Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Statutenentwurf wurde mit einigen unwesentlichen Aenderungen einstimmig angenommen, und auf Grund desselben konstitnirte sich der Verband, zu dessen Leitung ein aus zwölf Mitgliedern bestehender Ausschuß gewählt wurde. Den Bestimmungen -er Statuten gemäß gehören drei Mitglieder dem Stande der Kultusbeamten an, und zwar Rabbiner Dr, Vogelstein-Stettin, Rabbiner Dr. Goldschmidt-Kolberg und Lehrer Saul-Schievelbein. Der Ausschuß wählte alsbald aus seiner Mitte Herrn Samuel, ersten Vorsteher der Cynagogengemeinde Stettin, zum Vorsitzenden und wird nun an sämmtliche pommerschen Gemeinden die Aufforderung zum Beitritt ergehen lassen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß dieser Aufforderung allseitig Folge geleistet und daß der Verband in den Stand gesetzt werden wird, eine gedeihliche Wirksamkeit zu entfalten. Bei dem gemeinschaftlichen Mahle, das nach Schluß der Versammlung stattfand, wurde dem D. I. G.-B. ein begeistert aufgenommenes Hoch ausgebracht und dem Ausschüsse desselben telegraphisch der Gruß des neuen Verbandes übersandt. — Das im Aufträge des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens von Dr. Vogelstein herausgegebene „Israelitische Gebetbuch für Schule und Haus (mit einem Anhänge für Jugendgottesdienst)" ist mittelst Erlaß des österreichischen Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 13. März d. I. zum Lehrgebrauche an Mittelschulen mit deutscher Unterrichtssprache allgemein zugelaffen worden. Die Veröffentlichung dieses Erlasses ist bereits in dem Ministerial-Verordnungsblatt am 1. April erfolgt. U. Dessau, 5. April. Der Landtag des Herzogthums Anhalt bewilligte debattelos für das Rechnungsjahr 1897/98 zum jüdischen Kultus und Unterricht: 1225 Mark Gehaltstheil sowie Reisekosten und Büreaukostenfixum des Landesrabbiners, 3090,50 Mark Zuschüsse an die Kultusgemeinden (der Gemeinde Gröbzig, deren Steuerkraft verringert wurde, ist der Zuschuß um 150 Mark erhöht) und 180 Mark zur Disposition, in Summa 4495,50 Mark. — Die Konferenz der dem anhaltischen Landesrabbinat unterstellten Lehrer findet in der Woche nach dem Peffachfeste in Bern bürg statt; auch die Herren Rabbinen von Köthen und Bernburg nehmen an der Versammlung theil. — An der Festtafel nach der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. nahm auch Herr Baron von Eohn, der langjährige Berather und Vertraute des Kaisers, Theil. . 2. Zerbst, 1. Aprik 1897. Sein fnnfundzwanzigjähriges Jubiläum als Vorsteher der hrestM jüdischen Gemeinde feierte heute Herr Albert Tasse. Die Gemeinde wollte diesen Ehrentag nicht vorübergehen lassen, ohne ihm ihre Dankbarkeit zu bezeigen und ihm aufs Neue zu sagen, wie hoch er von Allen geschätzt werde, und wie sehr er das Vertrauen der Gemeinde genieße. Der Jubilar verstand es wie selten Einer, die Gemeinde in friedlicher Weise zu leiten und nach innen und außen in würdigster Weise zu vertreten. Ihm lag der Neubau der Synagoge ob; die Schaffung eines Gemeindestatuts, die zeitgemäße Umgestaltung oes Gottesdienstes, Ordnung in der Verwaltung und im Kassenwesen waren sein Werk. Wo es galt, nothleidenden Brüdern, trauernden Wittwen, unglücklichen Waisen in und außer der Gemeinde beizustehen, überall war Herr Tasse bereit, sei es durch persönliche Opfer oder durch Sammlungen in der Gemeinde jenen Bedrängten zu Hilfe zu kommen und so manche Thräne zu trocknen. — Am Morgen des Festtages wurde dem Jubilar eine kunstvoll gearbeitete Adresse von den Herren Rieß und Friedländer Namens der Gemeinde überreicht, während die Glückwünsche der Anhalt- Loge Herr Rosenbaum-Dessau aussprach. Am Abend fand in der festlich geschmückten Synagoge ein Gottesdienst statt. Herr Landesrabbiner Dr. Freudenthal war berufen, die Festpredigt zu halten, die allen Anwesenden wohl noch lange in bleibender Erinnerung sein wird. Nach beendetem Abendgebet vereinigte der Jubilar seine Gemeinde und Gäste zum Mahle in seinem Hause, wobei manches Hoch auf ihn, seine Gemeinde u. a. ausgebracht wurde. e. Essen a. d. Ruhr, 9. April Einen würdigen Verlauf nahm das 25jährige Amtsjubiläum des Herrn Hauptlehrers Graf. Nachdem dieselbe cunl. April Morgens in der Schule durch eine sinnige Feier eingeleitet worden war, fand am 3. April rin Festgottesdienst in der Synagoge statt, bei welchem Rabbiner Dr. Samuel die Rede über Pf. ]19, 125 hielt, in der er unter steter Bezugnahme auf den Jubilar die rechte Auffassung des Lehrerberufes in Israel, die rechte Art und Weise seiner Erfüllung und den hohen, inneren Lohn desselben beleuchtete. Gegen Mittag erschienen in der Wohnung des Herrn Gras die verschiedenen Deputationen. Landgerichtsrath Dr. Rinteln überbrachte die Glückwünsche des Schulvorstandes; der Vorstand und das Repräsentantenkollegium gratulirten im Namen der Gemeinde und überreichten ein namhaftes Geldgeschenk; Dr. Samuel gratulirte Namens der übrigen Kultusbeamten mit einer Ansprache, in der er die schöne Verbindung von religiöser und weltlicher Bildung pries, in deren Dienst der Jubilar als Kantor und Schulmann arbeite. Hierauf erschien eine Deputation ehemaliger Schüler, die eine geschmackvolle, von einem Düsseldorfer Maler ausgeführte Adresse und als Geschenk eine goldene Uhr nebst Kette überreichte. Der Verein israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen beglückwünschte den Jubilar als seinen verdienstvollen Vorsitzenden durch das Vorstandsmitglied Seminarlehrer Treu-Münster, der eine Adresse überbrachte. Außerdem hatten sich zahlreiche Gratulanten von Nah und Fern eingefunden; viele Gemeindemitglieder hatten schöne Geschenke übersandt. Abends fand im Hotel Hartmann unter zahlreicher Betheiligung ein Festessen, veranstaltet von den ehemaligen Schülern, statt, bei welchem eine Reihe von Toasten ausgebracht wurde. U. a. brachte Herr Herz L. Hirschland den Trinkspruch auf den Kaiser aus; Herr Jsaac S. Hirschland toastete auf den Jubilar als Kultusbeamten; Herr Alfred Mayer feierte als früherer Schüler den langjährigen erprobten Lehrer; Lehrer Goldberg-Steele hob die Verdienste des Herrn Graf als Vorsitzenden des oben genannten Vereins hervor; Tr. Samuel toastete auf die Familie des Jubilars. Dieser dankte tiefbewegt für die vielen ihm dargebrachten Ovationen und versprach, daß Treue und Hingebung an sein Amt auch fürderhin sein Leitstern für die Zukunft sein würden. — Das ganze Fest bedeutete nicht nur für den Jubilar, sondern auch für die feiernde Gemeinde ein ehrendes Zeugniß. (Auch wir senden dem verehrten Manne nachträglich unsere herzlichen Glückwünsche. Die Red.) Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 12. April. Noch unter dem frischen Eindrücke des eben gehörten Vortrages von Professor Dr. Lazarus melde ich Ihnen für heute nur den tiefen Eindruck und außerordentlichen Erfolg, den diesevölkerpsychologische. Betrachtung des Judenthums hier hervorgerufen Mit jugendlicher Kraft und Elastizität sprach der gelehrte Forscher über eine Stunde lang, und seine geniale Auffassung, seine glänzende, geistsprühende Darstellung und nicht zum Geringsten seine formvollendete Vortragsweise fand einen Beifall, wie er hier selten noch gehört ward. Das Publikum setzte sich aus den besten Kreisen unserer Gemeinde zusammen. Viele Gelehrte, Abgeordnete, Professoren und Schriftsteller waren anwesend. Am Dienstag spricht in demselben Saale Frau Geheirnrath Lazarus, und auch ihrem Vortrag bringt man hier das größte Interesse entgegen. Wievorauszufehen war, ist Dr. Lueger zum Bürgermeister gewählt worden. — Gelegentlich der letzten Wahlen in den Reichsrath haben in der Leopoldstadt gegen die jüdische Bevölkerung Straßenexzesse stattgefunden; von denjenigen Hauptexzedenten, deren man habhaft werden konnte, wurden die meisten zu Kerkerstrafen von einer Woche bis zu einem Jahre verurtheilt. — Zu fünfzig Gulden Geldstrafe wurde der Redakteur der antisemitischen „Reichspost" wegen tendenziöser Berichterstattung über eine Gerichtsverhandlung verurtheilt. — Der in Paris lebende Civil-Jngenieur und Industrielle Herr Maurice Flandrak, ein geborener Oesterreicher, früher Kanzler des General-Konsulats von Paraguay, ist. zum Honorar- Konsul dieses Staates für Frankreich ernannt worden. — Der Ministerpräsident als Leiter des Ministeriums des Innern hat den Bau- Adjunkten Moses Goldfrucht zum Ingenieur für den Staatsbaudienst in der Bukowina ernannt. — Frau Baronin Hirsch hat der Elisabeth Rosenstistung (Stiftung für arme Kurgäste jeder Konfession und Nation) in Karlsbad 3000 fl. zugewendet und an Frau Charlotte Frischauer, Präsidentin des Frauen - Wohlthätigkeitsvereins „Kinderhort" in Wien, in Anerkennung des eminent Humanitären Wirkens dieses Vereins eine Spende von 1500 fl. gesendet. — Auf eine Einladung des hiesigen Kultusvorstandes fand am 7. und 8. d. Mts. im Sitzungssaale der israelitischen Gemeinde eine vertrauliche Besprechung der israelitischen Gro ß gemeinden Oesterreichs statt, die sehr zahlreich besucht war. Die Resultate dieser Konferenz sind noch nicht bekannt.