Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228219--53623-3267557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den Erlöser Israels, den Erlöser aller Unterdrückten. Wir brauchen keine, denn wir haben das größte, das Dasein Israels. Vor einem Jahrhundert gab es in Berlin einen Mann, der die Aufgaben Mendelssohns übernahm, ohne dessen Weisheit, Tilgend imb- Größe zu besitzen; dieser schämte sich des Namens Jude und erbat von den Behörden, daß sie doch dieses häßliche und verächtliche Wort hu öffentlichen Erlassen nicht ferner brauchen sollten; ob er auch vielleicht von gutem Willen beseelt gewesen ist/bedeutet dennoch sein Name ein Zeitalter der Schmach und des Abfalls für Israel. Mehrere Jahrzehnte später erhob sich ein edler Mann, Gabriel Rießer; ein deutscher Patriot und ein deutscher Jude von reinstem Empfinden, der gründete eine Zeitschrift, die sich die Aufgabe stellte, das Recht der Juden nicht zu erbetteln, sondern mannhaft zu fordern; sein Verdienst war es wesentlich, wenn selbst Diejenigen, die absichtlich die Ohren verschlossen, die Sprache des jüdischen Rechtes vernahmen; wie einst der Schall der Posaunen vor Jericho, so hat sein Wort die Mauern des Ghetto erschüttert, und da er sah, daß der Name Jude mit Unrecht verachtet und entwürdigt war, so nannte er seine Zeitschrift: Der Jude, denn auch der Name Jude, und mit ihm dessen glorreiche Leidensgeschichte, sollte emanzipirt und aus der allen Schande gerissen werden. Das ist auch unsere Aufgabe in der Arbeit, Israel zu verjüngen und zu erneuern. Niemals zurück, muß unser Wahlspruch sein. Wir haben nichts zu verheimlichen, nichts zu entschuldigen; nicht den Nachkommen Derer, die uns bedrängt und gequält haben, die uns entsittlichen und entwürdigen wollten und es nicht erreicht haben, ist es erlaubt, uns vorzuwerfen, daß wir in dem schweren Kampfe nicht unverwundet geblieben sind, sondern edle deutsche Männer.haben sich vielmehr dazu bekannt, der Gegenwart die Pflicht aufzulegen, zu sühnen, was die Vorzeit an uns gesündigt hat. Die Erlösung, die wir erstreben, wird vergiftet, wenn unserer Religion das Joch auferlegt wird, das wir abwerfeu, oder wenn wir zugeben, daß, was das Unglück unserer Väter war, für ihre Schuld gelten-soll. Israel darf den harten Nacken nicht beugen, um unser Recht als Gnade von der Erde aufzulesen. Wir müssen uns den freudigen, feurigen Muth entfachen, daß wir um die Erlösung, die wir ersehnen. kämpfen wie um ein gutes Recht, daß wir nicht die idealen Güter opfern, um die Güter der Erde zu gewinnen. Das Fest und der Frühling künden uns. daß das Joch gebrochen wird; Natur und Geschichte vereinen sich, um den Muth Derer zu beleben, die für Wahrheit und Freiheit ringen. Berlin, 14. April. fit der parlamentarischen Ferienzeit ist die Erinnerung an das Jubiläum des vereinigten Landtags von 1847 nicht unwillkommen. Man kann aus diesen Jubiläumserinnerungen viel lernen. Einem Aufsatz von E. Mai über dieses Thema in der „V. Z." entnehmen wir folgende interessante Reminiscenzen: v. Saucken-Julienfelde stellte den Antrag, es möge der Grundsatz ausgesprochen werden, daß bei Ausübung politischer Rechte Niemand nach seinem Glauben zu fragen sei. Die Gegner aber gaben die Erklärung, daß die ständischen Korporationen des preußischen Staates immer nur rein christliche Versammlungen bleiben müßten, einige wollten selbst die christlichen Dissidenten ausgeschlossen wissen. Da erhob v. Beckerath seine Stimme: Es giebt in der menschlichen Gesellschaft natürliche Ungleichheiten, die berücksichtigt werden müssen, wenn es sich darum handelt,. die Normen festzustellen, welche die Grundlage des Staatslebens bilden sollen. Es sind dies die Unterschiede des Lebensalters, des Besitzes, der sozialen Stellung. Ein Gebiet aber giebt es, in das der Staat nicht eindringen kann, es ist dies das Gebiet der religiösen Ueberzeugung. Die religiöse Ueberzeugung, meine Herren, das Verhältniß des Menschen zu seinem Schöpfer, liegt gariz außerhalb der Sphäre des Staates. Die christliche Eigenschaft des Staates ruht nicht auf der Konfession,-sie ruht auf dem Geiste des Christenthums. Der Geist des Christenthums ist aber kein anderer als der Geist der reinen Menschheit, der Geist der Liebe und Freiheit. Dagegen verteidigte Minister EichHorn den christlichen Staat, und in demselben Sinne sprachen die Grafen Meisman, Finkenstein und Merveldt, der entsetzt fragte, „ob in die Ständeversammlung künftig auch Heiden, Mohammedaner, Anbeter der Sonne oder der Göttin Vernunft übergehen sollen". Abgeordneter Hü ff er sprach: Ich halte es für Pflicht des Staates, jedes politische Recht von der religiösen Ansicht durchaus zu trennen und in jeder Beziehung die politischen Rechte allen seinen Unterthanen zu gewähren. Der Geist der Duldung wurde hauptsächlich durch die Abgeordneten Berlins, Syndikus Möwes, Stadtverordneter Schauß, Stodtältester Knoblauch, vertreten; diese stellten den Antrag auf völlige Gleichstellung der Juden in Betreff ihrer bürgerlichen und politischen Rechte mit den Christen, v. Beckerath, gedachte der patriotischen Begeisterung der Juden im Befreiungskrieg und ihrer getäuschten Hoffnungen auf die Früchte dieser Befreiung. Durch Vorlesung mehrerer Stellen aus einem jüdischen Katechismus bewies er die Unrichtigkeit der Behauptung, als ob dem Juden seine Religion die Vaterlandsliebe nicht geböte: „Lassen Sie uns Keinen, dem Gott das unvergängliche Siegel seines Ebenbildes auf die Stirn gedrückt, hat, ausschließen aus dem Kreise menschlicher Berechtigung, lassen Sie uns keinem unserer Brüder darum ein Recht entziehen, weil er festhält an dem, was auch Jedem von uns das Höchste ist, nämlich, daß er Gott nach seiner Ueberzeugung dient!" Staatsminister v. Thile antwortete: „Ich will gleich im Voraus aussprechen, daß ich die Gefühle, von denen die sämmtlichen Redner ausgegangen, von denen sie durchdrungen sind, in hohem Maße achte und ehre, und daß ich, wenn ich nicht glaubte, daß sie auf einer falschen Basis der Beurtheilung ständen, dieselben vollkommen theilen würde. Ich habe meine Jugend in der damaligen Provinz Südpreußen verlebt und die Juden in großem Maße daselbst kennen gelernt; ich erkannte ihre Vorzüge schön damals und habe oft gefunden, daß sie in Mäßigkeit, in Nüchternheit, in Betriebsamkeit und in Ernst, bei ihren Arbeiten über der christlichen Bevölkerung standen, unter der sie lebten, und ich habe nur innig bedauern können, daß der christliche Bauer ihnen in diesen ausgezeichneten Eigenschaften oft so weit nachstand. Alles, was heute über die Juden gesagt worden ist, geht von einem an sich schönen, trefflichen Humanitätsprinzipe aus. Die Gesetzgebung aber durfte von diesem bloßen Humanitätsprinzipe nicht — sie konnte nur davon ausgehm, daß die Humanität in keinem Punkte des Gesetzes verletzt würde; sie hatte aber, daneben eine andere hohe Verpflichtung, nämlich die, die Rechte des christlichen Staates zu wahren." Hiermit war das Banner,' um das sich die Feinde der Juden schaarten, aufgehißt. So äußerte Freiherr v. Landsberg: „Ich habe mich immer gegen eine Emanzipation der Juden ausgesprochen, am wenigsten kann meine Ansicht eine Veränderung erleiden durch die Äußerungen eines Abgeordneten, daß wir nämlich die Emanzipation aussprechen können, weil wir erwarten dürfen, daß sie nie im vollen Umfange zur Ausführung käme. Meine Gründe sind einfach die, daß man sich für die Emanzipation nicht entscheiden kann, ohne das Christenthum gänzlich aufzugeben." (Gemurmel.) Regierungskommissar Brügg e m anu ergriff das Wort zur Rechtfertigung, in der escheißt: „Ich habe aus den Aeußerungen vieler der Redner entnommen, daß sie gerade vom Standpunkte des Christentums aus eine Erweiterung, eine vollkommenere Anerkennung der Rechte der Juden beantragt haben : darin zeigt sich eben die Kraft des Christenthums, die sich 'auch in ihnen zu er Leber sprick nicht Wirk sollte und geger mosa . seit v in ftl den samkc dieser urthe neten gegen anbei Spez beam Beföi ward gröbf würd gleich Post Fron Bürg in ei kaiser Bedei Antir hinge! strafb. Beför führbc Aufsck durchc (Zeil) Postkc thüm Press, sokie-( letzter und d Verpfl Arbeit waren losigke Nachrr jüdisch