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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-26 · Heft 13 (26.3.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Heilungen. Denen gemäß kommt die Versammlung dazu, bezüglich der : Einiguügsversuche folgende Resolution, zu fassen: „Die Bezirkskonferenz erklärt sich mit dem Borgehen der Versöhnungs-Kommission unseres ' Vereins vollständig einverstanden und .sieht es als äussichtslos ' an, weitere Schritte in dieser. Angelegenheit zu thun/' Als 3. Punkt berichtet Steinweg-Dortmund über die Zusagen, welche der Vorstand des Westfälischen: Gemeinde- Verbandes betreffs äußerlicher Verbesserungen seines' Schulgebetbuches gemacht hat. Herr Laubheim verspricht, die Angelegenheit in der nächsten Ausschußsitzung zur Sprache zu bringen. Nachdem noch verschiedene Kollegen interessante. persönliche Erlebnisse aus dem' Schulleben mitgetheilt, wird die Konferenz gegen 7 Uhr geschloffen. Vorher wurde noch als nächster Ort Hagen gewählt.. o. München, 16. März. Die Baronin Hirsch hat der Stadr- -gemeinde München eine Schenkung von 1 200 000 Mark gemacht, deren Zinsen zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden sollen. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung 1. von hilfsbedürftigen verheiratheten und unverheiratheten- Wöchn er innen, 2. von hilfsbedürftigen R ekonvaleszenten jeder Art. Die Unterstützung hat sich in erster Reihe -auf die unter Ziffer 1 und erst in zweiter Reihe auf die unter. Ziffer. 2 -genannten Personen zu erstrecken. Der Unterstützung sollen Hilfsbedürftige vorgenannter Klassen, die sich dauernd an München aufhalten, -ohne'Unterschied des religiösen Bekenntnisses theilhaftig sein, und zwar gleichviel, ob sie sich in Anstalten oder Privatpflege befinden. Die Unterstützung kann erfolgen in Verabreichung von Geldmitteln, in Gewährung von ärztlicher Hilfe, von Arzneien, Bädern und sonstigen Heilmitteln, ferner in Verabreichung von Naturalien jeder Art, als Kleidüngs- und Wirthschastsstück^n, Betten, ferner durch Ausnahme und Unterbringung in Rekonvaleszenten- oder sonstigen Anstalten. Endlich sollen die Pfleglinge nach Entlassung aus den.Anstalten oder aus der Privatpflege mit den nöthigen Mitteln zur Erlangung einer geschäftlichen oder dienstlichen Existenz versehen werden. Der. Stistungsfonds soll in folgender Weise zur Verwendung kommen. Es sollen verwendet werden: 120 000 Mark zur Herstellung und Ausstattung einer R ek onvaleszentenanstalt in München. So lange nach Anschauung des Magistrats das Bedürfniß zur Errichtung einer selbständigen Anstalt nicht gegeben erscheintsind die Zinsen anzusammeln, ferner sind die Renten aus 800 000 Mark für die Unterstützung der Wöchnerinnen und die Renten aus 280 000 Mark für Unterstützung der Rekonvaleszenten zu verwenden. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 22. März. Welche Absurditäten bei den jüngsten Reichsrathswahlen stattfandeu, beweist u. a. die Thatsache, daß Georg Schönerer wieder in den Reichsrath einzieht! Wer sich der Ereignisse erinnert, unter denen Ritter Georg das Parlament verließ, muß wohl über diese Wahl lächeln. — Einer der neugewählten antisemitischen Abgeordneten, der Kellner Mittermayer, hatte seit seiner Wahl bereits zweimal vor dem Gerichte zu erscheinen und wurde stets zu Geldstrafen verrrrtheilt, das zweite Mal weil er gleichfalls einen Kellner seiner Religion wegen beschimpfte. — Alljährlich vor Ostern debütirt das „Deutsche Volksblatt", welches sich die pöbelhafte Jadenhetze zum Geschäft gemacht'hat,' mit Geschichten von verschwu ndenen Ehristenmädchen, die von Juden aus dem Leben geschafft worden sein sollen. Daraufhin veröffentlicht das „Wiener Tagblatt" eine ( Unterredung mit dem Polizeipräsidenten Ritter v. Styskal, in der der Polizei-Präsident sich folgendermaßen äußerte : „Wenn man es heute widerlegt, so werden die Herren sagen: „Ja, also in Wien ist es nicht gewesen, nun so wird es halt anderswo gewesen sein." Ich weiß, daß die Bevölkerung durch derartige Gerüchte in Aufregung versetzt wird, doch lassen Sie es gut sein, die Sache wird auf ihre Wahrheit geprüft werden und die Herren werden diesbezüglich zu ihren Gewährsmännern Stellung nehmen müssen." Auf die Bemerkung unseres Berichterstatters: „Herr Präsident, Sie wissen ja, was mau im gegenwärtigen Zeitpunkte damit beabsichtigt," erwiederte derselbe : „Gewiß, ich .sehe die Nothwendigkeit ein, daß die Sache sobald als möglich durchgeführt wird. Glauben Sie mir, diese Strömung wird vorübergehen, wir und unsere Vorfahren haben schon so Manches miterlebt, wir müssen auch das aushalten. Wer, wie ich, über den Parteien steht, ganz objektiv die Sache beurtheilt und pflichtgemäß seinen Amtsweg.. gehtder weiß ja, was man damit bezwecken will; doch das sind " Zeichen dafür, daß diese Bewegung den Keim des Zerfalles in sich ' . trägt. : Natürlich ist es für die. davon Betroffenen schwer, ^uhig abzuwarten. Was den vorliegenden Fall aubelangt, so werden wir diese Angelegenheit genau durchführen ünd die reinen Thatsachen nicht vorenthalten." Der Polizeipräsident nahm schließlich. Anlaß, zu bemerken: „Ich bin objektiv und kümmere mich. nicht um Parteiströmungen, für mich existirt nur meine qmtliche Pflicht." Wir selbst haben schon nach unseren ersten flüchtigen Erhebungen konstatiren können,, daß sich diese Darstellung des „Deutschen Volksblatt" als eine der mndläufigen Gemeinheiten dieses Blattes charakterifirt. Die Johanna.Tesstnsky und Maria Pana Haben in Wien nie gelebt, die Maria Nooak wohnt in Simmering, Simmeringer Hauptstraße Nr. 11, und haben wir sie da- ' selbst ausgesucht. Was endlich das vierte Mädchen, Maria Vajta, betrifft, so hat sie vor längerer Zeit ihre Heimath verlassen und sich nach Wien begeben, wo sie seitdem vermißt wird. Ihr geisteskranker Bruder fuhr damals nach Wien, um seine^Schwester zu suchen, doch hat er dieselbe nicht gefunden. Nach Hause zurückgekehrt, sprach er die Bermuthung aus, daß seine Schwester in Wien von Juden umgebracht worden sei. Damals hat man darüber gelacht, und jetzt wird diese Erzählung des geisteskranken Bruders der Vermißten neuerdings aufgewärmt und als ernst behandelt. Bei wem das Mädchen gedient hat und unter welchen Umständen es verschwunden ist,' weiß er nicht. . .. Dieser Fall wird nun dahin ' ausgebeutet, daß vier Mädchen verschwunden und von Juden umgebracht worden seien." — Aus Lemberg schreibt man: In unserer Stadt machte sich schon längst das Bedürfniß fühlbar, ein neues israelitisches Krankenhaus zu ' erbauen, da das von uralten Zeiten bis nun bestehende Spital den ■ Anforderungen einer rationellen Krankenpflege nicht mehr entsprechen / kann. Aber die Schwierigkeit in der Beschaffung der nöthigen Fonds machte es der israelitischen Kultusgemeinde bis nun unmöglich, zu.einem Neubau zu schreiten. Da erhielt nun der Vorstand der isrcielitischen Kultusgemeinde zu seiner angenehmen Ueberraschung eine vom 8. d. Mts. - datirte Zuschrift des Herrn Moriz Lazarus, Direktors der Galizischen Aktien-Hypothekenbank, Mitglied des israelitischen Kultusrathes und Obmann des israelitischen Spitälrathes in Lemberg, in welcher derselbe seine Bereitwilligkeit erklärt, ein Krankenhaus für einen Belegraum von 80 Betten ans eigenen Mitteln für die Gemeinde zu erbauen, falls . dieselbe das nöthige Grundstück zur Verfügung stellen werde. Die Kosten des Baues werden mindestens 120 000 fl. betragen. — Der Generaldirektor. der Länderbank, Herr Samuel Ritter v. Hahn, ist zum Höfrath ernannt worden. Herr v. Hahn hat seine Laufbahn im Eisen- . bahndienst begonnen und ist einer unserer bedeutendsten Fachmänner auf dem Gebiete des Verkehrswesens. —Der Deutsche Schul verein lehnte eine Subvention des niederösterreichischen Landtags von 2000 fl: wegen der Bedingung ab, daß in den Vereinsschulen keine Judenkinder ausgenommen werden dürfen. Bravo! — V on jüdischen Reichsrathskandidaten sind bisher gewählt: Hofrath K ar ei s-Wien, Dr.Str a u cher-Czernowitz, J.P i ep es- Lemberg, Dr. Byk und Dr. Rosenstock in Brody, Dr. Rappaport von'Porada in Krakau. — Hier ist am 19. d. Mts. jm 75. Lebensjahre nach langer Krankheit Joseph M. Ritter v. Pfeiffer, württembergischer Hofrath, gestorben. Durch seine nahep Beziehungen zur Familie Königswarter wurde Hoftath Pseiffer, ein gebürtiger Württemberger, vor etwa drei Decennien in die finanziellen und gesellschaftlichen Kreise Wiens eingesührt. Bis vor einem Jahre gehörte er noch der Wiener Börsenkammer als Vizepräsident an; Krankheit bestimmte ihn, diese Stellung niederzulegen. Der Verstorbene gehörte Jahrzehnte lang dem Vorstand der jüdischen Gemeinde an, er war in der Wiener Gesellschaft allgemein bekannt und erfreute sich der Sympathien Aller, die Gelegenheit hatten, mit ihm zu verkehren. /\ Wien, 22. März. Der Schriftsteller Eduard Kulke ist am 20. d. M. nach längerer Krankheit im 66. Lebensjahre gestorben. Am 28. Mai 1831 in Koste! bei Nikolsburg geboren, erwarb sich Kulke schon in jüngeren Jahren einen namhaften Ruf als Novellist, und seine vielen Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben seines Heimathlandes Mähren, von denen „Der Kunstenmacher" auch in den von Paul Heyse herausgegebenen ,-Deutschen Novellenschatz" ausgenommen wurde, lassen ihn als den nächst Leopold Ko.mpert bedeutendsten Ghetto-Schilderer erscheinen. Auch auf dramatischem Gebiete versuchte sich Kulke und schrieb die Tragödien „Don Perez" und „Korah", das Lustsp.iel „Der gefiederte

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