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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-21 · Heft 21 (21.5.1897) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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' >—— 2-47 — ' bekehren suchen, wie es die Christen thun, und worin zeigt sich das freundliche Verhältniß der Ureinwohner zu unseren Glaubensgenossen; die zu ihnen kommen; so erwiedere ich Folgendes: Die Engländer sind gegen Andersgläubige durchaus tolerant, und man fragt hier Keinen nach seiner Religion; selbst völlige Atheisten stehen hier durchaus in Achtung. Die Missionare wagen es nicht, auf gewaltsame Weise vorzugehen, sondern müssen mit anderen, listigeren Mitteln arbeiten; sie handeln auch gar nicht im Aufträge der Regierung, sondern sind Privatleute, die sogar sehr häufig von den Schwarzen Geschenke erhalten. Ihnen einiges Nähere über das gute Verhältniß der Maoris zu den Juden zu berichten, fiel mir nicht leicht. Ich habe einige meiner Nachbarn, die unter den Maoris längere Zeit gelebt Haben und ihr Getriebe kennen gelernt haben, darüber befragt; sie haben mir aber auch nicht etwas Bestimmtes hierüber mittheilen können. Das konnten sie aber bezeugen, daß sie nie gehört hätten, daß ein Maori einem Juden jemals etwas zu Leide gethan hätte. Durch einen Zufall sah ich jüngst zwei von den Maoris im Umkreise unserer Stadt, Kaik genannt — dort wohnen fast lauter Maoris —. unb ich fragte sie darnach. Zuerst zog ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht, dann aber sagte mir einer derselben Folgendes: „Es ist bei uns nicht etwa Satzung, die Juden besser 51t behandeln als Andere. Aber als ich in meinen jungemJahren im Elternhause in einer der nördlichen Inseln lebte, da zeichneten die Maoris die Juden in ganz besonderer Weise aus. Und auch vor 30 Jahren, zur Zeit der Kämpfe mit den Engländern, da pflegten sie dem Juden, der sich gerade in ihr Gebiet verirrt hatte, einen Raum in ihrem Pah anzuweisen und boten ihm auch nach Möglichkeit Speise, wie Fische und Kartoffeln, an, und wenn er wieder fortzog, gaben sie ihm Einen zur Begleitung mit, damit er ungefährdet bliebe. — Die Maoris selbst leiten ihre Abstammung von den zehn Stämmen her, zumal es ja auch unter den Juden solche giebt, die eine dunkle Hautfarbe haben, und fast giebt es keinen Unterschied zwischen deck Allssehen eines Juden und unserem Gesichtsausdruck, und wenn z. B. der Reverend Harison in Dunedin die Kleidmlg eines Maori anzöge, würde kein großer Unterschied zwischen ihm und einem unserer Häuptlinge (Maori Chief) sein. — Und ist es nicht wirklich so? Der Rabbi Harison mißt vom Kopf bis zur Sohle 6 foot und darüber, ist dementsprechend von gehörigem Leibesumfang, und so giebt es viele Juden, die in ihrer Gestalt unseren Leuten gleichen. Stammen wir also nach unserem Aeußerell von einem Vater? — Mein Herr verlangt voll mir zu erfahren, wobei sich die Maoris besonders rücksichtsvoll gegen die Juden gezeigt hätten und ihrem Rathe gefolgt wären. Weiß mein Herr nicht, daß vor einer Reihe von Jahren, als wir von den Engländern bekriegt wurden, zwM Juden, die Brüder Levy, viele Christen oder vielrnMr alle in jenem Orte ansässigen Christen dadurch vor dem Tode gerettet haben, daß sie Juden waren? Und wenn jene Beiden nicht Juden gewesen wären, wären ohne Zweifel Alle getödtet und aufgegessen worden, so wie jene teuflischen Kauhaus den christlichen Geistlichen, Rev. Bolkner aus Opoiiki, ermordet und aufgefreffen haben. Mein Herr suche mir in den hiesigen Zeitschriften nach, und er wird finden, daß alles, was ich sage, der Wahrheit entspricht. Ich könnte noch so Mancherlei hierüber erzählen, aber wir müssen in den Kaik zurückkehren. Gott mit Euch, mein Herr!" Ich habe mich nachträglich von. der Wahrheit der Worte dieses Maori überzeugt. Nur will ich bemerken, daß unser Rabbiner Harison aus Litthauen in Rußland stammt, und seine Ahnen wohl niemals etwas von den Maoris gehört haben. Nun nahm ich mir noch vor, etwas Näheres über den Fall Bolkner zu erfahren und Ihnen zu berichten. Zunächst forschte ich bei den hiesigen. Gelehrten nach, namentlich denen, die allerlei Zutreffendes über die Maoris gesammelt haben. Lange Zeit habe ich vergeblich auf diesbezügliche Nachrichten gewartet; sie erinnerten sich der Bolkner-Episode kaum noch. Dann forschte ich in der Redaktion unserer Tageszeitung „Star" nach, deren Herausgeber unser Glaubensgenosse Herr Cohen ist; er versprach mir, da er augenblicklich keine Zeit habe, gelegentlich in seiner seit 35 Jahren erscheinenden Zeitung Nachsehen zu 'wollen. In Polen übersetzt man das Wort mit „es wet wohr wer'n", und das bedeutet bestimmt etwas Unwahres. Erst nach einigen Wochen gab mir einer meiner Bekannten, als ich schon alle Hoffnung, etwas zu finden, aufgegeben hatte, zwei Blätter einer englischen Zeitschrift, und ich habe sie wortgetreu übersetzt. Hier folgt sie: „Ein Missionar als Märtyrer. Ermordung des Rev. Bolkner aus Opotiki. Die Stadt Opotiki darf in ihre Chronik ein trauervolles Ereigniß schreiben, denn dort lebte der ermordete ehrwürdige Pater Carl Silvius Bolkner, Mitglied der Missionarvereinigung. — In den Akten genannter Brüderschaft aus den Jahren 1865—66 findet sich folgende Aufzeichnung: Ein wilder, fanatischer Haß hat sich unter den Ureinwohnern breit gemacht, und in ihrer zunehmenden Wildheit haben diese den Missionar Bolkner, der in der Stadt Opotiki hohe Achtung geiiofc, ermordet am 25. März 1865. Im Anfänge des Jahres 1865 unternahm es eine große Schaar der, Heiden, die sich in ihrer Ursprache Hauhaus nennen, aus der Niederlassung Taranaki, den Osten des Landes heimzusuchen;, sie drangen bis in die Mitte der Insel vor, an den großen See Taupo, um die Eingeborenen zum Kriege aufzustacheln und einige Missionare, auf die sie es abgesehen hatten/'zu tödten. Ihr Ziel war die Stadt Opotiki an der Ostgrenze der Insel. Als die Hauhaus nach Opotikikamen,, war Herr Bolkner nicht zu Haus — er war nach Auckland gereist —, und die Einwohner der Stadt ergriff ein nicht geringer Schrecken, da.man ihren Plan nicht kannte und sich wunderte, daß sie zwei Tage lang in der Stadt blieben. Am 29. Februar verließ Bolkner Auckland, um nach Opotiki zürückzukehren, und ein anderer Missionar, Namens T. S. Grace, begleitete ihn dahin. Sie reisten mit dem Schiffe „Eclipse". Das Kommando auf demselben führte der Kapitän Levy, von dem wir Näheres über den Vorfall erfahren haben. Am 1. März lief das kleine Schiff vom Meere in den Fluß nach Opotiki zu ein und gelangte an das Schiffsgelände (whart) in die Nähe der Speicher des Bruders des Kapitäns, des Herrn S. Levy. Zu ihrer größten Verivunderung bemerkten die Schiffsleute an den Ufern des Flusses eine Menge Maoris, die auf ihre Ankunft zu warten schienen, und große Angst ergriff sie. Bald kam auch Herr S. Levy mit dem Dolmetscher Tewai auf das Schiff und theilte ihnen mit,, daß sich die Maoris gestern verschworen hätten, alle Missionare oder Soldaten, die eintreffen würden, zu ermorden. Wir können kaum die Angst der Weißen — es waren ihrer nur acht Mann — schildern, die sie ergriff, als sie an beiden Seiten des Flusses Hunderte über Hunderte der Schwarzen, die nach ihrem Blute lechzten, bemerkten. Der Kapitän Levy stieg ans Land und erfuhr zu seiner größten Bestürzung, daß sein Bruder ihm die Wahrheit gemeldet hatte. Am Wen Tage zu fliehen, war unmöglich, und man wollte die Nacht abwärten, um die Rettung der beiden Missionare zu bewerkstelligen. Die Maoris jedoch, die aus unerklärlichen Gründen an den Missionaren Rache üben wollten und mach deren Blut lechMn^ befahlen dem Kapitän und seinen Leutensofort das Schiff MMaffen. Darauf gingen die Maoris an jedem Einzelnen vorbei, ergriffen Bolkner und

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