Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228225--53730-3267670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
259 259 - - „Hat das Individuum späterhin einen zweiten, nicht kirchlichen Namen geführt, so konnte selbiger nur sein: 1. Des ursprünglichen Nanienß Abkürzung oder Uebertragung, z. B. Diefätto (Asael), Leser (Elieser), Muel (Samuel),. Schaja (Jesaja), -Sender (Alexander),' Tranquill (Maneach), Vita (Chajim); 2. ein beliebig angenommener Name, wie Simcha-Simeon, Menachem-Jmmanuel, Joseph-Benet; 3. ein Beiname. . In denjenigen Fällen aber, wo des Knaben eigentlicher Name nicht als kirchlicher gelten konnte, dennoch aber der bürgerliche bleiben sollte, wurde dieser sogleich von einem kirchlichen begleitet, dessen Verwandtschaft mit dem bürgerlichen fünffach war, nämlich: 1. Rückkehr zum Ursprünge. So erhielten die Namen der Landessprache: Eisack, Ismail, Koppel und Sanwel ihre Korrektion in den Kirchennamen Jsaac, Jsmaöl, Jacob, Samuel. 2. Uebertragung. 'Man übersetzte Bär in Dob. Beuet in Baruch, Bonet in Masaltob, Gottlieb in Jedidja, Hirz inZebi.Masud inMazliach. 3. Verwandtschaft der Bedentrmg, wobei oft das Synonyme übersehen wurde; man machte atls Frommann Nehemia (nicht Zadok). .aus Gottschalk Eljokint (nicht Obadja). 4. Klang-Aehnkichkeit; daher Kalman-Kalonymos, Bonam-Benjamin, Mann-Menachem. 5. Symbolische Zusammengehörigkeit. Nach Jacobs Segen (Genes. 48, 16; 49, 9. 21, 27;) hieß Fischlin Efraim, Hirz (Hirsch) Naftali, Löwe Jehnda, Wolf Binjamin." Es ist leicht begreiflich, wie nur der kleinste Theil von Namen Elemente zu einer solchen Verwandtschaftlichkeit darbieten konnte, gerade wie bei den Doppelnamen im griechisch-römischen Zeitalter. Bei der großen Mehrheit von' Namen herrschte mithin, was. jene kirchlichen Begleitnanien betrifft, geradezu Willkür, die mit der Zeit zum Herkommen ward, wobei Liebhaberei, Namenvererbung, das Beispiel angesehener Lehrer den Gebrauch befestigen halfen. Dies allein giebt Aufschluß, wie man Bonfant in Baruch, Gumprecht in Mordechai, Hendel in Manoach. Kaufmann in Jekutiel, Süßkind in Alexander,. Beitel in Nathan und sogar Michel (Michael) in Jechiel kirchlich übertragen konnte. . Wenn Zunz Seite 70 meint: „Mit einer beinahe noch größeren Freiheit bemächtigte sich das weibliche Geschlecht der landesüblichen Namen. Die Mädchen, nicht ' theilhaftig der kirchlichen Funktionen, bedurften keines kirchlichen Namens", — so vergaß er seltsamerweise daran, daß deren hebräische Schreibung in Ketuba und Get noch den Kasuisten und Decisoren unserer Zeit keine geringen Skrupel macht. Entgegen , der Bemerkung von Zunz,. Seite 52: „Durch den uneingeschränkten Gebrauch von Namen jeder . Art verwischte sich in ’ dem Bewußtsein der Unterschied des Ursprungs", glaube ich wenigstens dargethan zu haben, daß es keine vergebliche Mühe sei; der Etymologie der Namen bis zur Quelle uachzugehen und scheinbar heterogene Sprachelemente in der Namensverknüpfung auf ihre Wahlverwandtschaft und Synonymie zu prüfen. •äk. Ner Salon 1897. Von M. Friedeberg. fie große Kunstau S st e l l un g im Landes-Ausstellungspalast am Lehrter Bahnhof ist auch in diesem Jahre pünktlich, am 1. Mai eröffnet worden, Geheimrath Schöne, der bekannte Kunstforscher, der die Ausstellung eröffnete, wies die Klagen zurück, .die man gegen die vorjährige Ausstellung in Bezug auf ihre ,,JnLernationalität" erhoben habe. In der That sind auch in dem diesjährigen Salon eine ganze Anzahl Ausländer mit hervorragenden Werken vertreten. Und mit Recht. Die Kunst soll über diese Schranken erhaben sein. Ein großer Vorzug liegt dieses Mal l in dem von Professor Körner, dem Vorsitzenden der Ausstellungs- Kommission, hervorgehobenen Grundgedanken der diesjährigen Ausstellung, alle Richtungen der Kunst zur Geltung zu bringen, insbesondere aber einzelnen Künstlern in einer Kollektiv-Ausstellung die Darlegung ihrer Kunstauffassung zu ermöglichen. Mit einer solchen Auswahl seiner gesammelten Werke ist dieses Mal auch Max Liebermann vertreten, der im Ganzen 60 Nummern ausgestellt hat, in dem elegant ausgestatteten Kabinet 44 in der gleich rechts vom Eingang belegenen Abtheilung des Hauptgebäudes die Gemälde, 28 an der Zahl, und in dem Raum für Radirungen und Zeichnungen ebenfalls 20 schenswerthe Nummern. Wir kommen auf diese Sonderausstellung des die meisten Leser dieses Blattes sicherlich besonders interessirenden Künstlers noch eingehend zurück und beginnen heute unseren Rundgang zunächst am Haupteingang, wo in '."den -ersten, die ganze Front des Ausstellungsgebändes einnehmenden Sälen die Werke der Bildhauerkunst aufgestellt sind. Gleich am Eingang begrüßen uns die Koloffalstatuen „Begeisterung". „Macht", „Weisheit" und „Ruhm", alle vier etwas theatralisch aufgefaßt. Besonders der alte Mann, dessen Haupt mit dem Lorbeerkranz geschmückt ist, erinnert uns schmerzlich daran, daß ein Hauptwerk, wie M. Antokolskys 1896 hier ausgestellter Spinoza in dieser Ausstellung fehlt. Die tiefergreifende, nachhaltige, innere seelische ' Wirkung eines solchen echten Kunstwerkes kann durch alles gemachte ^Pathos nicht ausgewogen werden. Mehr Freude als an den meisten großen, in der Skulpturenhalle ausgestellten Gruppen wird der Beschauer an einer : Anzahl vorzüglich cmsgefuhrter und hervorragende '- Männer darstellende Porträtbüsten haben. An dieser Stelle sei ' zunächst die Lepcke'sche -Büste des bekannten Physiologen Professor -.Hermann Munk hervorgehoben. Das-energische Kinn, die geist- " volle gewölbte Stirn dieses Gelehrten, dessen Name als voraus- ' sichtlicher Nachfolger Dubois Reymonds jetzt viel genannt wird', "sind gut wiedergegeben. Wer nur diese Büste kennt, kommt indeß leicht in Versuchung, sich den großen Forscher auf dem Gebiet der Rindensphären auch körperlich groß vorzustellen, das ist nicht der Fall. Der Katalog der Ausstellung geleitet uns unmittelbar von dieser ausgezeichneten Arbeit Ferdinand Lepckes zu der von Max Levi-Berlin komponirten Büste des Dichters August Strindberg - in Terracotta, die in einer Ecke des mit plastischen Werken gefüllten Saales steht. Das von dem bekannten Bildhauer Arthur Lewin- -Eharlottenburg ausgestellte Bildwerk „Verzweiflung" haben wir rmnstweilen noch nicht.aussinden können, da in der ersten Woche nach der Eröffnung der Ausstellung die Aufseher noch nicht orientirt sind und uns der Katalog, der u. a. auch eine Kinderbüste von Hugo Nathan-Berlin erwähnt, bezüglich des Standortes dieser Werke - im Stiche läßt. Einen guten und charakteristischen Eindruck machen '.auch die von Max Landsberg-Berlin ausgestellten Porträtbüsten, denen die von Aloys Locher verfertigte Bildnißbüste des . bekannten Chefredakteurs Dr. Arthur Levysohn in technischer Hinsicht ^vielleicht noch vorzuziehen ist. Das den Stempel einer künstlerischen I: und intuitiven Natur tragende Antlitz des schlagfertigen und gediegenen Schriftstellers erhält durch die bei einem Bildwerk uns hier zum ersten Male begegnende natürliche Brille den Eindruck unmittelbarer Lebenswahrheit. In ideal künstlerischem Sinne noch .hervorragender sind die Arbeiten von Ar thur Kaan - Wien. . Einen tiefen Eindruck hinterläßt der „alte Bettler", der alte Mann, der in seiner Mütze milde Gaben sammelt, ist ein Meisterwerk, das