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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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‘ „Meine Ahnung, Walter!" sagte er zu dem-Buchhalter, der ' ihn fragend ansah. „meine Ahnung!" , . , , Der Buchhalter winkte mit den'Augen nach'dem Sekretär, der mit der Aktenmappe unter dem .Arme, noch - immer aufdem Flecke-' stand, auf dem er bei seinem Eintritte Posto gefaßt-patte. ' - ' - ■ „Herr Schrenzel, - ich darf Sie nicht. länger aufhalteli,'" sagte - - Awrom^uh bitte, die Aufträge noch heute auszuführen. Guten .Abend!" . . „Ach, Herr Bürgermeister —" , „Schwarzmann ist:mein Name," unterbrach Awrom. //Jawohl," sagte er zu Walter, der ihn fragend ausah. .„Ich dachte, es wird hier Arbeit genug'geben,.meinen Sie nicht? Lesen Sie dochl",. . „Nun,: ich darf nicht länger stören,"; sagte - der Sekretär, indem r er nach einiger Mühe, mit Taschentuch, Hut und Aktenmappe in . den Händen, ' die Thüre öffnete. „Ich bin ewig. dankbar, Herr Bürgermeister, guten Abend!" . Kaum hatte sich die Thür hinter dem Sekretär geschloffen, als der Buchhalter seinen Arm \\tden des Bürgermeisters schob und ihn auf das Sopha nöthigte-, das in einem Alkoven im Hintergründe des Zimmers stand. „Alles hübsch der Reihe nach," sagte er, :„nur ' - keine Uebereilung im Geschäft." Dann zündete er die Gaslampefl überdeni Schreibtisch und im Hintergründe des Zimmers an. „So," meinte er, „nun, sieht es doch heimlicher aus." Hierauf öffnete er die Thür und pfiff in einem eigenthümlichen schrillen Tone. „Herr - Buchhalter?" rief es herauf. „Franz," -rief der Angeredete zurück, Micken Sie einmal eine von den Weibern zum Herrn Bürgermeister" — „Sie entschuldigen schon, Herr Chef," wandte er sich in das Zimmer zurück — „und lassen Sie etwas Gutes zum Abendbrot» besorgen. Für Zwei, hören Sie, für zwei Leute, die schon lange nichtsgegeffen haben; schicken Sie eine Alte,' Franz, damit sie nicht am Röhrbrunnen stehen bleibt." „So, das wäre besorgt," sagte er. ins Zimmer zurückkehrend, „und jetzt noch einen Labetrunk!" Damit trat er zu einem Wandschrank, nahm einige Flaschen prüfend heraus und. stellte nach, einigem Schwanken endlich eine auf den Tisch, und zwei Gläser füllend, sagte er: „Nierensteiner, das ist mein Fall! Prosit und- Courage!" - Awrom nippte seufzend an dem Glase. „Na, so ist das nicht gemeint. Von solchen Thautropfen schafftman sich weder Mnth noch Kraft," rief Walter, indem er dem Chef das Glas aufnöthigte. - Darauf füllte er die Gläser noch einmal und warf sich in' einen Fauteuil, nachdem er eine Cigarre, der er ganz unceremoniell^ init den Zähnen die Spitze abbiß, an der Glasflamme - angezündet hatte. .„Es ist ewig schade, daß Sie nicht rauchen," sagte/er nach einigen kräftigen Zügen, „und wahrlich ein Beweis Ihres geschäftlichen Talents, daß Sie, ohne Raucher ,31t sein, es so weit gebracht haben!" . „Ich wünschte,.daß ich Ihren Optimismus besäße,.Walter," erwiederte der Angeredete. „Rauchen Sie Havanna, Herr Bürgermeister, dann kommt es. Nehmen Sie mir es nicht übel!" fügte er hinzu, da er bemerkte, daß Awrom sich die offizielle Anrede verbitten wollte. „Jahrelange^ Gewohnheit! Und heute müssen wir gemüthlich sein." „Was^.sagen Sie zu der Depesche?" stieß Awrom nach einer Pause mühsam hervor. _ „Gar nichts vor dem Äbendbrod," erwiederte Walter ruhig, indem er sein Glas zum Munde führte. „Ich muß den Sitz der Denkthätigkeit im Magem haben. - Wenn dieser leer 'ist, - kann' ich . nicht henken.". - - - „Bergnerm," rief er,- als eine. Arbeitsfrau tmifc einem Korbe in der Hand eintrat, „das ist brav. So deckt einmalhier, den' Tisch, und wenn-Ihr -fertig seid, wartet draußen, bisich Euch rufe. Herrlich, -Herr-Bürgermeister!" rief er aus, indem er die' Schüsseln prüfte. „Gepöckelte' Zunge, Radieschen; Entenbraten mit grünen Erbsen, .Rehrücken, Dunstobst, Kirschentorte, Herrlich! . Herr Bürgermeister, wenn die Zeiten ein wenig besser werden, heiräthe ich die Marie. Keine Widerrede! Ich entführe Sie, wenn es noth thut." ' - ' - Während der Buchhalter mit wahrhaft gesegnetem Appetit allen diesen - Herrlichkeiten zusprach, berührte der Chef trotz aller Ermunterung - die ihm. dargereichten Speisen kanm und blieb .ebenso einsilbig, wie sein Gesellschafter gesprächig wurde. m:;. n-. 1 -l . „Bergnerin!" rief -der Buchhalter -von seinem-- Sitze,, während er' ails feiner Kaffeetasse den letzten-:'. Schluck thai.. „Räumt alles ab. Das Uebergebliebene-'könnt- Ihr -mitnehnien, wenn Ihr . wollt, und das Geschirr-tragt wieder zum. Herrn Bürgermeister hin. Die Marie laff> ich sehr.schön grüßen; sie ist mein Schatz. Ausrichten, hört Ihr? - Und hier für. Euch," fügte er. hinzu, indem er dem Weibe eine-kleine Silbermünze in die Hand - steckte. „Kiff die Hand vielmals,"' sagte die Arme/ .nachdem sie sich mehrmals vergeblich bemüht hatte,-des Buchhalters Hand zu küssen. ,-Schon gut!" sagte der Buchhalter. „Sagt dem Franz, er soll Niemanden borlassen." (Fortsetzung folgt.) Kprerhsaal. Sn Berliner Familien ist wohl ein ständiges Thema die Dienstmädchen kalamit ät. Thatsächlich wird es immer schwerer, brauchbare Dienstmädchen zu erhalten. Aus leicht begreiflichen Gründen wird dieser Uebelstand in jüdischen Familien besonders hart empfunden. Unb dochkönnte der Dienstmädchennoth sehr leicht abgeholfen werden. In Rußland, Rumänien, Galizien herrscht ein wahrer Mädchenüberfluß in jüdischen Familien. Es wäreeinem..organisirten Verein nicht schwer, die geeigneten Dienstkräfte, nach -selbstverständlich sorgfältigster Auswahl, nach Berlin heranzuschaffen. Vorurtheile brauchen durchaus nicht gehegt zu werden! Wenn man in London und speziell New-Nork mit russisch-jüdischen Mädchen gute Erfahrungen gemacht hat, so glaube ich, daßsich die russischen oder rumänischen Mädchen nach Einlernung auch bei uns bewähren würden. Es wäre dadurch den aus armen jüdischen Familien stammenden Mädchen Gelegenheit gegeben, in Berlin und vielleicht noch anderen Orten' verhältnißmäßig viel- Geldzu verdienen. Nach mehrjähriger Dienstzeit könnten die. Mädchen, .mit viel Kenntnissen ausgerüstet, wieder in ihre Heimath zurückkehren und dort mehr' zur ' Kultivirung beitragen als wie' sämmtliche Schulen der ^.lllanes israölite. Zum Schluffe bemerke, noch, daß der J größte Thtzil der russischenrumänischen und galizischen Juden der deutschen Sprache mächtig ist. Hochachtend .. - ' Berlin, 15. April 1897. .>■ , - Frau.C; C. * : Grieskastrn btt Ne-aktiv». - E. in P. Wir empfehlen - Ihnen die kleine Schul- und Hausbibel von -Jacob Auerbach (Verlag von F. A. Brockhaus in-Leipzig). Die zweite Abtheilung dieses Buches enthält übrigens das von Ihnen besonders Gewünschte, nämlich die.Lesestücke aus den Propheten u. s.w. I. St. in O./O. Der Bericht ist uns nicht zugegangen. - : Druck und Verlag von Rud 0 lf M osse in- Berlin. Verantwortlich.für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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