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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-28 · Heft 22 (28.5.1897) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 22 (28.5.1897)
Date
1897-05-28
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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26 r als diesen „Zwischenakt", Diesem Exzeß des Naturalismus gegenüber j müssen wir doch ausrufen: „Ru towu oholecho Jaacob“, „wie schön sind die' Zelte Jakobs!" Warum findet sich kein Künstler heute, der, wie einst Moritz Oppenheim, feine durchgeistigte Genrebilder aus dem jüdischen Leben auf die Leinwand bringt? Es ist charakteristisch, daß Lesser Ury, der jüngst mit einem solchen Bilde einen vollen Erfolg auch vor der großen Öffentlichkeit errungen, in diesem Salon ganz fehlt, während I. A. de Jonge mit einem „Judenmädchen" (eigene Worte des Katalogs) in Gussowscher Manier paradirt. Doch hierüber demnächst Näheres. II-1|- ■ -H-IImiimiii MMtLMI SB MYMMMWMMwitMMMaMlMMWMMMMMMöWMWMMMjM RR 1 $ 1 FEUILLETON 1 1 11 imtmniiMii. iilT -1 i—i l-=--1 I-1 ilMWImuizZS 1-» Meder Glück risch Stern. Novelle von O. Bach. III. em einen Sonntag waren viele gefolgt. Dr. Klein war ein gern gesehener Gast in dem kleinen, anspruchslosen Heim der Damen Milde. Sie waren ihm in der That gewandte Helferinnen bei der langweiligen Arbeit des Korrekturlesens geworden, und während er ihr Wissen dadurch bereicherte, besonders Sophie zeigte sich als eine höchst gelehrige Schülerin, lernte auch er von ihnen vieles, was ihm bisher ganz fremd geblieben war. „Willst Du wissen, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an." Dieses wahre unb schöne Wort Goethes empfand er nach. Der Mangel au gesellschaftlicher Bildung, eine Folge seiner einstigen Verhältniffe, trat bald nicht mehr in die Erscheinung; seine Manieren verfeinerten sich, und wenn er auch noch durchaus nicht in seinem Aeußeren einem Dandy glich, so legte er doch schon nach wenigen Monaten etwas größeres Gewicht auf seine äußere Erscheinung, ohne daß er sich dieser Thatsache recht bewußt wurde, und er verstieß nicht mehr gegen die Gesetze einer gewissen Etikette, welche Frauen der guten Gesellschaft auch ihren intimsten männlichen Bekannten gegenüber aufrecht zu erhalten wissen. Daß die Metamorphose, welche allmälig mit ihm vorging, eine äußerst günstige war, bemerkte Frau Milde; sie sprach es aber nicht aus, da es ihr eine Beruhigung war, daß Sophie in dem Doktor absolut nichts weiter sehen wollte und sah, als einen guten, sehr gelehrten Menschen, der über seinen Studien aber die allernothwendigsten Lebensbedingungen vergaß und daher der praktischer denkenden und handelnden Freundinnen bedurfte, damit er nicht plötzlich gar zu grausam daran erinnert wurde, daß man, so lange man auf der Erde lebt, nicht nur in höheren Regionen schweben darf. Das Mädchen freute sich des anregenden Umganges; er sprach mit Sophie und deren Mutter über Dinge, die bisher ihrem geistigen Horizont fern gelegen, jetzt aber dem Gesichtskreise näher gerückt wurden, und ihrem scharfen, sezirenden Verstände neue Nahrung gaben. Sie disputirte gern und lebhaft mit Klein, — o, sie zankte sich sogar oft mit ihm, wenn er seine Anschauungen über Dies und Jenes so lebhaft vertheidigte, daß er grob wurde, — die Versöhnung fand immer gleich nach einem solchen kleinen Scharmützel statt, aber bisher dachte sie nicht an ihn, wenn er nicht bei ihnen war; ihre Phantasie beschäftigte sich noch nicht mit ihm, und die kleine Schwärmerei ihrer Mutter für den Doktor, aus der Iran Milde kein Geheimniß machte, rief oft ein Lächeln auf ihre Lippen. Sie kannte darin ihre Mutter. Das Leben hatte mehr Reiz für die gütige Frau, sobald sich ihre Gedanken auf eine bestimmte Person, für die sie ein wenig sorgen und schaffen konnte, konzentrirten, und da Dr. Klein die freundliche Theilnahme der älteren Dame, wie Sophie gerechterweise anerkannte, voll und ganz verdiente, so gönnte sie der Mama den harmlosen Sport, der ja auch ihr so lieb geworden war. „Klein war da," erzählte ihr die Mutter häufig, wenn sie Abends todtmüde nach Hause kam. Er hatte dann nur ganz flüchtig guten Tag geboten, dieses oder jenes Buch für Sophie oder deren Mutter mitgebracht; sie hatten sich eben Beide daran gewöhnt, an seinem Leben und Streben Theil zu nehmen. Endlich war das große Werk fertig gedruckt. Mit stolz aufleuchtenden Augen überreichte er den beiden Damen ein hübsch eingebundenes Exemplar davon, in dem eine Widmung an sie stand;« in freudiger Erregung sagte er: „Jetzt ist bereits mein Werk in den Händen der größten Gelehrten unserer Zeit. Es wird von'den Bestell gelesen werden, man wird es loben und tadeln über den . Verfasser den Stab brechen, oder ihm die Anerkennung spenden, die er glaubt damit verdient zu haben. Können Sie sich denken, Fräulein Sophie, wie mir dabei zu Muthe ist?" fragte er plötzlich, als er die dunklen Augen des jungen Mädchens mit einem seltsamen Blick auf sich ruhen fühlte. " - „Warum nicht?" entgegnete sie hastiger, als es sonst in ihrer Art lag. „Meiner Mutter würde es wahrscheinlich ähnlich zu Sinne sein, wenn sie mich hinaus in die Welt schicken müßte, ein Produkt ihrer Erziehung; nach ihrer Meinung allsgerüstet mit allen nur möglichen guten Eigenschaften und Fähigkeiten, dennoch aber möglicherweise nicht dazu geeignet, Furore zu machen, denn die Väter und Mütter betrachten ihre Kinder mit gailz anderen Augen als die gleichgiltige, schlimmer als das, als die kalt und streng urtheilende, oft parteiische Menge. Sie sehen in dem ersten Werke das Kind ihres Geistes. Sie haben ihm Lebell, Ihre Seele eingehaucht; es ist ein Theil Ihres Jchs, das Sie in die Welt schicken, und ich kann es, obgleich ich weder Mutter in des Wortes echter Bedeutung bin, noch schöpferische geistige Kraft besitze, voll unb ganz begreifen, mit welcher Spannung Sie dem Erfolge entgegensehen. Hängt doch davon Ihre ganze Existeilz ab, Ihre Zukunft, Ihr künftiges Werdell und Sein." „O, noch mehr," stieß er erregt hervor. „Von dem Erfolge dieser Arbeit hängt ilicht nur mein materielles Wohlbefinden, wie Sie ganz richtig bemerkten, meine gailze Existenz ab, — sondern ich hoffe damit ein Ziel zu erreichen, das ich mir in der schwersten Stmlde meines Lebens gesteckt habe. Sie wißen wenig von meiner Vergangenheit. Jnteressirt es Sie, etwas mehr davon zu erfahren?" „Darall zweifeln Sie hoffentlich nicht, lieber Doktor," lies; Frau Milde ihre Stimme aus dem an das Wohnzilnmer stoßendeil kleinen Zimmer vernehmen, in dem sie, zur Feier des großen Tages, eine kleine Maitraukbowle braute. „Neugierde gehört nicht zll unserell Untugenden, das haben wir Ihnen bewiesen, daß uns aber Ihre Geschichte lebhaft interessirt, bedarf wohl ilicht erst der Versicherung. Sophie, bitte, stelle die Gläser und unser eillfaches Abendbrod, Lucullus hätte sich dafür bedankt, bei uns zu Abend zu essen, auf den Tisch. Für etwas Trinkbares habe ich, Ihnen zu Ehren, gesorgt. Wir stoßeil dann auf den zukünftigen Herrn Professor all."

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