Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- Seite 144 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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144 KprerhfaaU Sehr geehrter Herr Redakteur! gestatten Sie mir. Ihnen im Hinblick auf die Mittheilung Jh^ Referenten K. aus Hannover in Nr. 8 Ihrer geschätzten „Zeitung des Judenthums" vom 19. Februar d. I., die Bekanntmachung des Herrn Landraths zu Duderstadt betreffend, folgende Angaben zu unterbreiten, indem ich es Ihnen anheimstelle, dieselben zu veröffentlichen. <-y Eine Anfrage, wie die in dem genannten Berichte enthaltene, ist in den jüngsten Wochen im ganzen diesseitigen Landrabbinatsbezirke in Gemäßheit einer Verfügung des hiesigen Herrn Regierungspräsidenten seitens der Landrathsämter erfolgt, um auf diesem Wege festzustellen, ob die sämmtlichen aus den einzelnen Ortschaften wohnenden jüdischen Kinder den gesetzlich vorgeschriebenen Religionsunterricht genießeü. Bereits vor circa drei'Jahren wurde mir bekannt, daß in einzelnen kleineren Gemeinden jüdische Kinder im schulpflichtigen Alter ohne Religionsunterricht zu genießen aufwachsen. Da die Landrabbiner in hiesiger Provinz nach § 47 des Gesetzes vom 30. September 1842 „dahiü zu sehen haben, daß es den jüdischen Kindern nicht an Religionsunterricht fehle", veranlaßte ich die Betheiligten, ihrer gesetzlichen und religiösen Pflicht zu genügen. So wurde im Kreise Einbeck, und zwar in Lüthorst-Markoldend orf, in Goslar, auch in Klausthal - Zellerfeld der Religionsunterricht ausgenommen und auf gesetzlicher Grundlage gesichert. Es sei hierbei bemerkt, daß der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in dankenswerther Weise bisher jährliche Zuschüsse zu diesem der Magistrat zu Goslar eine nantdortigen Synagogen - Gemeinde zü- Behufe bewilligte, und daß .auch hafte jährliche Subvention der fließen läßt. Um endgiltig die Gewißheit zu Habens daß alle Kinder jüdisches Eltern im Bezirke Religionsunterricht erhalten, wandte ich mich unter Bezugnahme auf die 53 und 64 der Ministerial -Bekanntmachung .vom 19. Januar 1844 an den Herrn Regierüngspräsidentm, welchÄ durch Reskript vom 20. Januar d. I. die Herren Landräthe, meinem Anträge entsprechend, veranlaßte, mir „bis zum 1. März d. I. die gewünschten Angaben über die in ihren Bezirken vorhandenen schulpflichtigen jüdischen Kinder zu machen". Es gilt daher in der That, wck Referent K. annahm, „die ganze Enquete nur der Nummer 5" (ob, wö und durch wen die Kinder im schulpflichtigen Alter jüdischen Religionsunterricht erhalten). - x Hildesheim, März 1897. Landrabbiner Dr. Lewinsky Sehr geehrter Herr Redakteur! j Erwiederung ans die Bemerkungen des Herrn Dr. Stier iü Nummer 10 bemerke ich, daß weder Obadja da Bartinoro noch Midrasch Samuel als Beweis für Bileams Habsucht die Sendung Balaks, Vers 17, sondern die Antwort Bileams, Vers 18, anführen: „Wenn Balak mir giebt sein Haus voll Gold und Mlber, so u. s. w." Damit ist aber noch nicht gesagt, daß ihm Balak eine Belohnung versprochen oder eine solche in den Worten „kabed achabedchu“ angedeutet habe. „Balak hatte in seiner Sendung in keiner Weise auf eine Belohnung in Geld hingedeutet. . . ., bemerkt Hirsch in seiner Erklärung zur Stelle, — Bileam übersetzt aber sogleich die Ehre in Geld oder meint) selbst wenn ihm die größte Geldesbelohnung würde, so u. s. w. Es ist ihm jedenfalls Geld das Höchste." Daß Rabbiner Hirsch die Erklärung des Midrasch zur Stelle außeü Acht ließ, ist gar nicht sonderbar. Dasselbe thun alle Bibelerklärer ung auch Raschi an zahlreichen Stellen. Midrasch ist eben keine wortgetreuer Uebersetzung. Vergl. Raschi zu II. B. 6, 9. ' Jbn Esra begnügt sich nicht mit der Ergänzung pftpls, wie Herr Stier behauptet; er fügt noch erklärend hinzu: daß aber BalcH Geld gemeint habe, geht aus der Antwort Bileams hervor, Vers 18. Diesen Beweis hat aber Hirsch — wie wir oben angeführt — entkräftet^ Zu Jes. 61, 6 verweise ich Herrn Dr. Stier auf die Uebersetzuugvon Mendelssohn und auf die Erklärungen Raschis und Ben SeervH zur Stelle. Indem ich Sie noch ersuche:51t bemerken, daß in meiner Anmerkung in Nummer 9 sich ein Druckfehler eingeschlichen hat, es muß dort heißen „das Zeitwort Kabed“ nicht „Kabod", zeichne in vorzüglicher Hochachtung. Boskowitz, 8. März. Dr. Funk. Sehr geehrter Herr Doktor! tnter höflicher Bezugnahme auf den in letzter Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienenen Artikel über das neue israelitische Sanatorium in Davos bitte ich Sie freundlichst, für die nächste Nummer eine kleine Berichtigung aufzunehmen, und zwar insofern, als nicht Herr Dr. med. W. Beeli, sondern ein junger, tüchtiger Arzt die Leitung übernehmen wird. Herr Dr. Beeli ist Komiteemitglied. Berlin, 16. März. Hochachtungsvoll A. Hirsch. Miscrllen. — Von Kaiser Wilhelm I. möge vor Eintritt in die Centenarfeier folgender Zug hochsinniger Menschenfreundlichkeit und liebenswürdigster Leutseligkeit dem Gedächtniß der Nachwelt überliefert werden, der es verdient, unvergessen zu bleiben: Ein Jahr vor Beginn des deutsch-französischen Krieges, im Hochsommer 1869 war's zu Ems im Kursaale. Dort befand sich als Begleiterin einer vermögenden, kurbedürftigen Anverwandten, inmitten eines vornehmen, hochmodern glänzenden Damenflors auch eine schlichte, ältliche jüdische Lehrerfrau aus Ostpreußen — meine selige, seit etwas über Jahresfrist her verstorbene Mutter. Sie siel durch nichts als durch ihre einfache, altmütterlich-jüdische Frauentracht auf. Sich bescheiden in der Nähe des Einganges zurückhaltend, tränk sie eben ihren Kränchenbrunnen, als sich plötzlich im Saale ein überlautes Geflüster erhob: „Der König kommt!" Gleichzeitig wurden die Flügelthüren weit ausgethan, und es entstand eine rasche Bewegung der Anwesenden nach der Richtung derselben hin. Alles, was vornehm und glänzend war, die modeprächtige Damenwelt zumal, drängte sich zum Vordergründe, um in möglichst erster Reihe einen königlichen Gruß, ein huldreiches Königswort, ein allergnädigstes Kopfnicken der Beachtung zu erfahren. Nicht so meine würdige, ganz anspruchslose Mutter. Sie. setzte sich vielmehr, von einem peinlichen Gefühle, gleich vorn beim Eintritt des Kaisers stehen zu sollen, bewogen, dem allgemeinen Vordringen entgegen, indem sie sich geflissentlich in den stillen Hintergrund zurückzog. Doch schon trat die majestätische Gestalt des Königs über die Schwelle, dessen erster Blick diesen ganzen Vorgang verständnißinnig traf. Die hochgespannten Erwartungen königlicher Huldbezeugung täuschten auch die Vorderen nicht. Seine Majestät schritten mild lächelnd, huldvoll grüßend, nach rechts und links hin freundlich nickend zwischen den Reihen des Publikums die ganze Länge des Saales hindurch bis zum anderen Ende, verweilten aber, da angelangt, keine Sekunde. Jetzt wandte sich der König wieder um. und schritt zurückkehrend ganz ebenso ruhig und gemessen, ebenso huldreich grüßend wie vorher, bis fast zum Eingänge des Saales hin, gerade da, wo meine Mutter stand, direkt auf sie zu. Herablassend mild, sie freundlich anblickend, legte der König seine Rechte ihr auf die Schulter und zeichnete sie — doch gewiß nur zum Lohne für ihre bewiesene Bescheidenheit — durch einige allerhuldreichst an sie gerichtete Worte aus: sie fragend nach Namen, Stand und Heimath, wie ihr der Brunnen bekomme und ihr noch einen glücklichen Erfolg der Kur wünschend. Erst dann wandte der König sich wieder der vornehmen Gesellschaft zu. — Das erzählte mir, gleich nach ihrer Heimkehr aus Bad Ems, ganz glücklich, meine nunmehr selige Mutter. Welchen Eindruck diese hochedle, feinsinnige Handlung des allgeliebten Königs auf das stolz-vornehme Salonpublikum im Kursaale gemacht haben müßte, davon wußte meine Mutter mir nichts zu erzählen, wohl aber die andere Dame meiner Verwandtschaft, deren Begleiterin sie gewesen; diese war vor Bewunderung des Königs einfach — „ganz außer sich". Lehrer S. Nathan- Druck und Verlay von R u d 0 l f M 0 s s e in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 61. un. Au Boi leit« Auf Kri litt. poe vor Stc din «ui ent der ciuc ist der füi erst uni me ter die Fr Fa gel we Bi gef m die mr Ar üb au Ir un ve vo 18 un Ai re' Al vr sp -m m