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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-21 · Heft 21 (21.5.1897) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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t t t i c r h n ft tc te e iS )e tes ie cv en >e, cken rie en ich ses ch; ibe 251" -■ des Buches sich befindenden) Psalmen weniger poliphonisch gehalten und deshalb leicht ausführbar. Dies würde ja weiter kein Fehler sein, wenn sich nicht, vernehmlich in den modernen Piecen ganze Sätze eingeschlichen, die mir aus Opern und Oratorien geläufig sind?) Solches sollte der Komponist derartiger Gesänge besonders verhüten oder event. der Sammler ausscheiden. Nur nebenbei sei hier unter anderem ein Schlußkaddisch auf Seite 36 erwähnt, in welchem wir oben die Stelle aus einer Arie des Leporello in Don Juan .und unten das Recitativ aus Judas Makkabäus wahrnehmen u.s. w. Mit dem Freitagabendgottesdienst beginnt das Werk, wovon mir nur der Weschomru für Kantor allein, imponirt. Ueberhaupt alles was sich in demselben auf traditionellem Boden bewegt, ist schön , mitunter mustergiltig, während das Moderne auf viel schwächeren Füßen steht. Vornehmlich sind der „Bor’chu“ für Vorabend an Scholösch Regolim, Tal und Gescliem (Nr. 59 und 60), sowie die traditionellen domirn-Mroirn-Gesänge, größtentheils als vorzüglich anzuerkennen. Bei den letzteren freilich scheint bem. Komponisten zuweilen der Athem ausgegangen zu sein, indem er den zweiten Satz einer traditionellen Melodie aus unersichtlichen Gründen hinwegließ und hierdurch das betreffende Stück zu einem ermüdenden, monotonen Fragment gestaltete. So beispielsweise in Adire ajumo Nr. 95, wovon die zweite Hälfte der Melodie fehlt und die erste sich ununterbrochen wiederholt. Im Großen und Ganzen besitzen wir aber in diesem D1K "N eine nicht zu unterschätzende Bereicherung unserer synagogalen Musik, durch welches wiederum zur Genüge dargelegt wurde, daß alle mit „Chants traditionelles“ bezeichneten Melodien unserem süddeutschen Chasonus vollständig gleichen, was ich zum Schluß noch ausdrücklich hervorheben wollte. - - . o ''' ■ ■ . W MOiP SS WWW 1 1 FEUILLETON 1 «I 1 ral mtumnimn, ■ sJkjitiRluiUUntr . —-1 1—1 |---. '--~— II—I 'illffUaUlfNIliSS Meder Glück noch Stern. Novelle von O. Bach. (Fortsetzung.) al.d hatte Josef ein kleines, passendes Logis gefunden; er holte emsig nach, was. er versäumt; als das Werk druckfertig war, als er von dem Verleger den ersten Korrekturbogen empfing, athMete er auf, denn so oft er auch inmitten des schwierigen Werkes der beiden Frauen gedacht, die sich seiner so freundlich angenommen; die das volle Recht hatten, ihn für undankbar zu halten, — seine Thatkraft lähmten sie nicht mehr, im Gegentheil, die Erinnerung an sie spornte ihn an; auch ihnen wollte er einst als ein gemachter Mann entgegentreten, ihnen den Beweis liefern, daß ein starker Wille, ein thätiger Geist doch den Sieg gewinnen toimte über einen von Noth und Kummer geschwächten Körper. Wie mail ein langentbehrtes Kind fest an die Brust drückt beim Wiedersehen, so fest hielt der Doktor den ersten Druckbogen seines philosophischen Werkes an sich gedrückt. Er hoffte, daß. seine Arbeit in der gelehrten Welt Interesse erwecken würde, daß sie manchen Freund, aber auch viele Gegner fin- 9 Außerdem werden sogar Ni scheoso nisim und Jechadschehu, sodann sochrenu lechajein Nr. 100 als „d’a,pres Beethoven“ und anderes nach Mozart und Mendelssohn angegeb en. den würde; er ersehnte die daraus sich entspinnende Polemik, die ihm Gelegenheit, mit älteren Kollegen in günstigen Konnex zu treten, die seine Brust dehnte sich bei dem Gedanken, ihn an die Seite der Besten seiner Zeit stellte, ihn in die Reihen Derjenigen führte, zu denen er mit ehrerbietiger Scheu empörgesehen, denen nachzueifern er seit er, denkeil gelernt,- bestrebt gewesell, die ihn vielleicht bald als einen der Ihren betrachteten und hochstellten. Was bedeuteten dagegen die schweren, kummervollen Tage und Nächte, die er einsam durchlebt? Was schadete es denn dann noch, daß seine Jugend verkümmert, daß ihm bis jetzt noch nicht ein Blümchen geblüht, nicht ein Sonnenstrahl des Glückes, der Freude erwärmt? Daß er die Genüsse der Jugend niemals gekannt, niemals ihn jenes Wonnegefühl durchschauert hatte, das der Jüngling empfindet, wenn sein Herz erwacht rmd die höchste Seligkeit der jungen Brust, die Liebe' Einzug hält in seinem Herzell. Die Frauen hatten bisher noch keine Rolle in dem entsagnngsreichen Dasein des jungen Mannes gespielt; er gehörte zu den wenigen jungen Männern unserer Zeit, welche in dem Weibe noch etwas Heiliges, Unantastbares verehren. Außer seiner Mutter und einer Schwester, die er wellige Jahre üach dem Tode des Vaters auch verloren hatte, war er noch keinem weiblichell Wesen näher getreten. ii Nur mit seinen Studien beschäftigt, durch seine finanzielle Lage gezwungen, jede nicht mit wissenschaftlicher Arbeit ausgefüllte Stunde durch Unterrichtgeben zu verwerthen, hatte er weder Zeit noch Gelegenheit gefunden, gesellige Verbindungell anzuknüpfen. Er hatte sich auch gar nicht danach gesehnt, wie er auch den Mangel an einem vertrauten Freund nicht empfunden hatte, — allein, während er seiner ihm recht lieb gewordenen bescheidenen Wohnung zusteuerte, während er, seinen Gedanken Audienz gebend, an die.Vergangenheit, an feine verstorbenen Lieben dachte, mit welchen Augen seine Eltern, seine zu früh Heimgegangene Schwester wohl seinen ersten wissenschaftlichen Erfolg (der Druck des Werkes war als solcher zu betrachten) angesehen, — wie sie .sich mit ihm freuen, ihn loben, ermuntern würden, überfluthete ihn eine heiße Sehnsucht nach einem einzigen, mit ihm gleich empfindenden Herzen, nach einem Menschen, dem er all seine Hoffnungen und Wünsche anvertrauen konnte, nach einer Seele, die ihn begriff, nach einem Freunde, der theilnahnl an seiner ersten, der größten, noch einzigen Freude seines Lebens. : Seine Augen schimmerten feucht; unwillkürlich preßte er die Hand auf sein Herz; was in ihm auf- und niederwogte , war ihm fremd. Er hatte sich nie das Glück der Erinnerung gegönnt; er durfte nicht weich werden. Schmerzen, sehnsüchtige Schmerzen entmannen, und er mußte, um das sich gesteckte Ziel zu erreichen, hart bleiben; er durfte nicht an das Einst denken, und doch mußte er es wiederum, weil es mit die Triebfeder all seiner Handlungen war. Wie deutlich plötzlich die Gestalten seiner Heimgegangenen Liebeil vor seinem geistigen Auge standen. — r Wer nahm jetzt noch Theil an feineu heiligsten Interessen? Wo fand er einen theilweisen Ersatz für das Verlorene? Hatte er denn aber danach gesucht? War er nicht all die Zeit über durch die Welt gegangen, als sei er der einzig Uebriggebliebene? Ns bedürfe er keines Zweiten? Als sei die Wissenschaft, in bereu Dienst er sich gestellt, ausreichend, um ihm die Freude am Dasein zg erhalten? . . Ihn fröstelte bei den: Gedanken, Leid allein zwstragen, ist schwer, furchtbar schwer,, noch schwerer, ein Glück in sich verschließen p müssen; Niemanden zu haben auf der großen, weiten Welt, der l |

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