Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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der Verdienste, die er sich üm den Verein erworben, 'einen Haussegens - ' Der Vorstmldder allgemeinen Handwerkerinnung überreichte' ihmaP. seinem Vorstandsmitgliede eine Dose mit Widmung. , In Jans wi^ hat sich ein Verein gebildet, der die Geselligkeit pflegen soll; der BE? stand dieses Vereins ' ist der Dr. med. Goldbaum daselbst. — Der Kantor' M. Bornstein ist auf seine Bewerbung am 1. März nach SchwirF oersetzt und der Kantor Elias aus Beuche nach Gollantsch. — D^r Lehrer Rosenthal aus Czarnikau ist als Verwaltungsbeamter de^ . jüdischen Gemeinde in Königsberg gewählt. —' Die Stadtverordneten in: T^orn hatten in Uebereinstimmung mit dem Magistrat beschlossen, an der Knaben-Mittelschnle eine jüdische Lehrerjp anzustellen,- die schon mehrere Jahre eine Unterklasse vertretungsweise verwaltet hatte. Wie? die „Thorn. Ostd. Ztg." mittheilt, erhob eine Anzahl Bürger beim Regie-? rungspräsidenten Einspruch, worauf die Regierung die nachgesnchte Bestätigung der Anstellung versagte. F. Breslau, 19. März. Vergangenen Donnerstag verstarb hier-, selbst im Alter von 63 Jahren unerwartet der Kaufmann Marcus Fuchs. Mit ihm ist eines der hilfsfähigsten und hilfsbereitestem Mitglieder unserer Gemeinde dahingegangen. Durch rastlose Thätigk^it und glückliche Unternehmungen zu großem Neichthum gelangt, hatte her Verstorbene bei persönlicher Bedürfnißlosigkeit zu allen Zeiten mit offener Hand Anderen von seinem Ueberflusse milgetheilt, gar Manches beklagt in ihm den Verlust eines Wohlthäters. Gekrönt hat er jedE das Liebeswerk seines Lebens durch die letzte That vor seinem Toö^ Da ihm Leibeserben versagt waren, hat er den größten Theil seines mehrere Millionen betragenden Vermögens letztwillig zu wohlthätigÄ und gemeinnützigen Zwecken vermacht. Universalerbe ist demnach eine, zu begründende „Marcus und Rosalie Fuchsffche Familienstrftun'g", auß der eventuell auch an Freunde Darlehen von 309 Mark an? gegen mäßigen Zinsfuß zu gewähren sind. Außerdem erhält die ,-Chewra kadischa" zu Breslau ein Legat von 250 000 Mark, der „Verband zu^ Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder"- dessen langjähriges Vorstands- und Ehrenmitglied der Verstorbene war, ein solches von) 100 000 Mark, der Talmud-Thora - Verein ca. 100 000 Mark, diE zweite Brüdergesellschaft, zu deren Mitgliedern Herr Fuchs erst se^ kurzer Zeit zählte, 50 000 Mark, außerdem die große Anzahl vorL Vereinendenen der Verstorbene angehörle, einen Betrag von 300 bis; 500 Mark. Außerdem erhält die Stadl Breslau ein bestimmtes Legaß? mit der Bestimmung, daß jedes Jahr am Todestage, des Stifters 500 Mark an christliche Arme vertheilt werden sollen. Ferner sinU noch eine Anzahl Legate ausgesetzt, wie der Heimathsgemeinde de^ Verstorbenen, Schildberg, 10 000 Mark rc. Zu Kuratoren des Nach^ lasses sind ernannt außer einigen Verwandten des Stifters: Herr. Rabbiner Dr. Rosenthal und Herr Theodor Oschinsky. Die' Beerdigung fand am Sonntag Nachmittag unter außergewöhnlicher! Betheilsgung statt. .Herr Rabbiner Dr. Rosenthal sprach in der; Leichenhalle herzliche Worte des Abschieds, Herr Rabbiner- Dr. Bamberger als Vertreter der Gemeinde? Schildberg am Grabe.? Das Andenken des Verstorbenen wird in seinen hochherzigen Werkerß fortleben auch über das Grab und den Tod hinaus. Breslau, 22. März. Der Rechenschafts-Bericht des JsraeK litischen Mädchenheims für die Jahre 1894, l895 und 1896 weiM ein erfreuliches Bild stetigen Fortschritts auf. Das Mädchenheim, welches? im September 1891 mit 7 Mädchen eröffnet wurde, hat bis jetzt dere.n^ 68 zur Ausbildung für ihren Beruf ausgenommen, unter denen sich vieU befanden, die zum zweiten Mal vorübergehend Aufnahme gefunden hatten-Z weil sie zur Zeit stellungslos waren. Augenblicklich befinden sich inrL Institut 17 Mädchen, von denen als Buchhalterinnen 6, Schneiderinnen 3F Lehrerinnen 3, Verkäuferin 1, Putzmacherin 1, Kindergärtnerin 1, Kmder-z Pflegerin 1 und als Handarbeitslehrerin 1 ausgebildet werden. Von den? 47 Abgegangenen sind: 12 Kindergärtnerinnen, 15 Kinderpflegerinnen,? 4 Verkäuferinnen, 4 Schneiderinnen, 4 Putzmacherinnen, 4 Stützen J>e$i Hausfrau, 2 Lehrerinnen und 2 Buchhalterinnen geworden. Für Kese< alle war das Mädchenheim ein Segen, keine ist mißrathen. Die Meisten haben ein Unterkommen in der Heimath und die Uebrigen in Oesterreich- ) Ungarn, besonders fürs Erziehungsfach, gefunden. Zü den. Erfolgen, die das Heim zu verzeichnen hatte, zählte es in erster Reihe die Gunst derjenigen Frauen und Männer, die ihm in der stattlichen Zahl von 580 beitragzahlenden Mitgliedern zur Seite stehen. Die Einnahmen betrugen! in diesen Jahren 35148,51 Mark, die Ausgaben 30 929,80 Mark. K. Hannover, 21. März. Unter Vorsitz des Geh. Regierungs- .und Schulräths'Dr. Wendland fand am 16. d. M. die Abgaygsprüfung ^an der hiesigen Bilvungsanstalt fürjäÄlsche Lehrer statt; die sieben Prüflinge, die sich gemeldet hatten, bestanden, zwei von ihnen wurden auf Grund der schriftlichen Arbeiten und der bisherigen Leistungen von der mündlichen Prüfung befreit. -7- Für die durch die Berufung des Herrn Dr. Lange als Äabbiner nach Westfalen frei werdende Lehrerstelle an der hiesigen Religionsschule sind bereits einige Kandidaten zu Probelektionen geladen. - Es ist nur zu wünschen, daß die Wahl auf einen Mann fällt, der mit dem um die Hebung der Schule eifrig sich bemühenden und um dieselbe verdienten Leiter, Herrn Dr/ Knoller, sowie mit den . bewährten,. seit Jahren dort segensreich wirkenden Lehrern in Reih und Glied tritt und mit ihnen Hand in Hand an der religiösen Erziehung unserer Jugend arbeitet.— Auch die Besetzung der Stelle des leider in so trauriger .Weise verunglückten. Lehrers Speyer s. A. ist mit Anfang des neuen Semesters in Aussicht genommen. — Die Aufklärung, welche Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky in Hildesheim über die Bekanntmachung des Herrn Landraths zu Duder^ stadt in Nr. 12 d. Ztg. giebt, ist sicherlich von Allen, welche die-Verordnung gelesen haben, mit Dank entgegengenommen. Es ist anzuerkennen, daß die Bemühungen des Herrn Dr. Ldwinsky uni. den, Religionsunterricht in seinem Landrabbinatsbezirke die lhatkMtige Unterstützung der Behörden finden; wünschenswerth wäre es immerhin gewesen, wenn die Vorfragen weggeblieben, auf welche die antisemitische Presse mit hämischer Schadenfreude wie auf eine neue „Judenzählung" hinwies und welche sie zur Nachahmung empfahl. Eine andere Frage, wäre unseres Erachtens noch am Platze gewesen, nämlich die,*vb nicht Kinder aus Mischehen, in welchen die Mutter Jüdin ist und die Kinder als Juden erzogen werden sollen,-sich in den einzelnen Ortschaften finden und ohne Religionsunterricht aufwachsen. Solcher Ehen giebt es in unserer Gemeinde bereits mehrere, und es kommt vor, daß ein Sohn aus solcher Ehe „Barmitzwa" wird, und der christliche .Vater im Sonntagsanzuge der „Konfirmation" seines Sohnes'in der Synagoge beiwohnt. — Unsere Gemeinde hat durch das Hinscheiden des Herrn Bankier Moritz Magnus ein sehr geachtetes Mitglied verloren; der Verstorbene hat sich wegen seines bescheidenen, ruhigen? Wesens allgemeiner Beliebtheit erfreut und durch seine kommerzielle Tüchtigkeit, die als Aufsichtsrath in vielen Unternehmungen zur Geltung kam, hohe Achtung genossen, wovon die überaus große Betheilignng der christlichen Bevölkerung an seinem Begräbnisse zeugte. P. MHamburg, 22. März. Es darf als eine erfreuliche Thatsache ausnahmsweise bekannt gegeben werden, daß Graf Waldersee, der Kommandirende des 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76 gestern bei dem in der HauptsynagogeKohlhäfen abgehaltenen Festgottesdienste mit seinem Adjutanten erschienen ist und während der ganzen Zeit des Festgottesdienstes, der eine Stunde währte, in der Synagoge verweilte. Mit dem Glockenschlage 10 Uhr, auf welche Stunde der Beginn festgesetzt war, erschien der Graf auf der Schwelle des Gotteshauses, wo er, da er sein Erscheinen vorher kundgegeben, von dem Vorstande empfangen und auf den Ehrenplatz vor der Kanzel geleitet wurde. Ihm zur rechten Seite saß der BÜUerschaftspräsident Hinrichsen, ihm zur Linken der Adjutant, während die übrigen Ehrenplätze von den eingeladenen Ehrengästen eingenommen wurden. Nach Absingen der Psalmen 24, 21 und 118, Vers 21—29 durch Kantor und Chor hielt Herr Oberrabbiner Marcus Hirsch die Feflpredigt. Nach beendigtem Gottesdienste sprach Graf Waldersee dem Oberrabbiner sowie den Vorstehern seine Zufriedenheit über das Gehörte aus. 0. Bochum, 14. März.. Heute fand hier die zweite BeHirkskonferenz des Vereins israelitischer Elementarlehrer Rheinlands und Westfalens (Jndustriebezirk) statt. Erschienen waren zu derselben 11 Kollegen und als Gast der Vorsitzende des Vereins: Herr Hauptlehrer Graf-Essen. Herr Hauptlehrer Laubheim - Bochum übernimmt den Vorsitz und begrüßt die Versammlung herzlichst. Darnach giebt Graf Kenntnitz über den Stand der Kasse. Das Baarpermögen hat heute die Höhe von 90000 Mark überschritten. In den letzten 25 Jahren wurden über 80000 Mark an Unterstützungen gewährt. Derselbe He.rr berichtet ferner über die einleitenden Schritte, welche die Versöhnungskommission unseres Vereins mit dem sogenannten Kölner Verein gethan hat, und macht der Versammlung sehr interessante Mit-