Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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nur einen Theil der bei ihm angemeldeten Kinder in seine Kolonien aufnehmen kann, so mögen edle Wohlthäter durch gütige Zuwendungen das Komitee in die Lage bringen, künftig auf diese Beihilfe verzichten zu können. Bei Gelegenheit ihrer Silberhochzeit haben Herr Eugen Rosenstiel und seine Gattin Amalies geb. Grünfeld, eine Stiftung zu Gunsten der Ferienkolonien in Soolbad Elmen errichtet, über die wir bereits ausführliche Mittheilungen gemacht haben. Die Fertigstellung dieses Grundstückes ist spätestens bis Ende Juni d. I. zu erwarten, und beabsichtigt das Komitee, das Haus in diesem Jahre noch dreimal, also' mit 90 Kindern, zu belegen, in den folgenden Jahren soll während der Sommersaison vier- bis fünfmal gewechselt werden, also bis 160 Kolonisten in dieses durch seine Heilerfolge berühmte Soolbad hingesandt werden. Die Soolbadkolonie in Elmen hat sich im Jahre 1896 wieder Vorzüglich bewährt, es waren innerhalb dreier Monate 31 kranke Kinder dort, denen der Aufenthalt außerordentlich gut gethan hat; fast alle sind genesen zurückgekehrt. Außer den Vollkolonien in Fürftenwalde und Greifenhagen war noch eine Kolonie in Müncheberg. Schon seit Jahren wird die Arbeit des Komitees in außerordentlicher Weise dadurch gefördert, daß eine große Anzahl von Familien in den Provinzen ihm Freistellen für Kinder gewähren. In diesem Jahre fanden 254 Knaben und Mädchen in dieser Weise freien Aufenthalt bei vorzüglicher Verpflegung und liebevoller Behandlung. An Geist und Körper gekräftigt, ohne besonderen Zwischenfall sind sämmtliche Kinder zurückgekehrt. Es befanden sich Vollkolonien in Fürstenwalde, Greifen- Hagen, Müncheberg und Bad Elmen mit 57 Mädchen und 48 Knaben. Die Ausgaben für diese 105 Vollkolonisten betrugen für 3045 Verpflegungstage 5377,70 Mark, und demnach für jedes Kind 51,22 Mark und für jeden Tag 1,75 Mark einschließlich aller Unkosten. Die Ausgaben für die 254 Freistellen betragen für Organisation und Reisegelder zusammen 3036,40 Mark oder pro Kind 11,95 Mark. Für die 359 .Kolonisten verausgabte das Komitee überhaupt: für 105 Kinder in Vollkolonien 5377,70 Mark, für 254 Kinder in Freistellen 3036,49 Mark, für Inkassospesen 37,80 Mark, für Porti, Jahresbericht, Drucksachen und sonstige Ausgaben 454,15 Mark, zusammen 8906,05 Mark. Dem gegenüber stehen an Einnahmen: Jahresbeiträge 2798,50 Mark, einmalige Beiträge 1762 Mark, Vorstand der jüdischen Gemeinde 150 Mark, Berliner Logen U. O. B. B. 600 Mark, Verein ehemaliger Schüler der Adaß Israel-Gemeinde 670 Mark, Zuschüsse für Kolonisten 1315 Mark, Ertrag einer Theatervorstellung 231,95 Mark, kleine Geschenke 47,05 Mark, Zuschuß des Berliner Komitees für Ferienkolonien 1331,56 Mark, zusammen 8906,05 Mark. Möge das Komitee die nöthige Unterstützung finden, um eine größere Anzahl von Kindern hinaus senden zu können zur Heilung und zur Kräftigung. 8. Tilsit, 8. April. Am 1. d. M. beging der Kantor und Lehrer der hiesigen Gemeinde Herr I. Rosenkranz sein 25jähriges Amtsjubiläum. Hierbei konnte man die Wahrnehmung machen, welches harmonische, schöne Berhältniß zwischen der Gemeinde und ihrem Be- . amten obwaltet. Schon von Vormittag an begannen die Gratulanten, ihre herzlichsten Glückwünsche dem beliebten Jubilar darzubringen. Zuerst erschien der Gemeindevorftand, bestehend aus den Herren Ziegeleibesitzer Hermann Glaser, Rechtsanwalt Cohn und Kaufmann Max Bräude, der den Jubilar in herzlichster Weise feierte und ihm ein. ansehnliches Geldgeschenk Namens der Gemeinde überbrachte. Dann erschien der Vorsitzende der Repräsentanten, Rechtsanwalt Dr. Grumach, welcher den Jubilar Namens des Repräsentantenkollegiums begrüßte. Die Chewra-Kadischa brachte ihre Grüße durch den Vorsteher Herrn Rosenthal. Eine Abordnung der Religionsschule unter Führung des Herrn Rabbiner Dr. Ehrlich und des Herrn Kantor Schidorowsky brachte ihrem langjährigen Lehrer ihre Glückwünsche dar. Herr Dr. Ehrlich hielt dabei eine ergreifende Ansprache, welche auf die zahlreich erschienene Versammlung einen tiefen Eindruck ausübte. Hierauf überraschten frühere wie auch jetzige Schüler und Schülerinnen der Religionsschule durch Deklamationen und andere Aufmerksamkeiten ihren langjährigen Lehrer. Am 4. d. M. vereinigte sich die größte Zahl der Gemeindemitglieder zu Ehren des Jubilars in den Räumen des Kasinos zu einem Festessen, welches gewürzt wurde durch ernste und heitere Ansprachen und Toaste sowie durch ausgezeichnete Gesangsvorträge des Kantors Schidorowsky. Lp. Aus der Provinz Posen, im April. Kürzlich starb in Mit ko wo der Kaufmann Simon Fuchs im Alter von 61 Jahren. Derselbe hat 27 Jahre hindurch als Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde gewirkt; außerdem 'war er eine lange Reihe von Jahren Beigeordneter in der Stadtverwaltung. — Im März feierte der Kultusbeamte Salomon Fische! in Milos law mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlasse ihm der Vorstand der Synagogengemeinde einen silbernen Pokal überreichte. - In Schrimm ist der Begründer des dortigen israelitischen Kranken- und Beerdigungsvereins, Herr Meyer Reisner, gestorben. — Frau Jda Spiro in Ostrow o hat der Synagogengemeinde daselbst Thorageräthe im Werthe von ca. 400 Mark als Geschenk überwiesen. — Der seit 40 Jahren im Amte stehende Lehrer Simon Caspari in Samt er, ein Schüler Zunz's, tritt mit dem 1. Mai e. in den Ruhestand. — Im Alter von 87 Jahren ist jüngst das Vorstandsmitglied der „Chewra-Kadischa" in Wronke, Raphael Silberstein, gestorben. Derselbe gehörte dem Verein über 40 Jahre an. — Eine Wohlthätigkeitsvorstellung des israelitischen Frauenvereins in Berent hatte kürzlich den Ertrag von ca. 200 Mark zur Folge. — An Stelle des jüngst verstorbenen Rentiers Lazarus Callomon in Ostrowo ist der kgl. Oekonomie-Kommissionsrath Goldstein daselbst zum Vorsitzenden der dortigen Chewra-Kadischa gewählt worden. - Ende März ist in Schwersenz hochbetagt der frühere Stadtverordnete und Gemeindevorsteher Baruch gestorben. — Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und der israelitische Vorschußverein in Posen hielten vor Kurzem eine Generalversammlung ab. Nach dem Rechenschaftsbericht schließt der Verein, dem jetzt 441 Mitglieder angehören, sein letztes Geschäftsjahr in Einnahnw und Ausgabe mit 15 724 M. ab. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 9587 M. Im letzten Jahre wurden 8 Handwerkslehrlinge mit 1046 M. unterstützt. Das Kuratorium des Vereins besteht aus den Herren Dr. rned. Friedländer und den Kaufleuten D. B. Cohn und I. Schleyer. Außerdem verwalten 9 Vorstandsmitglieder den Verein. (-z.) Beuthen 11. April. Am Sonnabend, den 3. April, feierte der Lehrer Siegfried Rosenbaum Hierselbst sein 25jähriges Amtsjubiläum. Entsprechend der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar erfreut, war auch die Zahl der Gratulanten eine recht große. Unter diesen war der Vorstand der jüdischen Gemeinde, wie auch die Mamreh-Loge, zu deren Mitbegründern Herr Rosenbaum zählt, durch - eine Deputation vertreten. Der Präsident der Loge hob in seiner Ansprache die Verdienste des Jubilars als langjähriger Sekretär hervor und bat ihn, als Zeichen der Anerkennung seiner Thätigkeit ein Paar Leuchter entgegenzunehmen. Am Abend vereinigte ein Festessen die Kollegen und Freunde des Jubilars zu einem gemüthlichen Beisammensein. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, auch weitere 25 Jahre im Dienste der Schule zum Segen unserer Gemeinde zu wirken. % Gleiwitz, 11. April. Herr Mittelschullehrer Jacobsohn feierte am 4. d. Mts. sein 25 jähriges Lehrerjubiläum. Ein schönes Zeichen dessen, wie beliebt der Jubilar, der schon ca. 23 Jahre in Gleiwitz fungirt, ist, daß der gesamnlte Lehrerverein ihm ein Ständchen brachte und bei dieser Gelegenheit zwei prachtvolle Kandelaber mit brennenden Kerzen überreichte. Herr Rabbiner Dr. Münz hielt in der Wohnung des Jubilars eine geistvolle Ansprache an denselben, worauf der Jubilar gerührt antwortete. Auch die Kollegen des Jubilars überreichten demselben ein schönes Seidel mit Inschrift, und auch die Vorsteherin der höheren Töchterschule erschien selbst und sandte aus jeder Klasse Deputationen, welche prachtvolle BLrnen überbrachten. Zahlreiche Telegramme liefen ein. Es bleibt noch zu wünschen, daß der Jubilar noch fernere 25 Jahre in ungefchwächter Kraft thätig sein möge. Stettin, 9. April. Am 4. d. Mts. fand im Sitzungssaals der Repräsentanten eine Versammlung von De leg irten der pommerschen Synagogengemeinden statt, zu der von dem Vorstände der hiesigen Gemeinde die Einladung ergangen war. Es handelte sich um die Gründung eines Provinzialverbandes der Synagogengemeinden Pommerns, der als ein Zweig des D. I. G.-B. die Förderung der Zwecke und Ziele des Gemeindebundes, namentlich die Fürsorge für den Religionsunterricht und die Religionslehrer unserer Provinz zur Aufgabe hat. Von 16 Gemeinden waren Vertreter erschienen, namentlich hatten säst sämmtliche größere Gemeinden Delegirte entsendet, wie Stolp, Stargard, Kolberg, Köslin, Schievelbein u. a., aber auch kleinere und kleinste Gemeinden hatten sich nicht ausgeschlossen. Der vorgelegte .