Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1897)
- Date
- 1897-04-09
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wo es sich um allgemeine Interessen handelte, versagte er niemals seine Mitwirkung. Im Vorstande des Juristentages hat er für dessen Entwickelung und Wirksamkeit nicht wenig beigetragen. In litterarischer Beziehung'.hat er auf den verschiedensten Gebieten der Rechtswissenschaft Hervorragendes geleistet. Seine Kollegen verehrten ihn nicht nur als den Mann von tiefem Wissen und scharfem Urtheile, sondern vor allem als virum justum, und als er in die Anwaltskammer, zuletzt als deren stellvertretender Vorsitzender berufen wurde, zeigte er. daß er bei allen: Streben, den Anwaltsstand in seinem früheren hohen Ansehen zu erhalten, doch den durch die Freigabe der Advokatur veränderten Umständen Rechnung zu tragen wußte — streng gegen sich, milde gegen Andere, gerecht gegen Alle. Auf das Bitten seiner Kollegen nahm er nach dem vielbetrauerten Tode des Kollegen Meyer Levy das Amt als Vorsitzender des Anwalts-Vereins an. Nur zu kurze Zeit war es ihm vergönnt, in diesem Amt zu wirken. Ueberschauen wir sein gesannntes Leben, so bewahrheiten sich die Worte, welche er mir einst gesagt: „Ich habe im Leben viel Glück erfahren, aber nicht ohne große Arbeit." Was er geleistet, war von Erfolg gekrönt, er hat in den weitesten Kreisen vollste Anerkennung gefunden, und das Bewußtsein hat ihn erfüllt, daß sein Wirken segensreich gewesen. Er hat viel Liebe gesäet und geerntet. Er hat vollendet. „Was vergangen, kehrt nicht wieder; Ging es aber leuchtend nieder, Leuchtet's lange noch zurück." Ja, sein Andenken wird nicht erlöschen. Der leuchtende Name, den er hinterlassen, möge den Seinigen und Allen, die ihm näher standen, zum Tröste und zum Segen gereichen, Diejenigen aber, welche berufen sind, Gesittung und Humanität zu verbreiten, möge sein leuchtendes Beispiel anspornen, in seinem Geiste zu wirken! Das walte der Herr! * Im Anschluß an die oben mitgetheilte Rede mag nunmehr der Bericht über die Trauerseierlichkeit für den 'Justizrath Hermann Mako wer folgen. Diese fand am Sonntag Mittag im Trauerhause, Victoriastraße 26, statt. Die überaus zahlreiche Betheiligung legte Zeugniß für die Liebe und Werth schätzung ab, deren sich der Verstorbene in weitesten Kreisen zu erfreuen hatte. Namentlich hatten sich die Fachgenosfen, die Justizräthe und Rechtsanwälte des Land- und Kammergerichts, zahlreich eingefunden, u. A. die Justizräthe Munckel, Gehrt, Adelt, Goldschmidt, Kaufmann, vom Justizministerium erschien der Ministerialdirektor Holtgreven, vom Landgericht I der Präsident von Angern, ferner Oberstaatsanwalt Wächter; vertreten waren außer den juristischen noch viele Körperschaften, denen der Verewigte nahe gestanden hatte, so der Vorstand.und das Repräsenlantenkollegium der jüdischen Gemeinde, das Erziehungshaus und Mädchenheim zu Pankow, die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, der liberale Wahlverein u. v. A.; auch Professor Theodor Mommsen und Ludwig Bamberger, sowie viele Abgeordnete erwiesen dem Heimgegangenen Freund die letzte Ehre. Das Zimmer, in welchem die Aufbahrung stattgefunden hatte, war nt einen Blumerihain verwandelt worden, und groß war die Anzahl der herrlichsten Kränze, Palmenzweige und ganzer Blumenarrangements, die zu Füßen des Sarges niedergelegt wurden. Vom Chor der Synagoge Kaiserstraße wurde die wehmüthige Feier Mit dem Psalm: „Das Menschenleben gleicht der Blume auf dem Felde" eingeleitet. Dann nahm Rabbiner Dr. Maybaurn das Wort zu einer gedankenreichen und ergreifenden Trauerrede, welcher er die Worte des Hohenliedes zu Grunde legte: „Er war mein Freund, mein Geliebter, ihr Töchter in Jerusalem!" Er schilderte zunächst das Wirken Makowers als Sachwalter und hob hier besonders die Festigkeit seines Charakters hervor, eine Eigenschaft, die ihn zum Freunde hoher, selbst höchster Kreise machte. „Aber ist er Vielen viel gewesen, uns war er mehr!" In der Repräsentantenversammlung wurde er bald, getragen von der Liebe und Achtung seiner Mitarbeiter, zum Vorsitzenden gewählt, ein Amt, das er fast ununterbrochen 25 Jahre hindurch inne hatte- Er war der berufene Vertreter, zu zeigen, daß die Juden, die ja bald eine achtunggebietende Gemeinde in Berlin wurden, voll und ganz in der deutschen Nation, der sie mit Stolz angehörten, anfgehen wollen. Mit rastlosem Eifer bethätigte er sich in dieser Stellung auf dem Gebiete des Unterrichts und' der Erziehung, der Wohlthätigkeitsanstalten, er bemühte sich, immer mehr Berufs- und Erwerbszweige den niedrigen jüdischen Schichten zu erschließen. „Unvergessen wird und soll es ihm bleiben, als er zur Zeit, als Tausende von russischen Juden den Wanderstab ergriffen, Sammlungen in Berlin veranstaltete und mit auswärtigen Hilfskräften zu diesem Zweck in Verbindung trat; unvergessen wird und soll es ihm bleiben, daß er mit seinem einzigen Sohne an die österreichischrussische Grenze eilte und in wochenlanger Arbeit sich mühte, den Auswanderern mit Rath und That zur Seite zu stehen; unvergessen wird es ihm bleiben, daß er 40 heimathlofe Kinder aus Brody hierher brachte, um sie in Pankow in dem von ihm begründeten Erziehungshaus zu guten Deutschen erziehen zu lassen." In kurzen Zügen schilderte Redner den Verblichenen auch als Gatten — noch vor acht Tagen hat Makower das Grab seines „herzigen Weibchens", das ihm vor einigen Jahren im Tode vorangegangen, besucht — und die innige Freundschaft, die ihn mit seinem Sohne und Schwiegersöhne verband. „Wer vermöchte auch den vollen Inhalt eines so segensreichen Lebens zu erschöpfen?" Nach dem. Gebet widmete dann im Namen des Vorstandes der Anwaltskammer der Justizrath A. von Simson, der Sohn des früheren Reichsgerichtsprästdenten, dem Verewigten einen Nachruf, den wir in vollem Wortlaut reproduziren: „Hochansehnliche Trauerversammlung! Kaum mehr als eine kurze Woche ist vergangen, seit der Vorstand der Anwaltskammer von Berlin in feiner letzten Sitzung den theuren Mann, um dessen Bahre wir versammelt sind, in der Frische, Theilnahme und Regsamkeit des Geistes, die ihm eigen waren, seinen Debatten folgen, mit maßgebendem Einfluß in diese Debatten eingreisen sah. Niemand kann nach so jähem Wechsel neben denjenigen, denen Gott in diesem Todten den geliebten Vater genommen hat, feinen Verlust schmerzlicher, inniger fühlen und mit den Leidtragenden empfinden, als die Mitglieder des Kollegiums, dem er, feit es gebildet ward, auf Grund der Wahl seiner Berufsgenoffen angehört hat und in dem er, von ihrer Zuneigung und Verehrung getragen, als ein Führender dauernd verblieben ist, mochten auch die Wogen wechselnder Zeitströmungen einen oder den anderen gleich braven und tüchtigen Steuermann über Bord spülen. Im Aufträge des Herrn Vorsitzenden des Vorstandes, den ein auswärtiges Familienereigniß zu seinem lebhaften Bedauern von dieser wehmüthigen Feier fernhält und dessen berufener Vertreter als ein stiller Mann unter diesen Blumen vor uns ruht, habe ich dem Schmerz Ausdruck zu geben, der uns erfüllt, wenn wir uns bewußt werden, daß wir die schlichten, männlichen Züge unseres Heimgegangenen Freundes nicht mehr schauen, daß wir seiner treubewährten Mitarbeit fortan entbehren sollen, wo doch in den stürmischen Bewegungen der Gegenwart der Rath eines charaktervollen Mannes die sicherste Gewähr heilsamer Entschließungen bietet. Der Verstorbene war — ich sage es nicht im Sinne der landläufigen Phrase, die aus einem leicht erklärlichen Gefühl unsere Todten oft über das Maß ihres Verdienstes hinaus rühmt — er war recht eigentlich eine Zierde seines Standes.