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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-23 · Heft 17 (23.4.1897) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 Ps. 29. 2 ist. Mal. 2, 2 ist Ps. 115. 1 entlehnt. Nicht hierher gehört Deut.. 28. 58, weil kakod daselbst Verb ist; noch weniger Jes. 66, 5, wo das Verb „ehren" von seliein getrennt werden muß. Es muß bemerkt werden, daß, wenn es nur die Psalmen allein wären, in denen wir kabod mit scliem verbunden sehen - wir doch nicht auf eine Zeit und einen Verfasser schließen dürfen. Man kann unmöglich den Makkabäerpsalm 79, 9: „Hilf uns ... um der Ehre Deines Namens willen", in eine Zeit setzen mit Ps. 29, 2: „Gebet Gott die Ehre seines Namens". Und doch dürfte sich ein Unterschied zwischen der „kabod seines Namens" hier und dort schwer finden lassen. Das ist wieder ein Beweis dafür, daß aus der gleichen Verbindung der kabod mit einem Worte - und aus der gleichen Bedeutung dieser Verbindung in verschiedenen Büchern, ode< an verschiedenen Stellen desselben Buches, keineswegs auf einen Verfasser oder auf die Gleichzeitigkeit verschiedener Verfasser geschlossen werden darf. Neber Aassiemmt erschiene. Von Dr. med. Leopold Treitel. III. Unterschied zwischen dem „Mongolenauge", wie das geschlitzte Auge auch genannt wird, und dem der Weißen beruht wesentlich auf der Form des oberen Augenlides. Während an unserem Auge zwischen der Falte, welche an jedem oberen Augenlide sich befindet, und dem freien Rande des Lides wo die Wimpern sitzen, stets ein mehr oder minder großer Raum frei bleibt, reicht sie beim Japaner bis an denselben heran. Außerdem aber geht die Falte auch nach beiden Winkeln weiter und tiefer als bei uns, sie überdeckt auf diese Weise den rothen Thränenhügel, der an dem innern Augenwinkel bei uns zu sehen ist, und verlängert andererseits das Auge scheinbar nach außen und oben. Dadurch wird der eigentliche Augenschlitz kleiner und ovaler, mandelförmig, und beide Augen scheinen schief zu einander zu stehen. Der abweichende Eindruck des Mongolenauges wird noch dadurch erhöht, daß die Einsenkung zwischen den Augenbrauen und dein oberen Augenlide nicht so tief ist wie bei uns, sondern die Stirn in dasselbe in einer Flucht überzugehen scheint. Es wird Manchen befremden, zu hören, daß auch bei vielen kleinen Kindern das Auge so oder so ähnlich aussieht lind wohl mit dazu beiträgt, das wohlgefällige Aussehen seines Auges zu erhöhen. So charakteristisch diese Augenforin für die ostasiatischen Völker ist, so wenig lassen sich bestimmte Angenformen bei anderer: Völkergruppen als besonderes Merkmal herausfiuden. Der Unterschied mancher Augen ist außerdem nur scheinbar, er beruht weniger auf einer wirklichen Verschiedenheit derselben, als auf einem stärkeren Hervortreten der unter ihnen verlaufenden Backenknochen, wie bei dem Slaven und Ungarn. Alles in allem genommen, kann das Auge am wenigsten dazu dienen, die Rassen zu unterscheiden. Da die Sinnesorgane keinen sicheren Anhalt für die Unterscheidung von Rassen bieten, blieb nichts anderes übrig, als den Kopf als Ganzes in der Absicht zu untersuchen, ob er vielleicht die gewünschte Auskunft ertheile. Denn er hat ja den großen Vorzug, daß man auch nach dem Tode seines Trägers, selbst nach vielen Jahren seine Formen betrachten und näher bestimmen kann. Zudem beherbergt oder beherbergte der Schädel, die knöcherne Grundlage des Kopfes, jenes Organ, welches die Quelle und der Sitz unseres körperlichen und geistigen Lebens ist: das Gehirn. Der Schädel ist gewissermaßen ein Abdruck desselben, da er ihm im Leben fest anliegt, und so hat die Untersuchung und Vergleichung der Schädel einen doppelten Vortheil, zumal man, wie gesagt, auch vergangene Generationen auf diese Weise mit den jetzigen vergleichen kann. „Noch nach Jahrhunderten und Jahrtausenden," sagt Ranke treffend, „wenn lange die übrigen Organe zerstört sind, giebt uns der Schädel ein treues Bild des lebenswichtigsten Organes, das er einst schützte, und das geschulte Auge des Forschers vermag auch die äußeren weichen Bildungen, die, um das knöcherne Gerüst liegend, einst das Gesicht und den ganzen Kopf formten, aus diesem Gerüste wieder. größtentheils zu rekoustruiren." Wer je einen Schädel betrachtet hat und zwar nicht mit den sentimentalen Empfindungen eines Hamlet, sondern mit dem kalten Auge des Verstandes, dem wird die Vielgestaltigkeit der Forn: aufgefallen sein, und er wird sich die Frage vorgelegt haben, wie man einen Faden in diesem Labyrinth von Formen finden könne. Und doch hat ihn die Wissenschaft, haben ihn die Bemühungen eifriger' und intelligenter Männer gefunden, wenn auch verschiedene Wege aus ihm herausführen. Denn der Eine verglich die Schädel im Profil, ein Zweiter in ihrer Ansicht von oben, und ein Dritter maß und verglich ihren Inhalt und zog seine Schlüsse auf das Gehirn, das sie einst beherbergten. Am populärsten und bekanntesten ist die Prosilbetrachtung. auf die zuerst Peter Camper die Aufmerksamkeit lenkte, und aus der er Rassenunterschiede konstrniren zu können glaubte. Er maß den Winkel, welcher seinen Scheitel in dem untersten Rande der Nasenöffnung hat, dessen horizontaler Schenkel nach der Ohröffnung und dessen senkrechter Schenkel nach dem hervorragendsten Punkte der Stirn führt. - Das ist der berühmte „Campersche Gesichtswinkel", von dem wohl Mancher schon etwas gehört hat. Als Beweis für die Geistesgröße Goethes pflegt z. B. des Oefteren betont zu werden, daß dieser Winkel bei ihm ein rechter war, ein Vorzug, der auch an dem olympischen Zeus von Phidias bemerkt wurde, dem der Künstler absichtlich diesen Gesichtswinkel gegeben haben soll, um den Kopf so imposant zu gestalten. Wir gewöhnlichen Sterblichen müssen uns mit einem kleineren Winkel begnügen, wenn er auch bei manchen den: rechten nahe kommt. Sein Entdecker Camper glaubte nun, daß der Winkel bei unkultivirten Völkern, besonders bei Negern, kleiner sei als bei kultivirten, aber ihm stand zu wenig Material zu Gebote; die umfassenderen Messungen, welche in der Neuzeit ausgeführt werden konnten, haben seine Ansichten nicht bestätigt. Mehr Anspruch auf Allgemeinheit kann die Unterscheidung der Schädel bei Betrachtung von oben machen; bei den Einen ist nämlich derselbe länger als breit, bei Andern umgekehrt. Erstere nennt man Lang-, letztere Kurzköpfe. Außerdem ist bei den einen die Partie, wo die Zähne sitzen, mehr vorgestreckt, wie man häufig bei Personen seiner Umgebung beobachten kann, bei anderen fällt dieselbe mehr gerade ab. Dadurch ergeben sich noch Unterabtheilungen, welche eine ziemlich genaue Rasseneintheiluug aller Völker der Erde zu ermöglichen schienen. So sind z. B. die Germanen hauptsächlich Langköpfe, die Slaven, Ungarn und Türken Kurzköpfe. Sehr erschwert wird diese Feststellung dadurch, daß heute, wie wir bei Betrachtung der Haar- und Hautfarbe gesehen haben, in keinem Lande ein reiner Typus zu finden ist; auch von diesem Gesichtspunkte aus giebt es Mischtypen: die mittelbreite::. Allein, so begeistert diese Untersuchungei: Anfangs aufgeuommen wurden, nuch bei ihm war der Wunsch der Vater des Gedankens, der sich bei näherer Untersuchung nicht in vollen: Umfange bestätigen sollte. Trotzdem ist diese Betrachtungsweise für die heutige vergleichende Forschung vom Meiffchen(Anthropologie) noch die fruchtbarste von allen. Weniger Anhaltspunkte, als man von vornherein erwarten sollte, bietet der Vergleich des Gehirnes der Angehörigen ver-

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