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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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geeignetin die Frage einzutreten, ob es „erwünscht" seieine Aenderung herbeizuführen? So spricht, das werden Sie zugeben müssenderMatte zum Hungrigen, und der Chor der Antisemiten .reibt sich dabei als tertius gauZens vergnügt die Hände-. Entschuldigen Sie gütigst, geehrter Herr Abgeordneter, daß wir j einen Theil ihrer gewiß kostbaren Zeit durch gegenwärtiges Schreiben j in Anspruch nehmen. Wir vertrauen, daß Sie der politisch traurigen! Lage, in welcher die preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens sich; befinden, Rechnung tragen und unserem Ausführungen Ihre wohlj wollende Aufmerksamkeit nicht versagen werden. v; Die an ein Mtglied des Vorstandes gerichtete Antwort des Abg. Seyffardt hat folgenden Wortlaut:; Sehr geehrter Herr! . > Ich trage in Beantwortung des Schreibens des Vorstandes der; Synagogengemeinde vom 15. d. Mts. Bedenken, in Parlamentssachen mit einet öffentlichen Behörde in Korrespondenz zu treten. Dagegen will ich gern mich privatim über die Angelegenheit äußern, ohne indeß, da ich nicht Jurist bin, den Anspruch zu erheben, mit kurzen Worten ein erschöpfendes Gutachten zu geben. Unsere preußische Verfassung! gewährt kein aktuelles Recht, sondern nur Grundlagen des kodifizirten j Rechts, welche letzteres nicht, unbeachtet lassen darf. In Unterrichtsfragen bleibt alles beim Alten nach einem bestimmten Artikel der Ver-! faffung, bis das in Aussicht genommene allgemeine Unterrichtsgesetz eri lassen sein wird. Da solches aber noch nicht vereinbart ist, unterliegt .' jede einzelne Frage, wenn nicht ein besonderes Gesetz entgegensteht, der! diskretionären Entscheidung des Ministers für Kultus und Unterricht. Die in.meinem Referat im. Plenum angeführten Bestimmungen beruhen : auf Erlaß dieses Ministers. Die günstigste Entscheidung des Hauses wäre demnach die gewesen, die ich in der Unterrichts-Kommission vorgeschlagen habe, Ihre Petition der Staats-Regierung als Material für zukünftige f Gesetzgebung zu überweisen. Ich blieb in der Minderheit und übernahm - trotzdem das Referat fürs Plenum, um etwaige antisemitisch angehauchte Bemerkungen, die.möglicherweise unterlaufen konnten, vermieden zu sehen. Daß auch ich den Fall nicht für geeignet erachten konnte, um den Minister zu veränderten Bestimmungen anzuregen, liegt in dem Umstand, daß an der. Schule, abgesehen von der nicht in Betracht kommenden Vorschule, nur 19 israelitische Kinder waren, eine Zahl, die auch bei protestantischen oder katholischen Minoritäten kein Recht auf Berück- ' sichtigung gewährt hätte. Schließlich muß ich noch der- Thalsache Erwähnung thun, daß in der Unterrichts-Kommission von dem Kommissar > der Staatsregierung aus den Akten der Ausspruch israelitischer Autoritäten berichtet wurde, dahingehend,, daß eine Unterordnung unter einen obligatorischen Religionsunterricht für ihre Glaubensgenossen unstatthaft wäre. Berlin, den 18. März 1897. Hochachtungsvoll gez. L. Seyffardt aus Krefeld, Mitglied für Magdeburg.: * ■ Also auch Richard Wagner war kein Freund der antisemitischen Bewegung. Der „Ring der Nibelungen" wurde 1881 in Berlin zum ersten Male am Viktoria-Theater unter Angela Neumann's Leitung aufgeführt. Während der Vorarbeiten kamen an Neumann Briefe des Inhalts, daß Richard Wagner der antisemitischen Bewegung nahestehe. Eine Anfrage des Operndirektors rief die folgende Antwort Wagner's hervor: „Geehrtester Freund und Gönner! Der gegenwärtigen „antisemitischen" Bewegung stehe ich vollständig fern: ein nächstens in den „Bayreuther Blättern" erscheinender Aufsatz von mir wird dies in einer Weise bekunden, daß Geistvollen es sogar unmöglich werden dürfte, mich mit jener Bewegung in Beziehung zu bringen. — Dennoch geht mein Rath dahin : — Geben Sie Berlin auf und gehen Sie Mai und Juni nach London.,.... — Es wäre nicht übel,wenn Ihre — und unsere — Unternehmung durch Unsinnigkeiten der Art, wie sie jetzt in Berlin floriren, in eine vollständig schiefe Bahn geriethe. Ihr ergebenster Bayreuth, 23. Februar 1881. Richard Wagner." ' „Fallen seh' ich Zweig auf Zweig!" Dik' französische Judenheit hat einen ihrer würdigsten Vertreter durch den Tod des Grand Rabbin L a'z a re Wogue, verloren; der im 80. Lebensjahre in Paris gestorben ist. . Wogue stammte noch aus der alten-Elsässer. Talmudisteuschule; aber er hatte die volle Bildung der neuen Zeit -dazu erworben. Schon 1851 wurde er an die Rabbinerschule nach Metz berufen, mit der er dann 1859 nach Paris übersiedelte und an der er bis in sein, hohes Alter wahrhaft gedeihlich wirkte. Eine Zeit lang redigirte er auch den „Uiiivers Israelite“. Unter seinen Werken sind eine französische Pentateuchübersetzung und die „Histolre de la ßible et de TExeges^ biblique jusque ä uos fours" (Paris 1880) besonders wichtig. Das Andenken des gelehrten, frommen und vortrefflichen Mannes wird unvergeffen bleiben!; ~ Iuststrath Makower in Memel. Von Dr. I. Rülf. ©tärmi ist er tobt, der ausgezeichnete Mann, bedauert und betrauert auch am hiesigen Ort, dem Ultima Thule des Deutschen Reiches, dem letzten Ort und Hort deutschen Lebens und Wesens au der fernen Nordostmark des Reiches. Daß der Verstorbene gerade hier ein Werk gegründet, welches zu den schönsten und segensreichsten seiner zahlreichen und vielgestaltigen Lebenstoevte gehört, wissen wohl nur sehr wenige Personen; so hat denn auch keiner der zahlreichen Redner bei den Trauerfeierlichkeiten deffen Erwähnung thun können. Darum betrachte ich es als eine heilige Pflicht, das gesegnete Andenken des Gerechten durch die nachstehende Darstellung des Sachverhalts zu ehren. Am 1. November 1879 hatte ich am hiesigen Orte eine Elementarschule für arme russisch-jüdische Kinder eröffnet. Mehr als hundert arme Kinder, deren Eltern zum großen Theile hier als Handwerker und Arbeiter, allesammt blutarme Menschen, sich angesiedelt hatten, entbehrten gänzlich allen und jeden Elementarunterrichts. Einzelne hatten zwar in den christlichen Elementarschulen Aufnahme gefunden, konnten aber gewisser, nicht zu überwindender Unzuträglichkeiteu wegen dort-nicht verbleiben; weil ich nun alle diese Kinder nicht so ohne allen deutschen Unterricht aufwachsen lassen wollte, errichtete ich, ohne viel zu fragen, die bezeichnete Schule. Die Lehrkräfte hatte ich im Orte selbst aufzutreiben gewußt, darunter auch eine christliche Lehrerin für die erste Klaffe, die sich der Kinder mit der größten Aufopferung und Geduld annahrn und im Unterricht einen Fleiß und eine Ausdauer bewährte, welche ihr die höchste Anerkennung einbrachte. Neben dieser unterrichtete noch ' eine christliche Dame und zwei jüdische Privatlehrer. Schon im zweiten Jahre ihres Bestehens erhielten in dieser Schule über 90 Kinder ihren Unterricht. Unterhalten wurde die Schule aus Nestbestäuden 'früherer Sammlungen, aus Zuschüssen anderer Komitees, besonders des „Deutschen Central-Komitees für die russisch-jüdischen Flüchtlinge" in Berlin und endlich aus einem Beitrag <der Alliance IsraMe Ilniverselle in Paris, welcher durch das Häuptgrenzkomitee in Königsberg zur Auszahlung gelangte. Nach und nach aber drohten alle diese 'Quellen zu versiegen; ' selbst den'Alliance-Beitrag wollte das Königsberger Komitee nicht mehr auszahlen, weil es durch große und-vielseitige Ansprüche allzu - sehr -belastet war. In meiner Bedrängniß wandte ich mich an das Deutsche Central-Komitee, und nach einem längere Zeit Hindurch gepflogenen Briefwechselmachte uns >,der verdienstvolle Setter

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