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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 30. April 1897. 61. Lchrgnng. Nr. 18. vertage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 23. April. Zu Beginn der heutigen Repräsen- 't»n t e n - V e r s a m m l u n g wird betreffs der Petition des Central- Vereins, die in der letzten Sitzung vorlag und jetzt jedem Mitglieds zügestellt ist, von Herrn Oppenheim der Antrag eingereicht, dieselbe zur Diskussion und Beschlußfassung zu stellen. Nach den Ausführungen des Vorstandes ist dies nicht angängig, ohne daß die Petition einem Ausschuß oder einer Kommission vorher Vorgelegen hat. Da die Petitionskommission nicht ordnungsgemäß konstituirt ist, schlägt er. vor, die Angelegenheit dem Ausschuß III zugleich mit dem heutigen Anträge zu überweisen. Die Zustimmung hierzu wird von der Versammlung ertheilt. Es gelangt dann ein Schreiben des Maurermeisters Gottheiner zur Verlesung, in welchem er mittheilt, er habe erst durch den Sitzungsbericht in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" erfahren, daß er seine Offerte wieder zurückgezogen habe. Durch den Bericht sei er außerordentlich schwer geschädigt. Der Vorsitzende giebt noch einmal zur Erläuterung den ganzen Sachverhalt wieder, wie er auch in dieser Zeitung nach dem Referat des Herrn Leonhard Sachs gebracht worden ist. Herr Louis Sachs fügt noch besonders hinzu, daß nichts weiter nöthig sei, als von dem Inhalt dcs Briefes Kenntniß zu nehmen, „da die Repräsentanten-Versammlung nicht ermessen könne, inwieweit sich der Bericht in der „Allgem. Zeitung d. Judenthums" mit den hier genmchten Ausführungen deckt". sEs genüge hier, darauf hinzuweisen, daß unsere Berichte nach stenographischen Aufzeichnungen verfaßt werden. Anm. d. Redakt.j Zur Diskussion meldet sich zunächst Herr Maurermeister Frankel, um das richtig zu stellen, was der Vorsitzende inkorrekt mitgetheilt habe. Er hebt noch einmal nachdrücklich hervor, daß die Zeichnungen nachträglich geändert worden seien, und kommt nach längeren Ausführungen zu dem Schluß, daß die Schuld nicht an Herrn Gottheiner, sondern an der Bauleitung, den Herren Cremer und Wolffenstein, liege. Nach wenigen Worten des Kommissars Herrn Jacobp, der die Bauleitung von jeder Schuld sreispricht und Herrn Gottheiner Inkorrektheit vorwerfen zu müssen glaubt, tritt für Herrn Gottheiner auch Herr Oppenheim ein, der noch in der vorigen Sitzung entgegengesetzter Ansicht war. Derartige Vorkommnisse würden sich jedoch, wie er noch einmal wiederholte, vermeiden lassen, wenn der Submission Zeichnungen und Bedingungen sofort beigegeben würden. Ein kleineres Scharmützel ergab auch der erste Punkt der Tagesordnung, die Züwendung der Frau Bertha Manheimer an das Hospital zur Gründung einer David und Erna Packscher - Stiftung. Herr Tiktin referirt, daß mit den an das Hospital überwiesenen 6000 Mark eine Bettstistung zur lebenslänglichen Erhaltung einer unheilbar kranken Person gegründet werden soll. Der Vorstand habe beschlossen, das Geschenk anzunehmen mit der Maßgabe, „daß durch diese Zuwendung sowie überhaupt durch Bettstiftungen eine Erhöhung der Anzahl der Hospitaliten nicht stattfinden darf." Referent gesteht, daß eine ungeeignetere Gelegenheit, eine solche Bedingung zu stellen, nicht zu denken wäre. Der Ausschuß hätte deshalb beschlossen, dem Repräsentanten-Kollegium die Annahme des Legates zu empfehlen ohne die vom Vorstand beigegebenen Bedingungen. Als Kommissar führt Herr Jacoby aus, daß die Gemeinde eine solche Belastung, wie sie durch eine noch weitere Erhöhung der Anzahl der Belten geschaffen würde, nicht übernehmen könne. Er giebt dann pro Bett die Einzelberechnung für Heizung und Beleuchtung, was auf . der Tribüne völlig unverständlich bleibt. Herr Man hei me r erwiedert darauf, daß sich Heizung und Beleuchtung stets auf 8 bis 10 Betten, die im gemeinsamen Raume ständen, vertheile. Ihm käme es so vor, als wolle der Vorstand mit seiner Bedingung sagen: „Dem Unfuge müffe gesteuert werden!" Er bittet, den Ausschußäntrag pure anzunehmen. Herr Professor Lewin führt dann aus, daß die jüdische Gemeinde überhaupt nur zwei Zwecke zu erfüllen habe, welche der Vorstand bedauerlicherweise nicht recht würdige. Zunächst habe die Gemeinde die religiösen Einrichtungen in der Weise zu regeln und zu unterhalten, daß sie den Theilnehmern dieser jüdischen Gemeinde in gleicher und voller Weife zu Nutzen kommen. (Zuruf des Herrn Masse: Reform!) Auf die Reform werden wir noch später eingehen. Das Zweite sei, für die Kranken, Greise und Jnfirmen der jüdischen Gemeinde so zu sorgen, wie es das jüdische Gefühl verlangt, daß sie nicht der großen Gemeinde zur Last fallen. Er sehe gar nichts so Schlimmes darin, ob für 50 oder für 60 Betten der Zuschuß an Zinsen bezahlt würde, den die betreffenden Kapitalien nicht einbrächten. Er hält das für eine Engherzigkeit, es sei ein Stück Büreaukratie, das sich mit dem jüdischen Empfinden nicht vereinbare. Herr Manheimer fügt noch hinzu, daß das Hospital für 100 Betten eingerichtet sei. Wenn die Mittel erst für 30 Betten zur Verfügung ständen, so könne man doch nicht die übrigen Betten leer stehen lassen bei Ueberweisung von Legaten. Als Referent erhält dann noch J.-R. Tiktin das Schlußwort. Er hält es für recht schwierig, der jüdischen Gemeinde eine Wohlthat zu erweisen. Die Repräsentanten hätten lediglich als Gemeindebehörde einen Beschluß zu fassen, und wenn man nachher dazu kommen wird, infolge der vielen Stiftungen, die, wie er hoffe, noch gemacht werden, die Zahl der Betten zu erhöhen, so werde man dies beschließen. Trotz aller Vorstellungen des Vorstandes stehe er ganz auf dem Boden des Ausschusses. Es verstoße gegen den guten Geschmack, bei einer Schenkung solche Bedingung zu stellen. Bei der Abstimmung wird der Ausschußantrag einstimmig angenommen. — Punkt 3 betrifft die Erhöhung des Honorars für den Religionsunterricht an den höheren Schulen. Referent ist Herr Isidor Sachs. Die Lehrer erhielten bisher für eine Wochenstunde 90 Mark Honorar; es seien mannigfache Klagen eingelaufen aus den Reihen der Lehrer, daß sie hiermit nicht auskommen könnten. Der Vorstand habe diese Klagen für berechtigt gehalten und schlägt deshalb vor, das Honorar auf 135 Mark zu erhöhen. Die Kosten, welche dadurch der Gemeinde entständen, belaufen sich auf 1800 Mark.jährlich. S.-R. Jastrow itz kann sich nicht entschließen, die Erhöhung ohne Weiteres zu bewilligen. Er möchte Auskunft darüber haben, nach welchen Grundsätzen die Lehrer angestellt und was überhaupt geleistet würde. Er bittet, diese Vorlage noch einmal an die Kommission zurückzuverweisen. Auch Prof. Baginsky ist für nochmalige Verweisung an die Kommission. Nach seiner Ansicht sind einzelne der angestellten Lehrer durchaus nicht geeignet, Religionsunterricht zu ertheilen; er selbst habe seinen Sohn aus diesem Grunde aus der Religionsschule nehmen müssen. Als Kommissar führt Herr Dr. Lachmann aus, daß das Provinzialschulkollegium sich gar keine Vorschläge machen lasse. S.-R. Blumenthal stellt den Antrag, das Schreiben des Provinzialschulkollegiums in der Versammlung zur Besprechung zu bringen. Herr Isidor Sachs hält es für nicht richtig, die Personenfrage mit der Frage der Honorarerhöhung zu verquicken. Eine Centralstelle für Prüfung der Lehrer sei nothwendig. Nach nochmaligen Ausführungen des S.-R. Jastrowitz, der der Gemeinde ein Borschlagsrecht gegenüber dem Provinzialschulkollegium gesichert haben will, wird die Erhöhung des Honorars von der Versammlung genehmigt. — An vierter Stelle der Tagesordnung steht die Fortgewährung resp. Erhöhung von elf Subventionirungen, die in rascher Aufeinanderfolge mit Ausnahme der ersten fast ohne nähere Begründung vom Referenten, Herrn Isidor Sachs, der Versammlung vorgelegt und von dieser auch sämmtlich debattelos angenommen werden, und zwar: 1. 15000 Mark an die Neformgemeinde. Bisher war der Zuschuß nur 8000 Mark, , doch werden an die Reformgemeinde erhöhte Anforderungen gestellt, so Anstellung eines neuen Predigers, Einrichtung eines Religionsunterrichts im Osten. In der Kommission s^i zum Theil sogar große Geneigtheit vorhandengewesen, die von der Reformgemeinde beantragten 20 000 Mark zu bewilligen, nur eine Stimme sei überhaupt gegen jede Subventionirung gewesen! 2. 8000 Mark

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