Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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257 int Falle des Todes. Eine Besserung dieser Verhältnisse muß erstrebt werden, und Vorschläge dazu will die Kommission machen." Dieser warme Aufruf an sich schon ist ein Ereigniß, mehr noch, er ist eine That von großer Bedeutung. So haben bis heute Vorsteher kleiner Gemeinden noch nicht gesprochen, und schon der Wunsch, die Kultusbeamten-Verhältuisse in kleinen Gemeinden in geordnete Bahnen zu leiten, verdient hervorgehoben und anerkannt zu werden. Es ist allerdings nicht zu verkennen, daß sich diesen Bestrebungen große Schwierigkeiten entgegenstellen. Denn zur festen Anstellung und deren Konsequenzen gehört Geld und wieder Geld und. zum dritten mal Geld. Die meisten kleinen Gemeinden aber bringen schon jetzt für die Erhaltung des Kultus große Opfer und sind in vielen Fällen an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Sollen also die edlen Bestrebungen der ostpreußischen Lehrerfreunde zum gewünschten Ziele führen, so muß hier vor allem ein Modus zur Beschaffung der Mittel gefunden werden. Es ist für mich auch außer Zweifel, daß die wackeren Ostpreußen bei ihrer bekannten Ausdauer und ihrem starken Willen diesen Modus fiitbeu würden. Indes;, da ich mich vor einigen Jahren mit dieser Sache beschäftigt habe, halte ich es bei dieser Gelegenheit für angemessen, auf meine diesbezüglichen Vorschläge in diesen Blättern (Jahrg.57 No.30,1893,28.Juli) hinzuweisen. Nun, ich darf heute stolz darauf sein, daß nach vier Jahren sich solche idealgesinnte und für die heilige Sache begeisterte Männer gerade dort gefunden haben, in der Gegend, die ich meine Heimath nenne, in Ostpreußen. Diese Wackeren werden das, was sie mit heiligem Eifer begonnen, auch gewiß zum guten Ende führen. Dort, in Ostpreußen, ist durch die eifrige Verbandsthütigkeit reges Gemeindeleben erblüht, dort ist seit mehr als fünfzehn Jahren die Religionsschule durch Schulinspektion, einheitlichen Lehrplan und regelmäßige fruchtbringende Lehrerkonferenzen in gutem Zustande, und dort soll nun auch zuerst dem Kultusbeamten Recht und Hilfe werden. Ostpreußen wirkt vorbildlich, Ostpreußen voran! Wie kommt aber Ostpreußen zu diesem Vorrang? Ostpreußen, besonders Königsberg, über das schon in der erster: Hälfte unseres Jahrhunderts öffentlich geklagt worden ist, daß große Massen gänzlich der religiösen Tradition entfremdet seien?) Wer hat diesen Umschwung bewirkt? Wer hat die Dürre zum wasserreichen, fruchtbaren Boden umgestaltet? Schmücken wir heute mit dem Lorbeer des Dankes und der Anerkennung das frische Grab jenes ausgezeichneten, für die ostpreußische Judenheit geradezu providentiellen Mannes, dem solch Großes gelungen ist.- Nur zu früh ist er heimgegangen, der treffliche Rabbiner Dr. I. BaMberger, der durch seine seltene Begabung und außerordentliche Energie, durch sein organisatorisches und präsidiales Talent, besonders aber durch sein echt jüdisches warmes Herz dort eine so gedeihliche Wirksamkeit hat entfaltet. Nur Diejenigen, die Jahre lang in seiner Nähe gewesen, wissen recht zu würdigen, was er alles vermocht, wie er auch da begeisterte Anhänger und Mitarbeiter für seine großen und umfangreichen Werke gefunden, wo sie eigentlich nicht zu suchen waren, wie alle Fäden des ostpreußischen Gemeindelebens in seiner Hand zusammenliefen unb wie er sie zum größter: Heile des Judenthums geleitet und gelenkt. Was dem Jndenthum in und aus Ostpreußen schon Gutes erblüht und was ihm noch erblühen wird, der: Boden hierzu hat er urbar gemacht, die Saaten hierzu hat er gestreut. „Wo Andere träumten", hat er Mustergiltiges geschaffen, wo Andere mnthlos verzweifelt wären, hat er mit fester Hand Mustergiltiges geschaffen, der „Mann der Rede und der That". Ehre seinem Andenken! 9 Vergl. diese Blätter Jahrgang 1896 S. 201. Bitschon?) Benennungen und Redensarten im Dialekt. Von Landrabbiner Dr. B. Placzek. (A^^eibesch wird in der Nomenclatur des Beth Sch'muel zu 129 Schulchan Aruch Ebenhaäser, Schlagwort tSD^ö folgendermaßen erklärt: Wem vor seiner Geburt der Vater und unmittelbar nach derselben die Mutter starb, dem rief man schmerzbewegt zu: "V'2 *>,„ „Wehe, wie arg!" Feibesch entspricht jedoch offenbar dem Namen Phöbus; darum wird er als Beinamen für ‘>T)K" „Licht" gebraucht. Von rabbinischer Seite verwahrte man sich gegen einen heidnischen Namen des Lichtgottes. Aehnlich bei TDE7, das nicht geschrieben wird, um nicht als Saturn zu' gelten. Gumpel: ^2^ Es mag wohl eine kühne Vermuthung sein, aber keineswegs eine unwahrscheinliche, beide Namen in eine Sinnverwandtschaft zu bringen. Gumpel, Gumpelmann, vom mittelhochdeutschen „gumpen", „Hüpfen", heißt ein possenhafter Mensch. Nun wird von „mardach“ abgeleitet, das im Arabischen und Altpersischen ein „kleines, drolliges Männchen" bedeuten soll. Möglicherweise ist also ein Spottname,, den der Hofjude von Susa von den Hofbedienten erhalten hat, und darum mit dem Beinamen „Gumpel". Wegen des schimpflichen Nebensinnes mochte sich der Talmud ablehnend gegen den Namen Mordochai verhalten und sich mit einer elwas gewaltsamen Etymologie bemüht habe::, dem jüdischen Heros die Namen MTUlä beizulegen (Menachoth 64b, 65a), oder dem Namen Mordochai die aramäische Uebersetzung von ini *12 „Myrrhe" (Chnlin 139b) ‘Tfc zu unterschieben. Sollte Heine den komischen Beigeschmack des Namens Gumpelt empfunden und darum eine seiner drolligsten Figuren „Gump elli no" genannt haben? Karpeles ist jedenfalls ein Patronymicum von Karpel. Doch was bedeutet Karpel? Jin Veth-Schemuel zu Sch. A. E. H. 129 Schlagwort Jfi} heißt es: fiß'Dian jDJ (Nathan, genannt Karbel oder Körbel); beim Buchstaben 2 heißt es Karpel, Beiname zu Nathan. Nun wird niederdeutsch der Karpfen die Karpe genannt. (Cyprinus, bei Cassiodor im 6. Jahrhundert schon carpa, mittelhochdeutsch carpa, französisch earpa, earpilion.) Der Feldkümmel heißt aber auch Karbe (Schafgarbe). Es giebt auch ein Kerbelkraut (Anthiscus). Allein alle diese Lautähnlichkeiten lassen schließlich die Frage offen: Welche Beziehung besteht zwischen jj-ß und daß dem ersteren, als biblischem oder ritualmäßigem Namen, der andere als vulgärer Name, oder umgekehrt, entsprechen soll? Ich glaube daher, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen zu dürfen, daß Karpel, Karbel oder Kerbel sich von dem französischen Corbeille (corbiculus) herleitet, welche Bezeichnung nicht nur Korb bedeutet, sondern auch ein Geschenk, das der Bräutigam seiner Braut vor der Hochzeit sendet, und darum b'Sip nattöH Priwe als Begleitname von m2S£ kann so entstanden sein: 1. Mos. 15, 9, werden Tauben erwähnt, die im nächstfolgenden Verse 10 *-,2^ genannt sind, folglich rnäiC auch Taube. Nun heißt aber (pigeon) prive die Haustaube; mithin ist Prive als 0 Der Name „Bilschon" (Esra 2, 2; Nehemia 7, 7) wird einem Forscher beigelegt, der die Mischung und Vergleichung verschiedener, Sprachelemente und räthselhafte Worte zu erklären sucht. Rasch! ,• St. jbtHI 33"ll>01 ^>13 Melanchoth 65 a fro am