Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228221--53670-3267606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Bei dieser Gelegenheit theilt der Vorsitzende mit, daß ihm am Tage der Centenarfeier vonMinem ungenannt sein wollenden Glaubensgenossen eine Spende von 1000 Mark für den Verein zum Andenken an den hochseligen. Kaiser Wilhelm 1. zugegangen sei. Es folgt. hierauf per Akklamation die Ergänzungswahl' des Vorstandes. An Stelle des verstorbenen Geheimrath Kirstein wird Herr Adolf Ginsberg neu- und die ausfcheidenden Herren B. Behrens, I. Blumenthal, W. Loewenthal und Louis Ed. Sachs wiedergewählt. Ebenso per Akklamation werden die bisherigen Revisoren Oscar Berlin und Maurermeister Straßmänn wieder- und an Stelle des verstorbenen - S. Leichtentritt Herr Oscar Rathenau und als Stellvertreter Herr Heinrich Fränkel neugewählt. Zum Schluß spricht Herr Oscar Berlin dem Vorstand für seine umsichtige Leitung der Vereinsgeschäfte den Dank der Versammlung ans. 8 Königsberg i. Pr., 20. April. Unsere Gemeinde hat wieder einen großen Verlust erlitten durch den am 18. d. M. erfolgten Tod des Stadtraths Robert Graf, den soeben die freisinnige Bolkspartei für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl als Kandidaten aufgestellt hatte. Mit Graf verliert nicht nur der entschiedene Freisinn einen begeisterten Vorkämpfer, sondern auch die Stadt und Gemeinde Königsberg sowie die Provinz Ostpreußen einen ihrer besten Söhne. Er gehörte als Vertreter der Stadt, seit einigen Jahren dem Provinziallandtag an, als dessen Mitglied er sich durch große Sachkenntniß und lebhafte Theilnahme an den Verhandlungen auszeichnete. Die vielen Ehrenämter, in die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berief, .verwaltete er mit seltener Hingabe Am schwersten trifft sein Dahinscheiden nächst seiner Familie, einer der ersten der Provinz, seine engeren Parteimitglieder, die ihn zum Vorsitzenden ihres Vereins erwählt halten. Eine durchaus ritterliche, charaktervolle und unerschrockene Persönlichkeit ist mit Graf aus dem Leben geschieden, dem Freund und Feind ein gutes Andenken bewahren wird. Dessen war auch schon das heutige Leichenbegängniß ein beredter Zeuge. Eine nach Hunderten, zählende Trauerversammlung gab dem allgemein geehrten Manne das letzte Geleite. Im Trauerhause hielt Oberbürgermeister Hoffmann folgende Ansprache: „Geehrte Trauerversammlung! Mit Erlaubniß der Angehörigen trete ich an diesen Sarg, der die entseelte Hülle eines der besten Bürger unserer Stadt birgt. Es schlägt die schwere Stunde, in welcher das, was an Robert Graf irdischen Ursprungs war, aus der Gemeinschaft der Lebenden in die dunkle Gruft des Grabes getragen werden soll. Dort wird der Leib ruhen neben der Hülle der verehrten Eltern, neben der geliebten — ach einst viel zu früh abgerufenen — Gattin. Dort werden oft Kinder und Kindeskinder des sorgsamsten liebevollsten Vaters in Dankbarkeit gedenken und die thränenreiche Klage wird in stille Wehmuth sich wandeln. Aber auch unser war er, die wir nicht durch des Blutes Bande mit ihm verbünden waren. Auch für uns hat Robert Graf gearbeitet und gesorgt, und nicht nur für diejenigen nnter uns, die ihm im Berufe oder Amte nahe standen, nein auch für die weitesten Kreise der Bevölkerung. Er war ein Mensch; was die Menschheit anging, ging auch ihn an. Hier galt es den Schutz von Haus und Hof verjagter Brüder, hier die Befriedigung des Bildungsbedürfnisses der werkthätigen Klassen, dort die Stillung von Hunger und leiblicher Noth, hier die Förderung von Kunst und Wissenschaft, dort die Beschaffung von Erwerbsgelegenheit für Hunderte und Aberhunderte unserer Mitbürger, hier die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten in Stadt, Provinz und Staat. Sein Leben war ein beständiges Wirken. Seine Religion hieß: „Gutes thun." So hat er geglaubt, den Zweck seines Daseins zu erfüllen. Jetzt ist für ihn des Lebens Räthsel gelöst, er ruht aus von der Arbeit. Nicht ihm, sondern uns, den Zurückgebliebenen, gelten unsere Klagen. Ihm aber folgen wir auf dem letzten Wege und mit der Erinnerung an ihn wird ewig, der innige Dank verknüpft sein für die Treue, die er uns stets gehalten, für die reichen Segnungen, die sein Wirken verbreitet hat, die sein Vorbild erwecken wird. Er ruhe in Frieden!" Als Vertreter des Wahlyereins der freisinnigen Bolkspartei sprach hierauf Justizrath Hagen; er schloß seine Rede mit den Worten: „Robert Graf wird in der freisinnigen Partei nie vergessen werden, sein Andenken wird bei uns fortleben und stets in Ehren gehalten werden!" Auf dein alten israelitischen Friedhofe wurde der Zug mit einem Trauermarsch empfangen und nach der Leichenhalle geleitet. Nach einem Gesänge des Synagogenchors und einem Gebet des Oberkantors Birnbaum trug man den Sarg endlich unter rituellen Gesängen zur Gruft. -Nicht lange dauerte es, und ein Erdhügel wölbte sich über den sterblichen Resten eines Mannes, der, geziert mit den reichsten Bürger- Lügenden und frei von jedem nach äußerem Glanz trachtenden Ehrzeiz, sein Volles Genüge darin gesucht hat, dem Wähle seiner Nebenmenschen zu. dienen-selbstlos und treu wie selten Einer. 1 >< Thorn, 20. April. Der Jahresbericht über den Religions-' unterricht der Synagogengemeinde zu Thorn enthält ein Mahnwort an die Eltern über den hebräischen Unterricht von Rabbiner Dn I. R oserill erg. Beim Beginne des Schuljahres wurden sämmtliche dortige Lehranstalten von 261 jüdischen Schülern — 139 Knaben und 112 Mädchen — besucht. Unter ersteren waren 47 Gymnasiasten und Realschüler, 20 Vorschüler des Gymnasiums, 58 Mittelschüler und 16 Volksschüler. Von den Mädchen besuchten 70 die höhere Töchterschule, 8 die Ehrlich'sche Privat-Töchterschule, 20 die Bürger-Mädchenschule und 14 die Volksschule. Sämmtliche Schüler bezw. Schülerinnen nahmen an dem in den betreffenden Anstalten ertheilten Religionsunterricht Theil- Die Gemeinde-Religionsschule, in der nur hebräischer Unterricht ertheilt wird, ward am Beginne des Schuljahres von 196 Schülern — 109 Knaben und 87 Mädchen — besucht. Dieselben vertheilten sich auf eine Selecta, 5 Knabenklassen und 4 Mädchenklassen. Den Unterricht ertheilten die Herren Rabbiner Dr. Rosenberg, Chaim und Kramer. Außerhalb des. Verbandes der Religionsschule wurden noch mehrere Primaner in das Studium der Mischnah eingesührt. Kp. Aus der Provinz Posen, im. April. Das Schöffengerichts in Nogasen hat kürzlich den Töpfermeister Felder aus Ritschenwalde zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt, weil er einen Grabstein von einem Grabe des jüdischen Friedhofes in Ritschenwalde entwendet und denselben in kleine Stücke geschlagen hat, um mit demselben Kacheln abzureiben. — Zu Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in S chneide - mühl sind neulich die Herren Dr. Mislowitzer, Benno Lippmann, Louis Ansbach, Lehrer Joseph, Gustav Sommerfeld und Jacob Hirsch gewählt. — In Gnesen ist beim Minchagebet des 2. Passahfestes in der Synagoge der 82 Jahre alte Rentier Jacob Rawicz gestorben. — In Tuchel ist vor Kurzem ein Einbruchsdiebstahl in der Synagoge ausgeführt worden. Der Dieb öffnete gewaltsam die Opferkasten und entwendete deren Inhalt von 20 Mark. — Die Chewra-Kadischa in Neutomischl beging jüngst das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens.. Tms Vermögen des Vereins beläuft sich auf 900 Mark. — Kaufmann Salomonsohn in Jnowrazlaw hat dem dortigen Magistrat die Summe von 3000 Mark zur Gründung einer Kaiser Wilhelm-Gedächtniß- Stiftung überwiesen. — In Ostromo ist am 21. April der Fabrikbesitzer Fabian Fränkel mit Stimmenmehrheit von dem dortigen Stadtverordneten-Kollegium als Magistratsmitglied gewählt worden. % Breslau, im April. Der 54. Jahresbericht der Gemeinde- Religionsunterrichtsan stalt, erstattet von Rabb. Dr. I. Guttmann, enthält zunächst eine beherzigenswerthe Ansprache an die Eltern, auf die wir noch ausdrücklich zurückkommen werden. Das abgelaufene Schuljahr ist in stiller, aber emsiger Arbeit dahingegangen. 'Die Ueberfüllung der untersten Knabenklasfe hat eine Theilung derselben in zwei Parallelklassen erforderlich gemacht, wozu die Gemeindebehörden die Mittel zur Verfügung gestellt haben. Der Unterricht in der einen Parallelklasse ist Herrn Lehrer Mops übertragen worden. Das Lehrerkollegium besteht demnach gegenwärtig neben dem Unterzeichneten aus den Herren: Dr. Pinkuß, Schönfeld, Fabian, Dr. Samter'und Mops. Die Anzahl der Zöglinge betrug am Schluß des vorigen Schuljahres 310/neu hinzugetreten sind im Laufe des Jahres 134, so daß im Ganzen am Unterricht theilnahmen 444, und zwar 279 Knaben und 165 Mädchen. Hieran schließt sich der 47. Jahresbericht der (orthodoxen) Religions-Unterrichtsanstalt der Synagogen-Gemeinde, erstattet von dem Dirigenten der Anstalt, Dr. Samuelsohn. Die Eröffnung des Schuljahres fand am 16. April v. I. in herkömmlicher Weise statt. Das alte Schuljahr hatte mit 294 Schülern und Schülerinnen abgeschlossen. Im Laufe des gegenwärtigen wurden 83 neue ausgenommen, so daß in den neun Klassen der Anstalt 377 Schüler und Schülerinnen unterrichtet würden. Die Entlassung der abgehenden Schüler und Schülerinnen fand am 11. April Vormittags 10 Uhr in der Alten Synagoge statt. Den Unterricht ertheilten außer dem Dirigenten noch die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal, Doctor, Elbogen, Gradenwitz — Dem Bericht geht eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.