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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-26 · Heft 13 (26.3.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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®ieb". 2c. Durch viele Jahre stand der Verstorbene in engeren Beziehungen zu Friedrich Hebbel, und er veröffentlichte auch interessante „Erinnerungen" an den Dichter der „Nibelungen". Der -Feder<Kulkes entstammt schließlicheine Reihe beachten? werther ästhetischer Abhandlungen, von denen wir besonders - die Studie ,>Zur Entwickelnugsgeschichte -der Meinungen" hervorheben. In früheren Jahren wax Eduard Kulke auch als Journalist thätig, namentlich als Musikrezensent zuerst des „Fremdm-Blatt" und dann des „Vaterland". Er zählte ursprünglich zu den eifrigsten Anhängern Richard Wagners, trennte sich aber von der „Wagner-Gemeinde", , als diese in blindem Fanatismus außer ihrem Meister keinen anderen Komponisten gelten lassen wollte. In den letzten'Jahren hielt Kulke, der sich stets mit philosophischen Studien eingehend befaßt hatte, in verschiedenen litterarischen und! > wissenschaftlichen Vereinen Vorträge. Unser Blatt verliert in ihm einen treuen Mitarbeiter. Friede seinem Andenken! Äroßbrttttnnirn. jl. London, 16. März. Der in seinem 83. Lebensjahre gestern iw Mayfair verstorbene Oxforder Professor der Mathematik Jo hn JameH Sylvester war als Forscher auf dem Gebiet der reinen Mathematik^ weit berühmt, in Amerika nicht minder als in Europa, denn, zweimal hat er in den. Vereinigten Staaten gewirkt. Das erste Mal .als Pro^ fessor der Mathematik an der Universität von Virginia, und ahe.rma.H-- 1877 bis 1883, als er die Lehrstelle der Mathematik an der neugegrün^ deten John Hopkins-Universität in Baltimore bekleidete und durch seins. Lehrthätigkeit und mehr noch durch seine Leitung des „Journal H Matheinatics" das Studium der höheren Mathematik in Amerika be^ gründete. Der Grund, weswegen er erst spät im Leben einen Ruf an eine englische Hochschule erhielt, ist darin zu suchen, daß er Jude warft " obschon ..er als Student des S. Johns College in Cambridge asD Seeond Wrangler aus den Prüfungen hervorging, konnte er doch weder , einen Universitätsgrad erlangen, noch sich um die Smiths-Preise bE ' werben, noch auch ein Fellowship erhalten. Er wirkte 1837 bis 18'W an der Universität London als Professor der Naturphilosophie undverdankte auch Lord Brougham seine Anstellung' als Professor cm der? Woolwich Academy; aber erst 1883, nach Henry Smiths Tod, wurde er Savilian Professor der reinen Geometrie in Oxford und Fellow dH. New College. Seine Studien bewegten sich auf dem Feld der modernes Algebra; doch .war. er in mancher Hinsicht von seinem Freund gänzliM verschieden und hatte größere Einbildungskraft Er arbeitete ruckweise^ plötzlichen Eingebungen folgend. Seine oft vom Gegenstand abschweifenden Vorlesungen waren deshalb belehrend, weil sie seinen Geist an der Arbeit zeigten und das Verfahren bloßlegten, mit dem er zu seinen Entdeckungen, gelangte. Seine schriftlichen Arbeiten sind auf etliche 300 Seilen bH schränkt, von denen die ersten ins Jahr 1839 zurückreichen. 1890 veröffentlichte er „The Law of Verse“. Es ist bezeichnend, daß er au^ seine Dichtungen sich ebenso viel einbildetewie auf seine Wissenschaft^ lichen Leistungen. Der Brrstorbene war auch korrespondirendes Mitglieds der Berliner Akademie der Wissenschaften. Die Beerdigung fand aus dem Friedhofe der'West-London-Synagoge statt. . Türkei. ,..a Jerusalem, 14. März. Die Gesellschaft?alae stina Ex irforation Fund“ bemüht sich jetzt, in Transjordanien Ausgrabungen!' nach jüdischen ^llterthümern zu machen. Am Sonnabend Abend hielte ' dementsprechend der amerikanische Konsul Herr Edwin Wallaee imNew-:. Hotel Palestine einen Vortrag über das Land jenseits des Jordan, feine; Naturgeschichte und seine Bewohner. Der . Vortrag, war öffentlich und: zahlreich besucht. Auch wurden viele Spenden für die Ausgrabungen; gegeben. — Zwischen dem Waad-kol-hakollelim und .der. amerikanischen; Gemeinde war über die Bertheilitng der Chalukah ein Streit aüsgebro.chen.s Derselbe verschärfte sich mehr, und mehr und ist jetzt in ein neues Stadiuni^ eingetreten. Nachdem die amerikanische. Gemeinde den Rabbiner D.icDkin^ aus Brisk (Vrest-Litewsk) an ihre Spitze gestellt hat, ist-das Bedauerlichste an dem Streite, daß man sich nicht gescheut hat,, mit Denunziationen^ einander anzugreifen. „Kolonist", ein landwirthschaftliches Organ sür^ jüdische Bauern, das unter der Redaktion des bewährten Agronomen Herrn Menascheh Meierywstz' :alsi.Merteljahrsschrift erschien, ist eingegangen.n Statt dessen erscheint .nunmehr als wöchentliche Beilage zum „Haz'wi"^ unter der Redaktion desnämlichen Herml Meier.owitz, sowie der beiden Direktoren von Mikweh-Jisrael,. Joseph Niego. und. CH.. Margolies- Kalvarisky, der „Haikur hajehudi" in; hebräischer Sprache. Außerdem ist an der Redaktion der.Gärtner I Bergmann in „Mikweh -Jisrael" betheiligt. Soeben ist die erste Nummer erschienen.- Dieselbe enthält äußer den üblichen Mittheilungen folgende Artikel: Die Weinbereitüng von Boris Ossawietzky'; Das Pfropfen von Margolies -Kalvarisky; Fragen und Antworten aus der landwirthschaftlichen Praxis und endlich über die Antracnose oder den schwarzen Brand der Reben. — Den türkischen Zeitungen entnehmen wir, daß 250 jüdische Familien-um die Erlaubniß einer Niederlassung in Palästina bei der Hohen Pforte nachgesucht hätten. Den Zeitungen zufolge soll ihnen, von Seiten der Regierung geantwortet sein, daß, wenn sie türkische Staatsangehörige werden wollten, ihrer Niederlassung in den Vilajets Adana und Konia nichts entgegenstände. — Das arabische Blatt „Timrath-al-fanus" läßt sich aus Konstantinopel melden, daß am 20. d. Mts. in dem jüdischen Schulgebäude zu Gal ata einige Bomben gefunden seien. Man ver- , rnuthet, daß die Armenier am Tage ihres Angriffs auf die Ottomanische . Bank die Bomben daselbst niedergelegt hätten. — Herr Prüft S ch echter aus Cambridge, der bekannte Gelehrte auf dem Gebiet der hebräischen Philologie, hat eine Reise nach Kairo und Palästina gemacht. ' In K airo soll er eine reiche Ansbeute an handschriftlichen Funden gemacht haben. In „Sichron-Jaakob" wo sein Bruder Kolonist ist, verweilte er ‘ zwei Wochen. Von Nah und Fern. — Direktor Sigmund Lautenburg ist vom Kaiser von Oesterreich zum Ritter des Franz Josef-Ordens ernannt worden. — Am 4. April d. Js. feiert der Mittelschullehrer Louis Jacobsohn in Gleiw itz sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Zum Leiter und ersten Lehrer an der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem wurde Herr Lehrer Albert Silberberg in Ratibor einstimmig vom Kuratorium genannter Anstalt gewählt. Er war drei Jahre Erzieher an dem unter Leitung des Direktors Grunwald stehenden Erziehungshause in Pankow bei Berlin. —.Der Führer der deutschsozialen Reformpartei in Friedb er g i. H., der bei der letzten Reichstagswahl auch als antisemitischer Kandidat für den Wahlkreis Friedberg-Büdingen Anfangs in Aussicht genommen war, Lieutenant a. D. Kaiser, vormaliger Hosrath bei dem Grafen v. Leiningen in Elbenstadt, ist auf Antrag des Letzteren in Hanau wegen Unterschlagung x. verhaftet und ins Untersuchungsgefängpiß nach Gießen gebracht worden. — Das Schöffengericht in München hatte den - Antisemitenführer Wengg zu 20 Mark Geldstrafe wegen groben Unfugs verurtheilt, weil er in seinem Blatte ein „Wanzenmittel" zur Vertilgung der Juden empfohlen und geschrieben hatte, man solle die Juden aushungern. Sowohl Wengg als der Staatsanwalt legten Berufung ein. Letzterer, weil er der Klage eine weitere Ausdehnung gegeben wissen wollte. Das Landgericht verwarf jedoch beide. Berufungen. Die Urteilsbegründung führt aus, in den Aeußerungen sei der Thatbeständ des groben Unfugs gegeben. — Der Direktor der Galizischen Aktien- Hypothekenbank in Lemberg, Moriz Lazarus, hat aus Anlaß seines 30jährigen Dienstjubiläums 120 000 fl. zur Errichtung eines neuen jüdischen Spitals in Lemberg gespendet. Unter den 3200 Studenten der Petersburger Universität sind nur 109 Studenten, von denen zwei, Leon Simönowicz und Michael Stemirowski, die silberne Medaille erhielten, während ein dritter, Namens Wladimir Bunte, ein Ehrendiplom erhielten. — M. C. Halperin in Kiew hat für den Bau eines polytechnischen Instituts daselbst den Betrag von 100 000 Rubel gespendet. — Dr. M. Gins bürg, der seine Studien an der Universität Leipzig absoloirte, ist mit großer Majorität zum Rabbiner in Cherson gewählt worden. — In P a ri s ist der Präsident des Appellationsgerichts, Alpha äse Bloch, im Alter von 59 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Derselbe war längere-Zeit Mitglied des Centralkonsistoriums. An seinem Grabe sprachen die Rabbiner Dreyfus, Zadoc Kahn und Baron Gustav Rothschild. — Der Lieutenant Worms von den Chasseurs, einer der Offiziere, welche die Eskorte des^Czaren bei der Revue in Chalons bildeten, hat den ^russischen Stanislausorden erhalten. — Oberst Albert E. W. Goldsmid in London ist abermals avancirt.. Er wurde zum Generaladjutanten des Themsedistrikts ernannt und wird, sesn Amt am 1. April antreten. . > Druck und Verlaa Non Rudolf Masse in Berlin. .Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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