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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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6. Budapest, 2. Mai. Das Jubiläumsfest des Großwardeiner Kardinal-Bischofs Dr. Lorenz Schlauch, der auf eine fünfzig-' jährige segensreiche Wirksamkeit' zürückblicken kann, - wurde mit dein Empfang zahlreicher Abordnungen eingeleitet. Der Kardinal wurde auch seitens -der Religionsgemeinde vom Prediger Dr. Leopold K ecs kemöti, seitens der orthodoxen Gemeinde vom'Rabbiner M. FuchF, seitens des israelitischen Früuenvereins von Armin Gerö in schwunM vollen Reden-begrüßt. Auf die Ansprache des Predigers Kecskemöti er-? wiederte der Kirchenfürst: „Ich bin nicht fähig, auf die schwüngvoD Ansprache eine solche Antwort zu geben, wie Sie es verdienend Tief? empfinde ich die Wahrheit der Worte, daß Wissenschaft und Religion in Harmonie sem, daß ihre Gegensätze ausgeglichen werden müssen. Gott schrieb zwei Pücher: die Bibel und die Natur. -Die Harmonie zwischen beiden dem' Verständniß der Menschen beizubringen, war mein leitendes Prinzip meiner fünfzigjährigen Wirksamkeit Daß die Welt mein Streben zu würdigen versteht, was ich auch Ihrer schönen Rede entnehme, verdanke ich der Gnade und Güte Gottes. Irwtiles servi suinus, kseimus, guocl äsbuirnus kaears. Ich that, was meine Pflicht war. Ich danke Ihnen für Ihre Gratulationen." Auf die Begrüßungsansprache des Rabbiners Fuchs antwortete der gelehrte Bischof: Das' Judenthum und das. Christenthum stehen auf einer Basis. Das durch Gott offenbarte Alte Testament ist die-Basis, bezüglich der zwischen uns kein Gegensatz herrscht, und dies ist jene Basis, auf der der Erlöser das Neue Testament erbautem Sie wissen ja gut, was Moses prophezeite: Sie werden niemals untergehen, um ewige Zeugen des Christenthums - und der Offenbarung zu sein." Die Abordnung des jüdischen Frauenvereins erhielt folgende Antwort: „Wo es Leiden giebt und man Wohlthätigkeit üben muß, entsendet Gott die Frau, denn sie kann die Schmerzen und Leiden des Herzens verstehen. Mit großer Dankbarkeit -denke ich immer an Sie, die Wohlthätigkeit üben, weil dies ein hübsches Gebiet ist, ans dem ich am liebsten mit meinen Mitbürgern zusammen-, treffe." — König Umberto ernannte den Dichter Anton Rado zum Ritter des Corona d'Jtalia-Ordens. — Siegmund Gold würde der Titel eines königl. Rathes ertheilt. NußlanÄ. S Kiew« im Mai. Unter Theilnahme der geistlichen' Spitzen unserer Stadt, Professoren, Aerzte rc. ist der neugebaute Theil des jüdischen Hospitals eröffnet worden, welchen der bekannte Philantrop Lazar Brodski auf seine Kosten hat Herstellen lassen. Der neue.Theil enthält 32 Betten und ist, speziell zu einem Frauenkrankenhaus be-. stimmt. Der Generalgouverneur von Kiew hat aber gleichwohl zur selben Zeit verboten, daß jüdische Geschäftsinhaber Waarendepots iw Städten oder Dörfern errichten, wo sie kein Ansiedelungsrecht haben." Bis jetzt war es, ihnen unbenommen, in . Eisenbahnstationen Waaren aufzuspeichern, z. B. Petroleumbassins anzulegen rc. Noch 1888. wurde ihnen dieses Rechte bestätigt, das ihnen der neue Kurs ent-, zogen hat. . -.; Nah und Fern. — Professor Dr. A. Baginsky hat das Kommandeurkreuz deskönigl. spanischen Ordens Jsabella der Katholischen, erhalten: — Hier starb die Wittwe des bekannten Stadtraths Löwe, Frau Anna Löwe, geb. Wallach, im Alter von 67 Jahren. Stadtrath Löwe wurde besonders populär durchseine vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufene Stiftung der Nähmaschinen für arme Näherinnen. — Bon der Polizei sind die „Briefe eines jungen Deutschen und einer Jüdin" beschlagnahmt worden. — Aus dem Deutschen Reiche ausgewiesen wurde der' „Post" zufolge als Ausländer der Redakteur P. Schlesinger, früher- ' Chefredakteur der -antisemitischen „Reichspost" in Wien, bekannt auch als Herausgeber zahlreicher ultramontaner Schriften. Wegen Erregung öffentlichen Aergernisses war Schlesinger von Schöffengericht und Strafkammer ,zu 400 Mark Geldstrafe veruLcheilt worden. In Königshütte ist am 21. v. Mts.-im Alter von 84 fahren-der Lehrer Max Bä hm gestorben. Derselbe galt - alstüchtiger Fachmann. — Frau Baronin Hirsch hat zum Neubau des jüdischen Kurhospitals -in Kolberg 30 000 Mark gespendet. — Alexander Weil aus Hop selben i.M hatdie französische Kolonialmedaille erhalten. Er-stand in Afrika undMexiko beim 82. Linienregiment und diente, in der Front und als Läzarethgehilfe von 1859—1866; er besaß bereits die mexikanische Krkegsdenkmünze. — Die israelitische Gemeinde zu Budapest schließt die Bilanz^ des Vorjahres 7mit einem Ueb?rschusse von 84«>3 fl. ab, welcher Betrag, dem Tempelbaufonds zugeführt wird. Die Ausgaben betrugen vax, •i Vorjahre 372 584fl. 24 kr., die Einnahmen 381047 fl. 21 kr. Die Aktiven der Gemeinde belaufen sich auf 8050102 fl. 32 kr.-'- Für das laufende Jahr sind präliminirt an Ausgaben 428 389 fl 9 kr., ctn' - Einnahmen 424 498 fl. 17 kr: Die Differenz soll durch Ersparnisse hereingebracht werden. — Auf Anregung des Herrn Rabb. Dr. Nie.? mirower in Jassy hat sich daselbst ein'Verein zur Vertheilüng von Holz und Mazzod gebildet. Den' Vorsitz führt Herr Dr. N.; außerdem besteht das Komitee aus den Herren Schnirer, Leibowici und Flügelmann. — Aus Miskolcz berichtet man: Zwischen dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Genesi, und dem Steuerbeamten' Erdelyi hat ein Säbelduell stattgefünden, bei welchem beide Gegner schwer verwundet wurden. Eine thatliche Insulte hat zum Zweikampfe Veranlassung gegeben. —- In Kopenhagen ist Nathan Joseph Fränkel, einer der angesehensten dortigen Glaubensgenossen, der für Lehre und Wohlthätigkeit während seines ganzen Lebens eifrig wirkte, gestorben. Derselbe hat für eine jüdische Siechen- und Alterversorgungs- Anstalt 200 000 Kronen hinterlassem — In Paris ist am 21. v. Mts. eines der geachtetsten und tüchtigsten Mitglieder der dortigen Gemeinde, P. M. Oppenheim aus Brüssel, plötzlich gestorben. Unmittelbar vor seinem Tode noch wurde er von der Regierung für den Orden der Ehrenlegion vorgeschlagen. — Der'Zar hat den Staatsrath' Dr. L. B. v, Bertenson zu seinem Leibarzt ernannt. Dieser Akt ist bemerkensrverth, da Bertenson jüdischer Abkunft ist und Alexander III. dessen wiederholt vorgeschlagene Ernennung aus diesem Grunde abgelehnt hat. Die französischen Antisemiten sind auch ganz unglücklich darüber. — Dem Arzt am Gouvernklnents-Krankenhause in Kischineff M. O.^ Blumenfeld ist anläßlich seines 25jährigen DienstjubWums vom Zaren der Wladimirorden IV. Klasse verliehen worden, der das Recht, auf den erblichen Adel verleiht. — Die Nachricht in Nr. 12, daß die beiden jüdischen Gemeinden in New-A ork, Schaare Schemajim und Beth-El,. sich vereinigt^ hätten und erstere ihren Rabbiner, Dr. S. H. Sonnenschein, entlassen, ist erfreulicherweise unrichtig. Die betr. Gemeinde hat die. Vereinigung abgelehnt, und Dr. Sonnenschein wirkt an derselben wie früher mit seinem großen Rednertalent weiter. — 'Der -Verband „Iluitsä Hebrew Charilies“ in New-Jork hat nach seinem letzten Jahresbericht 34294 Fälle erledigt und dafür 110 618,68 Dollars aufgewendet; er hat von 6409 Arbeitsuchenden 6318 oder beinahe 99 pCt. Arbeit verschafft. Durch eine, vorzüglich geregelte Stellen-Vermittelung wurde indirekt 22168 Personen geholfen, und dies erforderte den nur mäßigen Aufwand von 6393,14 Dollars. 2044 Arbeitgeber, hatten sich gemeldet, und hauptsächlich bei diesen wurden die 6318 Arbeiter untergebracht. —Die National Farm School für Israeliten, eine Gründung von Rabbiner Dr. Krauskopf, ist nahezu vollendet und wird.demnächst eröffnet werden. Die Schule ist bei Doylestown, Pa., gelegen und umfaßt 122 Acres, die für 10 000 Dollars angekaufl wurden. Vor Kurzem berichtete Rabbiner Krauskopf, daß er 20000 Dollars an Beiträgen für den guten Zweck erhalten habe, seitdem sind ihm jedoch noch beträchtliche. Summen zugeflossen. Für den Unterhalt der Schule werden jährlich ungefähr 5000 Dollars nothwendig sein. Nach Ansicht des Stifters sollten die israelitischen Einwanderer dem Ackerbau zugesührt werden, und es ist deshalb sein Plan, die Zöglinge der Farm so mit Kenntnissen im Ackerbau .auszurüsten, daß sie im ganzen Lande israelitische Kolonien leiten können. —. Zur Zeit tagt in Adelaide (Süd-Australien) die Konvention der australischen Kolonien, wozu jede? derselben 1Ö‘ Delegirte schickt. Es befinden sich unter ihnen 2 Juden, ^Mr. Jsaae A. Jsaacs, den Attorney-General von Victoria, und;Mrl V. L. Solomon, Vertreter für Süd-Australien. Jsaac A. Jsaacs .! wird während der Abwesenheit des Premierministers von Victoria dessen; Geschäfte führen. Er ist der erste jüdische Premierminister in Australien, -wogegen Neu-Seeland in der Person Julius Vogels schon einmal einen Juden an der Spitze seiner Verwaltung gehabt hat. - Druck und Verlag 'von Rudolf. Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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