Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61. Jahrgang. Nr. 12. Tt 0't'^» ßcrlin, ly. Man 1897. Weikage zur „Aktgemeinen Zeitung des IuöenkHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §L Berlin, 17. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt gestern Abend vor sehr zahlreich versammeltem Auditorium Herr Professor Dr. Cornill aus Königsberg einen Vortrag über „die Psalmen in der Weltlitterabur". Nach einigen einleitenden. Bemerkungen über den Begriff „Weltlitteratur" und dessen Auffassung durch Herder und Goethe stellte der Vortragende als Kriterium für die Aufnahme eines dichterischen Werkes in die Weltlitteratur die folgenden zwei Punkte fest: Zunächst müsse dasselbe ein poetisches Kunstwerk von hoher Vollendung an sich, dann aber müsse es von allgemein menschlicher Bedeutung sein und doch den nationalen Standpunkt des Volles ausprägen, dem es entsprossen. Alle diese Bedingungen erfüllten die Psalmen. Die Schilderung, die der Redner nunmehr von der künstlerischen und religiösen Bedeutung der Psalmen entwarf, war im eminenten Sinne des Wortes ein Meisterwerk. Da der Vortrag jedenfalls bald im Druck erscheinen wird, so können wir auch weitere Kreise heute schon darauf verweisen. Für uns — und das ist wahrlich keine Reporterphrase — bleibt die Stunde unvergeßlich, in der wir diesen ausgezeichneten Vortrag gehört haben! Berlin, 16. März. Der dritte Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen ist wieder ein Beweis für die ersprießliche Wirksamkeit dieses Vereins. Die Arbeit ist eine leichtere und befriedigendere geworden, denn die Erfahrung, die beste Lehrmeisterin, steht dem Vorstand zur Seite. Er weiß heute, wie das Material an Schülerinnen beschaffen sein muß, um deren Ausbildung für die Krankenpflege mit Erfolg vornehmen zu können, und erkennt mit Freuden an, daß das Berständniß für. diesen Beruf in unseren besseren Familien allmälig zu erwachen beginnt und daß sich nunmehr auch Angehörige solcher Familien und Kreise zur Aufnahme melden. Allerdings wird es immer nur ein kleiner Theil der sich meldenden Personen sein, welche zur Anstellung gelangen können, weil die Anforderungen an Bildung und Erziehung, an Körperbeschaffenheit und Gesundheit, welche gestellt werden müssen, nur selten voll erfüllt werden, und hieraus erklärt es sich auch, daß von der großen Zahl von 60 Anmeldungen in diesem Berichtsjahre nur 12 berücksichtigt werden konnten. Dennoch mußten von den aufgenommenen Personen drei Schülerinnen entlassen werden, hauptsächlich, weil ihre Körperkräfte nicht ausreichten, um die Anstrengungen, welche der Beruf einer Krankenpflegerin erfordert, zu überwinden. Von den im vorjährigen Bericht aufgeführten elf fertig ausgebildeten Schwestern haben im Laufe des Jahres zwei wieder das Institut verlassen, und zwar eine Schwester wegen Familienverhältnissen und die zweite, weil sie sich selbständig zu machen wünschte. Zu den verbliebenen neun Schwestern traten nach Vollendung ihrer Ausbildung zehn Schwestern hinzu, von denen ebenfalls eine Schwester Familienverhältniffe halber ausgeschieden ist, so daß in diesem Jahre die Zahl von neun Schwestern hinzugekommen ist, und der Verein demnach über 18 Schwestern verfügen konnte, welche im Krankenhause, in der Privat- und in der Armenpflege ihre Thätigkeit entfalten. Neben diesen Schwestern gehören dem Verein noch acht Schülerinnen an, welche im Schwesternheim ebenfalls ihre Heimstätte haben und wie bisher im Krankenhause der jüdischen Gemeinde und später in der königlichen Eharitö ihre praktische und' theoretische Ausbildung durch die Herren Anstaltsärzte erfahren. Demnach tritt der Verein mit 26 Schwestern resp. Schülerinnen das neue Berwaltungsjahr an, und da dieselben den Ansprüchen nicht nur genügen, sondern nach Ausweis der vielen uns vorliegenden ärztlichen und privaten Zeugnisse sich zum Theil hervorragend bewähren, so kann man mit Recht von einem guten Erfolge sprechen. Durch eine Stiftung des Herrn Sladrath Weigert nebst Gemahlin sowie durch anderweitig zur Verfügung gestellte Geldmittel ist der Verein in der Lage, den durch unsere Schwestern gepflegten armen Kranken bei dringendem Nothstand Geld und Pflegemittel darreichen zu können, weil häufig die aufopferndste Pflege bei dem Mangel der nothwendigen Lebens- und Stärkungsmittel eine vergebliche ist In dem am 4. Juli 1895 eingeweihten, Auguststraße 17 belegenen Schwesternheim ist nun auch das dritte Stockwerk, und zwar ausschließlich zu Schlafräumen für die Schwestern, neu hergerichtet worden, so daß neben den geräumigen Bureau-,, neben Wohn- und Wirthschaftsräumen Unterkunft für etwa 60 Schwestern geschaffen ist. Die Mitgliederzahl, welche am 31. Dezember 1895 1156 Mitglieder mit 11 81ß,50 Mark Jahresbeitrag erreichte, beträgt Ende des Jahres 1896 1279 Mitglieder mit 12 941,50 Mark Jahresbeitrag, so daß eine Vermehrung um 123 Mitglieder stattfunden hat. Die Zahl der auswärtigen Mitglieder beträgt 279 mit einem Jahresbeiträge von 1690 Mark. Die Zahl der immerwährenden Mitglieder ist von 5 des Vorjahres auf 8 gestiegen. Die Ausgaben für die. Beköstigung betragen nach dem Kassenabschlusse 6628 M., d. h. 1,10 M. pro Kopf und Tag, was angesichts der verabreichten vortrefflichen Kost als nicht zu hoch befunden werden kann; dagegen werden sich die Ausgaben für Gehälter in der Folge erhöhen, weil der großen Zahl unserer fertigen Schwestern das statutenmäßig festgesetzte, mit 25 Mark monatlich beginnende Gehalt zufließt. DieEinnahmen betrugen 1896:28 298,44 Mark, die Ausgaben 21057,25 Mark, der eiserne Fonds 32 064,54 Mark. — In der am 7. d. M. stattgehabten IV. Generalversammlung gedachte der Vorsitzende des Vereins, Herr Alb. Ph. Meyer, in warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Herrn Geheimen Sanitätsrath Tr. Kirstein sind erstattete den Jahresbericht. Ueber die internen Verhältnisse des Vereins, insbesondere über die Leistungen der Schwestern und Schülerinnen, referirte Herr Louis Sachs, indem derselbe ein recht erfreuliches Bild über den guten Fortgang und die Weiterentwickelung des Vereins entwarf. Die ausscheidenden Mitglieder, Herr.Rechtsanwalt Dr. Apolant und Herr Stadtverordneter Louis Sachs sowie die Damen Frau Kommerzienrath Julie Gerson Liebermann und Frau Hermine Rathenau, wurden einstimmig wiedergewählt, während für den verstorbenen Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Kirstein und Herrn Sanitätsrath Dr. Blumenthal, welcher wegen Ueberlastung mit anderen Aemtern eine Wiederwahl ablehnte, die Herren Stadtverordneter H. Witkowski und Privatdozent Dr. Mendelssohn neu gewählt wurden. Ebenso wurden die bisherigen Kafsenrevisoren. die Herren Moritz Manheimer, Hugo Heilmann und Hugo Deutsch wiedergewählt. Der Etat pro 1897 balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 27 000 Mark. Aus dem Bericht des Referenten entnehmen wir, daß noch mehrere geeignete Schülerinnen Aufnahme finden können, und sind Gesuche um Ausnahme an den Vorstand des Vereins, Äuguststraße Nr. 17, zu richten. n. Berlin, 15. März. Die Gesellschaft Magine Reim (Verein zu gegenseitiger Hilfe) hielt am 14. d. Mts. ihre 93. Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Moritz Manheimer ab. Sie hat im Jahre 1896 für Unterstützungen ihrer hilfsbedürftigen Mitglieder 14430 Mark verausgabt, die Wittwen- und Waisenkasse außerdem noch 7874 Mark. Das Gesamiutoermögen beträgt ungefähr 310 000 Mark. Es sind etwa 70 neue Mitglieder beigetreien, dagegen 30 verstorben, darunter das langjährige Vorstandsmitglied Herr Rudolph Demuth, dessen verewigter Vater Hermann Demuth früher Direktor der Gesellschaft war und zu den wenigen Ehrenmitgliedern derselben gehört. An Rudolph Demuths Stelle ist Herr Oskar Berlin in den Vorstand einberufen, die von dem Verstorbenen verwaltete Rendantur hat Herr Bernhard Croner übernommen. Die Mitgliederzahl beträgt zur Zeit 1168. Die Versammlung nahm die Berichte des Vorsitzenden, ferner des Schriftführers Herrn Syndikus Dr. Minden und der Kaffenrevisoren entgegen und ertheilte dem Vorstande auf Antrag der Letzteren Decharge. Auf die Anregung des Herrn Richard Sachs, ob sich nicht eine günstigere Dotirung der Wittwenkasse erreichen lasse, erwiederte der Vorstand, daß er ständig darauf hinzuwirken suche. Die Anfrage des Herrn Venas ---^