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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-05 · Heft 10 (5.3.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes entnehmen wir, daß die Einnahmen sich auf 9560,52 Mk. beliefen und daß an Unterstützungen 6610 M. ausgetzeben worden. Der Reservefonds beträgt 8500 Mk. Die Mitgliederzahl ist auf 1500 gestiegen, so daß dieser Verein wohl jetzt der größte in Berlin ist. An Spenden sind 1896 eingegangen im Ganzen 662 M. Wir empfehlen diesen vortrefflich wirkenden Verein ganz besonders warm der allgemeinen TheilNahme und Förderung unserer Gemeindemitglieder. e/a Berlin, 24. Februar. Einer -er besten Vereine unserer Gemeinde ist der Humanitätsverein „Gewul 1 orv", der kürzlich im Hotel ,-König von Portugal" die ordentliche Generalversammlung unter zahlreicher Betheiligung der Mitglieder abhielt. Der Vorsitzende, Herr G. Michaelis, erstattete den Rechenschaftsbericht. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich gegenwärtig auf 717. Gezahlt wurden im letzten Jahre, für Unterstützungen an Kranke 1970 Mk., für Medikamente 1020 Mk., BaderLisebeihilftn 560 Mk, an Wittwen verstorbener Mkst- >Medert 3800 -MkZ F-MÄ besteht seit April v. Js. eine Darlehenskasse, . die Darlehen im Beträge von 8600 Mk. gab. Aus der Gustav Michaelisstistung konnten bereits 62 Mk. an 2 Bedürftige gezahlt werden Äuf Antrag des Vorstandes beschloß die Generalversammlung, auf Wunsch der Hinterbliebenen eines verstorbenen Mitgliedes bei der Beerdigung desselben einen Prediger auf 'Vereinskosten zu stellen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl' -fast aller bisherigen Mitglieder.... Die Herren Samolewicz '■ und B Levy legten ihre Aemter nieder, und an deren Stelle wurden die Herren Leonor Kroner und Gerson Friedländer in den Borstand gewählt. " L2 Berlin, 21. Februar. Der israelitische Wohlthäligke-its-Verein „Humanitas" hat den Zweck, seine Mitglieder und deren Angehörige nach Maßgabe der statutarischen Bestimmungen zü unterstsitzen: a) In Krankheitsfällen freie Behandlung durch den Vereins- Arzt Dr. Caro, Alte Schönhauserfiraße 60 für alle Familienmitglieder, d) freie Arznei, Bandagen, Heilserum rc., e) Geldunterstützung in Krankheitsfällen der Mitglieder, ä) Mitglieder, welche mindestens ein Jahr dem Verein angehören und für welche der Vereinsarzt eine Badereise zur Herstellung der Gesundheit nothwendig erachtet, eine Unterstützung bis zur Höhe von 50 M. während der Dauer der Badereise zu gewähren. Jedes Mitglied zahlt monatlich nur 1 M. Beitrag. Der Verein veranstaltet zum Besten der Unterftützungskasse stets 4 große Festlichkeiten im Jahre. Meldungen sind an den Vorsitzenden, Herrn S. Kunz, Rochstraße 1.5, zu richten. r. Lissa i. P., 26 Februar. Nachdem die Wahl des Gemeindevorstandes wegen eines Formfehlers vom Herrn Regierungspräsidenten in Posen nicht bestätigt worden war, sind gestern die Herren Louis Biberfeld, Stadtrath Jakubowski, Kommissionsrath Potsdammer, Isidor Marbe, Heymänn Glogauer auf 6 Jahre zu Vorstandsmitgliedern wiedergewählt worden; desgleichen die Herren Carl Kretschmar, Meyer Nordon, Julius Baginski zu Stellvertretern. — Die seit dem Tode des Rabbinatsassessors Jakob Hamburger („Reb Jankew") erledigte Stelle eines Dajen in unserer Gemeinde soll wieder besetzt werden, wobei dieses Amt mit der Stelle des Stiftsrabbiners an der Sachsschen Stiftung (der bisherige Inhaber, Herr Rabbiner Wreschner, tritt wegen hohen Alters in Pension) verbunden werden soll. \ Lp. Ostrolvo, 26. Februar. Die hiesige Stadt und Synagogengemeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Rathsherr und Kaufmann Simon Spiro, einer der tüchtigsten und angesehensten Männer hiesiger Gegend, ist heute nach längerem Leiden im Älter von 73 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat seit mehr als 30 Jahren zumeist an der Spitze der hiesigen Synagogen - Gemeindeverwaltung gestanden ', seit längerer Zeit hatte er das Amt eines Gemeindevorsitzenden und zuletzt das eines Vorstehers im Repräsentantenkollegiüm inne. Eine gleiche Anzahl von Jahren gehörte der Verblichene auch dem Vorstande der Hiesigen israelitischen Volksschule an. Aber nicht nur innerhalb der Synagogengemeinde, sondern auch dem Gebiete der Stadt- und Kreisverwaltung widmete er in hohem Grade Zeit und Kraft. Der Dahingefchiedene war eine geraume Zeit Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und zuletzt im Magistrat, ferner auch im Kreistage des Kreises Ostrowo. In diesen Körperschaften waren ihm Kommissionen auf finanziellem und wirthschäftlichem Gebiete übertragen, und er hat sich durch Treue und Fleiß-außerordentlich tüchtig und befähigt für diese Ehrenposten gezeigt. Seit einiger Ze.it brachtenihm auch benachbarte Kreise ihr Vertrauen entgegen^ und ^wählten den Verklärten zum' Vertreter :t*t die Posener Handelskammer und zum ersten Vertreter des Posener Provinziallandtages für die Kreise Adelnaü, Ostrowo, Kenpen und Schildberg. Auch dem Vereinswesen widmete er sich trotz dieser umfangreichen Arbeiten, die sich ihm neben seinen Berufsgeschäften durch diese Aemter byten, in ausgedehntem Maße. Seit mehr als einem Dezennium leitete er den israelitischen Mildthätigkeitsverein und hat diesen zur hohen Blüthe gebracht. Ferner leitete er seit Jahren den Ackerbürger- und Haus¬ und Grundbesitzerverein, war auch Vorstandsmitglied im Gewerbeverein und Verschönerungsverein. In jedem Amte hat er seinen außerordentlichen Sinn für Gemeinnützigkeit zu bethätigen gesucht und vieles Dankenswerthe geschaffen. Von Seiten der Behörden sind, ihm heute Nachrufe gewidmet worden, die sein Wirken und Streben zum Wöhle der Stadt und des Kreises hervorheben, und die erkennen lassen, welche Lücke der Tod des Verschiedenen in unserem Gemeindeleben hinterlassen wird. Möge ihm die Erde leicht sein! r. Coethen (Anhalt), 1. März. Daß es auch noch Richter giebt, die die Bezeichnung „Jud e^, im verächtlichen Sinne ausgesprochen, als Beleidigung auffassen, beweist folgende Klage. Der hiesige Lederfabrikant Burghardt hatte, den Lederhändler Bunge hier verklagt, weil er, Bunge, einem Schuhmacher gegenüber, auf die Frage wo er sein Leder kaufe, zur Anwort echielt, beim Lederfabrikant Burghardt, geäußert:. „Bei so einen Juden!. Das ist ein Lumpengeschäft.". Das vom Schöffengericht in Löbejün gefällte Urtheil lautet, „daß die Behauptung des Angeklagten Bunge, das Geschäft des Privatklägers sei ein Lumpengeschäft, geeignet ist, den Letzteren in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen." Ebenso liegt in den Worten „bei so einem Juden", eine Beleidigung des Privatklägers, da der Angeklagte dadurch die Geringschätzung des Privatklägers zum Ausdruck gebracht hat. Der Verklagte Lederhändler Bunge wurde zu 50 Mark Geldstrafe und Tragung aller Kosten verurtheilt. B. Geestemünde, 27. Februar. Der langjährige erste Vorsteher der hiesigen Synagogen-Gemeinde, Herr John Graf, siedelt in einigen Tagen nach Altona über. Die Gemeinde hat demselben zu Ehren eine Abschiedsfeier veranstaltet. In den zwölf Jahren seiner gesegneten Wirksamkeit hat sich die Mitgliederzahl der Gemeinde mehr als verdoppelt. Herr Graf hat es wohl verstanden, den Frieden und die Einigkeit in dieser °Hu erhallen, und sich in jeder Hinsicht um das Gedeihen ihrer Institutionen verdient gemacht. Möge der wackere Mann sich in dem neuen Domizil so viele Freunde erwerben, wie er solche hier zurückläßt. o. Frankfurt a. M., 27. Februar. Der Jahresberichts des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1896 zeigt, daß dieser Verein sich immer gedeihlicher entfaltetso daß derselbe bereits mit dem Plan umgeht, ein neues Heim für seine Schwestern zu schaffen. Im Beginn des abgelaufenen Geschäftsjahres sah sich , das Vorstandsmitglied Alexander Strauß wegen vielseitiger anderer Verpflichtungen veranlaßt, aus dem Vorstand, dem er seit der Gründung des Vereins angehört hatte, auszuscheiden. An seiner Statt wurde Herr Emil Stiebe! in den Vorstand kooptirt. In der Vertheilung der Aemter innerhalb des Vorstandes wurde eine Verschiebung vorgenommen, indem Herr Ph. Schiff das Amt des zweiten Vorsitzenden niederlegte, das nunmehr Herrn E. Stiebe! übertragen wurde; die Stelle des Schriftführers, die bisher Herr Dr. Günzburg bekleidet hatte, wird nunmehr von Herrn Schiff versehen. Die Wirksamkeit des Vereins wurde, während des Berichtsjahres in der bisherigen Weise fortgesetzt. Nachdem einmal in weiteren Kreisen bekannt geworden war, daß jüdische Mädchen durch diesen Verein zu Krankenpflegerinnen ausgebildet würden, zeigte es sich, daß auch unter unseren Glaubensgenossinnen sich nicht Wenige fanden, die diesen schweren. Beruf zu ihrer Lebensaufgabe zu machen wünschten. Es waren im Berichtsjahr nicht weniger als dreißig Mädchen aus allen Gegenden, die sich zur Aufnahme als Schülerinnen unseres Vereins meldeten, gewiß ein Zeichen, daß das Samenkorn aus einen günstigen Boden gefallen war. Der Verein hatte im abgelaufenen Jahre im ganzen 10 Schülerinnen, von denen 7 irn israelitischen Gemeindehospital dahier, 3 im israelitischen Asyl in Köln ausgebildet wurden. Zwei derselben traten während der Lehrzeit frei-

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