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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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Antisemiten kommt, stimmen wir dafür, sondern trotzdem er von ihnen gekommen ist, nehmen wir diese Stellung ein. Der Antrag spricht nicht aus, daß es sich um den Judeneid handelt, aber die Rede des Antragstellers läßt unzweideutig erkennen, daß er nichts weiter treffen will als den Judeneid. (Abg. Liebermann v. Sonnenburg: Verleumdung! Große Unruhe. Zurufe: Zur Ordnung!) Gegen eine derartige parlamentarische Flegelei brauche ich mich nicht zu wehren. Präsident Freiherr von Buol: Ich halte den Ausdruck „Verleumdung" für höchst ungehörig. Abg. Lenzmann (fortfahrend): Der Hauptgrund ist der, daß.die konfessionelle Eidesformel einen Gegensatz der Klassen, der Bekenntnisse und der Staatsbürger unter einander schafft, wie er im Interesse der Erhaltung des guten konfessionellen bürgerlichen Friedens nicht erwünscht ist. Wunderbar hat es mich berührt, daß der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg gerade jetzt den Antrag gestellt hat wo wir bemüht sind, das Deutsche Recht einheitlich zu gestalten. Der einheitliche Eid hat sich bewährt; Unzuträglichkeiten sind nicht zu Tage getreten. Mit Ausnahme weniger fanatischer, unduldsamer Leute hat sich kein Mensch beschwert gefühlt. Man freut sich, daß der Judeneid abgeschafft ist. Womit begründen Sie seine Wiedereinführung? Als wir den Rässen- und Klassenhaß in dieser Form nicht kannten, wie er heute besteht, war der Unterschied vielleicht zu ertragen; aber heute, wo der Gegensatz in häßlichem Maße sich gesteigert hat, würde es zur Verhöhnung der Juden führen, wenn wir sie zwingen würden, den Eid vor dem Rabbiner abzuleisten und zu diesem Zwecke in die Synagoge zu gehen, wie es früher der Fall war, ganz abgesehen davon, daß sich dies mit dem heutigen Prozeßverfahren nicht vereinbart. Wenn Sie verlangen, daß kein Christ von einem Juden vereidigt werden dürfe, so kann auch der Jude verlangen, von einem jüdischen Richter vereidigt zu werden. Die Nichtigkeit der Behauptung, daß die Meineide zugenommen habenist längst erwiesen. Ueber den Antrag selbst verliere ich kein Wort; ich ersuche Sie, ihn pure, a limine abzulehnen und ihm gar nicht die Ehre anzuthun, ihm durch Verweisung an eine Kommission ein Begräbniß erster Klasse zu bereiten. Der Antrag ist nichts als ein. Agitationsmittel, ein Kampfobjekt zwischen den verschiedenen Konfessionen. Ich bitte den Reichstag, durch ein einstimmiges Votum zu bekunden,, daß er für solche Agitationsanträge nicht zu haben ist. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Graf Bernstorff-Lauenburg (Rp.): Wenn ein solcher Antrag einmal vorliegt, so müssen wir ihn vorurtheilsfrei vom allgemeinen Standpunkt aus prüfen. Ein Renommiren mit der Religion liegt bei diesem Antrag in keiner Weise vor. Wir werden jedenfalls für den Antrag stimmen. Präsident: Ich ersehe aus dem Stenogramm, daß der Abgeordnete Lenzmann gegen den Zuruf des Abgeordneten Graefe bereits selbst die Abwehr unternommen hatte, indem er ihm parlamentarische Flegelei vorwarf. Der Abgeordnete Lenzmann hätte mir Zeit geben sollen, diesen Zuruf zu rügen. Ich muß diese Vertheidigung nachträglich ebenfalls ernstlich tadeln. Abg. Osann (natl.): Ich habe aus der Rede des Antragstellers' keine Begründung des Antrages entnehmen können. Er hat den Nachweis für die Nothwendigkeit der Wiedereinführung des konfessionellen Eides nicht erbracht. Wer den konfessionellen Zusatz zum Eide machen will, kann es auch heute schon. Bon dieser Möglichkeit wird aber erfahrungsmaßig nur in vereinzelten Fällen Gebrauch gemacht. Im Allgemeinen hat sich die gemeinsame Formel mit der Erlaubniß eines konfessionellen Zusatzes durchaus bewährt. Wir werden gegen den Antrag stimmen. Abg. Schall (kons.): Wir sehen in dem Antrag nicht eine antisemitische Tendenz. Für uns hat die Frage ein religiös-sittliches Interesse. Der Antrag entspricht den Wünschen der Bevölkerung. Der konfessionslose Eid war allerdings ein Zugeständniß an das Judenthum; insofern könnte der Antrag ein antisemitisches Gepräge haben; Hann sind wir aber nicht daran schuld, sondern die Gegenpartei. (Beifall rechts.) Abg. Rickert (fr. Vg.): .... Der Vorredner sieht ja auch die antisemitische Tendenz dieses Antrages nicht. Daß er darin so kurzsichtig ist, hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Ich bedauere nur, daß die Herren vom Centrum sich durch die Antisemiten in den Antrag haben hinein- , zwängen lassen, der trotz aller Vorbehalte, die Dr. Lieber hier ausgesprochen hat, doch nichts als ein antisemitischer Antrag ist, dessen Folgen Sie nachher in der Agitation und in der Oeffentlichkeit und in dem Triumph, den die Herren über die Mehrheit des Reichstags feiern, werden, noch deutlich erkennen werden. Wir werden den Antrag einfach ablehnen, weil hier die antisemitische Tendenz so deutlich und klar zu Tage liegt, daß wir darüber einer weiteren Belehrung nicht bedürfen. Äbg. Lieber (Ctr.): Herrn Rickert bemerke' ich, daß wir nicht über Gründe abstimmen; wir halten uns an den Wortlaut. Lange bevor ein ' Antisemit im Reichstage war, hat der Abg. Windthorst einen vollständig gleichlautenden Antrag eingebracht. Im Schlußwort führt Abg. Liebermann v. Sonnenberg aus: Der Wortlaut des Antrages ist maßgebend, und danach muß man Stellung nehmen. Daß der Abg. Rickert in dem Antrag antisemitische Tendenz steht, wundert mich bei ihm nicht. Er kommt immer darauf hinaus, es sei, wie es sei, der Antisemit wird verbrannt. Ich wünsche, daß die Mehrheit des christlichen Volkes zu ihrem Recht kommt. Daß die nationalliberale Partei gegen den Antrag sein wird, habe ich erwartet. Das Volk wünscht den konfessionellen Eid. (Widerspruch.) Ueber die Stimmung der deutschen Volksseele sind wir besser unterrichtet als Herr Osann. (Gelächter.) Der Abg. Osann und die Nationalliberalen um ihn sind die Allerletzten, die behaupten können, noch irgend welchen Zusammenhang mit der Volksseele zu haben. (Widerspruch und Gelächter.) Wir wollen keine Aenderung, sondern nur eine Kodifizirung des bestehenden Zustandes. Der Abg. Lenzmann sagte, ich liebte es, bei jeder Rede ein paar Juden zu verzehren. Dazu habe ich einen zu guten Geschmack. (Gelächter.) Mir sind übrigens vom Abg. Lenzmann ganz hübsche antisemitische Aeußerungen bekannt. Ich benenne dafür als Zeugen seinen Gegenkandidaten Hoffstätter und meinen Freund König. Einem anderen Mann, den ich privatim dem Abgeordneten Lenzmann zu nennen bereit bin, soll der Abgeordnete Lenzmann einmal gesagt haben: Wissen Sie, das habe ich Eugen immer gesagt, den Antisemitismus hätten wir eigentlich machen sollen. (Große Heiterkeit.) Darin erkenne ich das Bedauern des Abg. Lenzmann, daß wir früher aufgestanden sind. (Heiterkeit.) Mit der Annahme des Antrages würden Sie sich ein Verdienst um das Vaterland erwerben. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Lenzmann (fr. Vp.): Der Abg. Liebermann hat mich als verkappten Antisemiten hingestellt. Ich habe die Aeußerungen, die er mir zuschiebt, gegenüber dem Abg. Richter nie gethan. Er hat diese olle Kamelle bereits vor sechs - Jahren vorgebracht, als ich noch nicht hier war. Nachdem er heute die Anschuldigung wiederholt, erkläre ich, daß ich eine derartige Aeußerung nicht gethan habe. Wenn Sie Nachrichten über mein Fühlen und Denken von Privatleuten wie Herren Hoffstätter und König einziehen, deren Zuverlässigkeit schon dadurch gekennzeichnet wird, daß sie Privatgespräche weiter erzählen, so muß ich das für eine höchst unzuverlässige Quelle erklären. Ueber mein Denken verrathe ich Ihnen nichts und auch keinem Anderen. . Mein Christenthum verbietet mir. gegen Juden unchristlich zu sein und die höchste christliche Sünde zu begehen, die Lieblosigkeit. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): In der Bibel heißt es doch:'Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gotte: sage, Ibist Du Gottes Sohn? (Heiterkeit.) Präsident Frhr. v. Buol: Das ist-keine persönliche Bemerkung. Abg. Liebermannv.Sonnenberg (fortfahrend): DerAbg. Lenzmann hat dann bestritten, daß er die von mir angezogene Aeußerung zu dem Abg. Richter gethan hat. Ich habe nur gesagt, daß mir mitgetheilt worden sei — es ist von einem Kollegen in Bielefeld geschehen —, daß der Abg. Lenzmann gesagt hätte: Das habe ich Eugen immer gesagt, wir hätten uns den Antisemitismus zu eigen machen müssen. (Heiterkeit.) Ob der Abg. Lenzmann es zu Herrn Richter wirklich gesagt hat, kann ich natürlich nicht kontroliren. Daß er aber zu einem Kollegen diese Aeußerung gethan hat, das steht fest; der Herr ist für mich über jeden Zweifel erhaben. Wenn im Uebrigen der Abg. Lenzmann glaubt, durch die Aeußerungen über die Herren Hoffstätter und König unseren Glauben in irgend einer Form erschüttert zu haben, so meine ich, das ganze Haus hat den Eindruck, daß er sie bestätigt hat. Der Abg. Lenzmann irrt auch weiter, wenn er sich uns gegenüber auf einen besonderen christlichen Standpunkt stellen will. Präsident Frhr. v. Buol: Aufklärung von Jrrthümern ist keine s persönliche Bemerkung. 8 ständr lich d unchr 3 genau irgen! hier c für ei 3 gehab die H sinder Privc 3 ein d> Thatj Abg. der F § Ratio 5 Kam Seine minisi strebu schrei! Abgei fassur wolle ohne zeitig Zurü. Statt Pensi zeit f für d> Dienf wenn Dienf und r 10jäk Diens der N aber Syna Zösij Treill binz. daher Jude jüdisc Zufl, Der! Ausfj

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