Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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sollte, sondern daß auch alle jüdisch - traditionellen Gesänge und; Melodien, die in das gesellschaftliche Gebiet einschlagen, darin ganz i besonders Aufnahme zu finden hätten. Ich habe dies in meinem j jüngsten liturgischen Werke bereits angestrebt, indem ich im Anhang! u. a. Maanuub Chupah-Nigun, die Gesänge für den Mohel und j dergleichen, beifügte.! So löblich aber auch die'.Inangriffnahme einer großen! Sammlung echt traditioneller jüdischer Melodien ist, so würde die j Ausführung erschwert, ja vielleicht illusorisch werden, wenn ausschließ-! lich die Herren Chordirigenten solches besorgen sollten?)! Ferner vermag ein solches Werk bei der allgemein, obwaltenden j Indifferenz, selbst unter den Berufensten, nicht zu einer gewiß sehr! kostspieligen Herausgabe zu gelangen, wenn nicht im Voraus auf erhebliche Verluste gerechnet werden müßte. Nur dann erst dürfte; eine Verwirklichung in Sicht sein, wenn dem Unternehmen sofort ■ bedeutende Subventionen zugewendet werden würden. Ich kenne das?) Es ist nicht zu leugnen, Laß, wie Herr Profeffor Dr. Steinthal sagt, : gegenwärtig fast eine Ueberproduktion von synagvgalen Kompositionen vorhanden, wovon nur der kleinere Lheil' brauchbar sei. Selbst von unseren großen Meistern ist durchaus nicht alle mustergiltig. So hoch ich beispielsweise Lewandovski als Psalmist und größtentheils in seinen liturgischen Chören wie überhaupt als Musikers schätze, weniger halte ich von jenen Theilen, die er dem Kantor zugewiesen, denn sie weichen vielfach von der Tradition ab, - sind theilweise willkürliche, wohl auch, schöne Erfindungen oder von slavischen Melodien herrührend. Schon im Jahre 1882, als mich Herr Lewandovski mit seiner Gemahlin auf einige Tage besuchte, habe ich diese meine Beobachtung ihm gegenüber unumwunden geäußert und auf Sulzer hingewiesen, der, was Chason us anbelange, der möglichst unverfälschten Tradition folgte. Herr Lewandovski gab zu, daß Sulzer das voraushabe, daß jener ein sin sei, und er (L.) sich erst von guten Kantoren habe instruiren. lassen müssen. So kann ich z. B. sein Lecho n’ranano fein Adonai moloch,' sein Ubchen ten pachdcho nicht billigen. Wenn ich an Sulzers -pfiä denke: wie anheimelnd, wie herrlich! Ergreifende und begeisternde Töne, Die wohl des Alters Stempel an sich tragen Und uns vertraut sind seit der Kindheit Tagen. Gleichfalls kann ich mich nicht befreunden mit Lewandovskis niH*?. nann nm mit seinem 8) niwn'n bei der Hakofo sowie beim Vorlesen des mit dem 2^ ',N'^) am TnMYflWEV J) Hier in Süddeutschland sind die Chordirigenten in der Synagoge, größtentheils Nichtisraeliten, welche trotz aller Praxis nie und nimmer' in den Geist und die Charaktereigenthümlichkeit jüdischer Melodien einzudringen vermögen. Trotzdem haben schon mehrere von ihnen fürunseren Gottesdienst komponirt, was besser nie das Licht der Welt erblickt hätte. Auch bei jüdischen Chordirigenten vermisse ich oft die richtig einzuschlagende Bahn. Musikalisches Wissen allein thut es nicht. 2) Unter meinen größeren Werken befinden sich auch die meisten vorhandenen und vornehmlich durch mündliche Ueberlieferung erworbenen „Hebräischen Melodien" in 2 Theilen, welche ich harmonisirt und. für großes Orchester in Form eines Potpourris zusammengestellt habe. Ob dieses Werk aber je zur Veröffentlichung gelangen wird, muß wegen ' der großen Herstellungskosten vorerst noch fraglich bleiben. 3) Mendelssohn'scher Richtung. ' 4) 2)iefe£' 2*)^.’JT’I klingt vollkommen dem Volksliede „Arn Brunnen vor dem Thore u. s. w." gleich. Mit einigen Federzügen brachte ich das Richtige, Altherkömmliche, wie hier ersichtlich, heraus. Ich bezeichne nachstehend die betreffende Strophe in O-äur und 8/4-Takt:- ' lauter heterogenen - Schöpfungen, die von dem alten überlieferten Chasonus abweichen?) Gleichwohl gehört Lewandovski zu den größten unserer liturgischen Komponisten; es wird unvergeßlich bleiben, was er zur Beffergestaltung des israelitischen Gottesdienstes im Allgemeinen, namentlich als Psalmenkomponist, geschaffen, wenn auch dabei manches unterlaufen, was den'Anschauungen und dem Geschmack Vieler nicht entspricht. (Forts, folgt:) Jüdische Fieüesthätigkeit in New-Work. Von Prof. Dr. G. Deutsch in Cincinnati. II. as Budget des Hebrew Orphan Asylum ist ein sehr hohes. Der letzte Jahresbericht weist Aufgaben in der Höhe von 303 000 und Einnahmen im Betrage von 268 000 Dollars aus, doch sind diese'Ziffern abnormale, da in den Einnahmen ein bedeutender Posten für den Verkauf eines Grundstücks und in den Ausgaben ein noch bedeutenderer Posten als Rate für den Neubau figurirt, der beinahe eine Viertelmillion Dollars verschlungen hat. Ueberdies trägt die Anstalt infolge einer Vereinbarung '40000 Dollars zu den allgemeinen Wohlthätigkeitszwecken der United Hebrew Charities und 3000 Dollars zur Erhaltung der jüdischen Gewerbeschule bei, doch kann man die Kosten der Erziehung eines Kindes auf 140 Dollars veranschlagen, also jedenfalls eine Summe, für die eine Unterbringung der Zöglinge. in verläßlichen Privatfamilien nicht erreichbar wäre. Das günstigste Zengniß für das Wirken dieser Anstalt ist die Thatsache, daß fast alle Zöglinge aus früheren Jahren tüchtige und ehrenhafte Menschen geworden sind, und wenn man die Knaben auf ihrem Exerzierplätze mit ihrer eigenen Musikbande hinter dem lustig flatternden Sternenbanner militärische Evolutionen ausführen sieht, kann man auf ihren Gesichtern jene stolze und sorglose Glückseligkeit strahlen sehen, welche man oft genug bei den Kindern des städtischen Mittelstandes und sicherlich fast immer bei den Kindern jener Kreise vermißt, aus welchen diese Knaben stammen. Dem Hebrew Orphan Asylum zunächst steht die. jüdische Kinderschutz-Gesellschaft, wie man den englischen Titel: Hebrew Sheltering Guardian Society am besten übersetzen könnte. Auch diese Anstalt gewährt 700—800 Kindern Unterkunft. Ihre Pfleglinge rekrutiren sich aus den Kreisen jener Unglücklichsn, für welche Gericht oder Polizei Obsorge treffen müssen. Bald ist es ein Fall, wo der Vater seine Familie, verlassen hat, bald Krankheit der Eltern, mitunter auch Vernachlässigung der Obsorge oder gerichtliche Bestrafung des Vaters, wodurch der Familie der Ernährer entzogen wird, oder ein Kind wird als sittlich verwahrlost von der Straße 5 5 5 3 3 3 3 1 2 a32 1 Waj’ — hi e—rev waj’hi wo — ker jöm e — chod Vs Vs V* v4 Vs Vs Vs V4 Vs v4 V2 Am Brunnen vor dem Thor—eda steht ein Lindenbäum v4 V4C V8 Vs Vs Vs Vs VsVs 7CV/a * * 3 4/?^ V2 > , <F > 5 5 5 3 5 518 5 Waj’ — hi e — rev waj ’ hi | wo — ker Vs Vs V4 V4 VaVsIVs V* 0 Wir brauchen wohl nicht erst hinzuzufügen, daß wir mit Bezug auf die Schöpfungen Lewandowski's ganz anderer Ansicht sind als der Verfasser des obigen Artikels. Die Red. 3 jöm Vs 1 chod richtig.