Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61. Jahrgang. Nr. 20. $tv ßerii,,> 14 Äi i89?- Weitcrge zur „Mtge meinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 11. Mai. Die Konstituirung des Verbandes für jüdische Wohlthätigkeitspslege ist in einer zu diesem Zwecke am Donnerstag den 6. Mai stattgehabten Delegirten - Konferenz nunmehr definitiv erfolgt. Etwa 40 Vertreter hiesiger jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten und -Vereine waren der Einladung des Gemeindevorstandes gefolgt und stellten in eingehender, zum Theil recht lebhafter Debatte die 11 Paragraphen umfassenden Satzungen des neuen Verbandes fest. Zu Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses wurden außer Herrn Martin Simon, als Vorsitzenden der „Centralstelle", noch gewählt: die Damen Frau Julie Neumann und Frau Dr. Maybaum, die Herren Rechtsanwalt Breslauer, Jul. Grünwald, Dr. Hirsch Hildesheimer, Dr. Georg Minden, Gustav Sachs und Siegfried Sachs. S£2 Berlin, 11. Mai. Am 27. d. Mts. wird die Festfeier anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums im Saale des Brüdervereins, Unter den Linden 4 a, stattfinden. Wie wir hören, wird Herr Prof. Dr. Steinthal die Festrede halten. Eine Festschrift: „Rückblick auf die ersten 25 Jahre der Lehranstalt", wird in den nächsten Tagen schon ausgegeben werden. Wir zweifeln nicht daran, daß die Nachricht von dem Festtag unserer Hochschule in allen jüdischen Kreisen mit Interesse ausgenommen werden und daß das Fest selbst allgemeine Theilnahme finden wird. ^2 Berlin, 9. Mai. Der 70. Geburtstag des Predigers Dr. Julius Oppenheimer brachte dem Jubilar vom frühen Morgen bis zum Abend eine ununterbrochene Reihe von Ehrungen. Ueberreicher Blumenschmuck als Spende der Gemeinde, der Loge Kaiser Friedrich, der Freunde von Nah und Fern zierte das enge, aber trauliche Heim des Jubilars, duftige Zeichen seiner Anerkennung. Die Feier begann mit einer Ansprache des stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Rudolf Masse, der mit den herzlichsten Glückwünschen der Gemeinde dem Jubilar eine namhafte Ehrengabe überreichte. Hierauf folgte eine Ansprache des Predigers Dr. M. Lev in, anknüpfend an die letzthin gehaltene Predigt des Jubilars, der seinen Sinnspruch (Psalm 26, 12) zum Wahrspruch gemacht habe. Auch Prediger Dr. W. Klemperer gratulirte in herzlichster Weise, indem er hervorhob, daß sich der Jubilar eine gute Quittung mit seinem Atter selbst ausgestellt habe. Hierauf folgten Ansprachen des Herrn Leopold Fried - mann, der die Glückwünsche der gemischten Kommissionen und eine Ehrengabe überreichte, des Oberlehrers Dr. Schäfer, der im Namen der gottesdienstlichen Kommission die Verdienste des Jubilars um die Erbauung der Gemeinde, namentlich die Innigkeit seines Gebetes hervorhob, des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung Konsul Jul. Friedemann, der den Jubilar in seinem schlichten,, einfachen Wesen schilderte. Ferner.stellten sich die Deputationen der.Großloge von Preußen genannt „Kaiser Friedrich zur Bundestreue" ein, deren Großredner der Jubilar ist. Geheimrath Sette gast redete den Jubilar an, indem er dessen stets bewiesenen Eifer für die Bestrebungen der humanitären Verbindungen, seine begeisterte Rede hervorhob und schilderte, wie er sich in guten und schlimmen Zeiten darin nicht habe irre machen lassen, sondern stetstreu und fest zur Fahne der Führer gehalten habe. Dann folgten Dr. Rosenthal, Ehrenmeister. vom St. der Loge Viktoria, der die Grüße seiner Loge und das Diplom zum Ehrenmitglieds derselben überreichte, Kommerzienrath Lissauer, der als Meister vom St. der Loge Germania in einem von ihm verfaßten Gedichte die Herzenswärme, des Jubilars feierte und ihm ebenfalls das Diplom zum Ehrenmitglieds seiner Loge überbrachte, zuletzt der Redner seiner eigenen Loge, „Lessing zu den drei Ringen", Br. Kohrs, der in herzergreifenden Worten auseinandersetzte, worin er den Jubilar als ihren Meister feierte: als den Mann, der unentwegt, zielbewußt nur das Eine wolle: Friede, Freude, Einigkeit unter den Menschenkindern. Nach Verlesung einer Adresse und Ueberreichung einer kostbaren Schlaguhr ergriff der Jubilar noch einmal das Wort und erwiederte in schlichter Weise, wie auf all die vorangegangenen Ansprachen, schlagfertig und redegewandt. Die Zahl der Gratulanten war sehr groß; es stellten sich seine ältesten wie jüngsten Freunde und Schüler ein; ganze Berge von Briefen und Telegrammen bewiesen, in wie weiten Kreisen der Jubilar Verehrung und Liebe genießt und hoffentlich noch lange genießen wird. Berlin, 10. Mai. Ein neues Institut, das reichen Segen für zahlreiche arme Familien unserer Glaubensgemeinschaft verheißt, ist mit Beginn dieses Monats eröffnet worden: das jüdische Kinderheim. In. einer Gegend, in der sich die arme jüdische Bevölkerung Berlins zusammendrängt (Keibelstraße 40), hat der Verein „Jüdisches Kinderheim" sowohl einen Kindergarten wie einen Kinderhort begründet; im ersteren finden jüdische Kinder Aufnahme, deren Eltern den Kleinen nicht die geistige und körperliche Pflege und Leitung zuwenden können, welche gerade für Kinder dieses Alters nothwendig ist. Der Kinderhort ist für diejenigen schulpflichtigen jüdischen Kinder bestimmt, welche in der Wohnung der Eltern entweder nicht den geeigneten Raum und die nöthige Ruhe für ihre Arbeit finden, oder die der häuslichen Beaufsichtigung entbehren müssen. Die dringende Nothwendigkeit der Errichtung des Heims zeigte sich gleich beim Aufnahmetermin. Eine so große Zahl von Anmeldungen erfolgte, daß die Aufnahme bereits vor dem 1. Mai geschlossen werden mußte; mehr als 40 zumeist recht begründete ' Gesuche armer Eltern konnten seither leider wegen Mangels an Raum nicht mehr berücksichtigt werden. Nachdem sich in so augenfälliger Weise die Nothwendigkeit der Begründung eines jüdischen Kinderheims gezeigt hat, wird die Stätte, in der eine so edle, soziale Hilfeleistung sich vollzieht, einer noch größeren Sympathie, als sie schon jetzt gefunden hat, sicher sein. Das stets hilfsbereite Herz unserer Glaubensgenossen wird sich den Kindern der Armen gewiß nicht verschließen. Den Vorstand des Vereins bilden, wie wir noch bemerken, Frau Dr. Maybaum, Vorsitzende, Frau Stadtrath Weigert, stellvertretende Vorsitzende, Rektor Dr. Adler, Schriftführer, Frau Martin Seligsohn, stellvertretende Schriftführerin, Ludwig Ruß, Schatzmeister, Frau Max Benjamin, stellvertretende Schatzmeisterin. Jedes Vorstandsmitglied ist bereit, Anmeldungen neuer Mitglieder sowie Spenden für das Heim entgegenzunehmen. 22 Berlin, 7. Mai. Am 3. d. Mts. ist hier nach längerem Krankenlager der Maurermeister M. B. Straßmann verschieden. Der Verstorbene war ein Bruder des sel. Berliner Stadtverordneten - Vorstehers Dr. Straßmann. Er war ein allgemein geachteter Mann, der irü'öffentlichen Leben namentlich in vielen gemeinnützigen Vereinen sich wirksam bethätigte. Die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler, der jüdische Studienbeförderungsoerein, der Hilfsverein für Rawitscher, der Verein gegen Verarmung u. v. a. verlieren in ihm einen bewährten und opferwilligen Mitarbeiter. Das Leichenbegängniß fand am 6. d. unter Theilnahme weitester Kreise vom Sterbehaus in der Oranienbürgerstraße 16 aus statt. Die städtische Verwaltung, der der Verstorbene in vielen Ehrenämtern seine Dienste gewidmet hatte, war durch die Stadträthe Borchardt, Mammroth und Heller und durch die Stadtverordneten Dr. Gerstenberg, Heilmann, Sutter, Friederici, Wittkowsky, Hellriegel, Riemer und Langenbucher vertreten. Eine große Anzahl gemeinnütziger Vereine, denen der Verstorbene angehört hatte, war bei der Feier vertreten. Die Gedächtnißrede auf dem Friedhof in Weißensee hielt Rabbiner Dr. Maybaum; er schilderte in ergreifender Weise das Leben und Wirken des trefflichen Mannes, dessen Andenken unvergessen bleiben wird in dem Kreise, den er durch sein Wirken ausgefüllt. k. Berlin, 11. Mai. Die am 1. d. M. stattgehabte Versammlung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner