria Theresien-Denkmals am Krönungshügel erschien unter den anderen Deputationen am 16. d. M. auch eine gemeinsame Deputation der Heiden jüdischen Gemeinden Preßburgs, deren Führer Rabbiner Dr. David an Se. Majestät eine Ansprache richtete. Hierauf sprach Oberrabbiner Schreiber den rituellen Segen. Der Kaiser exwiederte: „Mit Dank nehme Ich Ihren huldigenden Gruß und rituellen Segen Ihrer Religion an. Ich zweifle nicht, daß Sie in Erfüllung Ihrer patriotischen Pflichten mit den übrigen Staatsbürgern wetteisern werden, und in dieser Hoffnung versichere Ich Sie gern meiner ferneren Gnade." — Vor dem Welser Kreisgerichte hatte sich der Schuster Josef Trawöger wegen Betruges zu verantworten, den er durch Ratenlose verübte. Der „Vertrauensmann der Katholischen Volkspartei", als welcher er sich den Bauern vorführte, wurde zu drei Monaten verschärften Kerkers verurtheilt. — In Pest wurde vor dem Strafgerichte die Verhandlung gegen die Buda - Görser Einwohner, welche angeklagt waren, den Haustrer Gotlieb in unmenschlicher Weise erschlagen z'ü haben, zu Ende geführt. Der arme Hausirer Gotlieb, Vater von zwei unmündigen Kindern, kam in seinem Mißgeschick in die Ortschaft Buda-Eörs, und da er sich dort verspätet hatte und den ' Weg zu dem eine halbe Stunde weit entfernten Bahnhof nicht kannte, nahm er die Hilfe der Burschen, die ihn zum Lahnhof geleiten wollten, gern in Anspruch. Auf dem Wege wurde er von den Burschen miß- . handelt und, nachdem er in mehreren Orten Schutz gesucht hatte, durch Axthiebeund auf andere Weise niedergeschlagen. Die Missethäter hatten für sich die Entschuldigung, daß der Gemeinderichter jener Ortschaften vor Kurzem hatte austrommeln lassen, falls ein Pferdedieb im Orte auf frischer That ertappt würde, könne ihn Jeder Niederschlagen. Auf diese behördliche Verfügung beriefen sich die Angeklagten. Der Hauptschuldige wurde zu acht Jahren, zwei Angeklagte zu drei Jahren und drei zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die Berurtheilten wurden außerdem verhalten, der Wittwe des Getödteten 6000 Gulden als Entschädigung zu zahlen. Gegen den Ortsrichter wurde die Disziplinaruntersuchung eingeleitet. ' 61. Budapest, 21. Mai. Seit dem Jnslebentreten der kirchen- W politischen Reformgesetze ereignete es sich vergangene Woche zum ersten K Male, daß eine Mischehe zwischen einem Mohamedaner und gl einer Jüdin vor dem Standesbeamten geschlossen wurde. Der nach W Serajevo zuständige Mehemed Jesundies führte in Karanes eine Jüdin, I Namens Helene Kohn, heim. Die Ehe wurde natürlich nur vor dem | Standesbeamten geschlossen. — Das unter der Verwaltung der Pefier israelitischen Religionsgemeinde stehende Adöle Brüdy-Kinderspital wurde der Bestimmung übergeben. Die Einweihung und Schlußsteinlegung fand Sonntag unter großen Feierlichkeiten statt. — Der Kultus- und Unterrichtsminister Dr. Julius Wlassies bewilligte aus dem jüdischen Landesfonds der Klausenburger Kultusgemeinde ein zinsenfreies Darlehen von 120 000 Kronen für den Bau einer jüdischen Volksschule. Die Mitglieder der Gemeinde übernahmen summarisch die Gutstehung betreffs der Rückzahlung des Darlehens. — Der israelitische Landes-Lehrerverein veröffentlicht einen Bericht über seine Thätigkeit des vorigen Kalenderjahres. Das Gesammtvermögen beträgt 123 392 Kronen, wovon 4000 Kronen für die Monographie der jüdischen Volksschulen in Ungarn verwendet wurden. Die statutenmäßige Unterstützung der Wittwen und Waisen der Vereinsmitglieder erfolgte in recht ausgiebiger Weise. — In Gyöngyös wurde der Rabbinatskandidat L. H. Feigel zum Rabbiner gewählt. Amerika. 6. 8. New-Aork, im Mai. Dr. E. G. H irsch bestreitet im „Reform- Advocate"die Aeußerung gethan zu haben, daß die Juden Weihnachten feiern sollten. Die Nachricht, wie ich sie ursprünglich meldete, war seinerzeit in vielen Organen der politischen Tages- und der jüdischen Presse enthalten und besprochen, ohne daß sie eine Berichtigung erfahren hätte. — Die Gemeinden Mischkan Israel in New Haven, Connecticut, weihte ihren neuen Tempel ein. Dr. Emil Hirsch aus Chicago war der Festredner. Die Geistlichen der verschiedensten christlichen Denominationen betheiligten