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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-12 · Heft 11 (12.3.1897) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 11 (12.3.1897)
Date
1897-03-12
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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Vaters weise gewesen ist, und fast möchte ich sagen, der blühende Zustand der Frau Bürgermeisterin zeigt, daß der Stadtvater auch in diesem Punkte für die Ehre der Stadt nach bestem Können sgesdrgt hat." Schallende Heiterkeit und nicht endenwollendes Wacker lohnten den Redner, und Hassek, den, seine. Ehefrau durch den Respekt vor dem Redner gezähmt glaubte, schrie wieder: „Ein braver Jud' is er, der Abraham; das muß Jeder sägen." Eine drohende Handbewegung seiner Frau bewirkte jedoch augenblicklich, daß er den rechten Zeigefinger emporhob und im Flüstertöne sagte: „Ich bi' scho' stat." Nachdem sich der Beifallssturm einigermaßen gelegt hatte, fuhr Seine Exzellenz fort: „Wenn nicht der reiche Himmel, Stern an Stern, mich verwirrt machte und jeden Vergleich verböte, ich sagte: Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, und nur hinter den sieben Bergen bei den sieben'Zwergen suche man eine schönere Bürgermeisterin." „Hoch unser Schneewittchen!" kommandirte der Oberlehrer,^ und die Turner- und Sängerschaar brüllte nach Kräften mit. Es bauerte lange, bis Seine Exzellenz sich wieder Gehör verschaffen konnte. „Ich habe Ihre Zeit ungebührlich lange in Anspruch genonunen. (Laute Ohorufe.) Lassen Sie mich schließen. Wenn Menschen auseinandergehen, dann sagen sie: Auf Wiedersehen! Und das sage ich aus der Fülle meines dankbaren Herzens, dankbar für die Ausnahme, die mir geworden ist, dankbar für alle geistigen und leiblichen. Genüsse, und diesem Dank will ich Ausdruck geben, indem ich Sie bitte, mit mir die Gläser zu erheben und in den Ruf einzustimmen: Der Bürgermeister Schwarzmann, der junge Ritter alter Verdienste und das junge Kreuz seines alten Hauses, sie leben hoch, hoch und zum dritten Male hoch!" Leonore, deren Wangen während der Rede von Purpurröthe übergossen waren, erhob sich, um mit tiefer Verbeugung zu danken. Ihr Gatte, deffen Gesicht seinen traurigen Ausdruck behalten hatte, stammelte ein paar Worte von unverdienter Güte. Die Frau Rittmeister knixte gegen den Statthalter, der Herr Dechant lächelte mit seinem ganzen strahlenden Gesichte, Herr Hufnagel kam mit erhobenem Glase und sagte: „Gnädige Frau, meine Hochachtung." Buchmaier Karl schüttelte dem Bürgermeister kräftig die Rechte; der Präsident des Turnvereins brachte einen Humpen, der vier Liter hielt, und sich stramm in Positur stellend, sagte er: „Gnädige Frau, der Turnverein bittet Sie, ihm die Ehre anzuthun, die Blume zu trinken." Während das Zutrinken. Händeschütteln und Glückwünschen fortdauerte, erhob sich der Statthalter, und im Augenblick waren der Hofrath, der Herr Konzipist Herdliczka mit dem ganzen Gefolge an seiner Seite. „Ich will die Gesellschaft nicht stören," sagte Seine Exzellenz,, indem er dem Bürgermeister die Hand reichte, „und wünsche ihnen weiter viel Vergnügen." „Gestatten (Sure Exzellenz, daß ich Sie zum Bahnhofe begleite?" Seine Exzellenz nickte bejahend. Awrom winkte dem allezeit gegenwärtigen Hufnagel. „Herr Oberlehrer, Seine Exzellenz wünscht nicht, daß sein Mgang bemerkt werde. Geben Sie den Festordnern die nöthigen Anweisungen!" Hufnagel eilte. x „Gnädige Frau," sagte -er Statthalter zu Leonore, die ihre Seidenmantille von der Stuhllehne nahm; welche ihr Gatte mit pflichtschuldiger Galanterie ihr uni die Schultern legte, „Sie wollen doch nicht auch schon jetzt die Gesellschaft verlassen?" „Als Muster einer Hausfrau, wie mich Exzellenz soeben priesen, muß ich meinem Gatten folgen," war die lächelnd ertheilte Antwort. „Wollen Sie auch Ihrem Gatten zum Bahnhofe folgen?" fragte Seine Exzellenz. „Wenn Eure Exzellenz gestatten —" Hufnagel winkte, und Awrom meldete, daß die Wagen bereit seien, der Zug setzte sich geräuschlos und ohne daß die Gesellschaft es zu bemerken schien, in Bewegung. Nur Hassek rief: „Gehn's Ex'lenz, bleibn's," aber schon hatte sich die schwere Hand seiner Gattin auf seinen Mund gelegt, und erst als die Gäste -verschwunden waren, konnte er hinzufügen: „Die Hetz' fangt erst an." Fanny Rosenbaum ließ von der abgehenden Gesellschaft keinen Blick, und als die Thür sich hinter ihnen geschlossen hatte, raunte sie ihrem Gatten leise ins Ohr: „Jetzt wird sie sich gar nicht mehr kennen, die Prinzessin Lori. Uns hat sie nicht einmal eingeladen, über Nacht zu bleiben." Der Statthalter lud Leonore ein, den Wagen zu besteigen, er setzte sich zu ihrer Linken, während Awrom auf dem Rücksitze Platz nahm. Die Fahrt dauerte nur zwei Minuten, und auf der frisch geschotterten Bezirksstraße war das Wagengerassel so laut, daß sich an die Anknüpfung eines Gesprächs nicht denken ließ. Auf dem Bahnhof war der Zug in Bereitschaft, und an der geöffneten Koupethnr stand der Schaffner mit der Mütze in der Hand. Seine Exzellenz sprach dem Herrn Bürgermeister nochmals seinen Dank und seine Anerkennung aus, versicherte Leonoren mit warmem Händedruck, daß ihm der heutige Abend unvergeßlich bleiben werde, und sich nochmals leicht verneigend, stieg er in das Koupe, dessen Thür geschlossen wurde. Still fuhren der Bürgermeister und seine Frau durch die laue, mondhelle Frühlingsnacht dahin. Awrom fühlte sich gedrückt, obwohl er sich sagen mußte, daß er zu einer nie geahnten Höhe emporgestiegeu sei; Leonore fühlte das Bedürsniß, ihr Frohgefühl Jemandem mitzntheilen. „Ter Statthalter ist doch ein entzückend geistreicher und liebenswürdiger Herr," sagte sie. „Gar nichts Geziertes und doch in jeder Bewegung so echt aristokratisch." Awrom schwieg. „Meinst Du nicht, Adolf?" sagte sie dringender. Leonore hatte ihren Gatten von dem Tage ihrer Verlobung umgetauft, was er schweigend duldete, obwohl er seiner Gewohnheit treu, sich mit: A. M. Schwarzmann Unterzeichnete. Der Angeredete schwieg noch immer beharrlich. „Bist Du nicht wohl. Adolf?" fragte Leonore mit affektirter Besorgniß. Aus dem Winkel klang es wie ein unterdrückter Seufzer. „Es ist nichts; ich bin nur ein wenig abgespannt." Der Statthalter hatte noch vor dem Abgänge des Zuges den Konzipisten zu sich beschieden. „Herr Herdliczka," sagte er „notiren Sie den Nameü Karl Buchmaier. Der Mann soll zu irgend einer Auszeichnung vorgeschlagen werden, einem Rathstitel oder einem Orden. Der Mann hat Talent zum Demagogen. Dem muß man vorbanen. Notiren Sie auch den Dechant für eine Domherrenstelle, wenn eine solche, die unter dem Patronate des Religionsfonds steht, frei wird. Sollte dazu keine Aussicht sein, muß er das goldene Verdienstkrenz erhalten. Man darf Gährungsstoff nicht aufkommen lassen. Dann notiren Sie, daß Sie sofort in meinem Namen der Präsidentin des Frauenvereins zur Pflege verwundeter Kieger einen Brief schreiben sollen; sie möge die Frau Bürgermeister Schwarzmann ersuchen, hier eine Ortsgruppe zu bilden und sich dabei auf mich berufen. Erstatten Sie über Alles bald Bericht!" Der Konzipist klappte sein Taschenbuch zu und verschwand mit tiefer Verbeugung. Der Statthalter legte seinen Zweispitz und seinen Degen in das Netz, streckte sich müde auf dem Sitze aus und sagte 311 dem Hosrath, der seine Koupe theilte: „Das Judenweib hat Rasse, das muß ihr der Neid lassen!"' Der Herr Hofraih lächelte pflichtschuldigst. . (Forts, folgt.) Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin^ /; - 61/2 Rep: sonst, Sitzu: erfuh: An 2 dem l Der i meiste word« Mau: 257 7 der K Zusch ca. 3 Sumi Die bewil darül Der ' von Die Folg« des £ Neub Selbf dem < Umb« vollst vers Ebew besser nehm komr wurd mäßi samn der R sich i misst« aus, Nebri gegen dring imme vb rn Titeli gespr und j verso der % verst« Alter Einst Punl Siec Hof:

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