Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1897)
- Date
- 1897-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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»MWWW 61. Lchrgang. Nr. IS. 0^* Lerlin, 9- Lprit 1897. Weikage zur „Akkgemeinen Zeitung des IuöenkHurns". Korrespondenzen und Nachrichtern Deutschland. 8. Berlin, 5. April. Die Repräsentanten-Versanrmlung, welche wegen der gestrigen Beisetzung des verstorbenen Juftizraths Hermann Mako wer, über welche wir an anderer Stelle berichten, erst heute tagte, wurde mit folgendem Nachruf des Vorsitzenden, Herrn Hermann Landsberger, eröffnet: „Meine Herren! Es war ein tief schmerzlicher Anlaß, welcher mich bestimmt hat, unsere gestrige Sitzung auf den heutigen Abend zu verlegen. Die Trauerkunde von dem plötzlichen Hinscheiden des Herrn Justizraths. Hermann Makower hatte mich aufs Tiefste erschüttert, und ich war der Meinung, daß keiner von Ihnen die nöthige Sammlung finden könnte, hier unseren Berathungen folgen zu können in einer Stunde, in welcher wir dem früheren langjährigen Vorsitzenden unserer Versammlung das letzte Geleit geben. Wenn gestern von kompetenter Seite der Ausspruch gethan ist, Herr Justizrath Makower war nicht im landläufigen Sinne eine Zierde des Anwaltstandes, so darf ich es wohl auch aus vollster lieber - zeugung aussprechen, er war nicht nur eine Zierde unserer Gemeinde, sondern eine Zierde der Judenschaft. Meine verehrten Herren! Die Vornehmheit seiner ganzen Person, die Lauterkeit seines Charakters, das mannhafte, feste Auftreten, trotzdem immer in gemessener Weise und maßvoller Art, haben ihn ganz vorzugsweise zum geborenen, zum berufensten Vertreter unserer Gemeinde gemacht. Was er während seiner langjährigen Thätigkeit gewirkt, was er als Vorsitzender dieser Versammlung geleistet, werde ich Ihnen nicht näher vorzuführen brauchen, das ist in Ihrer Erinnerung noch wach und rege, und, ich würde es auch nicht können, weil ich nicht im Stande bin, in kürzerem Rahmen ein erschöpfendes Bild zu gebend Wenn auf irgend Einen das Bibelwort „Sei stark und fest" paßt, wenn vonfirgend Jemand dieser Spruch vollauf bestätigt worden ist, so geschah das von nnserem Heimgegangenen Freund. Wenn er einmal einen für das Allgemeine, für die Menschheit und namentlich für unsere Glaubensgenossen als nöthig erscheinenden Plan gefaßt hatte, so war er es, der ihn mit strenger, eiserner Energie durchzuführen verstanden hat. Meine Herren! Der Name Makower wird überall mit Hochachtung und Werthschätzung genannt. Herm. Makower hat durch dasjenige, was er gewirkt und was er geschaffen hat, sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt, die Saat, die er für so jugendliche Herzen gestreut, wird über Generationen hinaus die kostbarsten Früchte tragen. Und wenn sein Verlust überall aufs Tiefste beklagt wird, wir, meine Herren, haben besonders Ursache, ihn zu betrauern, da es uns vergönnt war, die ganze bedeutende Individualität dieses Mannes kennen und schätzen zu lernen. Meine Herren! Ich bin überzeugt, daß jeder von Ihnen sein Wirken anerkannt und geschätzt hat, ebenso bin ich überzeugt, daß jeder von Ihnen ihm für alle Zeiten ein treues, dankbares und ehrendes Andenken bewahren wird. Zum Zeichen dessen bitte ich Sie, sich für unseren Freund von den Plätzen zu erheben." — Zur Tagesordnung übergehend berichtet der Vorsitzende zunächst über ein Schreiben des „Centralvereins für die Interessen der jüdischen Gemeinde". Dasselbe sei zu umfangreich, um es vorzulesen; es wird in ihm der Wunsch ausgesprochen, in nächster Zeit, da das Bedürfniß noch bei Weitem nicht gedeckt sei, drei neue Synagogen zu erbauen, und zwar im Stadttheil Moabit (NW.), im Norden zwischen der Chausseestraße und Schönhauser Allee und für den Süden und Südosten in der Gegend des Moritzplatzes. Auf Vorschlag des Herrn J.-R. Tiktin soll dieses Schriftstück vervielfältigt und den einzelnen Mitgliedern der Versammlung zur Information übergeben werden. — Punkt 2 betrifft zwei Zuwendungen zum Zwecke von Bettstiftungen an das Hospital. Die eine, von Herrn Nathan Bernstein ausgehend, hat die Höhe von 6500 Mark; das Bett soll den Namen der Ehefrau des Stifters tragen. Die zweite, im Betrage von 10 000 Mark, rührt von Frau Johanna Levy her und ist an die Bedingung geknüpft, daß das Bett die Inschrift: „Dr. Moritz Magnus Levy" tragen soll. Beide Legate werden von der Versammlung debattelos angenommen. — Ueber Punkt 3 referirt Rechtsanwalt Apolant. Es handelt sich um den Anspruch der Alterversorgungsanstalt auf den Ertrag der Büchsen der Friedhofsverwaltung. Die Alterversorgungsanstalt hat sich bereits zu diesem Punkt geäußert, von der Beerdigungsanstalt stehe jedoch noch der Bescheid aus. Namens der Kommission bittet er deshalb um Vertagung. Die Versammlung schließt sich dem Anträge an. — Zu Punkt 4 der Tagesordnung: Vorlage betr. die Verpachtung des Ackerlandes in Weißensee, berichtet Herr Fränkel, daß die Kommission beschlossen habe, diese Vorlage dem Vorstände zurückzugeben mit dem Ersuchen, eine öffentliche Ausschreibung zu veranstalten. Es sind 30 Morgen zu verpachten, der Vorstand verlange nur 16,50 Mark pro Morgen. Der Kommission erscheine dieser Preis viel zu niedrig, an anderen, weit ungünstigeren Stellen würden höhere Pachtsummen gezahlt. Auf Anfrage des Herrn Mosse antwortet der Referent, daß es nur Ackerland sei, zum Gartenland nicht benutzt werden könne. Vom Vorstandslisch wird darauf erklärt, daß von den bisherigen Pächtern der eine nicht hat bezahlen können, der andere darüber klage, nicht zurecht zu kommen. Auf eine Theilung, wie sie auch in der Kommission angeregt worden sei, könne sich die Gemeinde nicht einlassen. Es ruhe darauf eine Grundsteuer von 800 Mark, und es würde schwer sein, einen anderen Pächter zu finden. Herr Mosse findet bei der Qualität des zu verpachtenden Bodens den Preis mit 16,50 Mark sehr gut bezahlt in Rücksicht auf die hohe Steuer. Nachdem noch Herr Leonhard Sachs für die öffentliche Ausschreibung eingetreten, beschließt die Versammlung, dem Kommisstonsantrage stattzugeben. — Dem Wunsche des Vorstandes, die Berathung des Punktes 5, betr. die Aufnahme einer neuen Anleihe, in die geheime Sitzung zu verlegen, schließt sich die Versammlung an. — Der sechste Punkt der Tagesordnung, betr. denPensions- und Unterstützungsfonds der Koscherfleisch-Verwaltung, zeitigt eine längere lebhafte Debatte. Als Referent berichtet Herr Sanitätsrath Blumenthal, daß die Kommission mit 2 gegen 1 Stimme beschlossen habe, den Zuschuß weiter zu erheben. Der größere Theil der Fleischhändler leide nicht unter der Aufbringung des Beitrages, und die jährliche Gesammtsumme von 3000—3500 Mark wäre zu beträchtlich, als daß die Gemeinde sie nicht zu dem wohlthätigen Zwecke verwenden könnte. Herr Sieskind, welcher ebenfalls der Enquete-Kommission angehört hat, die dazu eingesetzt war, die Preisverhältnisse des Koscherfleisches zu studiren, bittet um Vertagung, da diese Angelegenheit in ein ganz anderes Stadium getreten sei. Es soll in der nächsten Woche eine Versammlung mit den Fleischhändlern stattfinden, in welcher man über die Verbilligung des Fleisches sich berathen will. Herr Löwenberg will den Antrag der Kommission ablehnen, auch Herr Leonhard Sachs ist der Ansicht, daß alles das, was die Fleischhändler belaste, ihnen abgenommen werden müsse. Herr Isidor Sachs will eine Belastung durch den Pensionsfonds nicht anerkennen. Schon seit 1893 werde eine Verbilligung des Koscherfleisches angestrebt, und der Gemeinde seien 12—13 000 Mark seit dieser Zeit entgangen. Der Zuschuß solle so lange bezahlt werden, bis eine Herabminderung der Fleischpreise eingetreten sei. Herr Fränkel ist für Vertagung, er will von der Enquete-Kommission festgestellt wissen, warum so viele von den Schlächtern nicht mehr unter Aufsicht des Rabbinats stehen und wie viele Schlächter existiren, die gar nicht unter Aufsicht sind. Der Kommissar Herr Jacoby bestreitet jeglichen Zusammenhang zwischen Penstonsfonds und Verbilligung der Fleischpreise, im Uebrigen hält er es für keinen nachhaltigen Schaden, wenn der Erlaß der Beiträge noch für ein Jahr gewährt wird. Im Laufe des Jahres werde die Angelegenheit der Fleischpreise wahrscheinlich geordnet werden. Herr Breslauer, als der einzige Sachverständige in dieser Angelegenheit, hält das von der Kommission vorgebrachte Material für