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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-14 · Heft 20 (14.5.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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- , 4 diesem Falle nicht nur eine Verletzungder-Artikel 14 und 15 der Staatsgrundgesetze begründe, sondern auch eine Verletzung des Z,-25 des Gesetzes, vom 21. Mai 1890, wonach die Angehörigen der israelitischen Konfession^- in der freien Bethätigung ihrer Religionsgebräuche nicht behindert werden»'- dürfen. — Unser Oberrabbiner ^Dr. Güdemann, der kürzlich durchs das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet worden, erschien^ in Audienz beim. Kaiser, um feinen Dank abzustatten. Dr. GüdemanN^ erbat sich die Erlaubniß, den Segen sprechen zu dürfen. Nachdem der Kaiser hierzu die Erlaubniß ertheilt, rezitirte Dr. Güdemann den» Segensspruch in hebräischer und deutscher Sprache und schloß : „Ich" danke Eurer Majestät allerunterthänigst für die allergnädigste Auszeichnung, in welcher meine Glaubensgenossen in dieser für sie so schweren Zeit" ein Zeichen der Unwandelbarkeit der Huld Eurer Majestät erblicken, is Der Kaiser antwortete hierauf: „Nun, es freut Mich,.weny Ihre Glaubensgenossen es so aufgefaßt habendes giM übrigensauchJhrerPerson." Um die Bedeutung dieser kaiserlichen Worte in vollem Maße zu würdigen, muß man sie mit der Thatsache*, Zusammenhalten, daß die allerhöchste Entschließung, mittelst welcher der < Wiener Oberrabbiner durch das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens» ausgezeichnet wurde, an demselben Tage erfolgZe, an dem die, Bestätigung^ des Herrn Dr Lueger zum Bürgermeister von Töten vollzogen worden ist. —^ Eine Deputation der Ortsrichter von zwanzig Gemeinden des Gerichts-' bezirkes Ustrzyki überreichte dem nach Dolina versetzten Notar Dr.'^ Arthur Blumenfeld, Ehrenbürger der Stadt Lutowisko, in Anerkennung: seiner humanen und verdienstvollen Wirksamkeit eine Dankadresse^ Der Deputation schloß sich der Pfarrer von Ustrzyki an. — Wie die'' „Wiener Zeitung" im amtlichen Theile publizirt, hat der Kaiser dem^ Primarärzte des israelitischen Krankenhauses in Wien, außerordentlichem.. Professor der internen Medizin an der Wiener Universität imbC Sanitätsrathe Dr. Leopold Oser in Anerkennung seines vierjährigen^ sehr verdienstlichen Wirkens den Titel eines Regierungsrathes ver^ liehen. Die Auszeichnung Professor Osers, eine der glänzendsten Zierden der Wiener medizinischen Schule, wird in der Wiener Ge-! sellschaft, in welcher sich der berühmte Arzt um seiner echten Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte der allseitigsten Sympathien erfreut, mit aufrichtiger Befriedigung begrüßt werden. — Der Kaiser hat dem Direktor des Wiener Giro- und Kasfenvereins Herrn I. Kanitz den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse und dem Vizedirektor desselben Institutes Herrn Dr. P. Hammerschlag das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Direktor Kanitz ist seit Jahrzehnten einer' der eifrigsten Vorkämpfer des Giroverkehrs in Oesterreich, und er so-? wie sein Stellvertreter Dr. Hammerschlag haben sich bei Ausarbeitung des Checkgesetzes verdient gemacht. — In der „Oesterr. isr. Union"^ hat jüngst die Borstandswahl stattgefunden. Leider hat Herr Dozent? Dr. Josef Grünfeld den Vorsitz wegen Ueberbürdung mit Berufs^ geschäften definitiv niedergelegt. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt.; An seiner Stelle wurde Herr Wilhelm Anninger mit großer! Majorität zum Präsidenten gewählt. In derselben Sitzung hielt berj Landtagsabgeordnete Dr. Ofner einen interessanten Vortrag über „das,! Wesen des Antisemitismus". j Frankreich. 4! Paris, 10. Mai. Bei der entsetzlichen Brand-Katastrophe M Paris sind ums Leben gekommen Frau Theodor Porges und Frau! Emma Kann. Frau Porges war eine Tochter des verstorbenen^ Bankiers Baron Weißweiler und mit dem Bankier Theodor Porgesverheirathet; sie war mit den Häusern Rothschild, Ephrussi uuds Gutmann verwandt. Frau Porges war mit ihrer Tochter Anita; in den Bazar gekommen; sie kam ums Leben, ihre Tochter rettet« sich. Madame Jules Porges, eine Kusine der Verunglückten, hay ihr neues, prachtvolles Hotel in ein Spital umgewandelt. Die verunglückte Frau Kann, geborene Stiebel, stammte aus Frankfurt a. M.! Sie war gleichfalls mit der Familie Rothschild verwandt und die! Gattin des bekannten Pariser Remissiers Louis Kann, der einer Wiener- Familie entstammt. Sie stand in den vierziger Jahren und galt als eine sehr schöne, stattliche Frau, die sich in den Pariser Gesellschaftskreisen großer Beliebtheit erfreute. Zur Trauerfeier in Notredame ist auf Faurch besondere Einladung der Lord Mayor von London in großem Staaf erschienen; Frau Kann, die unter den Opfern ist, gehört zu seiner näherest Verwandtschaft. Bankier Michel Heine, auf dessen Grundstück det Bazar stand, hat die Absicht, auf dem Platze .ein Sühndenkmal zu errichten. Die Regierung hat angeordnet, daß in den Synagogen eine .besondere Leichenfeier veranstaltet werden solle, der Vertreter des Präsidenten der Republik und einige Minister beiwohnen werden. Die Sammlung des „Figaro" für die Zwecke, denen der verunglückte Bazar gewidmet war, erreicht am dritten Tage 582 039 Fr. Baronin H irsch , hatte 25 000 Fr beigesteuert. Eine ungenannte Spende von 937 438 Kr., um den frommen Werken, die am ersten Bazartage 45 000 Fr. eingenommen hatten, den Betrag zu vervollständigen, den ihnen der vorjährige Bazar zugeführt hatte, iiämlich 982 438 Fr., wurde ebenfalls Frau Baronin Hirsch zugeschrieben, rührte jedoch nicht von ihr her. Es wird allgemein bemerkt, daß ungefähr alle Spenden über 2000 Fr. von Juden herrühren, so von den verschiedenen Rothschilds allein 147 000 Fr. Dazu bemerkt die „B. Z.": „Diese lärmende Freigebigkeit für streng und ausschließlich katholische Werke wird von der öffentlichen Meinung als würdelose Aufdringlichkeit empfunden und keineswegs so beurtheikt, wie die jüdischen Geber sich anscheinend schmeichelten. Cassagnac widmet der Sache in der „Autorite" eine blutige, doch nicht unverdiente Besprechung." Wie die Juden es machen, machen sie es ihren Gegnern nicht recht. Was hätten die Herren für einen Lärm geschlagen, wenn die Juden sich etwa gar nicht an den Sammlungen betheiligt hätten! Non Nah und Fern. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Redakteur und Herausgeber des „Deutsch. Gen.-Anz." Sedlatzek gegen seine Verurtheilung zu vier Monaten, wegen Beleidigung des Freiherrn von Mirbach, einlegte. Er hat jetzt, die drei Monate Gefängniß aus dem Ritualprozeß eingerechnet, sieben Monate abzusitzen. — Geheimrath Schwabach hat dem Vorstande der jüdischen Resormgemeinde in Berlin den Betrag von 20000 Mark als Schenkung zugehen lassen, und zwar "in Anbetracht des Umstandes, daß nun fünfzig Jahre verflossen sind, seit er an dem Gottesdienste dieser Gemeinde, deren Mitglied er ist, theilgenommen. — Dr. O. Thon von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums ist einstimmig zum Prediger der Tempelgemeinde in Krakau gewählt worden. — Ahlwardt wurde in Magdeburg, wie der dortige „Generalanzeiger" mittheilt, nach einem Vortrag am nächsten Morgen von einem Gerichtsvollzieher im Hotel aufgesucht, der ihm auf Veranlassung eines Magdeburger Gläubigers das Portemonnaie aus der Tasche pfändete. — In Perleberg war die öffentliche Vertheilung des antisemitischen Flugblattes „Wo kauft man Konfirmanden-Anzüge" von der dortigen Polizeibehörde verboten worden. Ein Herr Ehlers, der Führer der dortigen Antisemiten, hatte den Weg der Beschwerde an den Landrath beschritten. Der Landrath ertheilte folgende Antwort: „Ich halte die Versagung der polizeilichen Erlaubniß zur öffentlichen Vertheilung des Flugblattes Nr. 45 mit Rücksicht auf dessen aufreizenden Inhalt für gerechtfertigt und lehne es ab, die nachträgliche Ertheilung der Erlaubniß anzuordnen. Der Landrath v. Jagow." — In Kolmar i. P. ist Dr. T. Zolinski aus Breslau zum Rabbiner gewählt worden. — Moritz L. Hahn-, Direktor der deutschen Effektenbank, ist, 68 Jahre alt, am 10. d. Mts. in Frankfurt a. M. gestorben'. — Der Civilingenieur H. Cardozo in Paris, einer der nächsten Verwandten der verstorbenen Frau Furtado - Heine, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Die Academie des Inscription et Belle lettres in Paris hat Professor Silvain Lövi, dem jüngsten Lehrer des College de France, den Preis von 8000 Frcs ertheilt, um seine Studien über den Buddhismus fortzusetzen. — Herr M. Poznanski in Lodz hat den Stanislausorden 3. Klaffe erhalten, Herr M. Kernbaum in Warschau die goldene Medaille am Bande des St. Annenordens. — In London ist Abraham de Paß, eines der angesehensten Mitglieder der sephardischen Gemeinde, im 74. Lebensjahr gestorben. — Einen jüdischen Polizeipräsidenten giebt es jetzt — in Amerika! Zum ersten Polizeikommissar von New-Pork wurde dieser Tage an Stelle des zum Staatssekretär im Marineministerium der Vereinigten Staaten ernannten Herrn Theodore Roosevelt der Anwalt Frank Moß ernannt. Moß wurde 1860 in Putnam, New-Iork, als Sohn jüdischer Eltern geboren und war als Advokat sehr bekannt. Druck und Verlag von Rudolf Müsse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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