Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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_ dieser Summe alljährlich amTodestage seiner vor zwei Jahren verstorbenen . Gattin an Arme, vertheilt iverden sollen. — Nach 37 jähriger Amtsthätigkeit ist der Lehrer Simon Caspari in Samter am I. Mar er. in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlasse widmete ihm die dortige Gemeinde einen werthvollen Silberpokal, der ihm bei einer am Pen- . t sionirungstage veranstalteten Feier überreicht wurde. Herr Caspari ist ein Schüler des Zunz'schen Seminars, war erst drei Jahre hindurch an der israelitischen Schule zu Tirschtiegel und darauf ununterbrochen 37 Jahre..- als erster Lehrer an der zweiklasstgen Schule thätig. Letztere soll jetzt in eine einklassige umgervandelt werden. — Bei einer kürzlich erfolgten Neu-. wähl eines Vorstandes für den israelitischen Frauenverein in Ostrowo wurden gewählt: Frau Milia Weiß als Vorsitzende, Frau Rechtsanwalt Voß als deren Vertreterin, Frau S. Sußmann als erste und Frau Bertha Callomon als zweite Krankenvorsteherin, Frau Amalie Goldstein und Helene Callomon als Beisitzerinnen. Als männlicher Beistand wurden die Herren königl. Oekonomie - Kommissionsrath Goldstein und Kaufmann Daniel Hartmann, Letzterer als Vereinsrendant, wiedergewählt. Der Verein besteht bereits über 30 Jahre und zählt jetzt 105 Mitglieder. Der Verein besitzt ein Vermögen von ca. 1200 M., das verzinslich angelegt ist. L. 8. Breslau, 21. Mai. Am 14, d. Mts. schied in Berlin ein - Mann aus dem Leben, der zwar seit dem 1. April d. I. nicht mehr unserer Stadt angehörte, dessen ganze segensvolle Wirksamkeit aber? unserer Gemeinde zum dauernden Nutzen geworden ist. Darum geziemt es uns, ein Wort des herzlichen Gedenkens auf seine frische Gruft zu ... legen. Herr Nathan Cohn war 36 Jahre lang der Rendant unserer •, Gemeinde. Mit unermüdlichem Eifer, mit nie wankender Pflichttreue und Opferwilligkeit widmete ^er sich seinem Berufe.. Nach tüchtigen , juridischen Studien und praktischer Ausbildung am Berliner Gericht wurde er im Jahre 1856 zum Rendanten der hiesigen Gemeinde ge- : wählt und schuf als solcher mit großem organisatorischen Geschick und Feuereifer in allen Branchen des Gemeindelebens neue praktische Ein- >; richtungen. Er ordnete das Finanzwesen, das Rechnungswesen,-die-. Verhältnisse der Lehrer und Rabbiner und regelte besonders die; Stipendien. Durch seinen stets warmen Eifer wurden vielen - Studierenden die Mittel zur Existenz und zum Examen verschafft, und dankbar gedenken sie, jetzt in erfreulichen Stellungen, des treuen. Mannes, der so uneigennützig für sie gewirkt hat in der entscheidenden .; Stunde ihres Lebens.- Oft setzte er sich mit den Organen der Berliner Gemeinde in Verbindung, um allen Verbesserungen daselbst zu folgen und sie für Breslau mit stets gleicher Energie zu verwerthen. Seine? liebenswürdige Art, seine geistige Bildung erwarb ihm allenthalben , Freunde nicht nur im Kreise seiner Glaubensgenossen, sondern in der ganzen Stadt. Im Jahre 1893 zwang ihn zunehmende Kränklichkeit. sein Amt niederzulegen, aber nur zögernd entschloß sich der eifrige,^ geistig rege Mann zu gezwungener Unthätigkeit. Ungern sahen wir ihn zu Ostern d. I. von uns scheiden, begleitet von Segenswünschen für... lange Jahre der Muße im Kreise seiner hochangesehenen zahlreichen . Familie. Die Vorsehung hat ihm ein schnelles Ziel gesetzt, aber die " großartige Trauerversammlung, der Viele sich angeschlossen hatten, auf deren Lebensgang er segensreich fördernd eingewirkt hatte, bekundet das. hohe Maß der Liebe und Verehrung, die er besessen. An seiner Bahre sprach sein älterer Bruder, der emer. Rabbiner Dr. Tobias Cohn aus.;. Potsdam. Das Andenken des Redlichen sei gesegnet! F. Breslau, 23. Mai. Ein schönes Werk edler Menschenliebe ist - seiner Bestimmung übergeben worden: Am 25. v. Mts. fand in feierlicher Weise die Einweihung der „Israelitischen Altersversorgungs-Anstalt, Julius und Anna Schottländersche. Stiftung" in Gegenwart eines zahlreichen geladenen Publikums in der Anstaltssynagoge statt. So ist die Breslauer Gemeinde durch die Munifieenz eines ihrer Mitglieder um ein gemeinnütziges, segenverheißendes Institut reicher, auf das sie stolz sein kann. Mit einem Kostenaufwands von */4 Million in schönster und gesündester Gegend, in der Villenkolonie Kleinburg, unweit des gleichfalls von Herrn.: Schottländer der Stadt geschenkten Südpartts erbaut, bietet die kom-; fortabel eingerichtete, mit allem Erforderlichen reichlich ausgestattete - humanitäre Anstalt den Insassen alle nur denkbaren Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten: Eine schöne Synagoge, Bibliothek, Lesezimmer,^ Badezimmer rc. befinden sich im Hause, ein geräumiger Garten daneben. Zurr Zeit zählt , die Anstalt 36 Insassen, welche aus dem bisherigen Siechen-.- hause übergesiedelt sind, während im Ganzen für etwa 80 Personen Raum vorhanden ist. Zum Inspektor der Altersversorgungsanstalt ist Herr I. G raf^ bisher Lehrer in Glogau, gewählt worden. In Anerkennung der durch die hochherzige Stiftung erworbenen Verdienste hat die „Israelitische Kranken-Verpflegungs-Anstalt" Herrn Julius Schott, länder zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt. Auch sonst hat die Israelitische Kranken-Berpflegungs-Anstält und Beerdigungs-Gesellschaft ebenso wie die mit ihr verbundenen Zweiganstalten in den letzten Jahren, wie der Rechenschaftsbericht für die Jahre 1894, 95, 96 d arthul, erfreuliche Resultate auszuweisen. Reiche Geschenke flössen außer den regelmäßigen Mitgliederbeiträgen der Gesellschaft zu, u. a. 1/4 Million Mark von dem kürzlich verstorbenen Kaufmann Herrn Markus Fuchs, von Herrn L. W. Egers 30 000 Mark u. s/w., so daß der Kassenabschluß an Einnahmen pro 1896 126 292,44 Mark ergab, denen 117 776,94 Mark an Ausgaben gegenüberstehen. Der Vermögensbestand beläuft sich zur Zeit auf 723 720,58 Mark. In dem der Gesellschaft unterstehenden israelitischen Hospital wurden ausgenommen im Jahre 1894: 303, 1895: 354, 1896: 365 Kranke; in der Poliklinik wurden ohne.Unterschied der Konfession 1894: 1486, 1895: 1662, 1896: 1802 Personen behandelt. Die Zahl der unbemittelten Stadtkranken, denen freie ärztliche Behandlung, Arzeneien rc. gewährt wurden, betrug 1894: 622, 1895: 635, 1896: 684 Personen. Ein langgehegter Plan betreffs Erweiterung resp. Neugestaltung des Hospitals sieht seiner Verwirklichung entgegen. — Herr Simon Gradenwitz, seit fast 30 Jahren Lehrer an der hiesigen Gemeindesynagoge und an der Industrieschule für israelitische Mädchen, ist mit Beginn des neuen Schuljahres in den Ruhestand getreten. gt. Aus Thüringen, im Mai. Seit Jahresfrist hat sich in Jen a eine israelitische Religionsgesellschaft gebildet. Den Religionsunterricht daselbst ertheilt Herr Lehrer Heß in Weißenfels. — Die diesjährige Konferenz des Bereins „Israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" wird am 26. und 27. Mai in Gotha im Gasthof „zum Schützen" stattfinden. Anmeldungen wolle man an Herrn Lehrer Röthler in Gotha richten. — Der „Verein wissenschaftlicher Pädagogik" hat in seiner jüngsten Sitzung zu Erfurt ausdrücklich betont, daß im Geschichtsunterricht das religiöse Moment nicht in den Vordergrund zu treten habe. Dessenungeachtet wurde ein israelitischer Lehrer an einer Weimarischen Simultanschule veranlaßt, wegen kirchlicher Bedenken, die allerdings sein Vorgesetzter, der großherzogliche Bezirksschulinspektor, nicht theilte, den Geschichtsunterricht in einer höheren Klasse der Bürgerschule aufzugeben. — Im Herzogthum S.-Meiningen sollen die beiden Religionslehrerstellen zu Hildburghausen und Themar staatlicherseits nicht wieder besetzt werden. % Wolfenbüttel, 24. Mai. Die hiesige Samsonschule veröffentlicht ihren Bericht über das Schuljahr 1896/97 durch ihren Direktor Dr. Ludwig Tachau. Beigegeben sind eine Illustration und ein Plan des Neubaues der Anstatt und eine ausführliche, interessante Schilderung desselben. Die Lage des Neubaues, den die Samsonschule im Spätsommer 1896 bezogen, ist in gesundheitlicher wie in erziehlicher Hinsicht eine außerordentlich günstige. Fern vom Getriebe der Stadt erhebt er sich in freier, gesunder Lage, von Wald und Gärten umgeben, ganz nahe am Lechlumer Holz, am Ende des Neuen Weges. Das Grundstück hat eine Größe von 92 Ar 77 Quadratmeter. Die Kosten betrugen einschließlich der Erwerbung des Grundstücks, Anlage der Gas- und Wasserleitung, Kanalisirung und des gesammten neubeschafften Inventars rund 380 000 Mark. Am 3. September konnte die feierliche Einweihung des Hauses stattfinden. An der Anstalt unterrichten gegenwärtig die Herren: Dr. Tachau, Direktor; Dr. Weber, Oberlehrer; Grätz, Oberlehrer; Blume, Dr. Goldschmidt, Dr. Spichardt, Speyer, Eichengrün, Grünberg, Dr. Breymann, Voges. Zu Ostern trat in das Lehrer- Kollegium ein der Elementarlehrer Bernhard Grünberg, früher in Petershagen bei Minden in Westfalen. Herrn Grätz wurde der Titel „Oberlehrer" verliehen. Die' Schule wurde von 125 Schülern in diesem Jahre besucht, davon 120 Juden, 5 Christen, 109 Hausschülern, 16 Stadtschülern. Unter den 109 Hausschülern waren 23 Freizöglinge, 1 von der Zahlung der Pension befreit und 14 zu ermäßigter Pension. Die im September 1892 begründete „Wittwen- und Waisenkasse" der Samsonschule, die den Zweck hat, für die Hinterbliebenen der an der Anstalt thätigen Lehrer zu sorgen, hat im laufenden Schuljahr Geschenke im Betrage von 350 Mark erhalten.