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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-21 · Heft 21 (21.5.1897) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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2M Grace und wollten sie binden. Sie hätten ihre Absicht auch ausgeführt, wenn nicht Kapitän Levy dazwischen getreten wäre und sie daran gehindert hätte. Gleichwohl wurden die beiden Missionare mit vier Seeleuten in ein Gefängniß, neben ihrem Tempel, wo sie nach Art der Hauhaus ihren Götzendienst verrichten, geworfen. Den; Kapitän und seinem Bruder thaten sie nichts zu Leide, weil sie Juden waren, während sich ihr Haß nur gegen die Christen und besonders gegen deren Geistliche richtet. Zehn stark bewaffnete Maoris bewachten die Gefangenen, und sie ließen die Anderen sich entfernen, um zu zeigen, daß ihnen nur an den Missionaren gelegen war. Hierbei nahm Herr S. Levy das Geld und die Uhr Volkners und vergrub sie, um sie ihm gelegentlich wieder einzuhändigen. Während der Nacht sangen die Wilden fortwährend und beratschlagten, was mit den Gefangenen geschehen sollte. Am Morgen theilten sie dem Kapitän Levy und seinem Bruder mit, daß sie in ihrer Versammlung beschloffen hätten, die Gefangenen mit ihren Pfeilen zu erschießen. Da Bitten nichts fruchteten, suchte sie der Kapitän loszukaufen, indem er sich bereit erklärte, ihnen das Schiff und alle darauf befindlichen Maaren zu übergeben sowie auch den Laden und die Speicher seines Bruders ihnen zur Plünderung zu überlaffen. Im Augenblick wurden die Maoris auch stutzig, aber ihre Blutgier behielt doch die Oberhand. Unterdessen stürmte eine andere Abtheilung der Wilden, die zum größten Theile Mischlinge (balk euste) waren, in das Gefängniß und forderten Volkner auf, mit ihnen zu beten. Der Unglückliche folgte ihrer Aufforderung, weil er dadurch die Freiheit zu erlangen hoffte. Bald aber traten Jene wieder zum Gericht zusammen und verurtheilten ihn. schließlich zum Tode durch Erhängen. Er wurde gehängt und sein Leichnam in scheußlichster Weise geschändet. Die folgende Darstellung stammt von dem Kapitän Levy, der bei diesen Vorgängen Augenzeuge war. Die Wilden ergriffen Volkner und theilten ihm mit, daß sie ihn tödten wollten. Als sie mit ihm zu seiner Kirche gekommen waren, erbat er sich einige Minuten, um vor seinem Tode zu beten. Sie gaben ihm Gehör, und so sandte er einen der Eingeborenen, um ihm sein Gebetbuch zu holen. Während er betete, ließen sie vom Schiffe einen Flaschenzug holen und banden denselben an einen etwa 200 Aards von der Kirche * entfernten, sehr hohen Baum. wo sich etwa 800 Eingeborene versammelten. Dann führten sie Volkner zu der Richtstätte, wo der „Galgen" war, entkleideten ihn bis auf den Leib, und ihr Häuptling zog die kanonischen Kleider an und war besonders über die Uhr und die Kette außer sich vor Freude. (Dieser Häuptling war Kereopa aus dem Bezirk Maketu, der sich mit den Taranakischen Wilden umhertrieb. Er war der Urheber des ganzen teuflischen Planes.) Nur das Flanellhemd ließen sie dem Unglücklichen auf dem Körper. Kein Zeichen von Angst zeigte sich auf seinem Gesichte; vielmehr ergriff er, als sie ihm die Augen verbunden hatten und an dem Flaschenzuge emporziehen wollten, viele von den Wilden an den Händen und rief ihnen ein Lebewohl zu. Hände und Füße ließen sie frei. Nach einer Stunde banden sie ihn ab. Alsdann schleppten sie ihn in die Nähe der Kirche, wo sie sich in Kreuzform aufstellteü. Darauf schlugen sie dem Unglücklichen, der noch Lebenszeichen von sich gab, den Kopf ab und tranken sein Blut, wie es eben aus dem Körper floß. Auch unter den Weibern zeigte sich-eine wilde Blutgier, und wenn ein Tropfen Blut zur Erde gefallen war, rieben sie ihr Gesicht darin. Der Häuptling Kereopa kratzte dem Todten mit den Fingern die ^pgen aus und aß sie, zum anregenden Beispiel, vor den Augen.der Menge auf. Den Leichnam selbst warfen sie den Hunden vor, und was diese übrig ließen, warfen sie. in den Rinnstein. In der Versammlung der Missionäre wurde folgende Erklärung zu Protokoll gegeben: Wir können von dieser haarsträubenden Kunde nicht scheiden, ohne schriftlich Zeugniß abzulegen für die Standhaftigkeit und die große Ergebung für das Christenthum, welche Herr Volkner öffentlich bekundete, als er als Märtyrer starb. Wenn ihn auch ein plötzlicher Tod überraschte, starb er doch ohne jede Furcht an der Stätte, wo er sonst in uneigennützigster Weise seines Amtes gewaltet. Das Gleiche bezeugt auch Herr Grace in seinem Briefe. Die Brüder Levy erhielten nun von den Maoris die Erlaubniß, die Gebeine und die Kleider des Getödteten zu sammeln und sie auf dem eingezäunten Friedhof hinter der Kirche zu bestatten, und sie befestigten am oberen Ende der Grabstätte ein Brett mit der Aufschrift : Volkner. March 2. 1865. Die übrigen Gefangenen lebten mm in großer Angst, da sie ein gleiches Schicksal befürchteten. Am anderen Morgen trat Kapitän Levy vor die Versammlung der Maoris und bot ifjuett 500, schließlich 1000 Pfund Sterling als Lösegeld für Pater Grace. Anfangs wollten sie ihm kein Gehör geben, schließlich aber willigten sie unter der Bedingung ein, daß ihnen die im Kriege von den Engländern gefangen genommenen Maoris, welche in Auckland gefangen gehalten wurden, frei ausgeliefert würden. Aus freien Stücken bot sich nun Herr S. Levy als Bürge hierfür an, während sein Bruder, der Kapitän, zu Schiff nach Auckland fuhr, um die Sache vor die Negierung zu bringen. Als sie an die Mündung des Flusses kamen, trafen sie einen englischen Kriegsdampfer, auf dem Levy den Bischof von Neuseeland traf, der, als er die Nachricht von dem Tode Volkners erhielt, sich mit Levy nach Auckland aufmachte, um die Befreiung Graces durchzusetzen. Der Häuptling der Maoris, Kereopa, der alle Schuld an der Ermordung Volkners trug, wurde einige Jahre später von englischen Soldateü gefangen genommen und-vom Gerichte zum Tode durch Erhängen verurtheilt." So weit die Erzählung in den genannten Blättern. Sie sehen, daß über die Art, wie Herr Grace gerettet wurde, nichts mehr berichtet ist. In seinen Erzählungen ' gab der Letztere stets seiner hohen Freude über die Rettung Ausdruck, aber der Name Levy ward von ihm nicht erwähnt. Ich habe aber von einem glaubwürdigen Manne, der damals auf dem englischen Dampfer als Soldat mitfuhr, Folgendes gehört: Das englische Kriegsschiff Manof-war konnte nicht nach Opotiki kommen, da es etwa 10 englische Meilen von der Küste landeinwärts liegt und der Fluß nicht tief genug ist, und außerdem fürchteten der Bischof und Levy, daß die Maoris beim Herannahen bewaffneter Soldaten in die Wälder fliehen und Grace mitschleppen würden. Der Kapitän Levy n^M eine kleine Kanone und vier kräftige Seeleute, die er die Kleider von Eingeborenen anlegen ließ, und begab sich, wie ohne weitere Absicht, , an die Stelle, wo Grace an einem Baum festgebunden war. Zufällig bewachten ihn nur bewaffnete Weiber (auch die Weiber der Maoris ziehen bewaffnet mit in den Krieg). Nachdem er ihnen die Nasen gerieben — das ist bei ihnen an Stelle des Küssens Brauch — und mit ihnen freundlich gesprochen, gab er ihnen Geschenke. Dann gab Levy den Marinesoldaten ein Zeichen, im Augenblick hatten sie die Fesseln Graces durchschnitten und liefen mit ihm fort, um die Kanone abzuschießen. Da schossen die Weiber in die Luft, zum Zeichen der Gefahr, die Maoris eilten herbei; als sie aber die Kanone sahen, eilten sie an den. Fluß und beschossen denselben. Levy aber und die Seeleute zogen kräftig die Segel an und entkamen. Der Kapitän Levy lebt heute noch in unserem Lande. Wenn ich ihm schreiben würde, würde er mir dm Vorfall bestätigen. Volkner stammte aus Deutschland, wo er auch geboren war. Er

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