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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-19 · Heft 12 (19.3.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Levy, ob die Magine Reim sich der neuerdings begründeten Auskuuftsstelle für jüdische Wohlthätigkeitspflege zu Berlin. anschließen würde, erwiederte der Schriftführer zur Befriedigung des Interpellanten, daß dies unthunlich sei, da bei der höchst diskreten Natur der von dem Verein gewährten Unterstützungen jeder Austausch von Mittheilungen unzulässig sei. Der Vorstand wahre in dieser Hinsicht das strengste Geheimniß Die ausscheidcnden Vorstandsmitglieder Bernhard Croner, Ad. L. Ruß und Kommerzienrath Emil Jacob, sowie deren Stellvertreter Martin Simon, Rechtsanwalt Dr. Edmund Lachmann und Kommerzienrath Julius Jsaac wurden einstimmig wiedergewählt, zu Kassenrevisoren die Herren Stadtverordnete Moritz Heilmann, Louis M. Bamberger und Gustav Mosler ernannt. Als humoristisches Kuriosum sei noch erwähnt, daß— augenscheinlich infolge eines Mißverständnisses — eine Dame, die Wittwe eines evangelischen Pastors, in einer an „Frau Magine Reim" adressirten Postkarte gebeten hat, ihr ein „gutes, ordentliches jüngeres Mädchen für Alles" zuzüsenden — das einzige Gesuch, das abgeschlagen werden mußte. B. Berlin, 16; März. Die „Amicitia" hielt am 9. d. Mts. eine Gedächtnißfeier für ihre Heimgegangenen Mitglieder und Mohlthäter ab. In seiner warmherzigen Ansprache forderte Herr Moritz Dorn die Anwesenden zu eifriger und kraftvoller Bethätigung jüdischer Bruderliebe auf, die Jeder, ohne Ausnahme, üben könne. Der Unterschied bestehe nur in dem Umfang und in der Art der Liebeswerke. Und wenn dem Reichthum doch ein Vorzug gebührt, so liege er in der beglückenden Möglichkeit, auch mit materiellen Mitteln dem Elend erfolgreich zu Leibe zu gehen, und in dem schönen Bewußtsein, den ein solches Werk dem Geinüthe gewährt. Aber auch die schwache Kraft dürfe dem Kampfe gegen Roth und Elend nicht von ferne zusehen. In der Uebung, deren sie wie jede andere Kraft bedürfe, erstarke der Wille zum Wohlthun und die Fähigkeit, zu helfen. Im Anschlüsse an diese Mahnung feierte der Redner die Hingeschiedenen Wohlthäter der Amicitia, namentlich die verewigten Herren M. I. Bodenstein, Dorn, Lüppschütz, I. Neumann, Geh. Rath Oestreich und Tausk, welche einen Theil ihrer hilfsbereiten Thätigkeit zum Gedeihen der Amicitia eingesetzt haben. — Die „Amicitia" hat bekanntlich die Förderung namentlich solcher Arbeiter und Handwerker auf ihre Fahne geschrieben, die für den Lebenskampf mit nur kargen geistigen Waffen ausgerüstet sind, sie sucht ihr Ziel aber nicht blos durch Unterricht und fachliche Ausbildung, sondern auch durch Gewährung von Mitteln zu selbstständiger Einrichtung zu erreichen. Vorsitzender der „Amieitia" ist Herr Landschaftsmaler I. Bodenstein. <; Strelitz, 15. März. Gestern wurden die irdischen Ueberreste des Professors Dr. Daniel Sanders zur letzten Ruhestätte übergeführt. Nachmittags Sl/2 Uhr begann in der Synagoge die Trauerfeier; außer den nächsten Verwandten hatten sich die Spitzen der städtischen Behörden, sämmtliche Vereine der Stadt und viele hiesige Einwohner eingefunden, sodaß die Synagoge mit Leidtragenden Kopf an Kopf gefüllt war. Der Oberrabbiner Dr. Hamburger hielt eine ergreifende Predigt, in der er den Verstorbenen nicht nur als einen bedeutenden Gelehrten, sondern auch als einen echten, deutschen Biedermann feierte, der zur Einigung Deutschlands zwar nicht mit dem Schwert, wohl aber mit seinen geistigen Kenntnissen wesentlich beigetragen hat. Nach der Trauerfeier setzte sich der Leichenkondukt mit dem Kriegerverein an der Spitze in Bewegung, es folgten die Schützen-Kompagnie und der Männerturnverein, allen diesen gehörte der Verstorbene als Ehrenmitglied an, daran schlossen sich die technischen Bereinigungen in vollem Wichs mit ihren Fahnen. Dem Leichenwagen schritt ein Mitglied des Kriegervereins vorauf, auf einem Kissen die Orden des Verblichenen tragend ' Alle Straßen der Stadt, die der Tranerzug passirte, waren dicht mit.Menschen gefüllt, wohl selten hat ein großartigeres Leichenbegängniß in unserer Stadt stattgefunden. Auf dem Friedhofe folgte ein deutsches Gebet, gesprochen von dem Kantor Berendt. Das Kadisch-Gebet schloß die erhebende Feier.' o. Magdeburg, 14. März. Der dritte Verwaltungs-Bericht des Vorstandes unserer Synagogen - Gemeinde für die Jahre 1894, 1895 und 1896 giebt ein erfreuliches Bild rüstigen Vorwärtsstrebens. Bon besonderem Interesse sind die statistischen Mittheilungen,., die Herr Dr. M. Spanier geliefert hat. Bis zur Errichtung des> Napoleoiüschen Königreichs Westfalen (1807) wurden nur zwei jüdische, Familien innerhalb Magdeburgs Mauern geduldet, und erst von diesem Zeitpunkt ab erfolgte die Niederlassung von Juden in größerer Anzahl. Die jüdische Gemeinde zählte 1816: 271, i840: 559, 18711319, 1880: 1428, 1885: 1815, 1890: 2090 (1099 mehr, 991 weniger), 1895: 2006 (1058 mehr, 953 weniger) Seelen. . Trotz der rapiden Bevölkerungszunahme im Allgemeinen ist die jüdische Bevölkerung von 1885—öl) nur unwesentlich gestiegen, ja, in dem darauffolgenden Zeitraum von 1890—95 hat sich dieselbe geradezu vermindert. Die zweite Abtheilung enthält zwei Rückblicke auf das Gemeindeleben während dieser Periode. Die dritte Abtheilung des Berichts beschäftigt sich mit dem Neubau der Synagoge, die vierte mit der Religionsschule, die gegenwärtig von 188 Kindern und zwar von 74 Knaben und 64 Mädchen besucht wird. Außerdem wird in einigen städtischen höheren Schulen Religionsunterricht ertheilt ertheilen den Unterricht: Herr Rabbiner Dr. Rahmer, Herr Lehrer Dr. Spanier, Herr Lehrer M. Steinhardt. Es folgen noch Mittheilüngen über die Schächtangelegenheit der Gemeinde. Die Wohlthätigkeits-Vereine und Stiftungen haben im Jahre 1895 an Einnahmen, erstere 14 689,72 Mark, letztere 2874,91 Mark, an Ausgaben erstere 7564,91 Mark, letztere 6067 Mark gehabt. Der Etat der Synagogen - Gemeinde belief sich 1894 bei 657 beitragspflichtigen Mitgliedern an Einnahmen auf 29 782 Mark. Bei. der Konstituirung des Vorstandes unserer Gemeinde wurde Herr S. Singer zum Vorsitzenden und Herr S. Kaufmann zum Stellvertreter gewählt. u. Aus Rheinland - Westfalen, im März. Zu Essen a. R. gestaltete sich am 17. v. Mts. der siebzigste Geburtstag des Bankiers und Stadtraths Herrn Moritz Beer zu einer erhebenden Feier, die in zahlreichen Deputationen und Ueberreichung von Adressen ihren Ausdruck fand. Das Vertrauen in die Ein- und Umsicht des Gefeierten hat denselben in den Verwaltungsrath wichtiger gewerblicher Etablissements, in den Vorstand vieler gemeinnütziger Vereine berufen; Stiftungen zu Wohlthätigkeitszwccken verdanken ihm ihr Dasein oder namhafte Unterstützungen. Bon den vielen Deputationen, welche dem Jubilar Dank und Ehrung brachten, seien nur erwähnt: Die Vertretung der israelitischen Gemeinde Essen, das Stadtverordneten-Kollegium, der Gewerbeverein, das Kuratorium der Marks-Haindorf'schen Stiftung, der Vorstand des Vereins israelitischer Lehrer für Rheinland und Westfalen. Von den vielen Spenders durch welche der Jubilar den Tag zur Erinnerung weihte, seien nur hervcrgehoben: 25 O0O Mk. zur Errichtung eines Asyls für arme kranke Kinder, 8000 Mk. der Marks-Haindorflschen Stiftung in Münster, 3000 Mk. dem Vereine israelitischer Lehrer für Rheinland und Westfalen, dessen Ehrenmitgliedschaft Herr M. Beer infolge des dem Vereine bethätigten Wohlwollens vor Jahren schon sich erworben hat. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf- Essen, begleitet von zwei Vorstandsmitgliedern des. Vereins, überreichte nach einer kurzen, warm empfundenen Ansprache eine schön ausgeführte Adresse dem Jubilar. Möge es demselben beschieden sein, noch eine lange Reihe von Jahren im Beglücken Anderer des eigenen ungetrübten Glückes sich erfreuen zu können. ■+■ Chemnitz, 10. März. Bei der am 5. und 6. März stattgefundenen Beurtheilung der zur Erbauung einer Synagoge in .Chemnitz eingegangenen Pläne wurde von dem Preisgericht dem Entwürfe mit dem Kennwort: „l cbm M. 16,60" — Verfasser Herr Architekt Wenzel Bürger Hierselbst, Wettinerplatz 7, der erste Preis von 2000 Mk., dem Projekte mit dem Motto: „Treu" — Verfasser die Architekten Hoeniger und Sedelmeier in Berlin, der zweite Preis von lOOO Mk. zuerkannt, während der Entwurf mit dem Motto: „Im Stadtbilde" — Verfasser die Architekten Otto Rehnig, Adolf Hösel und Richard Seifert in Charlottenburg, zum Ankauf empfohlen wurde. Das Preisrichterkollegiüm bestand aus den Herren königl. Landbaumeister Canzler- Chemnitz, Stadtbaurath Hechler-Chemnitz, Stadtbaurath Professor Licht- Leipzig, Kaufmann Max Bergmann-Chemnitz und Kaufmann S. Schreiber- Chemnitz. Ergänzend bemerken wir noch,- daß nunmehr alle weiter nöthigen Arbeiten in Angriff genommen werden sollen und in Kürze der Bau beginnen dürfte. München, 15. März. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde in München ersucht uns, auf die vor einigen Jahren hier ins Leben gerufene Hermann und Jettchen Müllersche allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung aufmerksam zu machen. Aus dieser Stiftung steht Heuer ein größerer Betrag zur Verfügung, welcher

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