Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausgaben 12 821,04 M. Außerdem sind vorhanden 20 000 Mark Baufond und 1900 Mark unantastbares Kapital aus Vermächtnissen. und Stiftungen. Möge der ausgezeichnet wirkenden Anstalt die Gunst edler Wohlthäter auch ferner sich zuwenden! 8. Glogau, 11. Mai. Zu einer schönen Feier gestaltete sich das Jubiläum des Herrn Kantors L. Frankel. Um 1 Uhr erschien eine Schüler- und Borstandsdeputatiom von mehreren Schülern und Schülerinnen wurden passende Grüße in poetischer Form dargebracht, worauf der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Landsberger, das Wort ergriff. In kernhafter Rede sprach er dem Jubilar den Dank der Gemeinde aus und hob besonders seine herrlichen Charaktereigenschaften hervor, welche ihm die Sympathie Aller erworben haben, wofür die verschiedensten Achtungsbeweise Zeugniß ablegen. In einem künstlerisch ausgestatteten Diplom,, das sich in einer mit schweren Silberbeschlägen, versehenen Plüschmappe befindet, wurden seine Verdienste besonders gewürdigt. Herr I. Levy sprach im Namen der Repräsentanten und überreichte als sichtbares Zeichen der Anerkennung zwei silberne fünfarmige Kandelaber. Nachdem "noch Herr Rabbiner Dr. Rippner in seiner Ansprache das harmonische Familienleben als den Faktor bezeichnete, durch welchen es dem. Jubilar möglich wurde, mit ungetrübtem Gemüthe seines Amtes walten zu können, und Gottes Segen, für ihn und sein Haus erflehte, dankte der Jubilar tief ergriffen mit passenden Worten für die vielen Beweise der Verehrung, und die offizielle Feier schloß damit. Außer den angeführten Geschenken widmeten mehrere Schulen, Vereine und Freunde ansehnliche und werthvolle Angebinde, und zahlreiche Telegramme von Fern und Nah brachten Grüße. Mögen Herrn Fränkel noch viele Jahre rüstigen Wirkens beschieden sein. M. M.. Brilon, 7. Mai. Am 25. v. Mts. hielt der Verein israelitischer Lehrer Westfalens, „Sektion Warburg-Paderborn", im „Westfälischen Hof" zu Marburg eine anregende Versammlung ab. Nach .Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden, Kollegen Braun-Marsberg, ergriff dieser das Wort zu seinem Vorträge: „Per Synagogengesang". Redner trat warm'für die traditionellen Melodstn ein, deren Aneignung, Erhaltung und Anwendung in ihrer reinen,, stfts wirkungsvollen Form die Aufgabe eines jeden Kantors sein muß, zumal jene ehrwürdigen Melodien in unserer modernen Zeit Gefaht laufen, theilweise von trivial gefärbten Klängen' verdrängt zu werden. Der Vortragende gab sodann beherzigenswerthe Winke und Rathschläge zur Herbeiführung einer liebevollen Theilnahme der Gemeinde am Gottesdienste und betonte als das vorzüglichste Mittel die Pflege des lithurgffchen Gesanges in Haus und Schule. Die seitens mancher vorurtheilsvollen Gemeinden der Bildung von Kinderchören entgegengestellten Schwierigkeiten veranlaßten die Versammlung zur Fassung und einstimmigen Annahme folgender Resolution: „Die verständnißinnige Theilnahme der Schulkinder am Gottesdienste, zu erreichen durch thätige Mitwirkung der Knaben und Mädchen am lithurgischen Gesänge, muß als ein wichtiges Ziel des Religionsunterrichtes betrachtet werden." Mehr der Unterhaltung als der Belehrung diente das nun folgende Referat des Kollegen Pläut-Detmöld: „Plauderei über jüdische Namen", Der mit trefflichem Humor gewürzte Bortrag soll auf berechtigtes Verlangen säMmtlicher Konferenzmitglieder durch Abdruck weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden, weshalb ich mir ein näheres Eingehen auf seinen Inhalt an dieser Stelle ersparen will. Die nach Erledigung der Referate noch übrig gebliebene Zeit würde durch Austausch interessanter Erlebnisse aus dem Schul- und Gemeindeleben trefflich ausgefüllt. G Steele, 7. Mai. Die Abschiedsfeier für unseren Lehrer und Prediger H. Goldberg war eine sehr würdige. Schon, am Vorabend brachte der hiesige Synagogenchor ein Ständchen. Am Festtag übergab eine Deputation ehemaliger Schüler eine kunstvoll ausgeführte Adresse und als Geschenk ein stilvolles Meublement. Sodann fand in dem geschmückten Schulzimmer die Abschiedsfeier statt, welche mit passenden Deklamationen und Liedern begann. Darauf folgte die vorzügliche Festrede des Herrn Kreisschulinspektors Schulrath Dr. Füchte. Derselbe feierte den scheidenden Lehrer als treuen und gewissenhaften Beamten, dem er von Herzen einen glücklichen und ruhigen Lebensabend wünsche. Alsdann zur Einführung des neuen Lehrern, Herrn Lilienfeld, übergehend, legte er diesem in warmen Worten die hohen Pflichten des Behufes ans Herz. Nach kurzen Dankesworten des Herrn Goldberg sowie nach der vollzogenen Verpflichtung seines Nachfolgers schloß der weihevolle Akt ebenfalls mit Deklamationen und Gesang. Nachmittags 4 Uhr begann im großen Saale des Herrn Diem unter überaus zahlreicher Betheiligung der Gemeindemitglieder, Bürger aller Konfessionen, Kollegen und Kolleginnen von Nah und Fern die allgemeine Festfeier. Musikvorträge und Gesänge des Lehrer- und Lehrerinnenchors füllten hen ersten Theil aus. Der zweite Theil, der eigentliche Festkommers, wurde mit einem von Fräulein Bertha Stern vorgetragenen Prolog eröffnet, darauf ergriff der Leiter der Festversammlung, Herr Bürger« meister Farwick, das Wort zum Kaisertoast. Die Festrede auf den Scheidenden hielt in Vertretung des Herrn Schulrathes Dr. Füchte der Präses des Schulvorstandes, Herr Rektor Zerwes. Ihm folgte Herr Rindskopf sen. als erster Vorsteher der Synagogengemeinde und sodann Herr Rindskopf jun. im Namen ehemaliger Schüler. Herr Rabbiner Dr. Samuel-Essen gedachte, an das Wappen von Steele, drei ineinandergreifende Ringe, anknüpfend, des schönen Einvernehmens aller Konfessionen. Nicht unerwähnt bleibe, daß Herrn Goldberg seitens der Gemeinde ein namhaftes Ehrengeschenk überreicht und ihm vom Kaiser der Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens verliehen wurde. Auch wir wünschen dem scheidenden Lehrer noch eine Reihe von Jahren wohlverdienter Ruhe. 8. Aus dem Großherzogthum Hessen, im Mai. Der Elementarlehrer, und Kantor Jakob Stern in Storndorf, Oberhessen, feiert am 15. b. M. sein 50jähriges Dienstjubiläum. Geboren zu Heppenheim a. d. B., absolvirte derselbe bereits mit seinem 18. Jahre das Großh. Schullehrerseminar in Bensheim mit ausgezeichnetem Erfolg. Von seiner 50jährigen Dienstzeit entfallen auf die Stätte seiner jetzigen Wirksamkeit, die Kommunalschule in Storndorf, allein 32 Jahre. Geachtet und geehrt von allen seinen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession, gewürdigt von seiner. Vorgesetzten Behörde, geliebt und geschätzt von der großen Zahl seiner jetzigen und früheren Schüler ist es nun dem allezeit« auf einer höheren Warte stehenden Lehrer beschieden, in seltener Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit sein Jubelfest zu feiern. Möge dem «Jubilar Hoch ein langer freundlicher und glücklicher Lebensabend bevorstehen! * Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 10. Mai. Die neueste Heldenthat des antisemitischen Stadtrathes ist die, daß die armen israelitischen Schüler des Leopoldstädter Kommunal-, Real- und Obergymnasiums, welche für das Dürfende Semester um die Schulgeldbefreiung eingeschritten waren, vom Siadtrathe abgewiesen worden, trotzdem die Mittellosigkeit ihrer Eltern nachgewiefen und das Gesuch um die Schulgeldbefreiung vom Lehrkörper wärmstens befürwortet worden war. Direktor Halmschlag hätte die peinliche Aufgabe, den von dieser Maßregel betroffenen Schülern die Entscheidung des Stadtrathes. mitzutheilen und sie zu verständigen, daß sie am 15. d. Mts. die Anstalt verlassen müßten, wenn sie. nicht bis dahin das halbjährige Schulgeld per 25 fl. erlegt. Haben würden. Es sollen sich in der Direktionskanzlei die rührendsten Szenen Abgespielt haben, indem viele der Kinder erklärten, daß sie ihre Studien . aufgeben müßten, da ihre Eltern kaum das Leben zu fristen , hätten , und daher nicht in der Lage seien, das Schulgeld zu bezahlen. Um nur einen Fall, hervorzuheben, sei mitgetheilt, daß. einer dieser Studenten, ein Pörzügsschüler, der Sohn eines armen Dienstmannes ist, der noch für Mehrere Kinder zu sorgen hat. Unter den Mitgliedern des Lehrkörpers hat-die harte Handlungsweise des Stadtrathes gegen arme, unschuldige Schüler, allgemeine Entrüstung erregt. — Im Mai 1894 richteten die Israeliten in Rumburg an die Gemeindevertretung das Ansuchen, ihnen im Gemeindeschlachthause die Vornahme ritueller- Schlachtungen zu bewilligen. Die Gemeinderäche beschlossen, dieses Ansuchen Wrückzuweisen und die rituellen Schlachtungen zu verbieten. Gegen diesen Beschluß erhob die jüdische Gemeinde bei der Bezirkshauptmannschaft Protest, welche die Einspruchswerber an den ordentlichen Jnstanzenzug - wies.. Die politischen Behörden entschieden, daß der Beschluß der Gemeindeverwaltung als gesetzwidrig aufzuheben sei. Gegen diese Entscheidung des Minister.ums erhob nun die Gemeindevertretung von Hamburg die Beschwerde beidem Verwaltungsgerichtshof. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Beschwerde der Stadtgemeinde Bumburg alsunbegründet zurück. Die Begründung der Entscheidung besagt im Wesentlichen, daß das rituelle Schlachten zu den; Religionsübuügen gehöre und . eine Verhinderung der Ausübung. in-