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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 wurde, verdient seine feste Haltung auch bei mancherlei Widerwärtigkeiten vollste Anerkennung. Nicht nur auf der Schule, auch auf der Universität gehörte er zu den Fleißigsten, und obgleich er. um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, viele Stunden des Tages dem Unterricht und der Erziehung Anderer widmen mußte, stand er im Misten keinem seiner Studiengenosten nach. Wenn ich seinen Charakter in wenige Worte zusammenfasten will, so kann ich es nicht bester, als ihn mit den Worten des Dichters zu zeichnen, als: justum et teiiacem propositi virum, als einen Mann der Gerechtigkeit, der Lauterkeit, der Geradheit, er war ein Feind der Heuchelei und des Scheins. Auch er beherzigte den Grundsatz „erst wägen, dann wagen"; sobald er aber etwas für richtig erkannt hatte, schritt er mit der ihm eigenen Energie'und dem ihm verliehenen ungewöhnlichen Organisationstalent zu dessen Durchführung. Aber so hoch auch diese Eigenschaften zu veranschlagen sind, sie erschöpfen sein Charakterbild nicht. -Er. hatte ein warmes Herz, er war stets hilfsbereit; dem Leidenden schenkte er regste Theilnahme und fand oft die geeignetsten Wege, um Trost zu jbringen; er war ein aufrichtiger, treuer Freund, er hing nicht an äußeren Formen; aber man wußte, daß man ans ihn bauen könne. Man hat ihn oft vorzugsweise für einen Verstandesmenschen gehalten, dem es an jeder poetischen Ader fehle. Weit gefehlt! Wer an seiner Beseligung Theil genommen hat, als seine erste und einzige Liebe ihm bei einem Spaziergang ein Vergißmeinnicht reichte, wer sein Familienleben beobachtete, die Gemütlichkeit, mit der er in seinem Hause gewaltet, wer seine harmlosen, ansprechenden Erzählungen und Märchen gelesen, der wird erkannt haben, wie in seinem ganzen Wesen strengste Harmonie herrschte. Seine Gattin war sein Stolz, seine Vertraute und Rathgeberin. Nicht nur für seine Kinder, ‘ sondern auch für seine Geschwister war er väterlich besorgt und suchte in ihnen die Grundsätze, welche ihn durch das Leben geleitet haben, zu festigen. Wer bei ihm verkehrte, fühlte sich bei ihm heimisch, und mancher seiner Hilfsarbeiter gedenkt mit innigem Danke und innerer Freude der Zeit, wo der Entschlafene ihm nicht nur Lehrer, sondern auch Freund gewesen. Dem was der Heimgegangene unserer Gemeinde gewesen, haben wir in unserem öffentlichen Nachruf Ausdruck gegeben; der Lorbeerkranz und die Palme, welche wir an seiner Bahre niedergelegt, sind beredte .Zeugen unserer Verehrung. Ja, der Heimgegangene war eine Zierde der Gemeinde, bestrebt, den Frieden zu erhalten, unablässig bemüht, den Fortschritt zu fördern und auch die Jugend zum Gottesdienst heranzuziehen. Länger als 25 Jahre war er Mitglied der.Nepräsentantenversammlung und den größten Theil dieser Zeit deren Vorsitzender und hat auch als solcher sein Organisationstalent bewährt. Es war eine eigenthiimliche Fügung, daß wir, die als Knaben und Jünglinge zusammen gearbeitet, die alle'Examina am selben Tage gemacht hatten, unsere Bemühungen für das Wohl der Gemeinde vereinigen konnten, er als Vorsitzender der Repräsentanten- Versammlung und ich als Vorsitzender des Gemeinde-Vorstandes. Er legte sein Amt nieder, als er bei einer prinzipiell wichtigen Frage in der Minderheit geblieben war, weil er meinte, daß ein Führer ohne Soldaten nichts wirken könne. Aber er zog sich nicht etwa grollend und murrend zurück, sondern wirkte auch ferner unablässig für das Wohl seiner Glanbensgenosten. Als die Verfolgungen in Rußland die Juden hart betroffen hatten, da erkannte er es als die Aufgabe seiner Glaubensgenossen, nicht nur dem augenblicklichen Elend zu steuern, sondern die Emanzipation der dortigen Juden von ihren Gewohnheiten und Voruriheilen durch Belehrung der Jugend herbeizuführen. Er scheute keine Mühen, und Strapazen, um sich selbst an Ort und Stelle die Knaben auszusuchen, bei denen er sein Erziehungswerk beginnen könnte; er erlangte vom Minister die Erlaubniß, daß die Zöglinge so lange hier verweilen durften, bis sie sich als Handwerker ausgebildet hatten und er richtete in Pankow ein Erziehungshaus ein, das für sie bis zu ihrem Ausscheiden sorgte. Die Resultate waren glänzende. Die Knaben hatten sich unerwartetschnell allgemeine Kenntniste angeeignet und erwiesen sich als sehr brauchbare Handwerker. Viele von ihnen gingen nach Amerika und habendem Erziehungshallse später ihre volle Dankbarkeit ausgesprochen. Diese Resultate haben die Gemeindebehörden veranlaßt, das Erziehnngshaus zu übernehmen und es zur Aufnahme solcher Waisen zu bestimmen, welche sich dem Handwerkerstande widmen wollen. Auch hier sind die Erfolge vorzügliche gewesen, und mehr als alle Schriften beweisen die erwähnten Thatsacheu, daß die Juden zum Handwerk geneigt und geeignet. Die Leitung und Führung ist bei diesem Waisenhause dem Verewigten und seinen Freunden, welche ihm schon in früherer Zeit helfend zur Seite standen, übertragen gewesen. Wie ihm die Gemeinde für die Mitführung in den inneren Angelegenheiten zu tiefem Danke verpflichtet ist, so wird diese That, die Errichtung des Erziehungshauses, unvergesten bleiben. Er war nicht nur der Begründer und der Beförderer, sondern die Seele des Instituts. Seine Muße, namentlich an den Sonntagen, benutzte er, um zu lehren, mit den Knaben zu plaudern und zu spielen, jeden nach seiner Individualität zu fördern; in den Ferien nahm er einige der Zöglinge nach seiner Besitzung in Kalau, wohin er sich zurückzuziehen pflegte, wenn er sich mit einer größeren Arbeit beschäftigte. Es war ein Festtag für die Kinder, wenn er zu ihnen kam, und wie diese mit innigster Liebe an ihm hingen, so verehrten ihn die Lehrenden. Als ich dem früheren Direktor der Anstalt meine Anerkennung aussprach, erwiederte er: Nicht mein Verdienst war das Gedeihen den Anstalt, sondern Herrn Justizrath Makower verdanke ich, was ich zu leisten im Stande war, und der jetzige Direktor äußerte erst vor wenigen Tagen: Bei allem, was ich gethan, habe ich stets vor Augen gehabt, ob es auch im Sinne des Verewigten liegt. Ich habe ihn oft von Pankow nach Hause begleitet und habe viel von ihm gelernt; diese Zeit war mir die genußreichste. Vor wenigen Jahren erklärte mir der Heimgegangene: Nur eines hoffe er noch zu vollbringen, die Begründung eines Mädcheuhauses für jüdische Mädchen, in welchem dieselben nicht nur zu brauchbaren, sondern auch zu gesitteten Mädchen erzogen werden sollten, gewissermaßen als Ergänzung zum Erziehungshaus, Tenax propositi. Er hat in unermüdlicher Thätigkeit für die. Erfüllung dieses Vorhabens gewirkt, und wenn dieses Institut sich auch noch in den Anfängen befindet, verspricht es doch die besten Früchte. Dieselbe Hingebung, welche er dem Erziehungshaus gewidmet, hat er auch hier bewiesen. Selbstverständlich konnte er die reichen Erfolge bei beiden Anstalten nur mit Beihilfe solcher Männer und Frauen erzielen, welche, wie er, durchdrungen waren von der Bedeutsamkeit der Aufgaben, welche er sich gestellt hatte. Der letzte Tag seines arbeitssamen Lebens war beiden Anstalten gewidmet; er erfreute sich des guten Geistes in beiden Anstalten; er war fröhlich mit den Fröhlichen, und Niemand ahnte wohl am letzten Sonntag, wie bald der Todesengel sein theures Haupt berühren und eine so fühlbare Lücke reißen würde. Was der Heimgegangene als Jurist, als Rechtsanwalt gewesen und geleistet, wird wohl an einem anderen Orte in ausgiebigerer Weise gewürdigt werden. Er genoß das vollste Vertrauen bei Denen, die seinen Rath suchten — Hoch und Niedrig— und'großes Anse er se als Mar sich t dem versö Eins seine war herar versa tagebeige Gebi Kölle und als ( sitzen Anw den Rech gerec dem Vors berge Wor erfah Erfo gefui segen den stand welch sein Das Beril Ma Bictl Zeug in w geno gerick Silbel: Min von den gesta! jüdisl die Q verei berge die l hatte

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