Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1897)
- Date
- 1897-04-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228217--53601-3267533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mitbürgern in Nichts nachzustehen, das schon in der Natur sich geltend machende Gebot der Selbsterhaltung übertreten und dadurch dem gerechten Spotte aller Vernünftigen anheimfallen. Reicher- Beifall lohnte den Redner für seine anregenden Ausführungen, die auch nur im Auszug wiederzugeben wir aus Mangel an Raum uns leider versagen müssen. An der hierauf folgenden Diskussion betheiligten sich die Herren Dr. M. Levin, Klausner, Dr. Hildesheimer, Bambus, Dr. Emil Schiff, ' Dr. Bernfeld. Der Verlauf des Abends war ein sehr animirter. ^2 Berlin, 30. März. Nach dem eben versandten siebenten Jahresbericht des Jüdischen Mädchenstifts, Münzstr. 23, welches unbemittelte jüdische Mädchen hauswirthschaftlich heranbildet und für den Dienstbotenberuf vorbereitet, erzieht die Anstalt gegen anfänglich sechs Zöglinge jetzt deren-sechzehn. Da die Mittel des Stiftes, welche' sich auf 4676 Mark an Jahresbeiträgen von 455 ordentlichen Mitgliedern, auf 688,25 Mark Zinsen des einschließlich zweier Stiftungen 21 713,38 Mark betragenden Anstaltsvermögens und auf außerordentliche Spenden beschränken, zur Aufrechthaltung des gegenwärtigen Bestandes, nicht ausreichen, so ist bei dem jüdischen Gemeindevorstand ein Jahreszuschuß beantragt worden. .Von den bisher entlassenen Mädchen befinden sich acht als Hausmädchen, sechs als Köchinnen, vier als Mädchen für alles, zwei als Kindermädchen und je eine als Kammerzofe und als Wirthschafterin im Dienst, fast durchweg zur völligen Zufriedenheit ihrer Herrschaften. Vorsitzende des Stiftes sind Waisenhaus-Direktor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. H. Rawitsch, 28. März. Am 22. d. Mts. fand hier die Grundsteinlegung zum Kaiser Wilhelmdenkmal statt. Zu derselben war außer den evangelischen und katholischen Geistlichen auch unser Rabbiner geladen. — Es dürfte im Interesse vieler auswärtiger Rawitscher liegen, zu erfahren, daß Herr Rabbiner Dr. Cohn Hierselbst seit mehreren Monaten mit den Vorarbeiten zur Geschichte der Entwickelung der hiesigen jüdischen Gemeinde beschäftigt ist. Nach vieler Mühe ist es ihm gelungen, eine Menge Material zu diesem Zwecke aufzustöbern und zu sichten. Als Erstlingsfrucht seines großen Fleißes hat der Herr Rabbiner bereits am 6. d. Mts. in hiesiger kaufmännischer Ressource einen recht beifällig aufgenommenen, höchst interessanten Vortrag über die Entstehung der hiesigen Gemeinde gehalten. — Am 'IO. d. Mts. verstarb in Breslau ein vor länger als 30 Jahren nach , England ausgewanderter Herr Namens Silo erston und wurde am 12. d. Mts. auf hiesigem Friedhof zur Ruhe bestattet. Infolge seiner letztwilligen Verfügung wurden am Tage der Bestattung 50O Mark an hiesige jüdische Arme vertheilt, und sollen der jüdischen Gemeinde 1O00 Mark als Legat zufallen. Außerdem habe ich über das Hinscheiden eines hochgeachteten Mitgliedes unserer Gemeinde, des Herrn A. Loew enthal, zu berichten. Der Verstorbene hat eine lange Reihe von Jahren seine Kräfte dem Dienste und Interesse hiesiger Gemeinde geweiht, er war lange Zeit Repräsentanten - Mitglied und später, bis einen Monat vor seinem Tode, Rendant der Gemeinde, in welcher Eigenschaft er mit seltener Treue und Hingebung seines Amtes waltete. Trotz vieler bitterer Erfahrungen, die dem Verblichenen nicht erspart geblieben, hat derselbe stets seinen heiteren Muth und sein Gottvertrauen bewahrt. In der Gemeinde bleibt ihm darum ein dauerndes Andenken gesichert. E. Kattowih (O.- S.), 21. März. Durch den zu Anfang dieses Monats hierorts ins Leben getretenen Synagogen-Chor-Verein ist begründete Aussicht vorhanden, daß der Gottesdienst immer mehr den Anforderungen der Zeit entsprechen und zu einem erhebenden und weihevollen sich gestalten wird. Den Ehrenvorsitz im Verein'führt Herr Rabbiner Dr. Cohn; außerdem gehören dem Vorstande an die Herren Pinkus, Eisner und H. Preiß. Die Einübung der Gesänge ruht in den bewährten Händen des Oberkantors Oswald, der sich auch um die Begründung des-Vereins besonders verdient gemacht hat. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens - ist der Verein bereits aus Anlaß der Centenarfeier mit Erfolg in Aktion getreten. o. Breslau, 28. März. Dem Jahresberichte der Industrieschule für israelitische Mädchen pro 1896/97 entnehmen wir, daß auch im Berichtsjahre die Aufgabe der Industrieschule, die ihr anvertraute, weibliche Jugend mit tüchtiger Volksschulbildung und zugleich mit möglichst allseitiger Fertigkeit in den weiblichen Handarbeiten auszurüsten, fest im Auge behalten worden ist. Im Sommer 1896 wurde die Anstalt von 164,' im Winter von 163 Schülerinnen besucht. Die Industrieschule ist noch immer zu ihrer Unterhaltung auf die Unterstützung hochherziger Glaubensgenossen angewiesen. Im Rechnungsjahre sind 1193 Mark an freiwilligen privaten Spenden eingegangen. Außerdem haben die städtischen Behörden, die Verwaltung der hiesigen Synagogengemeinde, der Pfennig-Verein, die Vereine „Malbisch arumim" und „Chanucka-Komitee", der Frauen-Berein der Lessing-Loge und der Vorstand der „israelitischen Volksküche" die Anstalt unterstützt. Am 28. März, von 12 bis 1 Uhr wird in der städtischen Turnhalle, Trinitatisstraße 10, ein , öffentliches Schauturnen der Schülerinnen veranstaltet werden. Ferner werden die Proben weiblicher Handarbeiten, welche von den Schülerinnen aller vier Klassen unter der Leitung der Lehrerin Fräulein Amalie Peiser angefertigt worden sind, im kleinen Saale des Caferestaurant, Karlstraße Nr. 37, ausgestellt sein, um den Mitgliedern des Vereins und den Freunden der Schule die Gelegenheit' zur Beurtheilung der Leistungen in diesen Fächern zu gewähren. E. Hannover, 28. März. Bei der Senatorwahl in unserer Nachbarstadt Linden wurde der bisherige Bürgervorsteher Kaufmann Leopold Fischer der auch vor einigen Monaten vom Magistrat und Bürgeroorsteherkollegium als Vertreter der Stadt in die Kalenberg- Grubenhagensche Ritterschaft deputirt wurde, mit großer Majorität gewählt. Der neugewählte. Senator gehörte seit 1889 als Vertreter des dritten Bezirks dem Bürgervorsteherkolleg an und ist schon seit längerer Zeit Schriftführer desselben. Wenn in dieser Wahl auch die Anerkennung für die Verdienste des Herrn Fischer, für die von ihm geübte thatkräftige Förderung aller aufs Volkswohl gerichteten Bestrebungen und der Ausdruck der allgemeinen Achtung liegt, so ist sie doch von weiterer Bedeutung als erfreuliches Zeichen, daß es auch in unserer Nähe noch Männer giebt, die vom Antisemitismus nicht geblendet sind und auf die Mitarbeit tüchtiger jüdischer Bürger am Gemeindewohl aus konfessionellen Rücksichten nicht verzichten wollen. — In Hildesheim feierten die' Handelsmann Meyer sch en Eheleute ihre goldene Hochzeit, und es wurde ihnen vom Kaiser die Ehejubilämnsmedaille verliehen, welche dem Jubelpaar vom Landrabbiner Dr. Lewinsky mit einer Ansprache überreicht worden ist. — u. Westfalen, im März. Am 23. d. M. fand zu Dülmen die Bezirkskonferenz (Münsterland) des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens statt. Nach einigen kurzen Begrüßungsworten von Dublow-Dülmen und Treu-Münster berichtete Herr Graf-Effen, welcher auch diesmal als sehr willkommener Gast sich eingefunden hatte, über die Angelegenheiten des Hauptvereins während der letzten Monate. Als hocherfreuliche Resultate sind namhafte Zuwendungen zur Bereinskaffe und Aufnahme wie Anmeldungen neuer Mitglieder zum Verein zu verzeichnen. Der erste Punkt der Tagesordnung : Qrientirung über die nächste Generalversammlung zu Lippstadt am 8. und 9. Juni, wurde eingehend erörtert; in allen Punkten wurde Einstimmigkeit in den Beschlüssen erzielt. — Herr Dr. Gntmann- Münster wies auf die hohe Bedeutung des Werkes von Rabbiner Dr. Maybaum: „Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes", hjn und auf die Zweckmäßigkeit eines Referates über dasselbe in der Generalversammlung. Sein dahingehender Antrag fand die nngetheilte Zustimmung und der Antragsteller erklärte. sich zur Uebernahme des Referates bereit. — Auf den Vorschlag des Herrn Tannenbaum-Reülinghausen wurde Recklinghausen als nächster Konferenzort und als Zeit der letzte Sonntag im Juli bestimmt. Die Konferenz verlief in anregender, gemüthlicher und einstimmiger Weise. Am Schluffe beantragte Herr Baum-Rheine ein Dankvotum dem Herrn Graf-Essen, welcher, obgleich kein Mitglied des Bezirksvereins, doch als Vorsitzender im Vorstande des Hauptvereins sich eingefunden habe und die Zwecke desselben mit so regem Eifer und aufopfernder Thätigkeit fördere. a. Steele a. Ruhr, im März. Zu der durch die Pensionirung unseres bisherigen Lehrers und Kultüsbeamten, Herrn Goldberg, vakant werdenden Stelle waren über 50 Bewerbungen eingegangen, und ist durch einstimmigen Beschluß der Gemeindevertretung und des Schulvorstandes Herr Lehrer Lilienfeld aus Siegen zum Nachfolger erwählt worden. Derselbe wird schon gleich beim Beginn des' neuen Schuljahres sein Amt hier antreten. Vorher wird am 28. April