Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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sich an der Feier mit den bei solchen Gelegenheiten üblichen Ko'inpM menten für die Inden. — Rabbiner' Dr. Gottheil von New-IoM hielt einen Mitgroßem Beifall aüfgdnommenen Bortvag vor den Stuj betitelt ' be§ - College of the City of New York, —- Der ' „Rabbiner"' M oses Weih sler,welcheran' derSpitze einer 2000 Köpfe zählenden'' Versammlung auf dem Tompkins' Square in New-Iork am' Morgen des 7. April die Sonne in der Konstellation begrüßen wollte, in welcher sie vor 5657 Jahren zum ersten Mal erschienen war, wurde wegenöffentlicher Ruhestörung verhaftet, aber bald wieder freigelaffen. ' Dr. Lyman Abbot, der Nachfolger des berühmten Henry Ward'Becher in der Plymouth-Kirche-zu Brooklyn, hielt vor der Jewish Alliance in New-Iork einen Vortrag, in welchem er ausführte^ daß es außer Shakespeare nur noch ein Büch gebe, welches eine wäh reJnterpretation des Lebens enthalte, das sei die Bibel. — Die New-Iorker Staatsztg. vom -10. März sagt'in einer Besprechung der Wiener Wahlen Folgendes: „Der Antisemitismus ist die organistrte Rohheit, welche zu aller ernsten'politischen und wirthschaftlichen Arbeit unfähig ist, weil ihre einzige Existenzberechtigung und Bethätigung eben die — Roheit ist. — Am 5. April 3. Nissan) feierte Dr. Jsaae M. Wise , Präsident des Hebrew Union College in Cincinnati, in voller geistiger Frische seinen 78. Geburtstag: Der Jubilar war Gegenständ zahlreicher Ovationen. (Nachträglich noch die herzlichsten Glückwünsche der Redaktion der A. Z. d. I.) — Die amerikanischeRabbinerkonferenz hat ihren Jahresbericht für 1896, eine elegant äuskestattete Broschüre von 177 Seiten, veröffentlich^ Dieselbe enthält außer den Protokollen der im Juli v. I. zu Milwaukee abgehältenen Generalversammlung die dort gehaltenen Vorträge von Rabbiner Aron aus Buffalo: Unsere schwankende Stellung, von Rabbiner. Rosenau aus Baltimore: Semitische Studien in amerikanischen Colleges, von Rabbiner Dr. Großmann aus Detroit: Kanzel-Methoden, von Professor Deutsch aus Cincinnati: Die Theorie der Tradition. Die Konferenz zählt 133 Mitglieder und besteht seit 1889. Ihre nächste Versammlung wird am 6. Juli d.'J. in Montreal, Kanada, abgehalten werden. — Die ,jüdischen Gasettrn", ein Jargon-Blatt," hat' zü Pessach eine Festausgabe von 48 Seiten gedruckt, worunter auch Beiträge in englischer Sprache von führenden Persönlichkeiten im amerikanischen Judenthum. — Am 16. April verstarb" hier Eduard Werth ei wer im 60. Lebensjahre. Er war in Böhmen geboren und kam 1861 nach Amerika, wo er in die Bundesarmee eintrat und Wahrend des ganzen Bürgerkrieges mit Auszeichnung diente. - Der offizielle Bericht meldet ihn zweimal als Helden. "In der Schlacht bei Chäncellorsville, 4. Mai 1862, zeichnete er sich dadurch aus, daß er die Fahne, obwohl schwer verwundet, so lange hielt, bis er'sie einem Sergeanten übergeben konnte. Er hatte den Rang eines Kapitäns erhalten und wurde nach Beendigung des Krieges zum Zollbeamten ernannt: Seit 1895 war er Großsekretär des Ordens Söhne Abrahams. Von Nah und Fern. :==: Der Astronom: Dr. Ad ö!f Mar eüs e, ein langjähriger arbeiter an der von Geh. Rath W. Förster geleiteten Berliner Sternwarte, wird sich in dieser Woche, am 26. d. M., als Privatdoeeüt-cyi der philosophischen Fakultät der Berliner Universität einführen. Die Bisirüng der Pässe der jüdischen Mitglieder des Geologen-Kongresses in Riga findetlaut Anordnung der kompetenten Behörde seitens dH russischen Konsuln in Deutschland ohne Weiteres statt, falls das betreffende nach ~ Rußland reisende Kongreßmitglied sich durch seine - Mit-' gliedskarte legitimirt. Dem Ministerium des Innern ist aber in jeden) einzelnen Fall Bericht zu erstatten. — In All enstein hat der allgemein geachtete Kantor-und Lehrer Wolff Karo mit seiner Gattin das Fest den. silbernen Hochzeit unter warmer Theilochme der - ganzen Gemeinde, die sich in Geschenken, Depeschen, Ansprachen von Vereinen, Schulen und Privaten manifestirte, erhebend gefeiert.. Möge dem trefflichen Paare ein. länger und heiterer Lebensabend beschieden sein! — Auch die schwäbische Reformpartei hat nun im württembergischen Landtag' beir ße& rühmten Wander-Antrag auf Uebersetzung des Schulchan Äruch' fH Staatskosten eingebracht. In ' der äd hoc eingesetzten Kommissioy wurde bereits nach einer Rede des Centrumsabgeordueten Eeärd dÄ Uebergang zur Tagesordnung „'beschlossen. — In O sterode u Ostpü , ist einem der angesehrpfien' jüdische«. Käusteüte' bei' der kürzlich erfolgten Entlassung in die 'LattdMHÜ 2.^ Aufgebots ' als ^Vizefeldwebel "bei.^chtzx/. 72. Jnfanteriebrigade vor versammeltem Heer die Land w eh r - D i e n st - ' äuszeichnung 2. Klasse verliehen worden. Diese an jüdische Soldaten ^nur äußerst selten zur Bertheilung kommende Auszeichnung darf als'erfreulicher Beweis dafür angesehen werden,- daß militärische Tüchtigkeit, ' die Mt bescheidenem MeMgepaart ist, immer die verdWe Anerkerlnüng findet. — Kantov E. GroMann in Görlitz, früher in Schweidnitz, . langjähriger Mitarbeiter des „Hamagid" feiert am ersten Tag Schwuos das Fest, seiner Silberhochzeit. —In Gl eiwitz hat Kantor Bachra ch in dem kürzlich begründeten Musikverein als Baritonsolist großen Erfolg errungen. — Der isr. Wänderunterstützungsverein Fürth macht bekannt: Jakob Kalesky aus Posen, circa 60 Jahre alt, Metzger, kleiner Statur, mit grauen Kopfhaaren und-grauem Schnurrbart, beschwindelt seit ' Jahren alle jüdischen Unterstützungskasfen. Hier wurde er als Betrüger entdeckt, verhaftet und bei der Verhandlung am Amtsgerichte war er geständig, daß er Katholik sei. Er erhielt drei Wochen Gefängniß. — Eine jüdische Dame in Paris, welche ungenannt'bleiben will, hat 2ya Millionen Francs geschenkt zu einer Stiftung, welche jährliche Renten ä 3000 Francs an Frauen oder Mädchen aüszahlen soll o hne Unterschied des Glaubens, die unverschuldet aus. Reichthum in Armuth gerathen sind. — Der Redakteur des in Bologna erscheinenden antisemitischen Blättchens „II Pubblico", Belleti, .würde wegen Verleumdung und Beschimpfung des israelitischen Advokaten Dr. Eugeniö Jaechia zu zwei Jahren Kerkers und 2000 Lire Geldstrafe, der verantwortliche Redakteur zu zwölftägigem Kerker und der Buchdrucker zu 500 Lire Geldstrafe .verurtheilt. — Ein Zionisten - Meeting in der Synagoge von Sofia ließen das Synagogül-Komitee und der Chacham Baschi durch 70'Gendarmen auseinandertreiben. .Allerdings ein sehr gewaltsames Mittel! Es hat aber dann unter freiem Himmel doch stattgefunden. —In Ru mänien agitirt man jetzt gegen das Schächten. Der Kreisthierarzt von Jassy hat das Verbot beantragt. In seinem Berichte erwähnte er, daß in Sachsen und der Schweiz das Schächten bereits verholen sei... Da der Bürgermeister der Stadt der Ansicht des Thierarztes zuneigt, dürfte das Schächtverbot in Jassy eingeführt werden. — Der Sultan Abdul Hamid hat trotz aller Kriegssorgen doch nicht vergessen, zwei Tage vor dem Pessachfeste dem Chacham Baschi Moses 1 Levy in Konstant in opel 30 000 Piaster zu übersenden, - damit man dafür für die Armen Mazzot, Fleisch, und Wein kaufe. — In Kapstadt ist am 12. v. M. die jüdische Volksschule in Gegenwart des Generalsuperintendenten des Erziehungswesens Dr. Muir eingeweiht worden. Reo. Joel Rabbinowitsch hielt eine Rede, in der er erzählte, daß vor 55 Jahren die Fahne des Judenthums zum ersten Male in -Südafrika entrollt wurde. Als die ersten Pioniere die Väter der Stadt um ein Stück Land zü einer Begräbnißstätte baten, wurde es. ihnen bei dem Malayifchen Kirchhofe angewiesen. Damals waren erst die Malayen aus der Sklaverei'erlöst worden, so daß man damals also auf die Juden gleichfalls als eben emanzipirte Sklaven blickte und sie so behandelte. Diese' wiesen dieses Anerbieten zurück und kauften ein Stück .: Land'..MHapefitzyvfM'Hrer' Begräbnißstätte... Seither hat sich die Gemeinde änsehnlich entwickelt. Noch interessanter 'war die:Rede des Dr. Mun^ der die Verdienste des Rev. Rabbinowitsch in begeisterten Worten feierMundaufdie Bedeutung dieser Schule in einem Lände hinwies, welches in weiten Strecken der Kultur erst gewonnen werden muß und wo ein jeder gebildete und strebsame Pionier ein Gewinn sei. — In New- Iork ist.Jouis Schnabel im 66. Lebensjahre gestorben. Er gab früher eine Jügendschrift „Ioung Israel" heraus, und deutsche, englische, französische und hebräische Zeitschriften brachten seine Artikel unter dem Namen Mi Jodea. Er lebte die letzten 33 Jahre in New-Iork Und vorher in Paris.' Er war in der ersten Zeit, durch mehr als . 12 Jahre Direktor des jüdischen Wäisenhauses, später der Leiter der Industrie« schule, derselben, aus welcher „Jewish polytecnical Institute"' .hervorgegangen, das in den letzten Jahren wär er leitender Direktor der Hirschschen Erziehungsanstalten. — In Kingston ist am 18. v. M, S. da Silva Lindo im 72. Lebensjahre gestorben'. Derselbe bekleidete ffeit 1872 den hohen Posten eines Assistent Attorney-General, also des stellvertretenden Kron-Anwalts für Jamaika. Das Begräbniß fand auf dem isr. Friedhof von Kingston unter allgemeiner Theilnahme statt. Mev. S. Jacobs hielt eine ergreifende Gedächtnißredet . . Druck und Verlag-yon Rudolf Drosse'in Perlin.. : -; > . 'Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauch wich in Berlin. > -