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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-19 · Heft 12 (19.3.1897) · p. Seite 139

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
Seite 139 (sequence 7)
Language
German
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139 nicht nur um die bisherigen Hunderttausende jüdischer Handwerker, sondern auch um die vielen, welche unzweifelhaft noch hinznkommen werden. Voil allen Seiten wird die Nothwendigkeit zugegeben, nach fernerer Ausbildung und Ausbreitung von Handwerkerschulen —, nach dem Muster der berühmten Schule „Trud" in Odessa — nach Verbindung solcher mit den Talmud Thoras zu streben. Doch bei dieser Gelegenheit komint die traurige Thatsache zum Vorschein, daß das jüdische Schulwesen in Rußland in einer Abhängigkeit von äußeren Faktoren sich befindet, die fast jeden Fortschritt unmöglich »»»acht. In allen größeren Städten ist die Privatthätigkeit bemüht, Schulen für die ärmeren jüdischen Volksschichten zu gründen, um dadurch einigermaßen die beinahe unzugänglichen Staatsschnlen zu ersetzen. Aber welche Schwierigkeiten bieten sich fast überall, ehe eine Erlaubniß erlangt wird! Es ist bekannt, daß Baron Hirsch noch vor Jahren diesem Zustande ein Ende machen wollte, indem er eine Summe von fünfzig Millionen für die Gründung von jüdischen Schulen aller Art in Rußland zu spenden bereit war, falls die russische Regierung die offizielle Erlaubniß und. eine gewisse Unabhängigkeit gewährleiste»: würde. Au dieser Bedingung ist dainals der große Plan gescheitert. Warum dieses Projekt jetzt, zu einer günstigeren Zeit, iricht aufgeuomnien wird, ist unerklärlich, da es doch feststeht, daß viele Millionen der Hirsch'schen Hinterlassenschaft direkt nach Rußland konunen sollen. ' L. M. Wie Ehre in der Bibel. Von Dr. Josef Stier, Rabbiner in Berlin. (^^?^och mehr als schein weist die Verbindung des lasse mit kabod daraufhin, daß sinnliche, in menschlichen Verhältnissen (3^ liegende Vorstellungen auf das Abstrakte und Göttliche übertragen wurden. Die versinnbildlichende Einbildungskraft dachte sich Gott wie einen König auf dem Throne sitzend. (Ps. 47, 9.) Es ist selbstverständlich, daß hier an ein Materielles nicht zu denken ist. Jede Körperlichkeit muß von Gott fern gehalten werden. Der Thron ist nur das Bild der Erhabenheit. Größe. Macht, Majestät rc. Diese Bedeutung haben die Sätze Jes. 6. 1; I. Kön. 22. 19; II. Ehr. 18, 18. Jesaia giebt der Erhabenheit Ausdruck mit den Worten: Ich sah Gott auf den» hohen, erhabenen Throne sitzen, Die zwei anderen Stetten besagen: Gott sitzt auf dem Throne, umgeben von all seinen Heerschaaren. Es ist die Macht Gottes als Lenker der Völkcrgeschicke gemeint. Ezechiel, der den Thron am anschaulichsten schildert, ist noch vorsichtiger im Ausdruck. Doch nur um jede Körperlichkeit des Thrones auszuschließen, spricht er nicht von diesem, sondern von dem Gebilde eines ' Thrones. SD3 nift1!. (Ez. 1, 26; 10, 1.) Daß Materielles ausgeschlossen war, darauf weisen die Epitheta, die dem Throne beigelegt werden. „Recht und Gerechtigkeit" werden als Stützen angegeben. (Ps. 9, 8; 89, 15; 97. 2.) Zur geistigen Auffassung des Thrones gehört seine Unbegrenztheit im Raunie. Da der Thron nicht nur mit Gott in Verbindung gebracht, sondern zutveilen auch an dessen Stelle gesetzt wird, muß er, da Gott allgegenwärtig ist, unbegrenzt sein. Dies beweisen die Worte des Jesaia: „der Hinimel ist inein Thron, die Erde meiner Füße Scheinel". (Jes. 66, 1.) Erde und Himmel sind, wie bereits bemerkt, die gangbaren Bezeichnungen für Welt. Weil mit Gott unzertrennlich verbunden, oder besser, weil hisse seine Erhabenheit bezeichnet, muß der Thron auch ewig sein. Zur Unbegrenztheit im Rauine kommt die Unbeschränktheit in der Zeit. Daher: „Dein Thron, o Gott, immer und ewig." (Ps. 45, 7.) Noch deutlicher wird die Ewigkeit Gottes wie des mit ihm verbundenen Thrones Ps. 93, 2 ausgedrückt. Ebenso Klgl. 5, 19. Eine Folge der Anschauung, daß der Thron mit Gott verbunden ist, ist. dessen Unsichtbarkeit. Hierfür scheint freilich nur eine Stelle zu sprechen (Job. 26, 9): „Er verhüllt den Anblick seines Thrones." Wie bei kabod läßt sich auch bei hisse eine Bevorzugung Jerusalems und des Tempels statuiren. Es tritt die Anschauung zu Tage, daß Gott an diesen Stätten seine besondere Fürsorge »valten läßt. Mit hisse verbindet sich dann der Begriff des dauernden Aufenthaltes, längeren Verweilens. So schildert Jere»nia die Zukunft, in der Israel wieder nach Zion zurückkehrt, die Heiden sich in Jerusalem sammeln werden, „um des Nainens Jhwe willen", da „wird man Jerusalem den Thron Gottes nennen". (Jerem. 3,17.) Das »vird nicht etwa ein unsichtbares Jerusalem sein, sondern in dem sichtbaren Jerusalem wird Gott seinen Sitz aufschlagen, ihm feine stete Fürsorge zuwenden. Von der Zeit der einstigen Rückkehr spricht auch Ezechiel. Israel wird geeint sein, „es wird nicht »nehr entweihen »ueinen heiligen Namen". Gott »vird für immer in Israels Mitte wohnen. Die Stätte ist aber da enger begrenzt. Nicht Jerusalem, sondern der Tempel birgt den Thron. Dieser ist „die Stätte meines Thrones und die Stätte »»»einer Fußsohlen". (Ezech. 47, 7.) Dieselbe Bcwandtniß hat es da. wo hisse mit kabod verbunden, auf Gott bezogen wird. Stellen Hierfür giebt es, soviel ich sehe, nur zivei. Zwei andere nehmen auf Menschen Bezug. Wie bei allem, was mit kabod zusammenhängt, »vird auch bei kisse-kabod, auf Menschen cmgewendet, a»»- Materielles nicht zu denken sein. Wenn auch Erhabenheit im eigentlichen Sinne ausgeschlossen ist, ist es doch der hohe Begriff der Ehre, dem »vir da begegnen. Es sind das eine Mal die Schwachen, Armen, die ungerechterweise Erniedrigten, die durch die Macht und Güte Gottes aus ihrer Niedrigkeit emporgehoben werden. Dieser Wechsel ihres Geschickes wird so dargestellt, als »viirden die Armen an eine Stelle gesetzt, die sonst nur von Großen und Fürsten eingenonu»ren »vird. Kisse-kabod bedeutet dann Erhöhung des Standes, des Ansehens. „Gott weist also den Armen einen. Ehrenplatz an." (I. Sa»n. 2, 8.) Ist hier eine ganze Menschenklasse genieint, so ist es das andere Mal die Erhöhung der Stellung und des Ranges eines Einzelne»». Diese Rangerhöhung, die der Familie des Bevorzugten zum Stolze gereichen »vird, wird mit kisse-kabod bezeichnet. Es ist Eljakim, der „zum Ehrenthrone seines .väterlichen Hauses tverden soll". (Jes. 22, 23. 24.) Kisse-kabod ist also hier berechtigter Fa»nilienstolz. Es ist die Zuversicht ausgesprochen, daß Eljakim das ihn» zu übertragende A»nt mit voller Gewissenhaftigkeit ver- »valten »vird. „Die ganze kabod des väterlichen Hauses wird sich an ihn hängen." Kisse-kabod bei Gott angewendet, schließt an das oben theils über kisse, theils über schein Gesagte au. In Jerem. 14, 21 ist in dem ersten Gliede schein, im zweiten kisse-kabod gebraucht, dies beweist den inhaltlichen Zufani»nenhang dieser Ausdrücke. Es wird daselbst ausgesprochen: Gott möge sich Judas (des Stannnes) wieder annehmen. „Verschmähe doch nicht deines Na»neus willen, verunehre doch »licht den Thron deiner kabod — gedenke — brich nicht deinen B»u»d nüt uns." Der Hin»veis auf den Bund bedeutet, daß ein Gegenseitigkeitsverhültniß zwischen Gott und Israel besteht. Israels Leben und Bestand hängt selbstverständlich von Gott ab. Dagege»» ist die Verbreitung der Anerkem»ung Gottes Israel anheimgegeben, »veil es der einzige Bekenner des einzigen

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