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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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von Herrn Marx begründete Lehrer-Doppelquartelt und sein gemischte Chor (beide aus lauter ‘ Nichtjüden bestehend); glanzvoll durch.' H^r Rabbiner Dr. Stein-Worms schilderte in schwungvoller Rede die Verdienste des Jubilars als Jugendbildner und Philanthrop. Auf 8,ein Rathhause fand sodann die Ueberreichung der zahlreichen Ehrengeschenke statt. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ließ ein Anerkennungsschreiben überreichen, die israelitische Gemeinde einen silbernen Tafelaufsatz, der Vorstand der Achawa eine Garnitur silberner EßbesEe, der israelitische Lehrerverein Hessens eine kunstvolle Adresse und einen silbernen Becher; die Lehrer des Kreises Worms gaben einen Teppich und die ehemaligen Schüler einen reich ausgestatteten Silberkasten. Eine ergreifende Ansprache des Herrn Direktor Dr. Baerwald-Frankfürt, welcher seinen Freund als Vater der Armen feierte und die Betheiligüng der gesammten Einwohnerschaft rühmte, bildete den Schluß dieser erhebenden Feier. Bei dem sich anschließenden Festmahl überreichte der Kreisrath des Kreises Worms das vom Großherzog verliehene silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen. Unter Iren! circa 100 Festtheilnehmern waren etwa 75 Nichtjuden, gewiß ein ehrendes Zeichen für die Wirksamkeit des Jubilars sowohl, als auch für seinen Wirkungskreis. Dies wurde denn auch von allen Rednern mit Geyugthüung betont, so von Herrn Dr. Stein, welcher die Ortsim& jfcie j israelitische Gemeinde Alsheim feierte, von Herrn Dr. Saalfeld-Mamz, der sein Glas dem echt deutschen Geiste weihte, wie ihn der Jubilar gepflegt, von dem Obmann des hessischen Landeslehrervereinswelcher auf die Einigkeit im Lehrerstand trank, und von Herrn Direktor Dr. Baerwäld, der die Lichtpunkte im Lehrerleben hervorhob. Wir schieden mit dem^Pewußtsein, einen in jeder Beziehung würdigen Jubilar würdigte- . feiert zu haben. - ... . - Oesterreich - Ungarn. M Wien, 5. April. In den österreichischen Reichsr ath sindAn j Ganzen 13Ijüdische Abgeordnete gewählt worden. Davon gehören sieben dem Polen-Klub an und zwar Dr. Emil Byk (Brody), Dr. H . ' Mischer (Przemysl), I. Piepes (Handelskammer in Lemberg), Dr. A. vr R ap p op ort (Handelskammer in Krakau), Dr. M. Rosenstock (Handelskammer in Brody), Dr. M. Trachtenberg (Colomna), H. Weiser (Tarnopol). Der deutschen fortschrittlichen Partei gehören vier an und zwar: R. Auspitz (Handelskammer in Brünn), Hofrath; I. Kareis (Wien),. Dr. B. Straucher (Czernowitz), D. TittinMer! (Handelskammer in Czernowitz), den Sozialdemokraten, einer : ,Dr^.. > .Verkauf (Eger), der italienischen Partei ebenfalls einer: JosefBas^vi (Handelskammer in Triest). — Herr Josef Strohbach hat das ihm von . Dr> Karl Lueger provisorisch überlassene Amt des Bürgermeisters yon Wien niedergelegt. ' Als er am 6. Mai v: I. nach der AbberufungHes kaiserlichen Kommissärs aus dem Rathhause und nach der erfolgten Mükonstituirung des Gemeinderathes zum Oberhaupte der Stadt .gewählt; wurde, erklärte er, daß er Herrn Dr. Lueger gerne den Platz räumen werde, sobald die, Zeit hierzu gekommen sei. Donnerstag den 8. April wird die neue Bürgermeisterwahl vorgenommen werden, es wird das fünfte .Mal sein, daß Dr. Lueger zum Bürgermeister gewählt-werh'en wird.— Der kürzlich verstorbene Privatier Salomon Fränkel hat der israelitischen Kultusgemeinde 5000 fl. für eine Heirathssiiftung an arme Mädchen Israelitischer Konfession testirt. Das Bankhaus R o t h schild spendete 1.00.00 fl. zum Zwecke eines Spitalbaues in Kirling. Der. i Kaiser hat den Dr. Arnold Popper zum Oberarzte in der Landwehr ernannt.. — Geheimer Rath Professor Dr. M. Lazarus, der neü- : gestärkt von der Riviera zurückgekehrt ist, und dessen Gattin, Frau , Nahida Ruth Lazarus (Nahida Remy), haben sich auf Einladung des ' Politischen Volksvereines bereit erklärt, in Wien je eine öffentliche Vorlesung zu halten. Diese Vorträge finden, wie nunmehr festgesetzt wurde, am 11. und 13. April, im großen Mustkvereinssaale statt. An dem ersten dieser Abende wird Geheimer Rath Dr. Lazarus eine „Völker- > psychologische Betrachtung des Judenthums7 vortragen, während^stzr den zweiten' Abend Frau Lazarus das Thema „Ein Seelenkeimpst^H^ ' wählt, hat. Das Interesse für diese beiden Vorträge ist hier ein außerordentlich großes und ich werde nicht verfehlen, über den Verlauf her beiden, sicher höchst' interessanten Borträge ausführlich zu berichten^— Den Professoren Schnabel an der Wiener, Krasnopolski Und Przibram an der Prager Universität wurde der Titel eines Höfräthes verliehen. ' ' - " " . ' . . . Dan Nah und Fern. — Sein fünfundzwanzigjähriges Dozenten-Jubiläum an der Berliner Universität feierte am'6. d. M. Professor Dr. .Martin Bernhardt, der als Spezialarzt für Nervenkrankheiten in weiteren Kreisen bekannt geworden ist. — Nach dem neuesten Jahresbericht der städtischen Schuldeputation weist die Gesamnrtzahl der Schüler an den städtischen Schulen Berlins ein Mehr von 1653 nichtjüdischen und — 5 jüdischen Schülern und Schülerinnen auf. — Der am 2. März d. I. verstorbene Justizrath Julius Joel Lazarus hat, dem Beispiel des'Geh. Staatsraths Labbaye folgend, durch letztwillige Verordnung der Stadt' Berlin die Summe von 50000 Mark zur Verwaltung durch die Armendirektion zu folgendem Zwecke vermacht: Aus den Zinsen dieses Kapitals sollen jährlich am 10. März 100 würdige Arme ohne Unterschied der Religion gemeinschaftlich gespeist wertzen. .Sie sollen ein gutes Mittagsmahl und das entsprechende Getränk, Bier oder Wein, erhalten. Der hierbei nicht verbrauchte Theil der Zinsen soll unter sie vertheilt werden. Die näheren Ausführungsbestimmungen sind der Berliner Armendirektion übertragen. — An Stelle des Bürgermeisters in Rogowo, der vom Amte suspendirt wurde, hat der Landrath den stellvertretenden Bürgermeister Kaufmann Jul. Lewin und den Korporationsvorsteher I. Schwarz mit der vorläufigen Weiterführung der Magistrats-Geschäfte betraut. — Der Lehrer W. Karo in Allenstein, Ostpr., hat am 4.: April mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit im Kreise seiner Kinder und Freunde gefeiert. — Der Oberkantor der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main Friesländer hatden königlichen Kronen - Orden vierter Klasse erhalten. — Der Privatdozent Dr. Ernst Levy ist zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät zu Straßburg ernannt worden. — In Kanitz in Mähren ist am 30. d. der langjährig gewesene Bürgermeister . dieses Ortes- .Isaak Wiener, im Alter-von .96 Jahren gestorben. .Eine, letztwillige Stiftung des verdienten Mannes ist für '.Arme ohne Unterschied des Glaubens bestimmt. — Aus Chodorow in Galizien kommt nachstehendes Telegramm: „Seit Sonntag Nachmittag rauben und plündern 100 zusammengerottete Bahnarbeiter in der ganzen Stadt. Fenster und Thüren sind - ausgebrochen. Biele Menschen - wurden schwer, einige tödtlich verwundet. Auch viel Vermögen ist geschädigt. Alle Synagogen find verwüstet. Straßenraub wird ununterbrochen begangen, Morde versucht. Alle Handlungen sind gesperrt, Lebensgefahr und -größte Noth herrschen. Mehrere Familien flüchteten mit knapper Noth. .Die Statthalterei sandte heute Nacht militärischen Schutz, aber blos für drei Tage. Wir flehen um sofortigen Schutz und Lebensrettung^ Die . jüdische Kultusgemeinde." Es sind inzwischen auf telegraphischem Wege Verfügungen ergangen, um die Ruhe in dem Städtchen wiederherzustellen. — In Triest wurde der frühere Abgeordnete Luz zato zum Vicebürgermeister gewählt. — Die offizielle Zeitung des militärischen General-Bezirks von Transbaikal (Sibirien) veröffentlicht eine Verordnung, welche an die Kommandanten der Bezirke und Kantone gerichtet ist und ihnen befiehlt, den wenn auch nur vorübergehenden Aufenthalt der Juden in den unter ihrem Befehl stehenden Gegenden zn untersagen, es sei denn 100, Werst von der russischchinesischen Grenze. — Bei den Wahlen zum französischen Central- -konsistoriumi wurde der Maire-Adjunkt. Henri Aron in Paris an Stelle des Abgeordneten Ferdinand Cremieux mit großer Majorität gewählt. Ein zu Gunsten : des Mount Sinai-Hospitals in New-Iork gegebener Purim-Ball brachte einen Reingewinn von 15 076 Dollcrrs. — Das im jüdischen Viertel New-Iorks gelegene Beth-Jsrael-Hospital will ein neues Gebäude errichten, welches gegen 100 000 Dollars kosten soll. — In der'Nähe von Smyrna wird eine landwirthschastliche Kolonie für 120 Familien, angelegt, welche in der letzten Verfolgungszeit aus Rußland flüchteten. Die Kolonie wird den Namen Clara de Hirsch tragen und die Baronin Hirsch läßt alle Häuser, auch eine Schule und Synagoge aus ihre Kosten erbauen und giebt außerdem das nöthige Kapital, um alle' landwirthschaftlichen Geräthe anzuschaffen und die zweckmäßigsten Einrichtungen zu treffen. — Aus Bombay wird berichtet, daß Haem Benjamin zum Major und M. Samuel zum Kapitän in der indischen Armee ernannt worden sind. " 'DrüÄ'ünb Verlag von Rudolf Moss'e in Berlin: " ' ' ' Verantwortlich'für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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