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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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und wie er .den Verein mit. dem ersten Vortrag eröffnet, so schließe er diese Saison mit seinem letzten Vortrage. Verschiedene andere Mitglieder sprachen noch ihr Bedauern aus, daß die hiesige Gemeinde Herrn Meyer als ersten Vorsteher, ein Amt, das er nun beinahe 30 Jahre bekleidet, verliert, und sagten ihm Dank für seine Thätigkeit in der Gemeinde und im Litteraturverein Frankfurt a. M., im Mai. Die Einladungsschrist zur öffentlichen Prüfung der israelitischen Religio ns schule enthält zunächst eine werthvolle historische Studie des Direktors, Rabbiner Dr. H ör o v itz, über die Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. im Jahre 1603. Im abgelaufenen Jahre hat sich die Wirksamkeit der Anstalt abermals erweitert, indem sie den Religionsunterricht in dem neuen städtischen Goethegymnasium gleichfalls übernommen hat. Die Zahl der Zöglinge betrug 460. Das. Lehrerkollegium besieht zur Zeit, außer dem Direktor, aus den Herren Dr. Grünbaum, Schwab, S. Unna, Zuckermann, Dr. Kahn, Dr. Unna und.Stamm, und den Damen Frau Schwarz (geb. Schüler), Fräulein Fontheim und Fräulein Finkelstein. Im Beth- Hamidrasch lehrten wiederum die Herren Jacob S. Posen, Dr. Grünbaum und S. Unna neben dem Direktor. In der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf ertheilt Herr Ch. E. Lipinsky mit sehr gutem Erfolg wöchentlich vier Stunden Talmudunterricht. Die Benutzung der Bibliothek, deren Verwaltung in den Händen des Herrn Dr. Kahn liegt, hat gegen, das Vorjahr wiederum zugenommen. Im Ganzen wurden etwa 550 Bände (gegen 200 im Vorjahr) ausgeliehen. Die Einnahmen der Anstalt betrugen 32099,11 Mark, die Ausgaben 24 509,66-Mark. Das Vermögen beträgt 137.750 Mark. —r— Westfalen, 1. Mai. Am 1. v. Mts. legte Herr I. Rosenfeld' zu Lippstädt sein Amt als Lehrer und Kantor der Synagogengemeinde nieder und schied aus dem ihm liebgewordenen Berufe, nachdem er in demselben länger als fünfundzwanzig Jahre pflichttreu gewirkt hat. Das Faktum illustrirt das Kapitel über die unsichere Stellung der israelitischen Lehrer an nicht öffentlichen Schulen. Die Gemeinde Lippstädt, von etwa 50 Familien, ist materiell recht leistungsfähig und zählt in ihrer Mitte manche wohldenkende und intelligente Familie, — aber — obgleich die Bedingungen, ihre Schule zu einer öffentlichen zu machen, gegeben, konnte die Gemeindevertretung im Ganzen sich zu einem dahin gehenden und zur Sicherstellung des Lehrers führenden Schritte nicht entschließen, und so blieb Herr Rosenfeld, trotz der Anerkennung seines Wirkens seitens der Behörde, seiner Beliebtheit bei der gesammten Bevölkerung wie auch speziell in feiner Gemeinde, auf Kündigungsfrist von Zeit zu Zeit angestellt. Nun hat sich vor einiger Zeit eine Spaltung in der Gemeinde vollzogen. Dadurch wurde die Stellung des Lehrers auf die Dauer noch fraglicher, er entsagte seinem liebgewordenen Berufe, da sich ihm eine für die Zukunft gesichertere Lebensstellung, die eines Oberinspektors bei der Versicherungsgesellschaft „Victoria", bot; die Pflicht des Familienvaters redete eine zu eindringliche Sprache. Daß Herr Rosenfeld auch in seiner Gemeinde anerkannt wurde, beweist ein im Hotel Burnbeim ihm zu Ehren veranstaltetes Abschieds-Festessen, woran sich beide Gemeinden betheiligten; vom Vorstande wurde dem aus dem Amte Scheidenden ein prachtvoller Pokal zum Andenken überreicht. Möge es dem wackeren Manne vergönnt sein, in dem neuen Berufe Befriedigung und Erfolg zu finden; mögen aber auch die israelitischen Gemeinden zu der Erkenntniß gelangen, daß die Erhebung ihrer Gemeindeschule zur öffentlichen zum Bestände ihrer Schule und zum materiellen Bortheile der Gemeinde gereicht. > « Oelde, 3. Mai. Am 25. v. Mts. wurde von Lehrern hiesiger Gegend die KonMuirung einer jährlich zweimal stattfindenden Bezirkskonferenz beschlossen. Kollege Graf-Essen, der Vorsitzende des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen (Sitz Essen), war trotz der weiten Entfernung auch erschienen. Sieinweg-Rheda, der Senior der Versammlung, hob in einer mit Beifall aufgenommenen Ansprache die Bedeutung einer solchen Konferenz hervor und betonte, daß die Zusammenkünfte neben Erstrebung idealer Ziele auch die Stärkung und Förderung des Zusammengehörigkeits-Bewußtseins pflegen sollen. Die Versammelten stimmten den Ausführungen des Redners in allen Punkten zu. Der erste Punkt der Tagesordnung fand durch die Wahl der Kollegen Kaufmänn-Ahlen zum Vorsitzenden und Spier-Rheda zum Schriftführer seine Erledigung. Beide nahmen unter Dankesäußerungen für das ihnen bewiesene Vertrauen die. Wahl an. Die Konferenz tritt jährlich zweimal zusammen, und zwar während der Osterferien und der Halbfeiertage des Laubhüttenfestes. Dem Vorsitzenden bleibt es Vorbehalten, nach seinem Ermessen bei wichtigen Anlässen eine außerordentliche Versammlung zu berufen. Die Konferenz nennt sich noch den äußersten Greirzpunkten des Bezirks Hamm-Minden. Ein anderer Gegenstand der Tagesordnung beschäftigte sich mit einer Vorbesprechung für die in Lippstädt tagende Hauptkonferenz. Nur Einigkeit und zielbewußtes Vorgehen habe den Verein zu der Blüthe, die er jetzt entfaltet, gebracht. Diese heiligen Güter des Friedens sollen auch fernerhin gewahrt werden. Als ein Beweis für die rege, erfolgreiche Thätigkeit des Vorsitzenden, Herrn Graf, muß der Umstand heroorgehoben werden, daß die Unterstützungskasse des Vereins vom 31. Dezember bis jetzt eine Einnahme von 6700 Mark zu verzeichnen hat. Hoffentlich werden, die Mitglieder des Vereins dem Beispiel ihres Vorsitzenden folgen und ebenso für das stetige Wachsen des Fonds sorgen. Im weiteren Verlaufe der Erörterungen berichtete Herr Graf über die Verhandlungen der auf der vorjährigen Konferenz zu Elberfeld gewählten Ausgleichskommission. Die Konferenz sprach ihre völlige Uebereinstimmung mit den diesseitig gemachten Einigungsvorschlägen aus und beschloß auch auf der Hauptkonferenz zu Lippstädt, hieran festzuhalten. Es sei, so wurde hervorgehoben, dem neugebildeten Verein in Köln die Hand zur Einigung gereicht; weise er diese zurück, so müsse die Verantwortung ihm überlassen bleiben. Wir halten einmüthig zu unserem seit 40 Jahren bestehenden Verein und zu der aus ihm hervorgegangenen, segensreich wirkenden Unterstützungskasse. Oesterreich - Ungarn. □I Wien, 3. Mai. Unsere deutsch-nationalen Antisemiten geben selbst jetzt, wo sie doch andere Sorgen haben sollten, nichts von ihrem Judenhaß auf. So haben die Abgeordneten Schönerer und Genossen einen Antrag dem Reichsrath überreicht, worin die Regierung aufgefordert wird, die Vorlage eines Gesetzes gegen Einwanderung und Niederlassung ausländischer Juden in Oesterreich einzubringen. — Am 8 d. Mts. hält die „Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" im Festsaale des kaufmännischen Vereins I, Johannesgasse Nr. 4, die ordentliche Generalversammlung mit nachstehender Tagesordnung ab. 1. Begrüßung der Versammlung durch den Präsidenten, Herrn Baurath Stiaßny. 2. Bericht über die Thätigkeit des Kuratoriums in der Periode 1895 bis 1896, erstattet von dem Schriftführer Herrn Architekten Fleischer. 3. Bericht über die Kassagebahrung für die Periode 1895 bis 1896, erstattet von dem Kassaverwalter, Herrn Baurath Ritter von Goldschmidt. 4. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Rechnungen für die Periode 1835 bis 1897 (§ 10 des Statuts). 5. Wahl von zwei Mitgliedern des Kuratoriums auf die ' Dauer von drei Jahren, 1897 bis 1899 (§ 8 b des Statuts). 6. Wahl von korrespondirenden Mitgliedern (§ 4 des Statuts). 7. Beschlußfassung über eventuelle Anträge von Mitgliedern. 8. Mittheilung des Herrn Professor Dr. D. H. Müller. An die Generalversammlung schließt sich eine Vorlesung des ersten Vizepräsidenten der Gesellschaft, k. k. Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal, an. — Dem Vorsteher des reichsräthlichen Stenographenbüreaus, Regierungsrath Wilhelm Stern, wurde der Eiserne Kronen-Orden dritter Klasse, der gewöhnlich zugleich auch die Erhebung in den Adelsstand zur Folge hat, verliehen. Wilhelm Stern war früher auch Direktor des Stenographenbüreaus im niederösterreichischen Landtag, welche Stelle er nun Heuer durch die Umtriebe der antisemitischen Majorität im Landtage verloren hat. Dadurch gewinnt die vom Kaiser verliehene Auszeichnung eine ganz besondere Bedeutung. — Der Baron Königswarter- Künstlerpreis im Betrage von 600 fl. wurde von der hierzu berufenen Jury dem Maler Herrn Isidor Kaufmann für sein auf der 25 Jahresausstellung im Künstlerhause befindliches Bild „Sabbath" verliehen. — Anläßlich des Mai-Apancements wurden abermals mehrere jüdische Militärs befördert, unter Anderen wurden zu Oberstabsärzten die Doktoren Jakob Schaff und Philipp Winterstein ernannt. — Der Kaiser hat dem Revisor im reichsräthlichen Stenographenbüreau, Herrn Carl Weitzmann, das goldene Verdienstkreuz verliehen. — Professor Dr. Karl Störk hat den russischen Stanislaus-Orden zweiter Klasse erhelltem

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