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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-19 · Heft 12 (19.3.1897) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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140 Gottes war. Wenn Jsrael-Jnda zu sein aufhört, wer wird der Verkünder seines Namens und seiner Herrlichkeit sein? Es besteht also die Hoffnung, du, Gott, wirst Israel deinetwegen erretten. Das heißt zum Wohle der Menschheit — deren Heil die Anerkennung Gottes ist — muß Israel erhalten bleiben. Schern wie kisse-kabod sind hier einfach an Stelle Gottes gesetzt. Dasselbe ist der Fall Jerem. 17, 12. Kisse-kabod ist hier eine Apostrophe. Gott wird angeredet. „Du Thron der Herrlichkeit erhaben von jeher, unser Heiligthuni." Als sollte jeder Zweifel ausgeschlossen sein, daß Gott gemeint ist, folgt (V. 13.) „Hoffnung Israels, Jhwe". Kisse-kabod ist also die Erhabenheit des ewigen Gottes, an Stelle Gottes selbst gesetzt. Zusammenfassung und geschichtlicher Ueberblick. In ben verschiedenen Bedeutungen der kabod in der heiligen Schrift kann ein müliges Fortschreiten vom Materiellen zum Abstrakten wahrgenounnen werden. Es fragt sich nun, ob die in dem Worte gefundenen Vegriffsbestiminungen sich auch der Zeit nach festsetzen lassen. Zweifellos hat auch das Wort kabod seine ge-. schichtliche Entwickelung. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß sich diese Entwickelung kamn wird Nachweisen lassen. Es muß zunächst die bekannte Thatsache verzeichnet werden, daß alle oder jedenfalls die meisten der anfgestellten Begriffe neben einander, d. h. gleichzeitig zur Anwendung kommen.' -QS Hot nicht aufgehört, „schwer" zu bedeuten, wenn auch dasselbe Grundwort für den höchsten Ehrbegriff zur Anwendung kommt. Es kommt in der Bedeutung schwer in Ezechiel, den Psalmen und in den spät geschriebenen Büchern der Chronik vor. Wie das abgeleitete Wort in seinem abstrakten Sinne, so behielt das Grundwort seine materielle Bedeutung bei während, der ganzen schriftstellerischen Thätigkeit der Dichter, Geschichtschreiber, z. LH. auch der Propheten. Als Beweis hierfür sei Jesaia angeführt,^ bei dem kabod in reichem Maße zur Anwendung kommt. Ich beschränke mich auf Citate solcher Theile, die auch die strengste Kritik, unzweifelhaft Jesaia zuweist. Auch iu diesen begegnen wir fast der ganzen Stufenleiter jener Begriffe, die wir in kabod fanden. Kabod bezeichnet Jesaia ebenso das Materielle wie das Sittliche und das Wesen Gottes. Man kann dies aus folgenden ßitciteu, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen, ersehen. Kabod bedeutet Hab' und Gut c. 10, 3; Pracht 22, 18; Zahl, Macht, -> Wohlstand 8, 7; 17, 3, 4; Kriegsmacht 10, 18; Ehrung 29, 13; Ansehen 3, 5; Würde 22, 23, 24; Vornehmheit 5, 13; Hoheit, Erhabenheit Gottes 3, 8; 6, 3. Dieselbe Erfahrung machen wir bei, Ezechiel. Auch ihm bedeutet kabod ebeuso „prächtig", 23, 41, wie es Macht: 39, 13, 21, Lichtglanz: 10, 4; die Erscheinung, Majestät Gottes: 3, 23; 43, 2, 4, 5 bedeutet. Man kann bei dem Buche Ezechiel . nicht, wie bei anderen Büchern, die Einheitlichkeit in Frage stellen.: Es ist vom Anfänge bis zmn Ende, vielleicht nur mit einer ganz, geringen Ausnahme, das Buch eines Verfassers, wie auch die Zeit eine bestimmt fixirte ist. Die Kritik muß es zugeben, daß dem. Verfasser des Buches Ezechiel schon der größte Theil der heiligen , Schrift vorlag. Wenn nun in Ezechiel, dem nicht spätesten, aber verhältnißmäßig späten Buche, kabod die verschiedenen angegebenen Bedeutungen hat, so darf inan schließen, daß diese neben einander hergingen, daß mit dem Worte kabod wohl immer höhere Begriffe verbunden worden sein mögen, daß aber die neuen die alten nicht verdrängten. Mir will es scheinen, daß hier der Fortgang der Zeit nicht immer einen Fortschritt des Begriffs bedeutete. So kann der eine Dichter mit dem Worte den höchsten Begriff verbinden, der andere, , selbst spätere, faßt dos Wort in seinem realen Sinne und weist, absichtlich oder zufällig, den hohen Begriff ab, den fein Vorgänger damit verband. So konnte es kommen, daß an einer Stelle dem Einen kabod „Leber", dem Anderen „Ehre" bedeutete. Es muß ferner berücksichtigt werden, daß für die heilige Schrift die Entwickelung des Wortes kabod da eine Grenze findet, wo es das Wesen Gottes, Gott selbst bedeutet. Eine höhere Entwickelung kann es für ein Religionsbuch nicht geben. Als . Resultat dieser Auseinandersetzung können wir hinstellen und werden es im Verlaufe noch erhärten, daß der in einem Buche vorkonnneude höhere Begriff der kabod kein Beweis für die größere Jugend des Buches ist, wie umgekehrt aus der primitiven Auffassung der kabod kein Beweis für das hohe Alter desselben hergeholt werden darf. So ist das Buch Esther um Jahrhunderte jünger als Jesaia, doch ist die Auffassung der kabod daselbst eine primitive, während sie im letzteren, z. B. 3, 8, eine hohe Stufe erreicht. Da wir, wie in den einleitenden Worten erwähnt, eine bei seinem Werden wahrscheinlich innegehaltene aufsteigende Richtung des Wortes wahrnehmen, den Spuren dieser Entwickelung aber nicht mehr nachgehen können, wollen wir uns darauf beschränken, zu zeigen, wie in dem einen und andern Buche die verschiedenen Begriffe der kabod zur Anwendung kommen. Nicht in Betracht kommen die Bücher Ainos, Joel, Obadja, Jona, Zefanjo, Hoheslied, Ruth, Esra. In diesen kommt das Wort kabod nicht vor. 'Das Wort fehlt also in einem der ältesten Bücher, Ainos, wie in einem der jüligsteu, Esra. Nach der Ursache zu fragen, dürfte müßig sein. Es kann unniöglich behauptet werden, daß inan das Wort zur Zeit Esras nicht kannte. Wird doch im Buche der Chronik ausgiebiger Gebrauch von der kabod gemacht und gehören doch, wie vielfach angenommen wird, Esra und Nehemia wie die Bücher der Chronik einem Verfasser an. Auch in Nehemia kommt das Wort nur einmal vor. Der Umstand, daß die Bücher, die den verschiedensten Zeiten angehören, das Wort nicht gebrauchen, läßt den Schluß nicht zu, daß das Wort nicht bekannt war. Zwischen Amos und Esra liegt ein Zeitraum von mehr als 200 Jahren. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß während dieser Zeit Jesaia und Ezechiel ihre Reden hielten, bei denen der Kabodbegriff seine schönsten Blüthen trieb. Ebenso wenig läßt sich behaupten, daß die Verfasser der genannten Schriften das Wort kannten, es aber absichtlich mieden. Ein Grund hierfür ist nicht aufzufinden. Man kann nur anwehmen, daß hier der Zufall waltete. FEUILLETON f *§ Andere Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der jüngsten Vergangenheit, von Gotthard Deutsch. Siebenundzwanzigstes Kapitel. Die ersten Schatten. ährend in der Festhalle nach dem Abgang der obersten Honoratioren die ausgelassenste Heiterkeit herrschte, wogte auf dem Marktplatze eine große Menschenmenge auf und ab, um sich an dein Anblicke der Beleuchtung und der auf der Fabrikwiese abgebrannten Feuerwerke zu ergötzen. Seit der Gründung der Fabrik besaß das Städtchen Gaswerke, welche an diesem Abende ihre ganze Leistungsfähigkeit entfaltet hatten. Mitten auf dem

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