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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-21 · Heft 21 (21.5.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 welche keine Gllegknheit haben, an den Festtagen eine Synagoge zu besuchen. Besonders sei im Nordwesten, im Südosten und im Norden die Errichtung von Synagogen^ erwünscht, da diese Stadttheile von den bereits bestehenden Gotteshäusern zu weit entfernt lägen. Der Ausschuß Hütte ebenfalls die Bedürfnißfrage ffur vorliegend erachtet, wünsche aber noch. Erhebungen darüber angestelll zu wissen, wie sich das Berhältniß der jüdischen Einwohner in den einzelnen Staditheilen stelle. Der Ausschußantrag gehe dahin, die Berathung über den sofortigen Bau wenigstens einer Synagoge einer gemischten Kommission zu überweisen. Nächstdem seien in der Petition die! Verhältnisse in der Kaiserstraßen-Synagoge in Betracht gezogen. Besonders einzelne Plätze auf den Emporen lägen so exponirt, daß bei einer Panik Gefahr für Menschenleben vorläge. Der Centralverein beantrage deshalb, die Angelegenheit in besonderen Betracht zu ziehen. Der Vor^ sitzende, Justiz-Rath Tiktin, macht darauf aufmerksam, daß die Repräsentanten sich nicht mit Beschlüssen des Centralvereins zu. befassen hätten, im Ausschußprotokoll stände nur der Beschluß, diese Angelegenheit in die geheime Sitzung zu verweisen. Inzwischen geht aus der Mitte der Versammlung von Herrn Loewenb erg der Antrag ein, die vor-s handenen Nothstände in der Kaiserstraßen-Synagoge sofort zu beseitigen/ Mit Rücksicht auf diese dringende Angelegenheit bittet Herr Baginsky) die Synagogenfrage zu vertagen. Herr Leonhard Sachs ist gegen die Vertagung, da beide Fragen eng mit einander in Verbindung ständen.' Die Wünsche des Centralvereins seien berechtigt, wenn sich auch über die Anzahl von Synagogen streiten ließe. Die Synagoge sei bereits auf ihre Feuergefährlichkeit von der Baupolizei geprüft, und es liege zum Schluß derselben gar keine Veranlassung vor. Wenn jedoch einä Synagoge gebaut werden soll, so solle man in erster Linie einen Grund und Boden in der Gegend der Kaiserstraße zu finden suchen, um die kleineren Unzuträglichkeiten der jetzigen Synagoge zu beseitigend Herr Dr. Lachmann beantwortet zunächst die Synagogenfrage. Der Vorstand habe sich darüber noch nicht schlüssig gemacht. Es sollen zunächst Erhebungen angestellt werden, wie die jüdischen Einwohner auf dis einzelnen Stadttheile vertheilt, wie die Privatsynagogen und wie überhaupt die Synagogen in den Feiertagen besucht seien. Die ErhebungE seien bereits so weit gediehen, daß man in nächster Zeit zu einem Beb schluß kommen werde. Redner giebt dann die Zahlen für die Ein; nahmen und Ausgaben unserer Synagogen, die wir auch für weiters Kreise für interessant genug halten, um sie an dieser Stelle, soweit wir sie zU fixiren vermochten, wiederzugeben. Unsere Rabbiner und Vorbeter kosten uns 57 700 Mark, so daß auf jede Synagoge 14425 Mark entfallen. In der alten Synagoge wurden im Ganzen ausgegeben 41187,84 Mark, denen an Einnahmen 11728 Mark gegenüberstehen; es bleibt hier ein jährlicher Zuschuß von 29 459,84 Mark. In der Kaiserstraße wurden im ^Ganzen ausgegeben 38 969 Mark, die Zinsen betragen pro Jahr 17 445 Mark, die Einnahmen betrugen 17091 Mark, so daß für jedes Jahr 39 323 Mark an Ansgaben zu decken bleiben. In der neuen Synagoge waren die Ausgaben 63 028,30 Mark, während die Einnahmen sich auf 26 433 Mark beliefen; an Zinsen sind hier 35 625 Mk zu zahlen. Es sind also hier 72 216 Mark pro Jahr aufzubringen. Für die Lindenstrqßen-Synagoge, deren Bau über eirte Million gekostet, stellt sich die Summe noch höher, es sind hier nicht weniger als 81861 Mark pro Jahr aufzubringen; die Einnahmen figuriren hier mit 37-475,50 Mark. Inzwischen ist ein Antrag von Herrn Louis Sachs eingegangen: den Gemeindevorstand zu ersuchen, die Baukommission zu veranlassen, über die bauliche Beschaffenheit und Feuergesährlichkeit Erhebungen zu veranstalten, über das Ergebniß dem Vorstande in acht Tagen zu berichten und diesen Bericht in einer der Sachlage entsprechenden Vorlage der Repräsentanten- Versammlung thunlichst in der nächsten Sitzung vorzulegen. Darauf nimmt Herr Justizrath Meyer zur Frage dör Feuergefährlichkeit das Wort. Der Baumeister der Synagoge habe auf eine Anfrage mitgetheilt, daß er keinen Anstand nehmen würde, die Gemeinde zu benachrichtigen, wenn Leben und Gesundheit der Besucher gefährdet wäre. Die Gemeinde hätte sich gerade mit dieser Synagoge sehr oft beschäftigt; im Jahre 1882 habe eine genaue Besichtigung stattgefunden, dieselbe sei im Jahre 1892 wiederholt worden. Aus diesem Jahre stamme ein sehr genaues Gutachten vom Geheimen Bauräth Blankenstein. Dasselbe wird darauf dem Wortlaut gemäß vorgelesen. Es geht aus diesem hervor, daß von einer Feuersgefahr keine Rede fein könne. Es sei. im Gebäude wenig' Zündstoff vorhanden, die Ausgänge seien drei Meter breit, die Umsafsungswäudr des Hauses seien massiv. Herr Justizrath Meyer fügt noch.hinzu, dasi das Nachbargrundstuck in der Kaiserstraße von der Gemeinde zugekaust rvvcken sollte, um die Ausgänge der Synagoge noch günstiger zu gestalten. Dieser Wunsch des Gemeindevorstandes sei aber an dem zu hohen Preise des Gebäudes gescheitert. Die heutigen Anträge scheinen 'ihm nicht von recht praktischer Bedeutung. Herr Louis Sachs erkennt auch keine Gefahr nach der Erstattung des fachmännischen Gutachtens. Wenn, aber der Vorstand eines Vereins mit einer großen Miigliederzahl an den Gemeindevorstand eine derartige Schilderung.gelangen lasse, die zweifellos auch weiteren Kreisen bekannt geworden sei, so habe die Gemeinde der Oeffentlichkeit gegenüber die Verpflichtung, etwas zu thun. Er glaube, als Vertreter der Gemeinde sagen zu dürfen, daß hier starke Uebertreibungen vorliegen. Aber trotzdem bitte er unsere sachverständige Be-- Hörde, die Angelegenheit nochmals auf das Genaueste zu prüfen. Herr Justizrath Meyer giebt darauf zu, daß allerdings die Kronleuchterdie aus der alten Synagoge übernommen seien, aus.Pappe beständen. Der Vorstand habe sich noch nicht darüber schlüssig gemacht, ob neue Kronen oder elektrisches Licht eingeführt werden solle. Im weiteren Verlaufe der mit Rücksicht wohl auf die jüngst stattgehabte Pariser Brandkatastrophe sehr angeregten Debatte treten noch Herr J.-R. Tiktin und Herr Maurermeister Fränkel für das Verlangen einer genauen Recherche ein. Herr Oppenheim redressirt die in der Petition aufgeführten Schäden noch insoweit, als er zugiebt, daß die Umfassungsmauern massiv seien. Es bliebe aber noch die hölzerne Decke, die auf hölzernen Pfeilern ruhe. Seit 1892 seien bereits neuere Bestimmungen über die Feuersicherheit in Gebäuden erlassen und deshalb eine neue Erhebung nothwendig. Um Abhilfe zu schaffen, müßte das Nachbargrundstück zugekauft werden. Der von Prof. Baginsky inzwischen zurückgezogene Bertagungsantrag bezüglich der Synagogenfrage wird nunmehr wieder aufgenonnnen und von der Versammlung bestätigt. Es gelangt darauf der Antrag Louis Sachs zur einstimmigen Annahme. ¥■ 2Q Berlin, 19. Mai. Kurz vor Schluß des Blattes geht uns nebst der Einladung zu dem Jubiläumsfest unserer Hochschule, das am 27. d. Mts. Mittags 12 Uhr im Saale des Brüdervereins (Unter den Linden 4a) stattsindet, auch eine sehr interessante.Schrift zu, die einen Rückblick auf die ersten 25 Jahre der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums enthält. Dr. M. Schreiner erzähtt darin die innere Geschichte der Lehranstalt; hierauf folgt ein eingehender sachlicher Bericht des Kuratoriums und zum Schluß eine ziemlich genaue Ueberstcht der litterarischen Thätigkeit der Dozenten und ehemaligen Schüler der Lehranstalt. Wir kommen auf diese werthvolle Jubiläumsgabe anläßlich des Festes selbst zurück. An die Feier wird sich auch ein Festkommers anschließen, zu dem die folgende Einladung ergeht: Die Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums beehren sich, alle Freunde der Lehranstalt zu dem am Donnerstag den 27. Mai Abends 8 Uhr im Hotel „König von Portugal" zur Feier des 26jährigen Jubiläums ihrer Hochschule und ihres verehrten Lehrers Herrn Professor Steinthal zu veranstaltenden Festkommerse höflichst einzuladen. Der Festausschuß. I. A.: Dr. M. Warschauer, N., Krausnickstr. 4. LL Berlin, 18. Mai. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hält die diesjährige General-Versammlung am Dienstag, 8. Juni, Vormittags IO'/* Uhr in Frankfurt a. O. im Gesellschaftshaus-Halbestadt ab. Folgende Tagesordnung ist für die Versammlung in Aussicht genommen: 1. Lehrprobe über ein Thema aus der biblischen Geschichte: Rabbiner Dr. Hoch selb-Frankfurt a. O. 2. Berichterstattung über das verflossene Vereinsjahr. 3.'Rechnungslegung und Entlastung des Schatzmeisters nach Prüfung der Kasse durch zwei Mitglieder. 4. Wahl des Vorstandes für das Jahr 1897. 5. Besprechung der Lehrprobe. 6. Referat des Kollegen Cohn-Küstrin über „die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts von Dr. Maybaum". 7. Referat des Vorsitzenden, Rektor Dr. Adler-Berlin, über das vom Verbandsvorstand gestellte Thema: „Die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, ihrer Pensionirnng und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen". 8. Anträge von Mitgliedern. 9. Bestimmung' über Zeit und Ort der nächsten Versammlung. An die Versammlung schließt sich ein gemüthliches Zusammensein und gemein-

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