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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-16 · Heft 16 (16.4.1897) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
Seite 192 (sequence 12)
Language
German
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€K- Mer Auszug aus Aegyptens Bon.Henriette Hirschberg. milternacht. Der Himmel sternlos. _ Des Grabes Schweigen auf Aegypten ruht. Stumm und ohne Laut sind all die Frühlingsstimmen Der festlich blühenden Natur. Sie sind erstarrt, in schwerem Bann: Es streicht der Würgeengel des Todes durch ' das Land! Wie ausgestorben Steh'n die Straßen des weiten Reiches. Wo der finstre Dämon Mit seinen Schattenschwingen naht. Da stirbt dahin das Erstgeborne An Vieh und Menschen. Wohl hat gezüchtigt schon zuvor mit schweren Plagen Der Ewige das Land Mizrajim; Doch nicht gebeugt den harten Pharao. Er, der auf Königsthron der Leiden spottet Des Judenvolks, das kaum wie Staub er achtet. Ihm ward noch nicht bewegt das trotz'ge Herz. Feig sin der Noth, hat er sein Wort gegeben. Die Kinder Israel zu lassen ziehn. Und frech im Glück, hat er sein Wort gebrochen. Er will nicht, daß sie frei von dannen geh'n. Will nicht, daß sie wie freie Menschen leben Und freie Menschen werden, Frei und reich an Geist. In finstrer Knechtschaft Banden bleihen. Sich müh'n, sich schinden lassen wie das Vieh, Und schlechter wohnen, hungern mehr als Vieh: Das soll ihr Loos sein ewiglich! So will es Pharao und seine Helfer. — Noch hat der Gotterwählte, Moses, Den wilden Pharao noch nicht bezwungen. Da naht die Todesnacht. Die Todesnacht der falschen Götter auch Und die Geburtsnacht einer neuen Welt. Es naht der Tod sich der Aegypter Häusern Und mäht mit seinem scharfen Flamnlenschwerte Darnieder alles Erstgeborne. Es ist die Nacht zum fünfzehnten des Monats Nissan, Des Frühlingsmonats, der der erste sein Und bleiben soll, das Haupt der Jahresmonde. Nach Gottes Weisung Steh'n gerüstet und des.Winks gewärtig Die Kinder Juda. Licht ihre Wohnung. Die Männer all: gegürtet ihre Lenden, Die Schuhe an den Füßen, der Stab in ihrer Hand. .Verzehrt ward schon das Ueberschreitungsopfer: Ein jährig Lamm, ganz ohne Fehl. Das Pessachopfer, Geweiht dem Tode, der vorüberschritt Und schönste die Häuser Israel. Licht ihre Häuser, licht die Herzen, So stehen sie, des Winks gewärtig, Der sie zur Freiheit führt. — Derweilen bei Mizrajims Kindern In Finsterniß der Todesengel haust. Und mäht mit seinem scharfen Flammenschwerte Darnieder alles Erstgeborne. Und aus der schwarzen Todesmitternacht Hervorbricht groß Geschrei! Und Pharao steht auf. * Steht auf, befiehlt den Knechten Und ruft, daß Moses komme. Und Moses kommt. Und Pharao entbietet: „Zieh hin in Frieden, du mit deinem Volk! Zieht aus und dienet eurem Herrn und Gott, Wie ihr gewollt. Und nehmet eure Rinder, eure Schafe, Und nehmt der Schätze auch, so viel ihr wöget. Zieht hin, und segnet noch auch mich!" — - Am Himmel strahlt der Morgenstern, Die dunklen Wolken schweben fern. Die Männer nah'n, gegürtet ihre Lenden, Den Fuß beschuht, den Stab in ihren Händen. Ihr Blick ist muthig und hell ihr Sinn, So schreiten aufrecht sie dahin. Die Schultern tragen manch Geräth, Auch Gold und Silber, das zu spät Mizrajims Kinder ihnen geben, Auf daß sie schnell hinweg sich heben. Und Schafe und Rinder blöken und schrei'n Und traben mit in langen Reih'n. Und Weib und Kind zieht langsam her: Sie alle tragen Lasten schwer. Manch-gut Geräth, manch schlechten Tand, So zieh'n sie hin im Morgengrauen - Gar seltsam find sie anzuschauen: Hoch ob der Last, da ruhet, weich In Zeug gehüllt — ein roher Teig! Der Teig, daraus das Brod sie backen wollten, Ihr täglich Brod, noch, war es nicht gesäuert Und nicht gebacken, als der Ruf erscholl, Pharaos Ruf: hinaus! Und mit dem rohen Teig auf ihrer Achsel, Der Tagesspeise, ungesäuert noch. Und mit dem dunklen Glauben in den Herzen, Der Seelenspeise: beides roh und schmacklos — So ziehen aus die Kinder Israel. Und voran dem Zuge schreitet Moses, der Mann Gottes. Vierhundertdreißig Jahre, Seit Joseph kam einst in Aeypterland. Und in der-Hast des Auszugs nicht vergessen Sind die Gebeine Josephs. Sie werden mitgenommen, wie's die Väter An Joseph einst gelobt. Und auf der Straße schwankt der lange Zug: An sechsmalhunderttausend Männer, Mit Weibern, Kindern und mit vielem Vieh. Und eine Feuersäule Erhellet ihre Wege in der Nacht. Und eine Wolkensäule zieht am Tage Auf ihrem Pfad voran und leitet sie. Und bei der Sonne Aufgang In die Wüste hinfließt der Zug. Hier beginnt zu regen Db Wurzel sich des künftigen Erdendaseins: Der Glaube an den Ein zig-Einen, Gott! Die starke Wurzel, aus der einst entspringet Ein stolzer Baum mit Blättern und mit Blüthen: Die Wissenschaft und Kunst und Handwerk und Verkehr Verkehr, der alle Ervenvölker, Von Land zu Land, zu einem Volke einet. Dunkel und verworren Bleibt das mächtige Mizrajim. Wie bei der Schöpfung, schied auch hier Sich von der Finsterniß das Licht Und leuchtet bis dereinst die Welt erstarrt: Das Licht der Thora! Wie's in der Eil' ein Jedes fand. 3) Aus einem erst theilweise veröffentlichten Cyklus „Moses". Sprorffsaat. Berehrliche Redaktion! w Nr. 15 Ihres geschätzten Blattes „Allgemeine Zeitung des Juden- <33 thums" ist ihrem Lü-Korrespondenten aus Wien insofern ein Jrrthum unterlaufen, als er den Abgeordneten für Tarnopol, „H. Weiser", auch aufführt; Weiser war Jude, aber er wurde in polnischen Blättern auch aus dem Grunde warm empfohlen, weil er ein guter Katholik sei! Ein Pole, der nicht Abgeordneter, aber guter Jude ist. Geehrte Redaktion! einigen Tagen kam ein gewisser Spanlang zu mir, angeblich cs$ Lehrer und Kantor, der mit Empfehlungsbriefen der Herren Stiftsrabbiner Biberseld in Berlin und Dr. Königsberger in Pasewalk versehen war. Ich unterstützte ihn daher nach Kräften und empfahl ihn auch dem Wohlwollen der Glaubensgenossen und Gemeindemitglieder aufs Angelegentlichste. Auf Recherchen des Herrn Kollegen Katz in Naugard entpuppte sich derselbe als ein dreister Schwindler. Ich bitte Sie daher. Jedermann dringend vor Spanlang zu warnen;, man solle ihn event. festhalten und ihm die jedenfalls gefälschten Empfehlungsbriefe abnehmen. Greifenberg i. P., 8. April. Rochotz. Druck und Verlag von Rud'olf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max. Bauchwitz in Berlin.

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