Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWUWWM MMM.DDNL ^M^NW^^N^WWW 137 Lied" (Berlin 1895) die Beweise finden, daß mit ganz besonderer Vorliebe die Fürsten aus dem Hohenzollernhause sich dem Psalmbuche, in dem das fromme, religiöse Gefühl zum einfachsten, reinsten Ausdrucke gekommen ist, zugewaudt haben, und in den entscheidende,! Augenblicken und wichtigsten Ereignissen ihres Lebens an seinen Aussprüchen sich erbaut, sich beruhigt und getröstet oder mit seinen Worten dankerfüllt zu dem Schöpfer emporgejubelt haben. Eine kurze Lese inag in diesen, dem Andenken des großen Kaisers geweihten Tagen zur Würdigung seiner Größe als Mensch der höheren Macht gegenüber am Platze sein; wir beginnen dieselbe mit den Eitaten, die . sich aus den großen Kurfürsten beziehen. Der Liebliugsvers dieses Fürsten war der Vers 3, Psalm 143: „Thue ntiu kund den Weg, darauf ich gehen soll". Als vierzehnjähriger Prinz schrieb er ihn in das Stannnbnch eines schlesischen Kavaliers, das noch heute in der königlichen Bibliothek aufbewahrt wird. Als er nach Antritt seiner Regierung nach dem Wahlspruch gefragt wurde, der das Einzugsthor von Königsberg schmücken sollte, wiederholte er denselben Vers. Wir finden diesen Spruch gleich auf der ersten Medaille wieder, die er nach seinem Regierungsantritt prägen ließ. Reben dem: vens fortituda mea (Gott ist meine Stärke) steht auf den meisten Spruchthalern aus sMcr späteren Regierungsperiode als Randschrift angebracht: Herr, thue mir kund den Weg des Lebens; einmal u. a. auf einem Geschichtsthaler von 1679 sehr sinnreich als Devise benutzt zu der darauf dargestellten denkwürdigen Schlittenfahrt über das Haff. Er hatte sich dieses Psälmwort auch in seinen Siegelring stechen lassen?) Kaiser Wilhelm II.'hat zur Feier seines 30. Geburtstages, des ersten nach seiner Thronbesteigung, denselben Spruch dem Oberhofprediger Kögel für die Predigt vorgeschrieben. Der große Kurfürst ließ zur Erinnerung an die Schlacht von Fehrbellin 1675 eine Denkmünze prägen mit der Darstellung von, Falle Frobens. Die Umschrift derselben lautete: A Domine rc.: Das ist vom Herrn. geschehen, und ist ein Wunder vor unseren Augen (Ps. 118, V. 23)?) Rach dem Falle von Rathenow gab er den Feldpredigern als Predigttexte Ps. 28, V. 8: Der Herr ist ihre Stärke, die Stärke und Hilfe für seinen Gesalbten?) und als er sich 1679 nach dem Frieden von St. Germain^auf den Besitzstand von 1648 zurückversetzt sah, bestimmte er als Text zur Friedensfeier am 31. März 1680 den Vers: Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und sich nicht verlassen auf Menschen (Ps. 118, V. 8)?) Bezeichnend genug für seine Seelenstimmung. Die Vorliebe für Texte aus dem Psalmbuch bei besonderen bedeutungsvollen Anlässen ging auch auf die Rachfolger des großen Kurfürsten über. Am Krönuugstage des Königs Friedrich I. (18. Januar 1701) wurde in allen Kirchen des Reichs über: „Ich habe meinen Diener David gefunden und mit meinem heiligen Oele ihn gesalbt" (Ps. 89, V. 21) gepredigt?) und als Text der Leichenrede bei der Beisetzung am 2. Mai 1713 hatte der König selbst die Worte des 71. Psalms: „Du warst meine Zuversicht, Herr, meine Hoffnung von meiner Jugend an" u. s. w. gewählt/') Friedrich der Große ließ nach dem Siege von Torgau am Sonntag, den 9. November 1760 in allen Kirchen des Landes einen Dankgottesdienst abhalten, und auf seinen Befehl wurden die Worte Ps. 64, V. 10 und 11, den Predigten zu Grunde gelegt: „Alle Menschen, die es sehen, werden sagen:' Das hat Gott gethan, und merken, daß es sein Werk ist?) 0 Kögel, S. 370. 2) Kögel, S. 305. 9 Kögel, S. 85. 9 Kögel, S. 300. 5) Kögel, S. 229. «) Kögel, S. 186. 7) Kögel, S- 169. Der so schwer geprüfte und heimgesuchte Friedrich Wilhelm III. hat einst dem Bischof Eylert gegenüber folgende Aeußerung gethan: „Rufe mich an in der Roth, und ich will dich erretten,-und du sollst mich preisen" (Ps. 50, V. 5). Dies alte gute Wort wird wohl seinen Werth und seine Kraft behalten. Erfahrungen gelten hier mehr als Theorien. Oft versperrt der Scharfsinn und der Dünkel der Theorie der Erfahrung den Weg, namentlich in jungen Jahren. Ich möchte das nicht verschulden. Heilige Dinge wollen mit frommem Zartsinn behandelt sein." „Und in den unglücklichen schweren Jahren 1810 und 1811," schreibt Bischof Eylert ferner, „vorzüglich nach dem Tode der unvergeßlichen Königin Luise, habe ich ihn oft sagen hören: Wäre dein Gesetz nicht mein Trost gewesen, so wäre ich untergegangen in meinem Elend (Ps. 119, V. 92), und das betonte er auf eine Weise, die in die Seele drang." Und diese edelste Dulderin auf einem Königsthrone, die den Leideuskelch bis zur Neige in den Tagen der größten Erniedrigung Preußens leeren mußte, welchen Trost fand sie in dem Psalm 126, welcher die von einer göttlichen Macht bewirkte Wiederherstellung Zions besingt! „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird. Je mehr ich nachdenke und ihn (den Psalm) zu fassen suche, desto mehr zieht er in seiner Erhabenheit und Lieblichkeit mich an-, und ich weiß nichts, was meiner Stimmung sich so ernst und milde, erhebend und tröstend auschließt, als dies liebe theure Wort. Der Seelenschmerz, der sich darin einfach ansspricht, ist tief und doch gelassen, ruhig und sanft. Was er wirken und welche Früchte er bringen soll, ist in dem lieblichen Bilde der Saat und Ernte treffend bezeichnet. Die alles Herzeleid tragende und überwindende Hoffnung geht dann auf wie Morgeuröthe. und von ferne her hört man schon durch die Uuglücksstimme den Psalmen der Ueberwinder. Es wehet ein Geist der Wehmuth und doch auch des Sieges, der Ergebung und der frohesten Zuversicht darin; ein Tranergesang und doch auch ein Loblied, ein Hallelujah mit Thränen. Ich schaue diesen Psalm an, wie man eine schöne Blume anschaut, auf der ein klarer Thautropfen im Morgenlichte glänzt; gelesen und wieder gelesen, hat er auch meinem Gedächtnisse sich eingeprägt." 0 Als am 18. März 1848 die Revolution in Berlin ausbrach, und dev König Friedrich Wilhelm IV. sich zu der Deputation der Aufständischen begab, ging er, „gedrängt und überschrieen, wie wohl selten ein anderer König überschrieen wurde", königlichen Schrittes durch die Rüuine des Schlosses, und vor dem ihn begleitenden Oberhofprediger Strauß stehend bleibend, sagte er: Nicht wahr? Es heißt: „Er ruft mich an, so will ich ihn erhören, ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen." Ps. 91, V. 15?) Und als derselbe König nach den: ersten schweren Anfall seiner Krankheit, in Folge derer sein. hochgebildeter Geist umnachtet wurde, aus langem bewußtlosen Zustande wieder zu sich kam, doch noch meist in tiefem Schlummer lag und nur 9 Wir wollen bei dieser Gelegenheit einen Brief der Königin Luise zum Wiederabdruck bringen, der sich im Sulamith, III. Jahrganges erster Band, Seite 66 findet und an den Hof-Miniatur-Maler Pinhas in Kassel gerichtet war: „Wenngleich der Hof-Miniatur-Maler Herr Pinhas in Kassel keinen Werth auf die Zeichnung der Laube zu legen scheint, in der Ihre Majestät die Königin bei Höchstderen Anwesenheit zu Pyrmont so manchen Augenblick ruhig verlebt haben; so hat höchst denenselben doch viel Vergnügen gemacht, ein anschauliches Andenken von dieser Laube erhalten zu haben. Auch verkennen Ihre Majestät in dieser Zeichnung keineswegs die seine Aufmerksamkeit des Herrn Pinhas und werden mit Dank dafür gern jede nur zulässige Gelegenheit wahrnehmen, dem Pinhas gegenseitig etwas Angenehmes zu erweisen. Charlottenburg, den 20. September 1806. Luise." 9 Kögel, S. 238.; ■ i