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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 sehr dürftig. Die Kommission habe es nicht für nöthig gehalten, obwohl er sich dazu erboten hätte, ihn zu ihren Berathungen hinzuzuziehen:' -Er bestreite, daß zwischen den Preisen der unter Aufsicht stehenden Schlächter und den sogenannten „wilden" Koscherfleisch-Händlern große Unterschiede bestehen. Es habe den Anschein, als wenn Diejenigen, die unter Aufsicht stehen, ein gewisses Privileg hätten. Ein Privileg biete aber Bortheile, und solche werden vom Vorstände nicht geboten. Wenn ein besonderer Vortheil vorläge, würde nicht ein Rest von 7 Schlächtern geblieben sein, die unter Aufsicht stehen; ca. 150-200 Fleischer firmiren ruhig mit den drei Buchstaben, ohne dem Rabbinat zu unterstehen. Nach längeren Ausführungen kommt Redner zum Schluß, die Kommission möge sich noch einmal mit der Angelegenheit befassen und der Versammlung einen erschöpfenden Bericht erstatten. S.-R. Blumenthal motivirt noch einmal den Standpunkt der Kommission. Herr Isidor Sachs stellt fest, daß von den drei großen Schlächtern allein pro Jahr 2195 Mark an'Beiträgen gezahlt seien, daß also nur sehr wenig auf die übrigen Firmen entfalle. Es solle zum Mindesten bestimmt werden, daß Diejenigen zum Pknsionsfonds beisteuern, wo der Schächtumsatz eine bestimmte, näher festzusetzende Höhe erreiche. Nachdem nunmehr ein Schlußantrag gestellt ist und der Vorsitzende erklärt, daß gar kein Antrag zur Verbilligung der Fleischpreise vorliegt, wird zur Abstimmung geschritten. Es wird in dieser sowohl der Antrag Breslauer wie der der Kommission abgelehnt, es ist somit eo ipso, was aber auf Antrag Tiktin noch durch Abstimmung bestätigt wird, der Antrag des Vorstandes angenommen, den Erlaß der Beiträge zum Pensionsfonds auf ein ferneres Jahr zu genehmigen.,— Die Abrechnung über die in dem Jahre 1896 an den Gemeindegrundstücken ausgeführten Reparaturen wird nach den spezialisirten Ausführungen des Referenten Herrn Fr änkel von der Versammlung als richtig befunden und die Nachforderung von 2101,91 Mark bewilligt. — Außerhalb der Tagesordnung wird noch von Herrn Leonhard Sachs die Genehmigung von der Versammlung nachgesucht, für die Armenkommission im Hause Prastdentenstraße 3 die erste Etage zum Preise von 2100 Mark zu miethen. Die Dringlichkeit des Antrages ist erforderlich, weil der Miethskontrakt, der bis zum 1. April 1901 laufe, bis zum Mittwoch abgeschlossen werden müsse. Der Antrag wird mit Majorität angenommen. L2 Berlin, 4. April. Der Vorstand der jüdischen Reform- Gemeinde zeigt nunmehr offiziell an, daß derselbe neben der Religionsschule im Gemeindehause, Johannisstraße 16, auch in der Luisenstädtischen Oberrealschule, Berlin 8., Dresdenerstr. 113, eine zweiklassige Religionsschule eingerichtet habe, die mit Beginn des neuen Schul- Semesters, Donnerstag den 22. April er., eröffnet werden soll. Der Lehrplan der beiden unteren (Mädchen und Knaben) Klassen ist folgender: Biblische Geschichte, von ihrem Begin bis zum Salomonischen Tempelbau. Die zehn Bundesworte. Die Feste. Ausgewählte Bibelstellen zum Memoriren. Hebräische Leseübungen. Der Lehrplan in den beiden oberen Klassen erstreckt sich auf: Biblische Geschichte von der Theilung des Reiches bis zur zweiten Tempel-Zerstörung. Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte. Systematische Religionslehre. Hebräische Leseübungen. Der Unterricht findet im Sommersemester zu folgenden Zeiten statt: In der Johannisstraße 16 für Mädchen Sonnabend von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, für Knaben Sonnabend von 4 bis 6 Uhr Nachmittags; in der Dresdenerstraße 113 für Mädchen Montag von 4 bis 6 Uhr Nachmittags, für Knaben Donnerstag von 4 bis 6 Uhr Nachmittags. An dem Religionsunterricht können auch Kinder von Nichtmitgliedern der Gemeinde theilnehmen. Gleichzeitig bemerken wir, daß im Gotteshause Johannisstraße regelmäßig in bestimmten Zwischenräumen ein Jugend-Gottesdienst veranstaltet wird, zu welchem die Bekanntmachungen jedesmal durch die Zeitungen erfolgen. L2 Berlin, 3. April. Die „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen" hielt am 29. v. Mts. ihre diesjährige Generalversammlung, zu welcher sich eine stattliche Anzahl von Mitgliedern eingefunden hatte. Der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, begrüßte die Erschienenen und verwies in Bezug auf die letztjährige Thätigkeit der Gesellschaft auf den gedruckt vorliegenden Bericht, welcher auch diesmal ein Bild segensreicher Wirksamkeit bietet und der umsichtigen Verwaltung ein ehrendes Zeugniß ausstellt. Die Krankenkasse hat, bei einer Einnahme von 10 802,55 Mark. und einem Fonds von 39 000 Mark, 6*258,58 Mark, die Wittwenkasse, welche 9500 Mark vereinnahmte und ein Vermögen von 82 900 Mark besitzt, 6147 Mark verausgabt; außerdem wurden aus Spezialstiftungen, die sich aus zusammen 46 200 Mark belaufen, 961 Mark an Unterstützungen bewilligt. Wie der Vorsitzende heroorhob, steigern sich unter dem Drucke der ökonomischen Verhältnisse, welcher auf den Handwerkern besonders schwer lastet, die Anforderungen von Jahr zu Jahr, und die Gesellschaft könne diesen nur gewachsen sein, wenn in weiteren Kreisen als bisher ein starkes Interesse sich bethätige. Eine Reihe von neu errichteten Stiftungen und Spenden seien auch im Vorjahre zu verzeichnen. Mit allgemeinem Bedauern wurde die Mittheilung vernommen, daß Herr Moritz Manheimer mit Rücksicht auf sein hohes Alter und auf anderweitige Pflichten im Dienste humanitärer Institute aus dem Amte als zweiter Vorsitzender, das er zwei Jahrzehnte hindurch so würdig ausgefüllt habe, nunmehr ausscheide. In dankbarer Anerkennung seiner Verdienste wurde beschlossen, den verehrten Mann, der, wie in früheren Jahren, am Tage der Generalversammlung abermals 1000 Mark für die Gesellschaft gespendet hat, für alle Zukunft als Ehrenmitglied in den Listen zu führen. Die gleiche Auszeichnung wurde aus Anlaß seines 80. Geburtstages Herrn M. Jacob, einem Mitbegründer der Gesellschaft, zutheil. Ein Antrag, der eine stärkere Berücksichtigung jüdischer Handwerker bei Vergebung von Arbeiten anstrebt, wurde dem Vorstand überwiesen, in dessen Namen der Vorsitzende versicherte, daß er es als seine wichtigste Aufgabe betrachte, die. Handwerker, welche ja unter den Wirkungen des Antisemitismus am schwersten * leiden, durch Vermittelung selstthätigen Erwerbs vor der Nothwendigkeit, Unterstützungen anzunehmen, zu bewahren. Nachdem auf Antrag des Herrn Ad. Ginsberg (welcher übrigens, wie in den Vorjahren, 500 Mark für die Gesellschaft gespendet hat) dem Vorstände der Dank für seine Leitung der Geschäfte votirt worden, schloß der Vorsitzende mit einem warmen Appell, für die Gesellschaft zu wirken, die Versammlung. Die Vorstandswahlen hatten das Ergebniß, daß die Herren Hermann Landsberger zum ersten, Hugo Heilmann zum zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Ignatz Holz zum ersten, M. D. Feilchenfeld zum zweiten Schriftführer, Julius Bodenstein zum ersten, Joseph Fränkel zum zweiten Schatzmeister und die Herren M. Jacob, B. Mirauer und S. D. Perls zu Krankenversorgern gewählt wurden. §2 Berlin, 4. April. Das Komitee, welches die Sammlungen für die Ackerbauschule in Ahlem unternommen, versendet soeben einen Aufruf zu Gunsten dieses Institutes an alle Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde. Wir empfehlen diesen Aufruf allen edlen Wohlthätern, die sich für das Gedeihen und die Blüthe dieses in seiner Art einzigen Instituts interessiren, auf das Wärmste und Eindringlichste. Die Schule zu Ahlem ist ein Institut von eminent praktischer Bedeutung, das, wenn es nicht bereits existirte, unter jeder Bedingung geschaffen werden müßte. Die Erfolge, die es bis jetzt trotz der kurzen Zeit seines Bestehens erhielt, sind ganz außerordentliche, und der Konsul Herr A. M. Simon verdient den aufrichtigsten Dank dafür, daß er die Mühen und Sorgen und zum wesentlichen Theil auch die Kosten, die dieses Institut in hohem Maße erforderte, bis jetzt allein getragen hat. Es versteht sich von selbst, daß dies auf die Dauer nicht angeht, ein solches Werk kann wohl aus der Initiative eines einzelnen Mannes hervorgehen; die Forterhaltung aber muß eine Ehrensache der gesammten Judenheit sein, und darum hoffen wir zuversichtlich, daß die Sammlungen für diesen Zweck in unserer Gemeinde von gutem Erfolg begleitet sein werden. o. Berlin, 5. April. Beim Nahen des Pessachfestes möchten wir auf eine seit 31 Jahren bestehende D’H'DD Vereinigung Hinweisen, die nicht nur eine alte, schöne Sitte in besonders würdiger Form, sondern gleichzeitig auch Wohlthätigkeit ausübt. Den Gottesdienst vor der Sijum-Feier leitet stets Herr Kantor Marksohn, den Vortrag aus einem Talmudtraktat wie die Ansprache bei der sich anschließenden festlichen Tafel hält, wie regelmäßig in den letzten Jahren, Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig. Obwohl der Beitrag für die Theilnahme nur auf 3 Mark festgesetzt ist, konnte doch bisher stets aus dem Ueberschuß über die Kosten der Feier mehreren würdig befundenen Hilfsbedürftigen eine für die Festtage doppelt willkommene Unterstützung zugewendet werden. Um diesem Zweck mehr noch als bisher Nachdruck zu geben, wäre eine größere Betheiligung wünschenswerth. An-

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