Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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zu Berlitt" war wiederum sehr zahlreich besucht. Als erste Mit^ theilung verlas der Vorsitzende, Herr Dr. Adler, das Antwortschreibens welches die Hinterbliebenen des verstorbenen Herrn Jüstizraths MakowE auf den Beileidsbrief der Vereinigung gesandt hatten. Sodann wieß der Herr Vorsitzende aus die am 8. Juni in Frankfurt a. O. statt) findende Generalversammlung des „Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg" hin und ersuchte die Vereinsgenossen, sich recht zahlreich daselbst einfinden zu wollen. Hieraus ergriff er das Wort zu einerfi Referat über: „Die jüdischen. Lehrer Berlins und die neuesten VM fügungen". Der Herr Referent führte etwa Folgendes aus: Vor ungefähr drei Jahren trat eine Aenderung des Verhaltens der Schul) behörde gegen die hiesigen jüdischen Lehrkräfte ein, aus welchem eiA Zurückdrängen derselben deutlich erkennbar war. Als nach der ersteü hierher gehörigen Verfügung des Provinzial - Schulkollegiums vorn Jahre 1894 eine Remonstration verschiedener jüdischer GemeinschästeW darunter auch unserer Vereinigung, an das Ministerium erging, erklärte dasselbe in einem Erlaß vom Jahre 1895, daß das Kultusministerium' in jedem Falle an den Bestimmungen des Ministers Falk festhaltetr wolle, also auch die Anstellung jüdischer Lehrer/ wenn nöthig, gestattL In. Verfolg dieser Erklärung bestimmte das Prövinzial-Schulkollegiüüi,'. daß erst dann eine neue jüdische Lehrkraft' an Berliner Gemeindeschulen angestellt werden dürfe, wenn jede'an denselben bereits thätige Lehrperson bis zu zwölf Stunden wöchentlichen Religionsunterrichtes herangezogen sei. Auch , bedürfe die Uebertragung eines Ordinariats an eine jüdische Lehrperson der jedesmaligen Bestätigung der königliches Behörde; ferner sei es unstatthaft, daß eine solche Lehrkraft , dieselbe Klaffe länger als ein Jahr behalte. Endlich solle den jüdischen Lehrern und Lehrerinnen der Unterricht in der. Geschichte und der deutschen Lektüre möglichst entzogen werden. Gegen diese Auslegung des ministeriellen Erlasses von Seiten des Provinzial - Schulkollegiumtz petitionirten abermals der Centralverein jüdischer Staatsbürger, der jüdische'' Gemeindevorstand zu Berlindie Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer - Schulmänner zu Berlin und, nach einer Interpellation des Herrn Stadtverordneten Preuß, der hiesige Magistrat. Auf alle diese Reklamationen erging der. Bescheid, daß es keineswegs im Sinne der Aufsichtsbehörde liege, einer jüdischen Lehrkraft erst dann die Anstellung zu gestatten, wenn jede bereits angestellte jüdische Lehrperson zwölf Stunden Religionsunterricht wöchentlich ertheile; es sei doch unmöglich daß derselbe Lehrer an Schulen entgegengesetzter Stadttheile unterricht^ In Bezug auf die Zulassung jüdischer Lehrkräfte zum Ordinariat genLH es, wenn erst nach Beginn des Semesters eine dahingehende Meldung an das Provinzial-Schulkollegium erfolge. Auch sei den. jüdischen LehtS Personen der Unterricht in der Geschichte und im Deutschen keineswegs zu entziehen, sondern es sollten ihnen nur nicht solche unterrichtlichen Stoffe überwiesen werden, die sie im Interesse der Schüler und im eigenen Interest nicht richtig verwerthen könnten. Nach eingehender Besprechung dieses Erläuterung erwähnte der Herr Referent eine Verfügung vom H. März 1897, welche sich mit dem Religionsunterricht jüdischer Kinder beschäftigt Die drei Hauptpunkte dieser Verfügung sind folgende: 1. Die Vorsteher de!c hiesigen Schulen haben festzustellen, ob' und durch wen die jüdisches Kinder ihrer'Anstalt Religionsunterricht erhalten. Kinder, die ohU solchen Unterricht aufwachsen, sind dem Provinzial - SchulkollegiM namhaft zu machen. 2. Lehrpersonen, welche Religionsunterricht erthetleff wollen, haben in Zukunft vor der bereits bestehenden Kommission des jüdischeÄ Seminars eine Religionsprüfung abzulegen. 3. Die Bestellung eines b^ sonderen Inspektors für den jüdischen Religionsunterricht wird abgelehnA Auch diese Verfügung wurde nach ihrer' Bedeutung für die jüdisches Lehrer und Schüler einer eingehenden Beurtheilung unterzöget Nach Schluß des klaren und übersichtlichen Referates entspann sich eit?« lebhafte Diskussion über dasselbe und zwar vorzüglich über die Quälst' fikationsfrage und über die Frage, wie eine Förderung der Anstellung^ jüdischer Lehrer zu ermöglichen sei. Die Versammlung küm schließlich überein, vorläufig noch eine abwartende Stellung einzunehmen. NaM dem so das Hauptthema der Sitzung erledigt war, wurde' noH beschlossen, eine außerordentliche Versammlung am 29. MaA Abends 8V2 Uhr, int Vereinslokal, Münchener Hof, SpanvaM Straße 11/13, abzuhalten. Diese Versammlung soll eine wisseK schaftliche Sitzung'sein, in welcher Kollege Auerbach Thesen seines' früheren Vortrages über „die allgemeine Volksschule" zur DisküssiöA stellen wird: Um 12% Uhr schloß die so interessante ' Sitzung^ 22 Berlin, 9. Mai. In dem von nervenstärkenden Nadelwäldern umsäumten, in gesundheitlicher Beziehung vorzüglich gelegenen Lust-Kurort Schlachtensee an der Wannseebahn, das ebenso von 'Berlin wie von Potsdam in wenigen Minuten zu erreichen ist, finden im dortigen „Schülerinnen - Erholungsheim" schwächlicheund besonders blutarme Kinder besserer Stände Gelegenheit, ihre Gesundheit während" der Sommermonate zu kräftigen,' zumal die Eltern häufig nicht immer in der Lage sind, s selbst mit den Kindern eine Sommerwohnung zu beziehen. Es war darum eine glückliche Idee, in diesem idyllisch gelegenen Vorort Berlins ein Institut ins Leben zu rufen, das sich die hohe Aufgabe stellt, seinen. Pflegebefohlenen neben einem planmäßigen, tüchtigen Unterricht und Erziehung .zugleich auch die sorgfältigste körperliche Pflege und Erholung durch die nöthige Bewegung im Freien, Beschäftigung mit Gartenarbeit u. s. w. angedeihen zu lassen. Unter einer vortrefflichen fachmännischen Leitung stehend, ist dieses Schülerinnen- Erziehungsheim in seiner schmucken Villa mit den reizenden Gartenanlagen durchaus geeignet, den dieser Anstalt anvertrauten Kindern ihre körperliche und .geistige Frische wiederzugeben, so daß dieses Institut mit Recht auch allen erholungsbedürftigen Glaubensgenossen aus den besseren Ständen empfohlen werden kann. D Danzig, 10. Mai.. Am 4. d. M. fand hier eine von dem Vorstand der hiesigen Gemeinde einberufene, zahlreich besuchte Delegirtenversammlung statt, in welcher die Gründung eines westp reuß ischen Pro - vinzial-Gemeindeverbandes einstimmig beschlossen wurde. Das von dem Vorsitzenden der hiesigen Gemeinde, Herrn Gustav Davidsohn, vorgelegte Statut wurde mit geringen Änderungen angenommen. In den Verbands-Ausschuß wurden außer den Herren Rabbinern Drr. Blumenthal-Danzig, Grabowski-Konitz, Rosenstein-Graudenz, Schick- Zempelburg die Herren G. Davidsohn-Danzig, Rechtsanwalt Behrendt- DaNzig, Kaufmann JD. Wolff-Thorn, Kaufmann C. Lands Hut-Neumark, Fabrikant Goldfärb-Pr. Stargard, Kaufmann Löwenstein-Elbing. Kaufmann Sternberg-Kulmsee und Kaufmann Lewinneck-Neustadt gewählt. Die rühmenswerthe Einmüthigkeit, mit der säst alle Beschlüsse gefaßt wurden, und die schaffenssreudige Begeisterung, welche die Konstituirung des Verbandes in den Delegirten wächrief, lassen für die segensreiche Wirksamkeit des Verbandes das Beste hoffen. Gleiwitz, 9. Mai. Der fünfte, sechste und siebente Jahresbericht über die israelitisch e Heilstätte im Soolbave Königsdorff-Jastrzemb, deren Verwaltung hier sich befindet, ist vor Kurzem für die . Jahre 1894, 1.895, 1896 ausgegeben worden. Er enthält als Prolog ein hübsches, stimmungsvolles Gedicht von Dr. W. Münz, der sich um das Werk ein großes Verdienst erworben. Auch die vergangenen drei Jahre waren für die Anstalt eine frohe Arbeitszeit, reich an Segen und Erfolgen, Die Bearbeitung und Erledigung der laufenden Geschäfte lag in den Händen der Herren Dr. Münz,. Fraenkl und Lichtenberg.' Die Behandlung der Pfleglinge war dem Badearzt Herrn Dr. med. Witczak übertragen. Derselbe hat in sehr anerkennenswerther Weise seines Amtes gewaltet. Die erziehliche Aufsicht und Pflege der Kinder wurde zwei dazu, geeigneten jüdischen Damen, die mit leidenden Kindern umzugehen verstanden,, übergeben. Die, Anstalt wurde immer Mitle Mai. geöffnet und Mitte September geschlossen. Die Kurzeit der Pfleglinge betrug in der Regel vier volle Wochen; bei. mehreren wurde dieselbe bis zu 6 Wochen, bei Einzelnen bis zu 8 Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung,.erziehliche Aussicht, ärztliche Behandlung, Bäder und andere Kurmittel bezw. Arzneien zu Theil geworden. 1896 hat die Anstalt eine bedeutende Erweiterung erfahren. Um den immer mehr gesteigerten Anforderungen Genüge zu leisten, die zumal während der Schulferien an uns herantraten, sind neue Betten hinzugefügt worden. Jnsgesammt hat die Anstatt im Jahre 1896 83 Kindern, und zwar, 35 Knaben und 48 Mädchen, ihre gastlichen Pforten geöffnet. 33 Kinder, erhielten Freistellen, 26 wurden halbe Freistellen gewährt und 24 zahlten; einen Satz, der den Selbstkosten annäherungsweise gleich , kam. Die Anstalt wird in diesem Jahre am 19. Mai eröffnet und sind Anmeldungen an die Verwaltung zu richten. Diese Verwaltung besteht aus den Herren: Rabbiner Dr. Wilhelm. Münz. Vorsitzender, Bankdirektor Jacob Frankl, Schatzmeister, R. David, Louis Lichtenberg, Rechtsanwalt und Notar Eugen Lustig, Ingenieur B. Meyer, färnmtlich in Gleiwitz, A. Pinczower, Zabrze O.-S., Heinrich Pollack, Zabrze O.-S., Adolph Schlesinger, Gleiwitz. Die Einnahmen 1896 betrugen 14 069,05 M.. die.