Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228221--53671-3267607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Mahnung an die Eltern voran, die Schüler und Schülerinnen-M' früherem Alter, also zwischen dem sechsten und siebenten Lebensjahre, der Anstalt zuzuführen. . *. . */ Leipzig, 23: April. Es ist! erfreulich,über ein WoD . 1 hätigkeitsinstitut berichten zu können, wiedie hier feit über einem bestehende jüdische S p ei s e a n st al t, die mit einem Kind e r h ö rt verbündH ist,und bei der in jeder Beziehung der alte -Spruch r? i-Ascfa*© dol“ in der feinsinnigen,, edelmüthigen Art, wie der Armuth geholf^ wird, zur Geltung gekommen ist. Kinderhort und Speiseanstalt befindchr sich in dem Hause Nordstraße IS, das ein um eine große Anzahl heroM ragender jüdischer Institutionen.hochverdienter Wohlthäter gekauft uM dem die bxiden Anstalten leitenden Komitee überwiesen hat. Das Komitee - besteht ans Frau Dr. Porges, Frau Rabbiner Horowitz, Frau Anna- Cohn, Frau Nelke, Frau B. Breslauer,. Selma Frank, Bertha Levy^ Frau Amalie Zander, Herr A. Jacob, Jacob Blumenfeld, A. Kraft. Im Kinderhort hat Frl. Jakobsohn, die Tochter des in weiten Kreisyr^ bekannten Kantors Jakobsohn,-die pädagogische Leitung übernommen, während Frl. .Emilie Grünhut als Ehrenfräulein sich mit Aufopferung der Pflicht unterzieht,, die im Hort befindlichen Kinder, z. Z. 36 an dsr Zahl, zu beaufsichtigen. Es sind zumeist Kinder armer Glaubensgenossen,- die durch ihre Beschäftigung von Hause fern gehalten werden, die hier ein Asyl gefunden haben. Im Hort sowohl wie in der Speiseanstalt , wird alles Wohlthun , in edelster Form geübt. Diesen Geist athmen i auch die Inschriften mit hebräischem Text an. den Wänden der Säle: „Kommt, Kinder, höret auf mich, Furcht des Ewigen werde ich eüch lehren." — „Wenn du dich von deiner Hände Arbeit ernährst, Heil dir und wohl dir." — „Es ist dir gesagt worden, was der Herr von dir verlangt." — „Wer den Armen beisieht, der leiht dem Ewigen." -i- „Aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht." Im Eintrittsraum, in dem sich auch eine Jahrzeittafel befindet, grüßt uns der schöne Spruch: „Der Edle räth nur Edles". Der Arme, der in der Speiseanstalt gespeist wird, sowohl wie Diejenigen, die sich das Essen nach Hausse holen lassen, sollen nicht empfinden, daß ihnen ein Almosen gespendet wird, es wird ihnen alles, im Geiste echt jüdischen Gemilus Cliessed in freundlicher Weise gereicht. Am Freitag werden doppeM Portionen ausgetheilt, da am Sabbath Speisen hier nicht bereitet werden. Im Sitzungszimmer prangt das Bild des Leipziger Wohlthäters, dW. mit voller gütiger Hand den größten Theil der Mittel zur Errichtung und Erhaltung dieses segensreich wirkenden Institutes gespendet' hE Schreiber dieser Zeilen, der die Einrichtung -er"Anstalt' -inÄjigeiWM-r genommen, kann es jedem Glaubensgenossen, der nach Leipzig kommt, empfehlen, sich diese nachahmungswerthen Einrichtungen anzusehen. Wie wir hören, geht das Komitee jetzt mit der Absicht um, schon in allernächster Zeit in den Räumen der Anstalt auch eine jüdische Lesehalle zu errichten. Wir zweifeln nicht, daß ihm auch dieses Werk gelingen wird. Oesterreich-Augärn. -f □ äÖicn, 26. April. Der Kaiser hatunserem Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen'. Diese Auszeichnung wird sicher.bei allen Freunden und Verehrern uns eres Oderrabbiners aufs Freudigste mitempfunden werden. — Die israelitische Allianz in Wien hat einer Anzahl von armen jüdischen Geschäftsleuten, denen bei den Exzessen anläßlich der Reichsrathswahlen Waaren verdorben wurden, den Schaden ersetzt. — Vorige Woche fanden die letzten Verhandlungen gegen die antisemitischen Helden der Gasse statt, die zumeist verurtheilt wurden. — In. Freudenthal ist der ehemalige deutsche Ordenspriester Wilhelm Perntner, Präsident des antisemitischen kathol. Gesellenvereins, unter Defraudirung des ganzen.- Vereinsvermögens in Höhe von circa 4000 Gulden flüchtig geworden Seine steckbriefliche Verfolgung wurde .bereits eingeleitet. — Noch immer spricht man hier von den beiden Vorträgen des Professor. Lazarus und seiner Gattin, von denen der erstere im Druck erscheinen wird. Die „Jüdische Lesehalle" gab den beiden verehrten Gästen einen solennen. Festkommers, bei dem Professor Lazarus abermals eine geistvolle und warmherzige Rede hielt. — Die erste ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft des „Jüdischen Museums" wird am 8. Mai iw Festsaale des kaufmännischen Vereins; in Wien stattfinden: An den geschäftlichen Theil der Generalversammlung wird sich eine überaus interessante Vorlesung Adolf Sonnenthals ünschließM Borerst werden die Stifter und Mitglieder-der Gesellschaft eingeladG^ das ihnen zukommende Bezugsrecht auf einen 'Sitz^'bis' zum- ^8-7 d.''Mts.' gegen Anmeldung - im Lüreau der Gesellschaft,' Wien!>' Rathhausstraße-13> auszuüben. . Nach Maßgabe, des sehr beschränkten Raumes werden Karten auch an Nichtmitglieder abgegeben werden' —. Gestern stattete der ehemalige mohamedanifche?Bürgermeister von Jerusalem:) Ju s sn f Z i a - - Pascha - El - Ehalidirdem Bürgermeister Dr. Lueger seinen Besuch ° ab. . Das Gespräch lenkte sich auf die heutige Bevölkerung Jerusalems, wobei, der Pascha auf verschiedene Fragen des Bürgermeisters erzählte, daß in Jerusalem Mohamedaner/ Christen und Juden friedlich Zusammenleben. Jussus Pascha brachte dann das Gespräch auf die Juden und hob als bemerkenswerth hervor, daß dieselben in Palästinaim Vergleiche zu den Mohamedanern und Christen das kleinste Kontingent von Verbrechern stellen; in Palästina denke deshalb Niemand daran, die Juden als eine inferiore Klasse anzusehen. Es wird leider nicht berichtet, was Herr Luegerdabei für - ein Gesicht gemacht hat! Von Nah und Fern. — Dem Direktor der Dresdener Bayk in Berlin, Herrn Konsul Kommerzienrath Gutmann, ist vom König von Sachsen das Ritterkreuz 1. Klasse vom Albrechtsorden verliehen worden.— Dem Geh. Sanitätsrath Dr. Hirsch zu Charlottenburg ist der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. — Freunden, Genossen und ehemaligen Schülern des Herrn Laz. Fränkel, Kantors und Religionslehrers zu Glo gau, wird die Nachricht willkommen sein, daß derselbe am 8. Mai d. I. das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit begeht. — Professor Dr I. Rosanes in Breslau ist zum Geh. Regierungsrath ernannt worden. — In Gießen ist an Stelle des greisen Dr. Levy nunmehr Dr. Sander aus Karlsruh e gewählt worden. — Der 54. Jahresbericht des „Westdeutschen . Missionsvereins für Israel" in Kö ln berichtet, daß durch ihn 6 Personen in Köln, 3 männliche und 3 weibliche, in Frankfurt 5 Söhne und Töchter-Israels die Taufe erhielten. Die Einnahmen beliefen sich auf . 19160 Mark, die Ausgaben betrugen 16 250 Mark, Somit, kostete jeder > getaufte Jude etwa anderthalbtausend Mark! -- In Weilburg ist einer der angesehensten Männer der Stadt, Kommerzienrath Rudolf Herz, gestorben. — Der bisher bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart thätige Hilfsstaatsanwalt L. Stern ist zum Landrichter in Ravensburg ernannt worden. Es ist dies der erste Fall, daß in Württemberg ein Jude zum Kollegialrichter ernannt wurde. — Das Herrenhausmitglied Freiherr v. Oppenheimer hat. anläßlich der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm in Wien den Kronen-Orden zweiter Klasse mit dem Stern erhalten. — Beim' Leichenbegängniß des Prager Stadtrathes Herrn Dr. Sal. Freund hielt die böhmische Grabrede der Rabbiner von Beneschau; derselbe heißt nicht Dr. Kreuz, sonder Dr. Kraus. — Dieser Tage rettete ein in Brüssel wohnender Berliner, Jakob Simons, zwei Menschenleben, indem er sich einem durchgegangenen Pferde entgegenwarf und in dem Augenblick zum Stehen brachte, als der Kutscher und ein . neunjähriges Mädchen vor. die Räder stürzten. Simons, der schon siebenmal . wegen Errettung aus Gefahr äusgezeichnet worden ist, hat jetzt als erster Ansländer die belgische goldene Rettungsmedaille mit der Krone erhalten. — Charles Freund- Deschamps, gebürtig aus Böhmen, ist zum Maire von Lisle en Rigault gewählt worden. — Der Maler Lävn in Paris ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Am Rabbinerseminar in Paris befinden sich gegenwärtig 15 Hörer; davon sind 6 Inländer, je einer aus Tunis, aus Rußland, aus Bulgarien, aus Rumänien und zwei aus der Türkei. — Jsak Abensür in Tanger hat in Anerkennung der Verdienste, die er seit Jahren der dortigen österreichischen Gesandtschaft geleistet,' das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens erhalten. — In Odessa hatten einige Zähler'den Juden bei der allgemeinen Volkszählung nicht gestattet, die russische Sprache als Muttersprache zu bezeichnen. Infolgedessen haben diese eine Beschwerde eingereicht, worauf die Verfügung der Zähler seitens des Ministers des Innern, aufgeh oben ward und die russische Sprache als Muttersprache der im Zarenreiche lebenden Juden bestätigt ward. — Dr. Heinmann, Lektor der deutschen Sprache und Litteratür an der Universität Ota g o, ist vom Senat der Universität in Neuseeland zum Examinator ernannt worden. . : Druck und Verlag von N u d o l f Mo) i e in Berlin^ — Verantwoftlich für dre Redaktion: M ax B a u ch w itz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.