Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1897)
- Date
- 1897-04-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228221--53669-3267605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
an den Religionsverein in Charlottenburg; 3. 4000 Mark (anstatt' der.''ÄßherLgen^ .MO Mark) cm. den R el igio n s v er eiü Westen; 4. 2000 Mark cm die Gemeinde B'ne Brith; 5. 1200 Mark^ sollen an den Religionsverein der Oranienburge-r B or stadt , bewilligt werden. Hier wird - > von der Kommission/ wegen unzureichender Informationen die Vertagung beantragt, und von der Versammlung beschlossen; 6. 1200 Mark^an die Lipman- Thauß-Synagoge; 7. 1000 Mark an den Religionsverein in Mo.abit; 8. 800 Mark an den Religionsverein. Ahawas Scholaum; 9. 730 Ma^ an Adaß Jeschurun; 10. 600 Mark an die. Gemeinde Beth Ziorz;^ 11. 500 Mark an den Religionsschulverein in. Friedrichsberg. Herr Louis Sachs referirt dann noch. über die Bewilligung einer.,Subvention in Höhe von 500 Mark an den „Verein für. jüdische Gesch ichte und Litteratur". Die trefflichen Bestrebungen des Vereins seien Allen sp bekannt, daß der vom Verein sehr ausführlich begründete Antrag einen . Befürwortung nicht mehr bedarf. Die Bewilligung wird einstimmig - ausgesprochen. Zu Punkt 5 der Tagesordnung wird gemäß dem Referat des Herrn Joseph Fränkel das Moritz Gerson'sche Legat an den eisernen Fonds der Armen-Kommission überwiesen. Die Satzungen für. die Friedhofs - Kommission werden vertagt. Als. letzter Punkt steht die Bewilligung einer Subvention an das jüdisch? Mädchenstift, die von den Herren Baginsky und Lewin in Höhe von 2000 Mark für 3 . Jahre in einer früheren Sitzung beantragt war, zur Berathung. Nach den Ausführungen des Referenten, deß Herrn Tiktin, bedarf die Stiftung durchaus einer Unterstützung, und die Kommission, für welche Präzedenzfälle gar nicht in Betracht kämen, hätte gar keinen Zweifel gehabt, einem Unterstützungsantrag zuzustimmen, da von allen Seiten über die Leitung des Institutes nur Gutes und .Vortreffliches berichtet worden sei! Die Bedürfnißsrage sei bejaht worden. Für ihn (Referent) selbst sei entscheidend gewesen, daß 12 zur Annahme gemeldete Mädchen haben zurückgewiesen werden müssen, unter diesen 9 aus Mangel an Mitteln. Wenn es ein vortreffliches Institut sei, wenn gegen die Leitung keine Bedenken vorlägen, wenn die Bedürfnißfrage zu bejahen sei, dann läge gar keine Veranlassung vor, daß die Gemeinde gerade diesem Institut die Zuwendung versage. Zudem sei ja, wie mitgetheilt, der Reservefonds fast völlig aufgezehrt. Die Kommission habe beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, dem Mädchenstift für das Jahr 1897 eine einmalige Zuwendung von 1500 Mark zu bewilligen. Nach einem Jahre solle die Bedürfnißsrage wieder geprüft werden, und man könne dann feststellen, ob der Betrag ausreiche oder eine Erhöhung nothwendig sei. Herr Louis Sachs bedauert nochdaß man sich bei dem Mädchenheim betreffs der Zuwendung auf 3 Jahre, festgelegt und so die durchaus nothwendige Vereinigung der beiden Institute auf eine so lange Zeit hinausgeschoben habe. Nachdem noch Herr Manheimer seiner Freude Ausdruck gegeben hatte, daß die von ihm angeregte Idee bezüglich der Vereinigung der in ihren Bestrebungen so verwandten Institute jetzt auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein scheine, wird von der Versammlung gemäß dem Anträge der Kommission erkannt. eAi Berlin, 24. April. Zum ersten Male erscheint der Verwaltungsbericht des Vereins „Lehrlingsheim Pankow "für das Jahr 1897, dessen edle Tendenz es ist, einerseits unsere minderbemittelten Glaubensgenossen dem Handwerke zuzuführen, andererseits die Gewähr für die Heranbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes zu finden, der sonach d?n doppelten Zweck verfolgt, Humanität zu üben und eine hohe Kulturmisston zu erfüllen. Am 22. März 1896 konstituirte sich der Verein« Stadtrath Dr. Max Weigert wurde zum Vorsitzenden gewählt, welcher aber sein Amt wegen Ueberbürdung mit Geschäften niedergelegt hat. Dank der Munificenz einer Anzahl von Gönnern gelang es 1895, ein für die Zwecke des Heims ausschließlich bestimmtes Grundstück zu er? werben. Auf diesem zu Pankow, Mühlenstr. Nr. 20 gelegenen Grundstück ist für das Lehrlingsheim ein Gebäude errichtet und am 17. Mai 1896 durch eine besondere Feier seinem Zwecke übergeben worden. Dasselbe bietet Raum für 50 bis 60 Zöglinge, ist aber zur Zeit mit Rücksicht auf die leider noch immer begrenzten Mittel nur mit 20 Zöglinge,; belegt, welche in dem Heim Wohnung, Kleidung und zum Theil auch Beköstigung erhalten und von dem Leiter beaufsichtigt werden, unter denen die mannigfaltigsten. Berufsarten vertreten sind (Elektrotechniker- Mechaniker, Buchbinder, Uhrmacher, Klempner, Gärtner, Schlosser, Bildhauer, Tapezierer, Maler, Schneider ,c.). Ihr Alter betrug im Durch- •' schnitt 15 bis 16 Jahre; ihre SchuHildung war sehr verschiedensie ging " zum^Theil nicht über die Kenntniß der Unterrichtsgegenstände einer Elementarschule hinaus, zum Theil war sie abgeschlossen durch Erlangung des Berechtigusitzsscheines für den einjährig-freiwilligen Militärdienst. Fachliche Fortbildung , genossen die Zöglinge theils in den Berliner Fach - und Handwerkerschulen und im Kunstgewerbe-Museum, theils im Heim selbst. In der ersten Handwerkerschule sind sechs Freistellen bewilligt worden. Der Kreis Derer, welche diese "Bestrebungen durch Rath und That unterstützen, wächst stetig. Die junge Vereinigung zählt zur Zeit bereits 72 immerwährende Mitglieder und 254 Mitglieder. Das Grundstück mit Baulichkeiten, Inventar und anderem Zubehör repräsentirt einen Werth von insgesammt ca. 180 000 Mark und ist zur Zeit mit einer vierprozentigen Hypothek von 18000 Mark belastet; auch diese Schuld gelangt jetzt zur'Tilgung. Das Kuratorium des Vereins besteht aus den Herren: Joseph Fraenkel, stellvertretender Vorsitzender; Rechtsanwalt Bernhard- Kraft, Schriftführer; Dr. A. Strelitz, stellvertretender Schriftführer; Julius Bodenstein, Schatzmeister; Isidor Loewe, stellvertretender Schatzmeister;,. Adolf Ginsberg- Dr: M. Jutrosinski; Rudolf Mosse; Marcus Adler; M. D. Feilchenfeld. Die Einnahmen betrugen 148 655,50 Mark, die Ausgaben 106 217,32 Mark inklusive der Baukosten. Möge dieser nach schönen Zielen strebende Verein noch eine große Anzahl von Mitgliedern finden, damit er in den Stand gesetzt werde, seine gedeihliche Wirksamkeit erheblich erweitern zu können. L2 Berlin, 25. April. Heute Vormittag I^Ühr fand im Lokal des Brüdervereins die diesjährige .ordentliche Generalversammlung des Vereins Freunde der Taubstummen statt. Der Vorsitzende, Herr Geheimrath Mareuse, eröffnet die Sitzung und gedenkt mit wehmüthigen Worten des im vorigen Jahre verstorbenen Geheimrath Kirstein, der ununterbrochen zehn Jahre hindurch dem Vorstand des Vereins angehört und während dieses.Zeitraumes viel zur Förderung des Vereins beigetragen hat. Die Versammlung ehrt das Andenken des Hingeschiedenen durch Erhebung von den Sitzen. Hierauf erstattet der Leiter der Taubstummenanstalt. in Weißensee, Herr Direktor Reich, den Jahresbericht, aus dem wir Folgendes entnehmen: „Der Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide Jlmim" hat sich während der Zeit seines dreizehnjährigen Bestehens als so that- und lebensfähig erwiesen, daß er, über ganz Deutschland verbreitet, immer mehr an Wirksamkeit gewinnt. Derselbe wurde auch im verflossenen Jahre durch die wohlwollende Unterstützung der Vereinsmitglieder in den Stand gesetzt, einer großen Anzahl von Zöglingen aus den verschiedensten Ländern und Provinzen Deutschlands in der Anstalt zu Weißensee Verpflegung, Unterricht und Erziehung zu gewähren. Die Zahl der Zöglinge betrug im abgelaufenen Jahre 37 (21 Knaben und 13 Mädchen), wovon für 10 die volle Pension, für 12 die halbe Pension bezahlt wurde, während 15 im Genüsse von Freistellen waren. Hiervon sind aus Berlin 3, Provinz Brandenburgs, Schlesien 3, Posen 6, Ost- und Westpreußen 5, Sachsen 1, Pommern 3, Schleswig 2, Hannover 1, Königreich Baiern 2, Königreich Sachsen I, Württemberg!, Großherzogthum Baden 1, Elsaß-Lothringen 1, Hessen 3. Die Zöglinge wurden von 4 Lehrern und einer Erzieherinin getrennten Klassen nach einem vom Kgl. Provinzial-Schul-Kollegium genehmigten Lektionsplan unterrichtet. Im engen Zusammenhang mit der allgemeinen Ausbildung. steht der Religions- und der hebräische Unterricht. Auch dem Handfertigkeits-Unterricht wird die genügende Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war ein überaus günstiger, da kein ernster Krankheitsfall im Verlaufe des Jahres vorgekommen ist. Die gesunden Räume, der schöne, schattige Park, in welchem die Kinder mehrere Stunden des Tages sich an fröhlichen Spielen erfreuen können, haben dazu beigetragen, die Kinder gesund an Leib und Seele zu erhalten. Wie in früheren Jahren, so hatte die Anstalt auch in dem vergangenen Jahre sich mancher Zuwendungen zu erfreuen." Der.Redner spricht all den hochherzigen Gebern den Dank des Vorstandes für die den Zöglingen erwiesenen Wohlthaten aus und schließt mit den Worten: „Lasset uns arbeiten, wirken und schaffen für die Unglücklichsten der Unglücklichen, so lange dem Arme die Kraft, dem Herzen die Wärme und dem Geiste das Licht nicht mangelt!" Alsdann verliest Herr Geheimrath Boas den Bericht der Revisoren und beantragt die Entlastung der Kassenverwaltung, die -auch einstimmig erfolgt. Ebenso wird der Voranschlag des Etats für 1897 einstimmig bewilligt.