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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-28 · Heft 22 (28.5.1897) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 22 (28.5.1897)
Date
1897-05-28
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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258 Beiname die französische Uebersetzung von Sipperah — so hieß bekanntlich die Frau des Moses. , G enendl — Genenda, althochdeutsch „Benennung oder Person", könnte zwar diesem Namen den Ursprung geben; der richtigere dürfte aber die Herleitung von pj? p sein, diminutiver Kosename Gan- Edendel, kontrahirt in Genendel, das also „Püradieschen" bedeutet: Breindl, Bräune, Braune, gemahnen an brünen, althochdeutsch „schmücken, glänzen"; brünne, mittelhochdeutsch „Harnisch" (aus glänzendem Erz), und bedeutet vielleicht „Die Schmucke, Glänzende". , Krassa, Krassl, Kreffl, Kreßlein, Diminutive von Kresse (lepidinrn), wegen ihres schnellen Wachsthums von ereseo abgeleitet, kann aber auch von dem böhmischen „krasa", „Schönheit", stammen, als Synonym von Schöndel, Schönlein. Gamila wollen Einige von „Wohlthun" ableiten; wahrscheinlich , ist darunter Camilla zu verstehen. - Chamur (N1!2N) als Bezeichnung für Aegypten. — In den Psalmen wird Cham als poetische Bezeichnung für Aegypten einige Male gebraucht. Psalm 78. 51: „Und er schlug alle Erstgeborenen in Mizrajim, den Erstling der Kräfte in den Zelten Chams." Psalm 105, 23 und 27: „Da kam Israel nach Mazrajim, und Jakob wohnte im Lande Cham . . „Sie bten Wunder im Lande Cham." Psalm 106, 22: „Gott, der Großes gewirkt in Mizrajim, Wunder im Lande Cham." Jndeß nicht nur. in der -Bibel, sondern auch im Talmud glauben wir Cham-Mizrajim an -Stellen und in einer Wortvermummung, unter der man es gar nicht vermuthet, zu entdecken. Der entrüstnngsvolle Ausspruch Ezechiels (23, 20): „Ihr (Mizrajims) Leib ist der Esel Leib^, -erfährt eine weitere Anwendung und liturgische Deutung in Berachot25a und Sabbat 150a, wo es blos symbolisch zu nehmen geboten wird. - Berachot 58 a wird erzählt: R. Schila nannte eine Aegypterin mit Bezug auf jenen Vers, aus welchem Jebamoth 98 a sogar eine rituelle Konsequenz in Betreff der Leviratsehe gezogen wird ,pK). Nach Erachin 19 b soll darin eine Anspielung gefunden werden, um das Gewicht menschlicher Gliedmaßen zu bestimmen. Bereschit-Rabba 96 legt diese Worte Jakob in den Mund: „Jakob sprach zu Joseph: Begrabe mich nur nicht in Mizrajim! Damit ich keine sühnende Auslösung sei für Mizrajim; denn ich bin dem Lamme verglichen, Mizrajim aber dem Esel, und es heißt: Den Erstling des Esels sollst du loskaufen mit einem Lamme." (Exod. 34, 20.) Bamidbar Rabba, C. 4, enthält den Satz: „Gott sprach: im ' Gegensatz zu euch habe ich ausgelöst das Lamm (Israel) mit einem Esel (Mizrajim)." Bam. Rabba, C. 9 identifizirt zweimal Mizrajim mit NM- Halten wir dieser so oft vorkommenden Bezeichnung für Mizrajim die Bemerkung Ebers' entgegen : Aegypten u.d. B. M., S. 55: „In altägyptischen Schriften ist mehrmals von ' Landschaften die Rede, welche cham ur, d. i. „sehr schwarz" genannt werden. . . die Bezeichnung findet sich in Oberwie in Unterägypten" — oder die Behauptung von Chabas in seiner Besprechung des Berliner hieratischen Papyrus I (x. 40) II y avait sans doute des Cham—uer comrne chez nous des Bellevues: so wird mit der Identität von Cham-ur und -flkft, deren Lautgefüge einander vollständig decken, die Vermuthung uns nahe gerückt: Die Hebräer haben die landschaftliche Benennung Aegyptens, nämlich Chamur, entlehnt, um ihr den durch ein naheliegendes satyrisches Wortspiel gebotenen Sinn des gleichlautenden hebräischen Wortes Tj^ri 3N unterschieben, wofür sie in dem'schneidigen Prophetensermon einen ganz willkommenen Anlaß fanden. So entstand der Spottname *T)Äsri-für Mizrajim. Daraus erklärt sich ganz überraschend eine Variante der Siebziger, die sie nach Megillah 9 b, aus Rücksicht auf König Talmai (Ptolemäus Philadelphus, oder Pt. Philometor) bei der Bibelstelle Numeri 16, 15 eintreten liefen. Statt lasen sie NVN und schrieben sie eTtid-vßwcc „Begehrtes". Sie veränderten ja auch (Megillah a. a. O.) das Wort fDJFlfc, toie es dort heißt, aus Schonung für die Königin. Die Rabbinen konnten selten der Versuchung widerstehen, die Lehnwörter aus dem Aegyptischen und mehr noch aus dem Griechischen, durch gleichartigen Tonfall angeregt, äußerlich semitisch herzurichten mtb ihnen einen, hebräischen oder aramäischen Sprachsinn zu inhaliren. Sie thaten es aber gewöhnlich in der Absicht, die entlehnten Fremdwörter dem Verständnisse der Stammgenossen näher zu bringen. - Sonderbar genug, daß durch gleiche Verquickung ganz fremdartiger Sprachstämme dem Groß-Kan der Tartarei das Malheur passirte, von romanisch-jüdischen Schriftstellern bV“IJin 2^2 genannt zu werden. Den tatarischen Titel Kan mit dem romanischen ean, canis, Hund verwechselnd, übersetzten sie Kan frischweg 2^2- (S. Orchoth Olam von Abr. Farisol, Kap. 2.) Ein ähnlicher sprachlicher Vorgang ist m dem eigenthümlichen sinnlosen Worte mutterseelenallein zu erkennen, welches (nach einer Mittheilung be§. Herrn Professors Dr. Ignatz Goldziher in Budapest) aus mal taut seid entstanden sein soll. Jandre, p andre ist das französische „joindre et pendre: mitgefangen, mitgehangen." Apremowes sagen ist entstanden aus ora pro nobis. Perikelemure ist eine Korruptel von perieulum in mora. Napezen (schlunnnern) ist von dem böhmischen „na pece“ „auf dem Ofen" (liegen und Siesta halten). Man möge dabei an die alten großen Kachelöfen denken, die einen freien Liegeraum zur Wand hatten und rings von einer Bank umgeben waren, wo man Schluinmerstündchen hielt. Nebich oder nebeeh, neboch, wird gewöhnlich hergeleitet entweder von „nie bei Euch!" oder von dem böhmischen „ne buh.“ „Gott soll es nicht (kommen lassen)." Beides erscheint nicht richtig Nebich ist eine Interjektion des Mitleids, und dieses geht bekanntlich auch aus der egoistischen Regung hervor, von dem Leid, das man bei Anderen sieht, nicht selber betroffen zu werden. Die Erklärung „nie bei euch" 02^ *6 trifft also nicht zu, da dieser Ausruf nicht bei fremdem, sondern bei eigenem Leid gebraucht wird, während das Nebuh lautlich nicht stimmt. Die. richtige Erklärung dürfte daher, wie ich glaube, aus dem böhmischen „ne bych“, „ich möchte nicht", d. h. in gleiche Lage kommen, sich ergeben, oder von „nebohy“, Unglücklicher, daher das Substantivum ein Nebich. Berches. In Norddeutschland nennt man das Sabbathbrod, über das der Segen gesprochen wird, „Berches". in Oesterreich „Barches", in Süddeutschland hingegen „Taascher". Sollten diese Bezeichnungen sich nicht auf das erste und letzte Wort im Verse Sprüche, 10, 22, 'n ^>2^2, „der Segen Gottes macht reich", beziehen? Jn Zunz' Schrift „Namen der Juden", die überhaupt mehr zu registriren und zu distribuiren als zu erläutern sucht, kommen die oben angeführten Namenerklärungen, einige kurze Andeutungen abgerechnet, nicht vor. Selbst Namen wie Karpel und Ganendl werden gar nicht erwähnt. Auch der schematische Leitfaden für Wahl und Verleihung der „kirchlichen" Namen (zum Gebrauche bei gottesdienstlichen Funktionen) und deren Verhältnisse zu den vulgären und! bürgerlichen Namen sowie für die dabei beobachteten Vorgänge reicht für die von mir versuchten Erklärungen nicht aus. Um dieses darzulegen, laste ich hier die Stelle aus Zunz, ib. 48-^51, folgen:

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