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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-21 · Heft 21 (21.5.1897) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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— m -— fachen Verfolgungen ausgesetzt sind — die Judenhetzen in Korfu sind noch in Aller Erinnerung—, leben die Juden, in der Türkei in völliger Ruhe und Freiheit. Ihr Großrabbiner sitzt neben dem armenischen Patriarchen und. dem - bulgarischen Exarchen im großen Reichsrathe, und sie erfreuen sich der persönlichen Gunst des Sultans, der in ihnen treue,, fleißige und friedliche Bürger schätzt. Diese Glaubensfreiheit, die der Türke Jedem gern gewährt, der ihn nicht selbst in seinen religiösen Gefühlen verletzt und so den Fanatismus muthwillig erregt, ist eine der schönsten Traditionen des osmanischen Reiches. Seit den Tagen des Kolumbus haben sich zahlreiche Juden aus Spanien und Portugal in allen Theilen des Landes niedergelassen. Hundert Jahre später zählte die jüdische Gemeinde in Konstantinopel schon 10000 bis 12000 Seelen, welche für ein jährliches Kopfgeld von einer Zechine freie Religionsübung und Handelsfreiheit genossen. Auch in anderen Städten waren sie zahlreich vertreten, so in Saloniki, in Smyrna und auf Rhodos. Letztere Insel war dem Johanniterorden im Jahre 1530 abgenommen worden, und während Sultan Suleiman den Christen daselbst den Aufenthalt verbot/ erlaubte er ihn den Juden, „den Christen und sonderlich dem ritterlichen Orden zu Trutz, Hohn und Spott", wie es in Brnmings 1612 erschienener „orientalischen Reiß" heißt. Alle Gewerbe sind unter den türkischen Juden dieser Zeit vertreten; sie sind Lastträger in Saloniki, Kaufleute in Konstantinopel/ stehen als Schauspieler und besonders Musikanten in hoher GuW und erwerben als Aerzte das Vertrauen der Sultane. Selim II. beschick» eine jüdische Kapelle 22 mal zu sich und beschenkte , sie jedesmal mit 60 Zechinen. Selbst zum Serail soll sie Zutritt gehabt haben. ,4 In vielen der spanischen eingewanderten Familien lebte die er-i erbte ärztliche Befähigung fort, welche den Juden schon unter den . arabischen Khalifen eine Quelle der Ehre gewesen war und ihnen im neuen Vaterlande wieder zu Beliebtheit, oft auch zu Ruhm und- Macht verhalf. . In.der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war es besonders Nathan Salomon Aschkenasi, der als Freund und Vertrauter des, Großveziers Mohawed Sokolli einen fast unbeschränkten Einfluß ausübte. Die. Agenten aller christlichen Staaten buhlten um seine- Gunst, besonders die Venetianer, denen er im Jahre 1573 einem mehrjährigen Frieden vermittelte. > Schon, einige Jahre früher hatte der Einfluß hochgestellter Indem den Sultan Suleiman zu einer kräftigen Intervention für die vom den Christen verfolgten ausländischen Juden veranlaßt. Im Kirchen-f staat hatte der Statthalter Christi, um seine wahre Hingebung aix die „Religion der Liebe" zu beweisen, alle Juden vertrieben und. ihnen für ewige Zeiten die Rückkehr verboten. n Der Sultan/' dem wohl noch nicht das rechte Verständuiß für diese Bethätiguntz westlicher Kultur gekommen war, schrieb daraufim Jahre 1556 einen geharnischten Brief an den Papst Paul IV» und verlangte Aufhebung des Ediktes. v Die größte Macht aber. erlangte Don Joseph von Naxos, dev eigentlich Juan Miguez hiA Cr war unter Sultan SulemiarH aus Portugal eingewandert und hatte es verstanden, sich.Suleimans- Nachfolger Selim unentbehrlich zu machen. . .. Der Sultan schenkte ihm die Einkünfte der zwölf Cycladeih überließ ihm. gegen eine verschwindend geringe Pacht den Weinzehent und ernannte ihMndlich zum Herzog von, Naxos. Sein Herzog-, thum hat Joseph freilich nie betreten. . Der Spanier Francesco Coronello verwaltete es für ihn, und er begnügte sich mit den Ueberschüffen der Insel. Josephs Einfluß wuchs bald ins Ungemessene. Er konnte es selbst, erreichen, daß zur Sicherung einer Forderung, die er an Frankreich, hatte, sämmtliche französischen Schiffe im Hafen von Alexandrien mit Beschlag belegt wurden, was endlose diplomatische Verhandlungen veranlaßte. Sein Ansehen war so groß, daß selbst Selims Nachfolger, der wegen seines Geizes berüchtigte Sultan Murad, ihm sämmtliche Einnahmen, bestätigte und ihn im ungehinderten Genuß derselben bis an sein Ende beließ. Freilich blieben schlechtere Zeiten nicht aus. Gelegentliche Zügellosigkeiten der stets zu Ausschreitungen geneigteil Janitscharen mußten durch Geldopfer verhindert werden; im Jahre -1579 befahl der wahnsinnige Sultan Murad in einem Tobsuchtsanfall, alle Juden im Reiche todtzuschlagen. . Bestechung der Janitscharen ließ diesen Befehl zwar nicht zur Ausführung kommen, doch mußten die Juden sich bequemen, statt des Turbans den Fez, damals die Tracht der geringen Leute, zu tragen. Im Allgemeinen aber war und blieb ihre. Lage eine verhältnißmäßig sehr günstige. Die türkische Geschichte kennt keine einzige nennenswerthe Judenverfolgung, sie zeigt eine bewundernswerthe Duldung jeder fremden Religion und Raffe gegenüber. Der beste Beweis dafür ist, daß z. B. die angeblich so gedrückten Armenier noch Revolutiollen selbst in Konstantinope! Hervorrufen können. Unter den mohamedanischen Türken leben noch viele Christen und.Juden, urster den christlichen Spaniern keine Mohamedaner mehr. - -- . 'N Briefe aus Australien. Mitgetheilt von Rabbiner Dr. B. Königsberger in Pasewalk. III. Dunedin, den 10. Mai 1896. Geehrter Herr Rabbiner! hr Brief vom 7. Januar d. I. ging mir am 22. Februar zu. Wenn ich auch lmabhängig bin, kam ich doch nicht eher als heute zur Beantwortung Ihrer jüngsten Zuschrift. Wenn Sie sich noch ein wenig gedulden, sollen Sie von mir weitere Zuschriften erhalten, die Ihnen noch mehr Aufklärung über mich selbst bringen werden. Sie können wohl selbst ermessen, daß so Manches meiner Obhut untersteht, aber zu meiner eignen Betrübniß beherrsche ich unsere heilige Sprache nicht mehr so sehr wie früher, und so fällt es mir nicht mehr leicht, hebräische Briefe zu schreiben. Diese Momente werden Sie zur Entschuldigung meines dreimonatlichen Schweigens wohl berücksichtigen, und so will ich Sie denn in Zukunft reichlich durch Mittheilung von alten und neuen Dingen, die Sie interessiren dürften, entschädigen. : Mit gleicher Post empfangen Sie als Drucksache (per book post) Ihre deutschen Schriften, die Sie mir im vorigen Jahre zu übersenden die Güte hatten. Ich habe sie vollständig gelesen; aber ich muß gestehen, daß ich in fremder Sprache geschriebene Abhandlungen nicht gern lese. . . . Von den Eingeborenen dieses Landes und ihrer Liebe zu uns Juden hatte ich nur nebenbei Erwähnung gethau, um den Raum zu füllen, und Sie haben gerade daran Interesse gefunden. Was nun Ihre Anfrage betrifft, weshalb jene Maoris gerade unseren Glaubensgenossen zugethan sind, wohl weil die Juden mit ihnen in Frieden leben, sie nicht angrcifen und sie nicht mit Waffengewalt zu

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