Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1897)
- Date
- 1897-04-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 ’ ^#<•*■'‘■>1^1 {• -■« “-tu. Meldungen nehmen an die Herren I. Joachim, Elisabethkirchstraße 2, I. Weinberg, Wasserthorstraße 50, Rechtsanwalt Moses, Landsbergerstraße 45. Die Feier findet in diesem Jahre am 16. April, 6^ Uhr Morgens in den Festsälen des Vereins junger Kaufleute, Beuthstraße 20 statt, wo auch bei Beginn Meldungen erfolgen können. . Strelno, 4. April. Heute wurde der Senior hiesiger Gemeinde, Herr David Jacobsohn, welcher seit mehr als 30 Jahren ununterbrochen das Amt des Repräsentantenvorsitzenden bekleidete, unter allgemeiner Betheiligung im Alter' von ea. 82 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene hatte ein warmes Herz für das Judenthum, hat in uneigennützigster und streng gerechter Weise stets die Interessen der Gemeinde wahrgenommen, und wird sein Andenken in der Gemeinde stets ein ehrendes bleiden. H. Hannover, 4. April. Ein ebenso schönes wie seltenes Fest begeht demnächst die gegenwärtige Vorsteherin des Pensionates Leverson Hierselbst. Am 8. d. M. sind 25 Jahre verflossen, seitdem die in Gott ruhende Frau Dr. Leverson am hiesigen Platze ein Pensionat, verbunden mit höherer Töchterschule, ins Leben rief. Gleichzeitig trat Fräulein Constance Levy als Lehrerin in das Institut ein, wurde später Mitvorsteherin und ist seit 1891, dem Tode der verewigten Frau Dr. Leverson, alleinige Inhaberin der - Anstalt. In Gemeinschaft mit der Gründerin hat es Fräulein Levy verstanden, das Institut nicht nur auf eine ungeahnte Höhe zu bringen, sondern — was noch schwieriger ist — es auf derselben zu erhalten. Das Pensionat Leverson erfreut sich eines Weltrufes, dank der ausgezeichneten Organisation und Leitung desselben. Die Zahl der Schülerinnen schwankt zwischen 36 und 40, gewiß Beweis genug für die vortrefflichen Erfolge, welche erzielt wurden. Wohl die meisten Nationalitäten sind hier vertreten; wir. finden Schülerinnen aus England, Australien, Nord- und Südamerika, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Schweden, Rumänien, Holland, Portugal, Spanien, Deutschland rc. rc., dabei sind es durchweg die ersten Kreise,,, die ihre Töchter der Vorsteherin anvertrauen. Es dürfte deshalb von Interesse fein, etwas Näheres über das Institut zu erfahren.. Die Lage desselben ist die denkbar günstigste und gesundeste. Zwei geräumige Villen mit zwei großen Gärten nebst Spiel- und Turnplatz, großen luftigen Schul-, Wohn- und Schlafräumen unmittelbar am Stadtwalde Eulenwiede geben ein Bild von dem vornehmen Komfort der Anstalt. Eine deutsche, englische und französische Lehrerin stehen der Vorsteherin zur Seite, außerdem unterrichten noch die ersten Professoren hiesiger höherer Schulen an der Anstalt, ebenso sind für Musik, Malerei rc. die besten hiesigen Lehrkräfte thätig. Welch ausgezeichneten Rufes sich aber das Pensionat und welch großer Beliebtheit sich die Inhaberin Fräulein Constance Levy auch in unserer Stadt erfreut, geht daraus hervor, daß viele hiesige Eltern ihre Töchter dem Institute zur weiteren Ausbildung anvertrauen. Alles in allem genommen, kann die Jubilarin mit Stolz auf die zurückgelegte Zeit blicken. Wohl war es viel der Arbeit und Mühe, allein Erfolge und Anerkennung sind nicht ausgeblieben, denn reichlich sind die Früchte, die durch das rastlose Wirken der Jubilarin gezeitigt sind. Einem uns vorliegenden Aufruf zufolge beabsichtigen die Schülerinnen der Anstalt, den 8. April durch Veranstaltung eines Festabends im „Neuen Hause" zu begehen und es unterliegt keinem Zweifel, daß bei der Beliebtheit der Jubilarin die Feier eine große und allgemeine wird. Fräulein Levy möge es aber vergönnt sein, abermals 25 Jahre in ungetrübter Schaffens- und Arbeitskraft zu wirken zum Wohle und Heile der weiblichen Jugend. a. Kassel, 4. April. Eine seltene Auszeichnung ist einem unserer verdientesten Glaubensgenossen zutheil geworden. Am 31. v. M. trat Herr Dr. Stein, der Leiter des israelitischen Seminars, in den Ruhestand. Trotzdem er bereits auf eine vierzigjährige Dienstzeit, von der dreiunddreißig Jahre auf die Leitung des Seminars entfallen, zurückblickt, hatte den unermüdlich thätigen Mann nur der entschiedene Einspruch der Aerzte und seiner Familie vermocht, sich aus dem liebgewordenen Amte zurückzuziehen. Aus dieser Veranlassung erschienen heute in seiner Wohnung der Regierungs- und Schulrath Otto als Vertreter des erkrankten Geheimen Regierungsrathes Dr. Kannegießer ' im Aufträge der königl. Regierung sowie Vertreter des Kuratoriums, des Provinzialvorsteheramtes und des Lehrerkollegiums. Herr Schulrath Otto sprach dem aus dem Amte Scheidenden in den wärmsten Ausdrücken die Anerkennung der Behörden für sein reichgesegnetes Wirken aus. Er. selbst habe zwar bisher in keinen näheren amtlichen Beziehungen zu dem Seminar gestanden, aber was er aus den Akten ersehen und von seinen Kollegen erfahren, erfülle ihn mit der größten Hochachtung und Verehrung für den nunmehr scheidenden Leiter. Uebrigens habe er auf seinen Inspektionsreisen nicht selten erfahren, welcher Liebe und Verehrung sich Dr. Stein bei seinen früheren Schülern erfreue. Sein Scheiden werde mit dem größten Bedauern empfunden. Er sei ferner beauftragt, ihm eine anläßlich seines Austrittes aus dem Amte verliehene Auszeichnung zu überreichen: den Rothen Adlerorden vierter Klasse; in dem er die herzlichsten Grüße und Glückwünsche des Provinzialschulkollegiums überbringe, habe er noch den Auftrag eines persönlichen Grußes und Glückwunsches Sr. Exzellenz, der sich besonders freue, daß diese Auszeichnung erfolge. Er schloß damit, daß sich an ihm das Wort erfülle: Wer Liebe säet, wird Liebe ernten. Die ehrenden und herzlichen Worte des Herrn Schulraths waren um so ergreifender, als sie an einem Krankenbett gesprochen wurden. Damit der Kranke sich durch Reden nicht anstrenge, dankte der anwesende älteste Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Jacob aus Göttingen, in kurzen Worten den hohen Behörden sowie den verschiedenen vertretenen Körperschaften. Möge dem ausgezeichneten Manne, in dem wir eine Zierde nicht nur unserer Gemeinde, sondern des deutschen Judenthums und insbesondere der jüdischen Lehrerwelt verehren, Gott eine baldige Genesung und einen heiteren Lebensabend schenken! 0 Aus Sachsen-Weimar, im April. Durch das Ableben der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar, das so jäh und unerwartet erfolgt ist, hat sich eine schwere Trauer über das Land verbreitet. Der Verlust ist ein großer, vielleicht unersetzlicher. Die vortreffliche Fürstin besaß einen großen Geist und ein großes Herz. Ihre Fürsorge für die Wohlfahrt der Landesbevölkerung, ihre Wohlthätigkeit kannten keine Grenzen. „So viel Klugheit, Umsicht und Wohlthätigkeit", wurde von ihr geschrieben, „findet sich selten auf dem Throne vereint" — wir Israeliten müssen als Viertes hinzufügen, so viel Toleranz. Eine duldsame, liebevolle Gesinnung gegen Andersgläubige hatte sie als ein Erbtheil des Königshauses der Niederlande, dem sie entsprossen war, mit nach Weimar genommen und in dem weimarischen Fürstenhause, dem sie über 54 Jahre angehört hatte, vorgefunden. Sie wandte wiederholt kleinen jüdischen Gemeinden zum Aufbau und zur Erhaltung ihrer Synagogen hohe Beiträge zu und unterstützte häufig hilfsbedürftige Israeliten. Ihrer humanen Gesinnung hatte die hohe Frau offenen Ausdruck verliehen in der GlückwUnsch-Audienz, die Herr Landrabbiner Dr. Salzer im Jahre 1892 anläßlich der goldenen Hochzeit des großherzoglichen Paares bei demselben hatte. Der Gratulant dankte der Großherzogin besonders für die Gnadenbezeigungen, die sie seinen Glaubensgenossen erwiesen. Daraufhin nahm die hohe Jubilarin Veranlassung, nach den Dankesworten des Großherzogs ebenfalls zu erwiedern. Indem sie Bezug nahm auf die Aeußerung des Großherzogs, daß seine Fürsorge sich auf alle seine Landeskinder erstrecke, sprach sie mit gehobener Stimme in Gegenwart des ganzen Hofstaats: „Wir kennen keinen Unterschied unter unseren Landeskindern!" Um ihrer Treue und Liebe zu der hohen Verblichenen Ausdruck zu verleihen, haben die israelitischen Kultusgemeinden Sachsen-Weimars zur Beisetzung einen Kranz gewidmet, den Herr Landrabbiner Dr. Salzer am Sarge niederlegte. Der Landrabbiner hat auch, wie vor zwei Jahren bei der Beisetzung des Erbgroßherzogs Karl August, am Trauerzuge, und auf höheren Wunsch im Ornate, theilgenommen. Bei der Kunde von dem Hinscheiden der edlen Fürstin hatte Herr Dr. Salzer an den Großherzog ein Beileidsschreiben gerichtet und darauf folgende Depesche erhalten: „Für den wohlthuenden Ausdruck Ihrer treuen Theilnahme läßt Seine königliche Hoheit der Großherzog Ihnen von Herzen danken. Freiherr v. Egloffstein." Der vom Großherzog befohlene Trauergottesdienst hat auf Anordnung des Kultusministers für die Synagogen des Landes am Sabbath den 3. April stattgefunden. G. Aus dem Grotzherzogthmn Hessen, im April. Die Feier seines 50 jährigen Amtsjubiläums gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Anerkennung und Verehrung für Herrn Lehrer Marx-Alsheim. Am Vorabend brachte ihm der von ihm vor nahezu 50 Jahren gegründete „Sängerbund" einen Fackelzug. Am Festtage selbst fand zunächst ein Gottesdienst statt, an dem auch die beiden Ortsgeistlichen theilnahmen. Den musikalischen Theil desselben führten das